Im evangelikalen und klassisch-pfingstlichen Bereich gibt es durchaus Warnungen vor der #NAR, vor #Dominionismus, Glaubensbewegung, Wohlstandsevangelium usw., aber die beschäftigten sich meist mit der theologischen Seite, nicht mit den Folgen für Menschen mit Uterus, für Frauen, Queers, Behinderte, Armutsbetroffene usw.

Es ist wichtig, die Irrlehren aufzuzeigen, aber das reicht nicht. Wo die NAR stark wird, sind Menschen in Gefahr. Verlieren Menschen Rechte. Erleben wir eine Zunahme des Christofaschismus. NAR strebt einen Gottesstaat an - da geht es nicht nur um eine entgleiste neocharismatisch-synkretistische Theologie, um die Frage, ob Wunder und Heilungen nun biblisch sind oder nicht, ob es heute noch Sprachenrede gibt.

Es geht ebenso um Menschenrechte, um die Trennung von Staat und Kirche, um Religionsfreiheit, um Demokratie und Freiheit.
Ich verstehe das Bedürfnis, die Gemeinden, die Christ*innen vor diesen Lehren zu warnen und aufzuzeigen, wo die Theologie der NAR sich vom christlichen Glauben löst und gnostische, synkretistische, magische Elemente aufnimmt, die Gottheit Jesu leugnet usw. Das ist in der Tat wichtig, damit Christ*innen wissen, wo die NAR Sonderlehren verbreitet.

Aber wir dürfen die Gefahr für Kultur, Gesellschaft, Staat, für Frauen, für Queers usw. nicht ignorieren, sondern müssen auch da Verantwortung übernehmen und Menschen warnen.

@baptra dass die Kritik vor allem auf der theologischen Ebene stattfindet, ist wohl leider ein Zeichen dafür, dass Sexismus und Queerfeindlichkeit letztlich als unproblematisch empfunden werden.

(Offtopic, aber: die Gottheit Jesu leugnen? Was bleibt denn da christliches übrig, das ist ja sogar eigentlich fast anti-gnostisch? WTF.)

@quidcumque
Ich habe es verkürzt ausgedrückt. NAR glaubt, dass Jesus während seiner Zeit auf Erden seine Gottheit ganz und gar aufgab und nur ein Mensch war, ohne jedwede Göttlichkeit. Stichwort Adoptionismus. Das ist ihnen wichtig, weil sie glauben, dass jeder Mensch, der "richtig" glaubt, die selben Wunder vollbringen kann wie Jesus. Wer das nicht kann, glaubt nicht richtig.
@baptra die Wundertätigkeit könnte man ja nun auch aus der Apostelgeschichte heraus begründen 🤷🏻 aber warum da theologisch argumentieren; ich habe ja kein Problem damit, eine solche Kirche zu haben, wenn sie nicht menschenfeindlich ist.
@quidcumque
Ich gestehe, ich achte ziemlich auf Abweichungen von zentralen Lehrinhalten. Da bin ich dann sehr evangelikal.

@baptra das finde ich jetzt interessant - ich hätte spontan Protestant*innen generell für offener gegenüber unterschiedlichen Theologien gehalten, eben weil es ja kein zentrales Lehramt von einer übergeordneten Autorität gibt.

Ich finde solche Unterschiede auch wichtig und diskussionswürdig, wollte aber deinen Thread nicht damit derailen.

@quidcumque
Viele Evangelische bestimmt, Orthodoxe (im Sinne von "rechtgläubig", nicht als Konfession) und viele Evangelikale/Pietisten allerdings nicht. Liberale und Charismatiker/Pfingstler eher. Neocharismatiker sehr.

@baptra vielen Dank! Wie immer: es ist nicht eindimensional 🙂

In meinem Umfeld sind definitiv die Evangelikalen die, die sich bewusst mit Theologie befassen und für eine Gemeinde entscheiden. Katholik*innen haben größtenteils keine Ahnung, was sie da eigentlich glauben und die Lutheraner wissen es zwar, können aber gut mit auch sehr deutlich abweichenden Inhalten leben.

Aber das ist natürlich nicht repräsentativ.