Schwedens Regierung stoppt den Bau einer Stromleitung zwischen Süd-Schweden und Deutschland.

Rechte Portale haben einen Habeck-Energiewende-Skandal konstruiert.

In Wahrheit ist es genau andersherum.

Ein kurzer THREAD 🧵 über Strompreiszonen

„Wir können Südschweden, das ein großes Defizit bei der Stromerzeugung hat, nicht mit Deutschland verbinden, wo der Strommarkt heute nicht effizient funktioniert“, sagte die zuständige Energieministerin Ebba Busch in einem Statement.

„Das würde zu höheren Preisen und einem instabileren Strommarkt in Schweden führen.“

Was genau meint sie? Und was hat das mit der Energiewende zu tun?

Deutschland hat einen nationalen Strompreis, d.h. egal, ob in Flensburg oder Garmisch, du zahlst grundsätzlich den gleichen Preis.

Aber Flensburg hat, was Garmisch nicht hat: Windräder.

Der erneuerbare Strom ist im Norden und Nordosten durch die einheitliche Strompreiszone *künstlich* teurer.

Das ist der entscheidende Punkt: künstlich.

Weil gleichzeitig die Netze nicht genug Strom vom windreichen Norden in den industriestarken Süden transportieren können, muss Windenergie immer wieder abgeregelt werden und im Süden die Gaskraft einspringen.

Eine Lösung für dieses Problem sind sogenannte Strompreiszonen.

Am Reißbrett teilst du das Land in Regionen auf.

In diesen Regionen gelten jeweils unterschiedliche Preise.

Schweden, Dänemark und Norwegen haben solche Zonen, wie diese Karte zeigt.

Die Nord-Bundesländer fordern seit Monaten, dass auch Deutschland mehrere Strompreiszonen bekommt.

Dann wäre der Strom dort billiger, wo viel von ihm hergestellt wird.

Im konkreten Fall mit Schweden würde das helfen, weil das Land dann überschüssigen Windstrom zu billigeren Preisen abnehmen könnte.

Aber treten wir noch mal zurück: Zeigt dieses Thema, dass die Energiewende scheitert, dass Habeck wieder Mist macht so wie es die einschlägigen Portale behaupten?

Überhaupt nicht.

Im Gegenteil: Dieses Problem existiert nur, weil die Energiewende erfolgreich ist, weil wir Windenergie zubauen.

Es existiert aber auch, weil die Politik noch nicht die letzte Konsequenz aus dem Erfolg des Zubaus zieht. Das heißt, hier wird schlecht gemanaget.

Denn eigentlich wollen wir doch unterschiedlich teuren Strom.

Eigentlich wollen wir doch Unternehmen, die mit diesem billigen Strom neue Industrien hochziehen, und zwar genau dort, wo der Strom nicht noch einmal hunderte Kilometer weit transportiert werden muss.

Flexibilität im Netz hat nicht nur eine zeitliche, sondern auch eine räumliche Komponente.

Dort, wo Energie billig(er) zu erzeugen ist, sollten sich die Industrien ansiedeln.

Es gibt einen Grund dafür, dass sich die Schwerindustrie in der Nähe der Kohlereviere ansiedelte.

Hinzu kommt, dass die windreichen Nordländer ihren Erfolg im Wortsinn bezahlen müssen. Der Ausbau wird u.a. über die Netzentgelte finanziert.

Und die steigen im Norde rapide an, wie die Karte hier zeigt (orange).

Das hat mancherorts eine paradoxe Folge.

Ein Brandenburger wohnt direkt neben einem Windpark und kann mehr für seinen Strom zahlen als ein Schwabe, der Windräder höchstens in den aufgeräumten Vorgärten der Einfamilienhäuser sieht.

Die Debatte um die Strompreiszonen nimmt gerade erste Fahrt auf.

Die Südländer wehren sich gegen sie. Was schon verständlich ist. Sie haben zu wenige billige, erneuerbare Energie im Netz.

Sie fürchten Nachteile für ihre Unternehmen.

Aber wenn du mich fragst: Die Strompreiszonen oder eine andere Art von Ausgleich werden kommen.

Denn immer mehr Unternehmen wollen den billigen, grünen Strom langfristig haben. Dafür siedeln sie dort schließlich auch ihre Fabriken an.

Und auch die Anwohner werden Druck machen.

Irgendwann sehen wir vielleicht Demos *für* Windparks

Im Ernst: Die Preisunterschiede zwischen Nord und Süd werden kleiner, sobald mehr Hochspannungstrassen kommen und auch der Süden mehr zubaut.

Die Südländer haben genug Flächen. Auch Höhenwindräder könnten für sie eine Option sein, sobald die Technik ausgereift ist.

Was das ist, beschreibe ich hier: https://cleanteching.beehiiv.com/p/warum-balkonkraftwerke-mehr-knnen-als-energie-erzeugen#wer-hat-das-hchste

Warum Balkonkraftwerke mehr können als Energie erzeugen

Sie erzeugen auch Akzeptanz für die Energiewende.

Cleantech Ing.

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@grimm
Zur Erinnerung, Windenergie ist proportional zur *dritten Potenz* der Windgeschwindigkeit. Deswegen kommt es bei Windrädern viel mehr als bei PV darauf an, wo man sie installiert. Und da weiter oben in der Regel mehr Wind weht (weil das Land bremst), sind höhere Anlagen viel effizienter im Vergleich zu Kosten und Landverbrauch (die andere wichtige Variable ist natürlich die Rotorfläche).

Deswegen ist es bei der Windenergie anders als bei PV unumgänglich, auf grosse Anlagen zu setzen.

@grimm aber würden durch die Hochspannungstrassen denn nicht die Netzentgelte in allen Ländern an der Trasse steigen?
Das ist doch ein ziemlich kaputter Markt in dem nicht diejenigen die sich die Ware liefern lassen für den Transport bezahlen sondern diejenigen bei denen der vorbeigefahren wird....

@grimm
Konservative: "Der Markt regelt"

Konservative auch: "ABER DOCH NICHT *SO*?!"

@grimm
Super Gegenüberstellung. Wie ist die Quelle?
@grimm
Ah. Am Ende nennst du ja die Quelle. BNetzA. Super. Allein, dass die Netzentgelte hier in ct/kWh dargestellt sind, finde etwas unglücklich. Netzentgelte Anteile werden vorrangig leistungsabhängig bezahlt. Bei SLP Kunden wie Haushaltskunden sind die Netzentgelte im Grundpreis enthalten und der ist Geld pro Zeit. Also Euro pro Monat zum Beispiel.
@grimm
Das ist der Kernfehler im Marktdesign. Redispatch koste sollten von den Verursachern, also den Strommangelregionen bezahlt werden. Stattdessen werden die bestraft, die ihre Hausaufgaben gemacht haben.
@lostgen @grimm redispatch ist eine extreme Ausprägung der Kupferplatte Deutschland. Der Markt tut so als ob man an jeder Stelle beliebig viel Energie einspeisen oder beziehen kann. Das ist aber physikalisch unmöglich. Man kann das nur in der Marktmodellierung unberücksichtigt lassen, wenn es in dem Netz eine deutliche Transportüberkapazität gibt, also der Engpass fast nie auftritt. Fakt ist aber es gibt dauernd Engpässe im Netz.
@lostgen @grimm Entweder man modelliert das in den Preis hinein, damit die Marktmechanismen da gegen arbeiten. Mehrere Preiszonen ist eine unter vielen Möglichkeiten. Oder man baut die Übertragungskapazität deutlich aus, damit der Engpass wieder zur Ausnahme wird. Am besten beides gleichzeitig.
@grimm also haben wir einen #Strompreisdeckel, aber keinen #Mietpreisdeckel? Offenbar soll das eine gut und das andere schlecht sein ... ?
@kielkontrovers @grimm das beschriebene ist doch kein "Preisdeckel" sondern eher eine Art Mindestpreis, also er hebt günstige Preis künstlich an anstatt "zu teure" Preise künstlich abzusenken (wie es ein Mitpreisdeckel machen würde)
@grimm auf dem ersten Blick witzig, dass sich das kleine Dänemark mehrere Stromzonen leistet. Ein Blick auf ihre Topographie erklärt das dann. Ich habe mich danach gefragt, warum Fyn keine eigene Zone ist (meine Vermutung sind dicke Stromleitungen vom Festland).
@grimm Ich glaube das macht keinen Sinn in Zukunft.

@grimm Really interesting thread, thanks! The Swedish government are basically nimbyist that has opposed wind power and are spreading lies about wind power and opposes anything thats positive for wind power it seems

The Swedish electricity price areas shifts new industry development to the north of Sweden, with Northvolt, H2GS and Hybrit, which will increase power demand in SE1 by ~800%

Surplus in the north will be gone without a lot new windpower. What happens to the prices then?

@grimm Vielen Dank für den Thread! Solche längeren Ausführungen habe ich hier bisher oft vermisst 🙂.
@max Sehr gerne. Noch mehr davon hier https://cleanteching.beehiiv.com/
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@grimm danke für deinen Thread. Guter Mann!
@Badabum Sehr gerne. Noch mehr davon hier https://cleanteching.beehiiv.com/
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@grimm Das letzten Monat beschlossene Seekabel für günstigen, decarbonisierten Strom aus Norddeutschland von Wilhelmshafen nach Kent (GB) steht im Widerspruch zur Schweden-Argumentation: https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/oldenburg_ostfriesland/Wilhelmshaven-Baubeginn-von-Stromleitung-nach-Grossbritannien,seekabel122.html
Neue Energiebrücke: Baubeginn von 700 Kilometer Seekabel von Deutschland nach Großbritannien

Ein neues Seekabel soll ab 2028 das deutsche und das britische Energienetz verbinden. Es verläuft von Wilhelmshaven durch die Nordsee und ist mehr als 700 Kilometer lang. Am Dienstag war Baubeginn.

@grimm

Toller Thread, danke!

Eine Frage: würde es dir was ausmachen, jeden Teil eines Threads als solchen zu kennzeichnen? Z. B. mit dem 🧵Symbol?

Manche schreiben auch sowas wie 3/8 oder einfach 4/

Dann kann man nämlich auch mal einzelne Teile davon boosten und die Follower sehen gleich, dass es dazu noch mehr zu lesen gibt 🙂

@grimm @timpritlove das ist auch der Grund warum wir aktuell überschüssige Energie nicht zum Laden von Akkus oder Erzeugen von Wasserstoff nehmen können. Die Vorstände der Netzbetreiber fordern die genannten Strompreiszonen quasi täglich von der Politik.

@grimm (Entschuldigung, mein Deutsch is nicht so gut)

As one of the people living in Sweden's southermost parts, the SE4 electricity zone, we indeed feel it's wrong for Germany to close all the fossil free power stations and then try to extract fossil free electricity from us. While we have plenty of it up north, very little of it can get to SE4 (lack of power line capacity).

If we are to export the little we get to Germany, our prices go up and power hungry companies need to close down.

While the internal EU market indeed should be without borders, that cannot mean that a country can just stop doing their part in fossil free energy production and demand that others sort it out for them.