Immer sweet wenn wieder so ein Rechtslibertärer nölt: „Wegen der hohen Steuern kommen keine Fachkräfte nach Deutschland!“

Nein Mausi. Wegen Leuten wie dir BLEIBEN die nicht.

Denn Erstens: So monofaktoriell rechnet NIEMAND. Man rechnet im Kopf Einkommen & Lebensqualität & Sicherheit etc. gegen Steueraufkommen.

ABER am Ende entscheiden häufig weiche Faktoren.

Man KOMMT wegen der Jobaussichten, aber man BLEIBT wegen der Menschen und angenehmem Umfeld.

Oder eben auch nicht...

Denn das ist EXAKT der springende Punkt. SELBSTVERSTÄNDLICH verlieren wir gute Facharbeitskräfte wenn Menschen anderer Herkunft angefeindet werden und Angst um ihre Sicherheit haben, wenn sie kaum Freunde finden und sich nicht willkommen fühlen.

Die Sache an guten Facharbeitskräften ist ja: Die haben die WAHL.

Die müssen sich das NICHT ANTUN.

Frag dich mal kurz wie das ist, wenn du in den Urlaub fährst. Klar geht man auch nach Preis aber am Ende tut man sich deswegen trotzdem keinen Nerv an.

Das geht doch JEDEM von uns so. Wir waren am Männerurlaub planen und uns direkt einig, dass wir lieber im Pott ne bekloppte Klappradtour machen als in Sachsen oder Brandenburg aufm Land. Weil die Leute im Pott IM SCHNITT einfach netter und offener sind.

Es gibt viele tolle Menschen in Brandenburg oder Sachsen ABER man erinnert sich von Touren da an Momente der Serviceunkultur oder Zufallsbegegnungen, die hart unangenehm waren und das reicht halt schon. Obwohl einer von uns da sogar herkommt…

@captainfutura
Dachte erst, Moment, Brandenburg geht doch noch, aber dann dachte ich, dass es im Ruhrpott oder generell im Westen vermutlich sehr selten passiert, das man bei ner Radtour von nem alten Jeep-"Cabrio" in Tarnfarben mit vier flatternden Reichskriegsflaggen überholt wird und ich einfach zu sehr an diese Scheiße gewöhnt bin.

@PineapplePizza Erste Begegnung in Brandenburg am Campingplatz großes Schild am Servicetresen "Seid nett zu unserer Servicekraft, neue Kunden findet man immer, neue Servicekräfte nicht!"

Da denkt man noch so "Haha", bis man dann von einer Null-Service-Kraft nicht bedient wird, die sich als Campingplatzbetreiberin herausstellt, die die ganze Welt fühlen lässt wie sehr sie sich benachteiligt fühlt obwohl ihr ein Cmapingplatz in Sahnelage gehört.

@PineapplePizza Also: Die meisten Begegnungen waren wirklich nett aber zwischendurch - gerade wenn man was Ungewöhnliches macht wie z.B. Liegerad fahren und dann hinter dem Rücken aber hörbar über den bekloppten Wessi gelästert wird - denkt man schon so: "Och joa muss nicht!" Potsdam und komplette Umgebung aber über jeden Zweifel erhaben. Lieb ich.

Brandenburg auch sonst eigentlich echt schön.

@captainfutura
Mein Freund ist Brandenburger, aber Speckgürtel von Berlin. Hab immer bisschen Angst wenn wir in der tiefsten Uckermark sind oder so und er dann den eher feminin-androgynen Teil seiner Klamotten anzieht. In Sachsen wäre er definitiv zu wenig cis het männlich angezogen und ich zu unblond. In den 90ern wurde ich selbst in Ostberlin ständig nach meiner "richtigen" Herkunft gefragt... Auch die Frage ob ich Jüdin sei, mit komischem Unterton, hatte ich nur im Osten.
@captainfutura @PineapplePizza
Als Insider kann ich sagen, Brandenburg ist zurzeit tief gespalten und das geht gerade vielen Regionen Deutschlands so – und noch mehr Polen, ist ja um die Ecke.
Die Leute ausm Pott, die tatsächlich hierherziehen, sind oft ziemlich rechts. Wahrscheinlich sortiert sich da gerade einiges auf ungute Weise.
@captainfutura @PineapplePizza
Und fehlende Serviceorientierung – meine Güte, das ist immer noch gelebter Antikapitalismus. 😉
Die Forderung von Serviceorientierung ist strukturell durchaus faschistisch.