@rahmstorf
... und die Hauptverursacher laufen weiter frei herum.
Friederike Otto zur Lage:
"Wir haben ein eigenartiges Verhältnis zu den Ursachen und Verursacher*innen des Klimawandels entwickelt: Stellen Sie sich vor, in einer Stadt, einem Land, geht ein*e Massenmörder*in, besser noch eine ganze Gang von Massenmörder*innen um und tötet Tausende Menschen. Die Killer sind weder auf der Flucht, noch verstecken sie sich, man kennt sie im Gegenteil ziemlich gut und weiß genau, wo sie wohnen. Trotzdem unternimmt niemand etwas. Gelegentlich warnt sich die Nachbarschaft untereinander, manchmal geben wir den Mörder*innen Geld, damit sie vielleicht ein paar Menschen weniger umbringen, aber alles in allem bleiben sie unbehelligt.
Dass ich mit diesem Bild nicht übertreibe, sieht man zum Beispiel daran, wie der Essener Energiekonzern RWE dafür bezahlt wird, in Deutschland ein klein bisschen weniger Braunkohle auszubuddeln, obwohl bekannt ist, dass das Verbrennen dieser Kohle viele Menschen das Leben kosten wird. RWE weiß das seit den 1960er-Jahren, genauso wie es alle politischen Entscheidungsträger wissen. 38
Die Frage ist also nicht nur, ob wir aus Extremereignissen etwas lernen, sondern auch, was und wie wir darüber reden. Das ist ein entscheidender Punkt.
Die Art und Weise, wie wir den Klimawandel diskutieren, ist nicht zielführend. Es hilft uns nicht, wenn wir nur den individuellen Konsum geißeln – Stichpunkt Flugscham – oder uns am Weltuntergangs-Narrativ festbeißen, während Konzerne wie RWE oder auch Exxon Mobile, die genau wissen, welche Schäden sie produzieren, ungestört weitermachen können wie bisher. Denn eines lehrt uns das nordwestpazifische Biest doch besonders deutlich: Wir müssen gar nicht das Ende der ganzen Welt bemühen. Teile von ihr – meist die weniger in der Öffentlichkeit stehenden – gehen aufgrund der globalen, vom Klimawandel vertieften Ungerechtigkeit schon jetzt unter, während für die besser sichtbare Mehrheit der Menschen das Leben einfach weitergeht. Aber wir ändern nichts oder zumindest viel zu wenig. Stattdessen setzt eine Art Gewöhnungseffekt ein."
https://www.rwe-tribunal.org/strafanzeige-vorstand-rwe