"Laut Carla Hinrichs plant die @AufstandLastGen wegen der gravierenden jurist. Folgen vorerst keine Klebe-Aktionen."

Repression wirkt, unser Handlungsspielraum schrumpft, we've run out of moves.

Die klassische Klimabewegung isch over. Und jetzt?

Vorweg: das ist kein Text, bei dem am Ende eine halbwegs eindeutige Antwort stehen wird. Er ist eher explorativ. Ich bin gestern wieder in die Medien eingestiegen, & hossa, hat das geballert: offensichtlich ist nicht nur das Klima gekippt, die dt. Gesellschaft auch.

Worauf müssen wir uns in der #Klimabewegung dieses Jahr einstellen?

1. Darauf, dass Aktionen & Demos oft kleiner sein werden, als erwartet, oder erhofft. Begriffe wie "Massenblockade" werden sich häufig eher selbstironisch anfühlen, als empowernd. Wir werden schrumpfen.

2. Dass unsere Aktionen & Proteste, sogar wenn sie zahlenmäßig zufriedenstellend, und eventuell taktisch effektiv sind (z.B. eine @[email protected] vs #LNG könnte durchaus ihr Aktionsziel erreichen), im öffentlichen Diskurs nicht mehr verfangen. Baumfall ohne Zuschauer.

3. D.h., wir müssen uns auf viel Frust einstellen, aber genau deswegen *müssen* wir zu diesen Aktionen & Demos gehen: weil wir sonst allein zu Hause sitzen, was bedeutet, sich nicht nur relativ machtlos, sondern total allein zu fühlen. Und das ist deutlich schlimmer.

4. Was uns 2024f. bevorsteht, wird sich zwar hardcore frustrierend anfühlen, ist aber (leider) Teil des quasinatürlichen Verlaufs sozialer Bewegungen: diese verlaufen in Wellen, niemand kann konstant mobisliert bleiben.

Ohne Abschwung kein Aufschwung. (https://steadyhq.com/de/friedlichesabotage/posts/ba3b30d2-e4b5-4646-b5b5-e82d21f3e28d)

5. Trial & error: Am Ende eines Bewegungszyklus (der langen Klimabewegungsoffensive 2015-2020, letzte Ausläufer 2023) verlieren die alten Praxen & Orte an Bedeutung, neue müssen gefunden werden - was nicht heißt, dass z.B. Waldbesetzungen nicht noch rocken können.

6. Trial 1: radikale Katastrophenhilfe: hat Euch bei den Bildern aus den Überschwemmungsgebieten nicht auch schonmal der Gedanke ereilt, wie es wäre, dort nicht nur Rettungsdienste, Locals, Politiker*innen etc zu sehen, sondern Klimaaktivisti in Maleranzügen oder Warnwesten?

Solche capabilities müssten erst aufgebaut werden, aber das wäre doch mal ein Projekt für eine Klimabewegung, die anerkannt hat, dass der #Klimakollaps da ist,& unabhängig davon, ob wir noch antifossile Kämpfe gewinnen können, Klimagerechtigkeit auch konkrete Hilfe bedeutet?

7. Trial 2: #Klimantifa. Ich weiß, kein eleganter Begriff, aber ich will iwie klarmachen, dass die klassische Klimabewegung sich im Sinne einer politischen Problemtriage dem neuen Hauptproblem unserer Zeit zuwenden muss: die Faschos in die Box zurückzudrängen (h/t Jan Boehmermann).

Hier bin ich leider mit meinen Gedanken noch völlig am Anfang, Klimantifa bleibt bisher ein bloße Worthülse. Soziale Akteure/Bewegungen entstehen um gemeinsame Praxen herum, die gemeinsame Werte artikulieren & versuchen, diese zu gesellschaftlichen Realitäten zu machen.

Klar ist: um eine reelle Chance zu haben, die faschistische Offensive abzuwehren (definieren wir das Minimalziel vorerst mal als: die #FckAfD aus Regierungen herauszuhalten), brauchen wir die schlafende Verdrängungsmitte, die humanistische Werte weiterhin ernst nimmt.

Eine Möglichkeit, mit dieser Mitte zu kommunizieren, wäre der Verweis auf geteilte humanistische Werte: die fundamentale Gleichheit von Menschen; Rationalität im politischen Diskurs; dass Ethik und Moral in der Politik eine Rolle spielen müssen (vs. das "Moralkeule"-Gefasel).

Das hab ich ung. so in diesem Gespräch mit meinem Vater - dem ideellen Gesamtbürger, h/t Engels ;) - versucht: worauf können wir von der Mitte hart enttäuschten Klimas, uns mit eben dieser Mitte einigen, jetzt, wo der Klimaschutz gescheitert ist? (https://www.fr.de/rhein-main/fr-interview-tadzio-mueller-klimaschutz-wie-kann-es-weitergehen-92721282.html)

Hmmm... ganz ehrlich, das ist alles noch ziemlich dünn. Aber so ist das halt am Ende einer Bewegungsphase, und trial & error heißt halt auch ziemlich viel error.

Mir hilft gerade, mich auf spezifische Projekte zu fokussieren, die ich nächstes Jahr angehen will:

Projekt 1: die Verteidigung des #tempelhoferfeld.
@thf100
fährt die Aktivitäten hoch, weil die Rückschrittskoalition angekündigt hat, ein Referendum zur "Randbebauung" des Feldes durchzuziehen, & es geht darum, Bewegungsmacht zu brechen. Den Kampf können wir gewinnen!

Projekt 2: mich in die Diskussion um ein #AfDVerbotjetzt einbringen. Wenn ich das richtig verstehe, gibt es kaum eine Möglichkeit, sowas schnell genug vor den Landtagswahlen durchzubringen. Aber der Diskurs selbst könnte Mitte-Menschen aufschrecken, & das ist notwendig.

Projekt 3: weiter an der Idee & Praxis der "solidarischen Kollapspolitik" (SKP ;)) zu arbeiten. Darin liegt m.E. ein erheblicher Teil der Zukunft der heutigen Klimabewegung. Vielleicht nicht in den nächsten 1-2 Jahren. Aber auf lange Sicht definitiv. (https://steadyhq.com/de/friedlichesabotage/posts/1af3fae3-1a2c-4e59-9e9c-67978c8dfb9f)

Die Klimabewegung ist tot. Es lebe die Klimabewegung!

Weil soziale Bewegungen in Zyklen verlaufen, heißt "Scheitern" nicht, dass Alles vorbei ist. Es bedeutet, dass jetzt die Suche nach dem neuen Bewegungszyklus beginnt.

Steady

@AufstandLastGen @thf100

Wichtig ist: es mit Anderen zusammen zu machen, Gemeinschaft zu suchen, & zu bauen. Dieses Jahr wird hart werden, bei fast jeder Wahl überall droht ein harter Rechtsruck. Um darin nicht depressiv zu werden, brauchen wir einander, brauchen wir Bewegung.

https://steadyhq.com/de/friedlichesabotage/posts/17828904-38f2-4225-bcee-22991ea0c756

Dr. Justcollapse: oder, wie ich lernte, die Zukunft wieder zu lieben

Um zu hoffen, muss ich nicht auf magisches Denken und Klimaverdrängung setzen. Um zu hoffen, muss ich “nur” mein Vertrauen in die Menschen um mich herum legen können...

Steady

@muellertadzio @AufstandLastGen @thf100 Wow, Trial 1 finde ich großartig. (Also der ganze Text ist toll, aber Trial 1 mein Favourite)

Das ist eine Idee, die den Klimaaktivismus medial immer präsenter machen kann, genau da wo die Klimakatastrophe präsent ist - und das in einer positiven, anschlussfähigen Form.

@muellertadzio @AufstandLastGen @thf100 Für mich ist nicht die klassische Klimabewegung over, sondern das Konzept der letzten Generation, Namen nennen und Strafe annehmen, gescheitert.

@muellertadzio @AufstandLastGen @thf100

"...worauf können wir von der Mitte hart enttäuschten Klimas, uns mit eben dieser Mitte einigen, jetzt, wo der Klimaschutz gescheitert ist?"

Wir starten gerade in Brandenburg an der Havel (im Land vieler national-völkischer Brüderchen und Schwesterchen) verschiedene Projekte mit dem Fokus auf die Kommunikation. Hie und da ist das eine und andere schon lösungsorientiert wirksam geworden.

Hierbei kiegt der Schwerpunkt zunächst in der Kommunkation. Stehen den Menschen die Haare zu Berge weil ihnen in ihrer Sozialisation das Wort "Klimawandel" madig gemacht wurde, ersetzen wir es zB durch Nachhaltigkeit. Ich selbst arbeite gerade an einer Art Sprachbibel, um alte Begrifflichkeiten neu zu sozialisieren. Wenn Grüne Politik (so halbherzig diese auch ist) im Stadtparlament als Verbotspolitik betitelt wird, wandeln wir es zu einer Gebotspolitik. Naja usw... -ich mache diesen ganzen Mist seit mind 1972 (Club of Rome) mit. Wir fahren eine Generation nach der anderen gegen die Wand in ihrer Sozialisation mit "alles halb so wild" oder "weiter so".

Es wird auf jeden Fall weiterhin sehr spannend...

@muellertadzio

Punkt 6 ist mMn sehr interessant. Zum einen eine Chance mit den gerade betroffenen ins Gespräch zu kommen und zum anderen könnte es medial interessant sein, weil Kriese und Protest optisch verknüpft werden.

@AufstandLastGen @thf100

@hayjay @muellertadzio @AufstandLastGen @thf100 Halte ich für ein der schwächsten Ideen. Im Katastrophengebiet gehören nur Menschen die Erfahrungen in solchen Situationen haben. Diese Strukturen müssen erstmal geschaffen werden. Menschen die dort leben haben in dem Augenblick andere Prioritäten als sich über Unweltpolitik zu unterhalten. Zudem räumt Aktivisti dann die Scherben weg, während die Verursacher Schampus saufend den Livestream schauen.

@erkannnix @hayjay @muellertadzio @AufstandLastGen

Wir haben Adam Johnsons Dictum von Citations Needed gelernt: "Whoever tells you to not politicize a disaster has already politicized it and doesnt want competition".

Über Ursachen zu reden ist keine praktische, akute Hilfe, aber muss unbedingt passieren, sonst passiert es immer wieder und immer schlimmer.

@muellertadzio @AufstandLastGen @thf100
Und zurück zu klassischen Kampagnen.
Briefe schreiben, telefonieren, Klinkenputzen um andere dazu zu bringen, Briefe zu schreiben und zu telefonieren.
Abgeordneten laut sagen, warum man sich nicht vertreten fühlt und konkrete "pro" Forderungen stellen statt abstrakte "contra".
Also: ja zu Solar, ja zu Wind, ja zur Wärmepumpe, ha zum Tempolimit....
Jeden Monat eine neue Kampagne.