Endlich mal wieder ins #Museum geschafft! Eines der letzten Münchner Museen, das mir noch fehlt, war bis heute das ziemlich neue #Sudetendeutsche Museum am Gasteig.

Bis 11. November ist da noch eine kleine, feine Ausstellung zu Otfried Preußlers 100. Geburtstag. Da wollten wir hin!

Die Ausstellung geht allen mit dem kleinen Gespenst, der kleinen Hexe und Krabat sozialisierten (wer ist das nicht?) direkt ans Herz, liefert aber auch interessante Einblicke in Preußlers Leben und den Heimatverlust. Ich war ganz froh, eben erst diesen Artikel in der SZPlus (€) gelesen zu haben, der über die NS-Vergangenheit des Autors berichtete.

Alles sehr auf Kinder ausgerichtet und wirklich empfehlenswert!

https://www.sueddeutsche.de/kultur/otfried-preussler-kinderbuch-das-kleine-gespenst-sudetenland-ns-vergangenheit-1.6289331

Zum 100. Geburtstag von Otfried Preußler

Warum der berühmte Kinderbuchautor über seine NS-Vergangenheit schwieg – und man Werk und Verfasser heute trennen sollte

Süddeutsche Zeitung

Ermutigt von der hübschen Ausstellung, die überdies umsonst ist, lösten wir noch ein sonntägliches 1€-Ticket für das restliche Museum. Und das war eine sehr positive Erfahrung, ich möchte es empfehlen, zumal es uns angesichts der schlimmen Weltlage auf traurige Weise erhellend erschien.

Ähnlich wie das NS-Dokumentationszentrum führt die Ausstellung von oben nach unten uns erzählt die Geschichte von der Besiedelung Böhmens und Mährens durch Deutsche im Mittelalter …

… über die kulturelle und wirtschaftliche Vielfalt, die da entstand, bis zum Erstarken des Nationalismus, der sich zuerst an sprachlichen Regelungen und der empfundenen Bevorzugung des Tschechischen in k.und k-Zeiten entzündete.

Wo erst noch Kinder zweitweise in den jeweils anderssprachigen Teil der Familie gegeben wurden, um beide (ja wirklich sehr schwierige) Sprachen zu lernen…

… wurde sprachliche bald zu nationaler Identität, befeuert durch ruchlose Agitatoren und Kulturkämpfe. In der ČSR fühlten sich die Sudeten dann erst recht zurückgesetzt und ließen sie sich gern auf Hitler ein.

Ich habe da wirklich viele Zusammenhänge gelernt. Es ist recht deprimierend, aber sehr interessant und gut erklärt, mit vielen Hörstationen und Multimedia-Angeboten.

Die zum Teil sehr blutige Vertreibung wir mit Hilfe von vielen gespendeten Exponaten erzählt. Wessen Familie da betroffen ist, den nimmt das sicher nochmal mit.

Auch die erst schwierige, aber letztlich erfolgreiche Integration der Sudetendeutschen in Bayern (jaja, die Regierung darf da vielleicht ein bisschen stolz sein) wird vielstimmig und interessant erzählt, ebenso die Auswirkungen auf die Nachgeborenen.

(alt-text im Bild beachten)!

Ich finde es ein sehr gelungenes Museum!

Es ist sehr modern, besonders auf Sehbehinderte ausgerichtet (viele Tastobjekte!), die Ausstellungsführung ist intelligent und lässt Raum zum Nachdenken.

Das #Museumscafé hat leider noch keinen Pächter, und auf dem #Museumsklo war ich diesmal nicht.