Derzeit wird hier viel über #Bluesky vs. #Fediverse diskutiert. Meine Beobachtung: Das Fediverse wird vor allem von früheren Plattform-Profiteuren letztlich als langweilig und so spannend wie #EMail empfunden. Also als Rückschritt. Ich nenne es #Degrowth. Und möchte dazu ermuntern, mal in einer Quelle der eigenen Wahl nachzuforschen, was durch E-Mail schon alles möglich wurde. Vor allem aber ist das Fediverse genauso unkaputtbar. Wenn all die coolen Services längst wieder Geschichte sind, wird das Fediverse einfach da sein. Kann man, je nachdem, wie man gerade drauf ist, für ödes Default-Networking halten, von und für uncoole, nicht-jagende, eher pflanzenartige Wesen. Oder man findet darin den entscheidenden Rettungsanker nach einem Schiffbruch.

Ich glaube jedenfalls mittlerweile, dass es durchaus sinnvoll ist, wenn sich das Fediverse bewusst als dieser soziale
#ImmerDaService definiert. Denn es wird niemals die Chance haben, ernsthaft mit der irrationalen Logik der Hypes und ihrer kapitalstarken Investoren konkurrieren zu können. Da helfen auch keine coolen User Interfaces. Die nehmen wir innerhalb des Fediverse zwar gerne an und freuen uns an ihnen. Aber wir müssen akzeptieren, dass wir damit allein keine User überzeugen können, die einfach nur auf der Überholspur leben wollen.

Möglicherweise werden mir diese Gedanken als Spaltungsversuch ausgelegt. Dazu kann ich nur sagen: Ich möchte nicht spalten. Ich freue mich über alle Ex-Plattform-InfluencerInnen, die hier herkommen. Egal, ob sie nur kurz bleiben, oder länger, oder nur teilweise, oder dauerhaft, das alles sollte im besten Fall keine Diskussionen mehr auslösen. Wenn das Fediverse der Einfach-nur-da-Service ist, braucht es so was jedenfalls nicht mehr.

Ich weiß auch, dass diese Gedanken einigen meiner eigenen bisherigen widersprechen. Ich hatte im Verlauf des letzten Jahres immer die Hoffnung, dass das Fediverse doch mal selber so ein Hype werden könnte. Das sehe ich mittlerweile anders. Und diese Richtungsänderung im Denken tut mir durchaus gut. :-)
@stefanm Hallo Stefan, wenn Technik, Dezentralisierung, offene Protokolle und Sicherheit allein die Hauptentscheidung ausmachen würde, würden wir dann nicht heute noch auf Usenet diskutieren?
Ich denke, du unterschätzt die Bedeutung einer guten Usability und der User Experience.
Menschen entscheiden bei Websites binnen weniger Millisekunden, ob sie bleiben. Da kann der Unterbau noch so Doll sein,es spielt keine Rolle bei den User, der ohne Hintergrundwissen oder einer ideellen Grundhaltung kam.
@xwolf Vielleicht geht das aus meinem Post nicht so klar hervor - ich möchte keineswegs den Fortschritt bei der User-Experience kleinreden. Ganz im Gegenteil. Ich bin froh, dass sich schon viel getan hat bei den Webanwendungen und den Apps fürs Fediverse. Aber es gibt immer noch viel zu tun und zu verbessern. Auch technisch sollte noch mehr passieren. Ich denke schon, dass es möglich sein sollte, zu einer Konversation bei allen beteiligten Usern instanz-unabhängig alle Posts zu ermitteln und anzuzeigen. Solche Dinge müssen einfach noch kommen, ebenso wie das mit der gescheiten Suche oder spezialisierte Verzeichnisdienste für User, Hashtags, Trends usw. Meine Wunschliste ist da noch ziemlich lang. Was ich ausdrücken wollte, war eher: Selbst wenn all das implementiert und verfügbar wäre, selbst dann würde es links liegen gelassen von vielen Usern. Weil keine "Marke" drauf klebt, und sei es nur eine DaciaLogan-Marke wie "Bluesky". Und weil die Leute halt nur noch Plattformen und Algorithmen gewohnt sind, die dafür sorgen, dass das Erregungslevel stets hochgehalten wird. Das alles kann das Fediverse nicht leisten.
@stefanm Ja, aber es kommt -nach meinen subjektiven Empfinden- nichts:
Mein Mastodon-Account hab ich vor einigen Jahren angelegt. Als es dann dieses Jahr immer unleidlicher bei Twitter wurde, hab ich ihn wieder aufgerufen und musste mit etwas entsetzen feststellen: Mastodon und auch das Fediverse hat sich kaum verändert. Es ist -Betonung nochmal: subjektiv fpr mich- in der Zeit vor 10 Jahren stehen geblieben.
Die Marke hat Mastodon schon. Es hat auch ein Begriff: "tröten".
@stefanm Was mich an Bluesky abhält ist der Gründer. Der hat ja auch schonmal eine gewisse Plattform verkauft. Warum sollte er es nicht wieder tun?
Aber wie auch immer:
Wenn man diese Plattformen als eine Zwischenstation sieht, als eine nette Bar in der man geht, aber die nicht das "Heim" ist, ist es alles ganz ok.
Wenn irgendwann mal der Besitzer oder die Komune komische Ideen hat, zieht man halt weiter.
@xwolf Ja, das Webdesign von Mastodon ist nicht gerade der letzte Schrei. Aber dafür gibt es ja alternative, neuere Clients wie https://elk.zone - mit so was habe ich Mastodon vorwiegend genutzt. Oder man probiert eben mal eine andere Software. Firefish hat da schon gute Ansätze, auch wenn es noch ein paar Ecken und Macken hat.
Ja, Mastodon ist vielleicht die einzige "Marke" im Fediverse. Wobei es dazu aber auch erst so richtig durch den Musk-Kauf von Twitter kam. Da erschienen plötzlich viele Artikel über Mastodon. Immerhin gab es da brauchbare Insignien fürs Markendenken - ein Logo, einen interviewbaren Gründer, eine flotte Join-Site, und eine GmbH für Rechtssicherheit. Aber auch das reicht alleine wohl noch nicht. Erst wenn Silicon-Valley-Kapital investiert und ein gewisser Fetisch aufgebaut wird, wird scheinbar das Vertrauen von Vielen gewonnen.
Elk

A nimble Mastodon web client

Elk