Neben dem konfliktbehafteten Verhältnis zwischen Ich und Selbst ist unser westliches Weltbild von einer zweiten Grundannahme geprägt, die bei genauerem Hinsehen unzulässig vereinfacht und uns nur einen beschränkten Ausschnitt der Welt zugänglich macht: dem wissenschaftlichen Reduktionismus. Dieser geht im Kern davon aus, dass ich das Verhalten eines Systems dadurch verstehen bzw. erklären kann, dass ich seine einzelnen Bestandteile verstehe bzw. erkläre. Da diese Bestandteile nach festen Regeln interagieren – so die Annahme – ergibt sich daraus zwangsläufig auch eine Erklärung des gesamten Systems.
Doch bereits das antike Paradox vom Schiff des Theseus zeigt, dass es nicht alleine die physischen Bestandteile eines Schiffs sind, die dieses zum Schiff des Theseus machen. Alle Planken, Leinen und Segel sind ausgetauscht, aber trotzdem würden wir immer noch von demselben Schiff reden.
Einen produktiven Denkansatz bietet hier die neo-konfuzianische Unterscheidung zwischen den Bestandteilen eines Dings – qi – und den Prinzipien, nach denen diese angeordnet bzw. strukturiert sind und miteinander interagieren – li- So schreibt Jeremy Lent in seinem Buch The Web of Meaning:
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Der Konflikt zwischen Ich und Selbst - Weltenkreuzer
Es steht nicht gut um das Verhältnis zwischen "Ich" und "Selbst". Vielleicht sollten wir da ein wenig an unserer Beziehung zu uns selbst arbeiten. Dann können wir mit unserem "Selbst" vielleicht so umgehen, wie wir es mit guten Freund*innen tun.
