Es ist ja nicht so, dass es kompliziert wäre, dieses Problem zu sehen und zu benennen; beeindruckend ist eher, wie Politik und ein großer Teil der Bürger*innen es schaffen, trotz dieser Offensichtlichkeit konsequent daran vorbei zu sehen und alle als Radikale*n zu beschimpfen, die mit den Fingern darauf zeigen.
@sixtus Das Interessante daran ist, dass man sich inzwischen als Autofahrer genauso beschimpft und verunglimpft fühlt. Der ÖPNV ist im Vergleich zum eigenen Auto sehr oft total unbequem, langsamer und lästiger, zumindest wenn man es aus individueller Sicht betrachtet. Natürlich wäre es besser, wenn viel mehr Leute den ÖPNV benutzen würden, aber es wäre irgendwie ganz schön, wenn man versuchen würde, ihm besser zu machen anstatt einfach nur die Autofahrt pauschal als Idioten zu brandmarken.

@somechris @sixtus Autofahrern im Allgemeinen stände etwas mehr Demut gut zu Gesicht. Die Unbequemlichkeit der Alternativen ist leicht einzusehen, aber womit begründest Du Deinen Anspruch darauf, dass Du auf Kosten der Allgemeinheit ein bequemeres Verkehrsmittel nutzt?

Autos sind für die, die sie nicht nutzen, auch ziemlich lästig. Autofahren ist ein Privileg, kein Anrecht.

@hanshuebner @sixtus ich finde Demut zu fordern von Leuten, die eine etablierte Praxis leben, die sich oft auch nur unter hohen persönlichen Kosten ändern lässt, ziemlich kontraproduktiv, daraus folgt nur Reaktanz. Wir brauchen eher sowas was Günther Dück "metakultureller Diskurs" nennt. https://m.youtube.com/watch?v=uPU1y9V3jL4&t=1852s&pp=ygUdZMO8Y2sgbWV0YWt1bHR1cmVsbGVyIGRpc2t1cnM%3D
re:publica 2013 - Gunter Dueck: Aufruf zum metakulturellen Diskurs

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@somechris @sixtus Man kann sehr wohl wünschen und voraussetzen, dass Menschen auch "gelebte Praxis" infrage stellen. Daraus muss nicht automatisch folgen, dass sie ihr Leben umkrempeln. Die Einsicht, dass eine Verhaltens- und Regeländerung sinnvoll ist, hilft dabei, die Akzeptanz für Maßnahmen zu verbreitern - Zumindest, wenn man ein aufgeklärtes Menschenbild hat.
@hanshuebner @sixtus Sie sagen es, Einsicht ist nötig. Ich habe nur Zweifel dass man die mit moralischem Druck erreicht. Ich bin jahrelang in einer Fernbeziehung jedes Wochenende quer durch das Ruhrgebiet gependelt, per Regionalexpress da ich noch Student war. Es war froh dass das ging, anders hätte ich es mir nicht leisten können, aber ich habe Verständnis für jeden, der sich das nicht freiwillig antut. Und solange diese Zustände herrschen, finde ich die Sache mit der Demut schwierig.