„Mit Brechstangen, Tischbeinen, allem, was wir fanden, haben wir einen Durchbruch zum Nachbarhaus versucht. Andere haben sich an der Dachluke zu schaffen gemacht, die dann unsere Rettung war.“
- Thinh Nguyen Do, Bewohner des Sonnenblumenhauses

Am 22.08.92 beginnt in #Rostock Lichtenhagen ein tagelanges rassistisches Pogrom gegen Geflüchtete, Rom*nja und vietnamesische Vertragsarbeiter*innen.

Unter Beifall von Rostocker Bürger*innen griff der Mob die Zentrale Aufnahmestelle für Asylsuchende (ZASt) an, in der sich v.a. Rom*nja aufhielten. Später attackierten sie das Haus ehemaliger vietnamesischer Vertragsarbeiter*innen, das am dritten Tag in Brand gesteckt wurde.

Die Polizei hatte über Stunden den rechten Mob gewähren lassen. Die Personen, die sich während des Brandes im Haus befanden, retteten sich selbst über das Dach und entkamen nur so dem Tod.

Das Pogrom stellt einen Höhepunkt der Gewalt in der Nachwendezeit dar, als rassistische Anschläge zum Alltag für viele nicht-weiße Personen gehörten. Die Betroffenen wurden allein gelassen – von der Polizei, der Politik und der weißen Dominanzgesellschaft.

Dem Pogrom voraus gingen Kriminalisierung und rassistische Hetze in Medien und Politik. Asylsuchende, die vor Verfolgung flohen, wurden als „Sturm“ oder „Flut“ bezeichnet - entmenschlichende Vergleiche, die ihre Schicksale ausblenden.

Die Aufnahmen des rassistischen Mobs gingen um die Welt, viele warnten vor wiedererstarkender rechter Ideologie in Deutschland. In der Politik sorgte die Gewalt v.a. für eines: Das Grundrecht auf Asyl wurde von Union, SPD und FDP stark eingeschränkt, Betroffene abgeschoben.

Die sogenannten #baseballschlaegerjahre unmittelbar nach der Wende zeugen von einer Zeit, in der das neue Nationalgefühl des wiedervereinigten Deutschlands auf Kosten all jener zelebriert wurde, die nicht dazugehörten.
Statt rechte Gewalt konsequent zu ächten, fand man Verständnis für die Täter*innen. Rechtsradikale Jugendliche wurden als „fehlgeleitet“ dargestellt, sie wurden in Jugendprojekten besonders gefördert. In so einem Projekt fand die Sozialisierung des späteren NSU-Trios statt.

Konsequente Arbeit gegen extrem rechte Ideologie wurde von kleinen zivilgesellschaftlichen Gruppen und Betroffenenorganisationen geleistet – und dabei von Politik und Medien oft behindert und sogar kriminalisiert.
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Süddeutsche Zeitung
@BSAnneFrank Man lernt (erneut): Mit Nazis redet man nicht. Man schließt sie aus und gibt ihnen wortlos zu verstehen, dass sie von der Gesellschaft geächtet werden. Sollte der evolutionäre Herdentrieb irgendwo in ihnen noch aktiv sein, werden sie von selbst auf die Idee kommen, dass ihre Lebensweise nicht akzeptabel ist. Und wenn nicht, dann gibt es schon gar keinen Grund mit ihnen zu reden.