Warum hält der Bundestag die Mitgliederlisten der sog. Parlamentariergruppen geheim? Der Reporter @hmtillack hat versucht, mehr über die Mitglieder der Abgeordneten-Gruppen zu erfahren - und stieß auf eine Mauer des Schweigens.

"Eine Herausgabe der Mitgliederlisten an Dritte ist untersagt", teilte etwa ein Mitarbeiter von Grünen-MdB Max Lucks mit, der die Deutsch-Türkische Gruppe anführt. Auf die Nachfrage, von wem dies untersagt sei, wurde der Reporter an die Parlamentsverwaltung verwiesen.

Auch der CDU-Abgeordnete Johann Wadephul - Vorsitzender der Deutsch-Südkaukasischen Parlamentariergruppe - blockte eine Anfrage ab. Die Gruppe ist u.a. für #Aserbaidschan zuständig. Wadephuls Büro verwies auf die "Fluktuation" in den Gruppen, "was sich natürlich auch auf die Aktualität der Mitgliederlisten auswirkt".

CDU-MdB Christoph Ploß ist Vorsitzender der Parlamentariergruppe "Arabischsprachige Staaten des Nahen und Mittleren Ostens", zu der Katar und Saudi-Arabien zählen. Er schob Datenschutzgründe vor. 🧵

Ähnlich reagierte FDP-MdB Otto Fricke (Deutsch-Niederländische Parlamentariergruppe): "Vor einer Weitergabe der Liste" müssten "sämtliche Gruppenmitglieder um ihr datenschutzrechtliches Einverständnis gebeten werden", sagte eine Mitarbeiterin von Fricke.

Datenschutz ist ein skurriles Argument. Denn die Mitgliedschaft in den Parlamentariergruppen ist keine private Aktivität der Bundestagsabgeordneten, sondern eine offizielle Funktion, die sie in ihrer Eigenschaft als Volksvertreter:innen wahrnehmen.

Der Bundestag verweigert sogar die Herausgabe einer Richtlinie, in der es um die Reisen der Parlamentariergruppen geht. In einer Fassung von 2021, die noch öffentlich war, hieß es, pro Wahlperiode sei „jeweils eine Delegationsreise in das Partnerland" erlaubt.

Diese Richtlinie wird nun von Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD) unter Verschluss gehalten. "Die Herausgabe dieser Unterlagen ist nicht vorgesehen und vom presserechtlichen Auskunftsanspruch auch nicht erfasst", so ein Bundestagssprecher. 2/

Die Parlamentariergruppen und ihre Mitglieder sorgten immer wieder für Diskussionen: 👇

Die inzwischen verstorbene CDU-MdB Karin Strenz war Chefin der Deutsch-Südkaukasischen Parlamentariergruppe. Später verheimlichte sie, in dieser Zeit Geld von einer aus Aserbaidschan finanzierten Lobbyfirma angenommen zu haben.
https://www.abgeordnetenwatch.de/recherchen/lobbyismus/strenz-wich-fragen-zu-aserbaidschan-bereits-2015-aus-heute-ermittelt-die-staatsanwaltschaft

CSU-MdB Hans-Peter Friedrich leitet die Deutsch-Chinesische Parlamentariergruppe. 2019 gründete er den Verein Committee on German-Chinese Relations und wurde dessen Vorsitzender. Die Tätigkeit ließ er auf seiner Bundestagsseite jahrelang unerwähnt.
https://www.abgeordnetenwatch.de/recherchen/nebentaetigkeiten/prominente-abgeordnete-verstiessen-offensichtlich-gegen-gesetz

CDU-MdB Ploß, heute Vorsitzender der Parlamentariergruppe "Arabischsprachige Staaten des Nahen und Mittleren Ostens" ließ sich 2018 von der Regierung Omans einladen. Verboten st das nicht.
https://www.spiegel.de/politik/deutschland/junge-cdu-csu-politiker-per-businessclass-nach-oman-auf-kosten-des-sultans-a-00000000-0002-0001-0000-000171875101

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Quelle: So geheimniskrämerisch gibt sich der Bundestag bei Auslandskontakten (€)
https://www.welt.de/politik/deutschland/plus246513800/Geheimniskraemerei-um-Auslandskontakte-im-Bundestag.html

Strenz wich Fragen zu Aserbaidschan bereits 2015 aus – heute ermittelt die Staatsanwaltschaft | abgeordnetenwatch.de

Im Mai 2015 konfrontierte abgeordnetenwatch.de die CDU-Politikerin Karin Strenz mit möglichen Lobbytätigkeiten und Geschäften mit Aserbaidschan. Den Fragen wich Strenz damals beharrlich aus, und das aus gutem Grund: Inzwischen steht sie unter Korruptionsverdacht – wegen Lobbytätigkeiten und Geldzahlungen aus aserbaidschanischen Quellen im Jahr 2015.

abgeordnetenwatch.de
@a_watch da wird wohl wieder jemand klagen müssen.
Eine Schande ist das.