Ich poste ja fast nie über Spiele, die ich nicht gut finde, aber ich bin eben wieder über #Queerz gestolpert und muss das jetzt doch mal tun, denn ich finde dieses Spiel wirklich, wirklich schlimm und gefährlich naiv.

Man spielt darin eine queere Figur, die zusammen mit anderen queeren Figuren gegen die Ignoranz von Queerfeind*innen kämpft - und zwar mit "Rainbow Empathy".

Und äh, nein. Einfach nein. Auf gar keinen Fall. (1/?) #pnpde

Das ist absolut NICHT die Botschaft, die wir in die Welt tragen sollten: Dass queere Menschen nur genug "Regenbogen-Empathie" für die Leute aufbringen müssen, die uns hassen und angreifen, und dann wird alles gut.

Dass wir nur genug Brücken bauen, "yaaas queen" rufen und leicht verdauliche Stereotype verkörpern müssen, und dann klappt das auch mit der Akzeptanz.

Ich finde das wirklich gefährlich, das zum zentralen Thema eines Spiels zu machen. (2/?) #pnpde

Gerade heutzutage, wo praktisch jeden Tag wieder queere Menschen und queere Orte angegriffen werden - und zwar nicht nur in den USA oder in Russland, sondern auch hier in Deutschland. (Folgt einfach mal ein paar Wochen lang @/[email protected], dann seht ihr, was ich meine.)

Es ist echt nicht okay, dass wir in diesem Spiel dafür verantwortlich gemacht werden, auf unsere Angreifer*innen "zuzugehen" und ihnen Empathie zu zeigen, während sie uns nichtmal als Menschen behandeln. (3/?) #pnpde

Und davon abgesehen: Das Spiel (ich beziehe mich hier auf das "Demo Game", das im Rahmen des Crowdfundings für #Queerz allgemein erhältlich war) strotzt nur so von Stereotypen, die von jedem kulturellen, sozialen und politischen Kontext losgelöst wurden.

Z.B. ist eine der premade Figuren "Mama Jay Rainbow", laut Illustration eine sehr weiße, ältere Dame mit hellen Augen und einem Regenbogen-Heiligenschein. Angeblich war sie in den 1980/90ern in der "Ball scene" aktiv. (4/?) #pnpde

Die Ballroom Scene war und ist in der Realität aber eine queere Subkultur, die von Schwarzen und Latinx Queers begründet wurde und auch heute noch zentral betrieben wird. (Guckt die Serie "Pose", da seht ihr, was ich meine.)

In anderen Worten: Hier findet massives Whitewashing statt, indem einer weißen Figur die Verdienste realer Queers of Color zugeschrieben werden. Das ist einfach nicht okay.

Und zwar egal, wie viele queere Leute oder BIPOC an dem Projekt mitgearbeitet haben. (5/?) #pnpde

Ich hätte noch mehr Kritik, z.B. dass die Ignoranz zudem als "Infektion" geframed wird, als könnten die armen Queerfeind*innen gar nichts für ihre menschenfeindlichen Ansichten und Handlungen - denn sie sind ja krank - und müssten bloß mit ausreichend Regebogen-Empathie "geheilt" werden.

Aber das hier reicht vielleicht als 1. Eindruck, warum #Queerz wirklich kein Spiel ist, womit ihr realen Queers irgendeinen Gefallen tut. Im Gegenteil, ihr tragt damit zu weiteren Verletzungen bei. (6/?) #pnpde

Wenn euch also am Wohlergehen realer queerer Menschen gelegen ist, kauft und spielt doch bitte stattdessen eins der vielen, vielen anderen queeren Rollenspiele, die realen Queers nicht derart in den Rücken fallen.

Eine wirklich lange Liste mit Möglichkeiten findet ihr z.B. unter diesem Video: https://www.youtube.com/watch?v=O_OFHAO16O8
(7/7) #pnpde

Talk: Queere Indie-Rollenspiele 🎲 mit Andrea Rick

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@curiouscat Ich habe das Spiel beim Crowdfunding damals unterstützt und finde es jetzt - in der finalen Fassung - sehr gut. Das finale Spiel hat sehr vielschichtige Protagonist*innen und Antagonist*innen, die ich nicht mehr ausschließlich stereotyp finde. Es ist ein sentai-Spiel (inspiriert von Serien wie Power Rangers), also ist alles sehr over-the-top-campy. (1/?)
@curiouscat Aber im Kern geht es im Spiel darum, Menschen zu helfen, die z.B. aufgrund eines Traumas, problematischer Beziehungserfahrungen oder anderer Einflüsse ein verzerrtes Bild davon haben, was "gut" für sie und andere ist. Und dieses "Überzeugen" findet statt, indem man im Spiel erforscht, was die Antganost*innen zu dem gemacht hat, was sie sind und dann bei der "Heilung" unterstützt bzw. überzeugt, dass ihr Weg nur zu mehr Leid führt. (2/?)
@curiouscat Ich finde also, dass es deutlich nuancierter ist, als es vielleicht im Demokit den Anschein machte. Von daher finde ich es hier an der Stelle echt nicht so cool, den Publishern vorzuwerfen, sie würden ein "gefährliches" Produkt auf den Markt bringen, dass queeren Anliegen schadet. Ich wäre sofort bei dir, wenn es in dem Spiel darum ginge, queeren Widerstand gegen unterdrückerische Systeme und Personen durch Nett-sein und Verständnis für Nazi etc. zu ersetzen. Aber dieser Vorwurf wird - finde ich - dem Spiel und dem Team dahinter nicht gerecht (3/?)
@Frank82R Für mich geht das Problem nicht erst bei expliziten Nazis und Terfs los. Die ja übrigens in der Realität auch gerne damit argumentieren, dass sie so arm dran sind und deswegen leider menschenverachtend handeln müssen. Als hätten queere Menschen und insbesondere trans Menschen keine eigenen Traumata, um die sich vielleicht auch mal jemand kümmern könnte (und die nicht dazu führen, dass sie sich intolerant verhalten). Da ist jedenfalls meine eigene Priorität.
@Frank82R Ja, und genau das kritisiere ich. Ich möchte kein Spiel spielen, in dem queere Leute die Therapeut*innen der Welt sind und gleichzeitig selbst von der "Ignoranz" (hier als Regelbegriff gemeint) dieser anderen Menschen bedroht sind (und so stehts halt im Demokit drin).
Und ja, ich finde es realweltlich gefährlich, einer ganzen Gruppe Queers in einem Spiel nur diese eine zentrale Aufgabe des "Heilens" zu geben.