Volker Weiß hat gestern Nachmittag noch einen kenntnisreichen Überblick zur neuen Rechten gegeben. Für ihn ist die „Neue Rechte“ ein Arbeitsbegriff, weil sie eigentlich schon lange da ist. Es lassen sich trotzdem einige Merkmale ausmachen: eher durch Akademiker/Mittelschicht geprägt, stark internationalistisch geprägt/Strömungen aus dem Ausland aufnehmend und vor allem die metapolitische Ausrichtung (= vor der Umsetzung von Inhalten sei die Besetzung der vorpolitischen Raumes notwendig), man wolle einen Kulturkampf führen. -> Allerdings seien klare Konturen oft sehr verwischt, insbesondere seitdem es mit der AfD einen (wenn auch nicht deckungsgleichen) parteipolitischen Arm gäbe.
Für Weiß sind rechte Geschichtsdebatten reine Metadebatten. Es ginge gar nicht um die historischen Ereignisse oder gar die Verbrechen, sondern um die Gedenkkultur. Es gehe darum die angebliche „Sakralisierung von Auschwitz“ anzugreifen.
Im Bereich des Negationismus finde man dort auch weniger die explizite Leugnung, sondern eher eine Relativierung. Das drücke sich dadurch aus, dass immer der Hinweis eingeschoben werde, dass die Anderen/die Alliierten ja auch Verbrechen begangen hätten (-> da sei die Neue Rechte gar nicht so neu, ist ein wiederkehrendes Motiv seit vielen Jahrzehnten).
Bei der Rechten ginge es laut Volker Weiß geschichtspolitisch zudem immer um eine doppelte Abwehr. Man wehrt nicht nur die Niederlage von 1945 ab, sondern auch 1918/Versailles. Alles sei ein großer Plot gegen Deutschland, der mit 1918 beginnt.
@Steffen Angriffspunkt ist seltener die Faktizität von Auschwitz, als die Strafbewehrung der Leugnung, das ist mir auch schon aufgefallen. "Solidarität mit Haverbeck" ist natürlich deutlich galanter und gefährdet auch nicht die Beamtenpension.
@moritz_hoffmann Ja, 100%. Das passt ja auch gut zum metapolitischen Ansatz.