Gibt es aus Eurer Sicht grundlegende Unterschiede zwischen der im 19. Jahrhundert beklagten 'Lesesucht' und dem heutigen Diskurs zu 'Smartphonesucht'?

Hintergrund: Die Verknüpfung transportiert eine aus meiner Sicht richtige Kritik an einer 'Bewahrpädagogik', an Kulturpessismus ('Die Jugend von heute wird immer schlimmer!') und fehlender Selbstermächtigung von Lernenden. Auf der anderen Seite frage ich mich, ob der Raum für 'Mündigkeit' angesichts der aktuellen technologischen Entwicklungen und der vorherrschenden Plattform-Geschäftsmodelle im Internet heute nicht doch auch tatsächlich begrenzter ist - und ob wir das nicht mehr als Ausgangspunkt zum pädagogischen Handeln nehmen müssen.

(Konkreter Anlass: Die Schlusspunkt-Kolumne in der aktuellen Pädagogik von @joeran, in der er einen 'Lesesucht-Text' aus dem 19. Jahrhundert mit Textersetzungen hin zu Smartphone wiedergibt. Hilfreich zum Weiterdenken finde ich außerdem diesen Text von @phwampfler -> https://schulesocialmedia.com/2023/05/09/das-problem-an-bauchgefuhl-medienpadagogik/)

#FediLZ

Das Problem an »Bauchgefühl«-Medienpädagogik

Schule Social Media
@ebildungslabor @joeran @phwampfler Der Lesesucht-Vorwurf richtete sich, glaube ich (ohne Experte zu sein) explizit oder de facto vor allem gegen Frauen. Wenn man das frühe 19. Jahrhundert noch dazu nimmt, dann passt das zu einer Furcht vor der Verweichlichung von Männern - französisieren statt wehrhaft turnen. Diese Komponente scheint mir beim Smartphone zu fehlen, außer man verallgemeinert das sehr. (Ansonsten bin ich bei dem Thema schon froh, wenn nicht Sokrates falsch zitiert wird.)