Gestern Buchladen:
"Tut uns leid, alle Bücher ausverkauft. Nichts zu machen, Verkaufsfläche & Lagerbestände leer. Sie wissen ja: zum Wochenende hin lesen die Menschen ungemein viel. Was hier Freitagnachmittag über die Ladentheke geht: enorm! Neue Lieferung dann Montag. Pardon."

Dann:
Ob ich nicht vielleicht noch ungelesene Bücher hätte. Die könne ich mir doch vornehmen. Wäre da nicht das ein oder andere dabei? Es muss doch nicht immer ein neues sein.

Bin aufgewühlt, halte mich von den ungelesenen Stapeln fern und warte auf den Wochenstart.

Habe gerade Buchladen angerufen: noch nicht geöffnet, stattdessen Anrufbeantworter. Mein Text: "Sind Sie denn sicher, dass nicht doch noch irgendwo ein kleiner Band in die Regalritzen gerutscht ist? Vielleicht ein botanisches Wörterbuch? Oder ein Taschenatlas? (...)"
"Irgendwas kaufbares muss doch noch da sein. Haben Sie herzlichen Dank, ich komme später im Laden vorbei, legen Sie die Ware gerne bereit, wenn sich etwas angefunden hat."
Letzter Teil davon wohl nicht mit auf dem Anrufbeantworter gelandet, da vorher schon weiteres Piep-Signal.
Sitze nun mit Tee (grün) unter der Bettdecke und habe mich ringsherum mit Bettzeug & Sofakissen vor den alten Büchern verbarrikadiert.
Die formieren sich auf den Regalbrettern, auf dem Nachttisch, der Fensterbank. Selbst auf dem Küchentisch. Rascheln nie umgeblätterter Seiten.
Ein Band an Kurzgeschichten verschiedener Autor*innen aus einer Mängelexemplarkiste wurde für Verhandlungen vorgeschickt. Zaghaft wird an meiner Bettdecke gezupft. Die typische Unentschlossenheit eines gemischten Kurzgeschichtenbands. Er sagt: "Entschuldigung? Also (...)"
"Wir, die stapelweise Vereinigung ungelesener Bücher (SVuB), ist übereingekommen, dass es sich ja wahrscheinlich doch so verhält, dass da einiges Lesenwertes in uns steckt. Und da würden wir vorschlagen - also da wollten wir empfehlen - ja, also - Lesen Sie doch uns!"
Zögere Antwort heraus. Tee fast leer. Plane Weg in die Küche für Nachschub. Öffnungszeit Buchhandlung: 10 Uhr. Dauert alles.