Februar ist #BlackHistoryMonth, deshalb lest ihr hier diesen Monat einiges über #schwarzeGeschichte.

Ich stelle euch Biografien vor, die geprägt sind von Kampfeswillen, Kreativität oder Macht. Aber auch Menschen, denen Unrecht widerfahren ist, weil sie schwarz waren. Denn wir können die Geschichten vieler schwarzer Personen nicht erzählen, ohne zu thematisieren, dass sie Rassismus und Gewalt erlebt haben.

Zum Auftakt heute Tassi Hangbé und die Dahomey-Kriegerinnen:

Im einstigen Königreich Dahomey, dem heutigen #Benin, kämpften im 18. und 19. Jahrhundert die Agodjiés: militärisch exzellent ausgebildete Kriegerinnen. Das Foto oben zeigt Offizierinnen: Die Hörner, die sie tragen, waren Ausdruck von Rang und Macht.

Die Anfänge der Agodjiés sind nicht klar belegt. Manche glauben, sie gehen auf Tassi Hangbé zurück, die wenige Jahre selbst Königin von #Dahomey war. Das Königreich blühte 300 Jahre lang - auch, weil es sich am Handel mit Versklavten beteiligte.

Tassi Hangbé übernahm um 1718 nach dem plötzlichen Tod ihres Zwillingsbruders Akaba die Herrschaft. Dahomey befand sich im Krieg. Laut Überlieferung soll #TassiHangbe in Männerkleidung erfolgreich eine Schlacht geschlagen haben. Von der männlichen Elite durch Intrigen unter Druck gesetzt, formte sie eine Palastgarde zu ihrem Schutz: Die Agodjiés. Ihren Ursprung hatten die Kriegerinnen womöglich in Jägerinnen, die für den Königshof Elefanten erlegten.

Die Frauen durchliefen ein hartes Training. Als Waffen dienten ihnen Musketen, im Nahkampf nutzten sie Macheten und 90 Zentimeter lange rasiermesserscharfen Klingen. Es soll bis zu 6000 Kriegerinnen gegeben haben.

Überliefert sind Hinweise auf die Agodjiés durch rassistische Beschreibungen der Kolonialmächte. Die Kriegerinnen wurden als “Amazonen” bezeichnet. Dass sie exzellent kämpften, machte sie nicht zu herausragenden Kriegerinnen, sondern zu “wilden”, “verrückten”, “blutrünstigen” Frauen.

Tassi Hangbé regierte nur drei Jahre, aber die Agodjiés lebten fort. 1892 verlor das Königreich Dahomey jedoch einen blutigen Krieg gegen die Kolonialmacht Frankreich. Schon ein Jahr später wurden überlebende Dahomey auf der World Columbian Ausstellung in Chicago zur Attraktion. Die französische #Kolonialmacht unterdrückte nicht nur Schwarze, sondern auch die Geschichte der Dahomey und ihrer Kriegerinnen - mit verheerenden Folgen: Frauen sind heute in Benin stark benachteiligt.

Erst seit Kurzem erinnert eine 30 Meter hohe Bronzestatue an Tassi Hangbé und die Agondjié.

Die Agondjié fanden vielfach Eingang in die Kultur. Die amerikanische Poetin, Feministin und Aktivistin Audre Lorde verfasste u.a. das Gedicht “Dahomey”.
Auf YouTube findet ihr einen Clip, in dem Lorde das Gedicht selbst vorträgt.
https://youtu.be/1wIuwR4fv18

Audre Lorde reads Dahomy

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Die Dahomey Kriegerinnen tauchen in Werner Herzogs Film “Cobra Verde” auf und als “Dora Milaje” des Königreiches Wakanda in der “Black Panther”-Reihe. Auch der 2022 erschienene Film “The Woman King” mit Viola Davis basiert auf der Geschichte der Dahomey-Kriegerinnen.

Literatur:
Stanley B. Alpern: Amazons of Black Sparta. The Women Warriors of Dahomey.
Boyd Cothran, Joan Judge, Adrian Shubert (Ed.): Women Warriors and National Heroes.
Pamela Toler: Women Warriors. An Unexpected History.

BBC Africa hat eine tolle kurze Doku, die die Brücke von Tassi Hangbé in die Gegenwart Benins schlägt, wo heute 70 Prozent der Frauen Opfer von häuslicher Gewalt werden. Marie Elise Gbedo, erfolgreiche Anwältin und viermalige Präsidentschaftskandidatin in Benin, sagt in dem Film: “In der Schule haben sie mir von Jeanne d’Arc erzählt, ohne mir von meiner Königin zu erzählen. Warum ist das so?!” https://www.youtube.com/watch?v=aKW3Qy2jekM&ab_channel=BBCNewsAfrica
The Woman King: In the footsteps of Benin's Tassi Hangbé - BBC Africa

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