Dieser diffuse Begriff „Wohlstand“ hat mich immer schon irritiert. Zum einen, weil er fast immer auf seine materielle Komponente reduziert wird (Produktivität, Ressourcen). Zum anderen, weil er dort mit einem „mehr als …“ gleichgesetzt wird. Mehr als andere, mehr als normal, mehr als gebraucht wird. Es ist immer dieselbe Erzählung, und ich habe ihren Kern noch nicht erfasst.

Warum ist besser = mehr als? Wer kann mir das schlüssig erklären?

@babelsberg

Ich denke, die Unschärfe im Wohlstandsbegriff macht ihn so vielseitig nutzbar. Damit lassen sich Themen leicht verständlich anreißen.

Eine genauere Definition müsste dann in der jeweiligen Fachdiskussion folgen.

Im allgemeinen würde ich, Wohlstand (ähnlich zu dem was du schreibst) als Verfügungsgewalt über Ressourcen verstehen.
Ressourcen können für mich dann allerdings auch immateriell/kulturell sein.

@babelsberg
Ein schrumpfen des wirtschaftlichen/materiellen Wohlstandes geht auch immer mit Verzicht einher.
Ich denke, die negative Konnotation von Verzicht in unserer Gesellschaft ist der Grund für den von dir angeprangerten Umkehrschluss

"Warum ist besser = mehr als?"

Die viel relevanter Frage in dem Kontext der endlichen Ressourcen unseres Planeten ist für mich jedoch:
Wie können wir unser Leben und unsere Gesellschaft mit weniger Ressourcen schöner/angenehmer/nachhaltiger gestalten?

@MisterRioes was mich dabei interessiert ist auch der anthropologische Aspekt: ist das Streben nach „mehr als“ dem einzelnen Menschen immanent oder ist es (nur) erlerntes Verhalten? Will die menschliche Seele von sich aus in zu großen Autos rumprollen oder sind wir lernfähig?

@babelsberg
Wenn man nach Butan schaut, wirkt es so als ob der Mensch die Möglichkeit des Vergleichs mit anderen nutzt, so bald diese gegeben ist. (Mit Aufkommen des Internets und Medien von außen sank die empfundene Glücklichkeit.)

Daher würde ich es schon so sehen, dass dem Menschen das streben nach einer Vergrößerung der eigenen Möglichkeiten und einer Verbesserung der eigenen sozialen Position immanent ist.

@babelsberg

Wäre ein geringer Ressourcenverbrauch an höheren Status gekoppelt ließe sich das vielleicht zu Gunsten der Nachhaltigkeit ausspielen? [Grübel Smiley]

@MisterRioes wenn es dem Menschen innewohnt, dann haben wir noch einen weiten Weg vor uns. Die Lernkurve scheint mir recht flach zu sein