Der aktuelle Fall des Schauspielers und den Kinderpornos zeigt einmal mehr die Frage auf, ob Künstler und deren Kunst getrennt oder als Einheit gesehen werden müssen / sollen. Mozart und Beethoven waren wohl furchtbare Charaktere, Loos und wohl auch Zweig haben Kinderprosituierte besucht, Goethe war alles andere als ein Frauenrechtler, noch weniger Picasso oder Hundertwasser, etc etc. Andererseits ist ein Nazi Künstler jemand der mit seiner Kunst ein Mörderregime unterstützt hat und davon unterstützt wurde und man dann auch zu Recht mit ihm entsprechend umgeht. Aber - kann man da eine generelle Regel aufstellen? Denn nicht einmal das Strafrecht war bisher ein Kriterium, siehe zb Otto Mühl, dessen Bilder immer noch teuer verkauft, Woody Allen Filme immer noch gezeigt werden. Und - müssen Künstler moralische Vorbilder sein? Oder hängen wir ihnen, wie auch Sportlern etwas um was sie gar nicht können, nämlich moralische und spirituelle Instanzen zu sein die in Wirklichkeit der Religion zukommen und ein Künstler gar nicht bringen kann? Hypen, ikonisieren, veröttern wir viel zu schnell Künstler für ihre Kunst in Sphären in denen sie eigentlich nichts zu suchen haben? Und anderersetis, unterstützen wir sie viel zu wenig mit dem Gehype zurechtzukommen?! Ich weiss keine Antwort, aber vielleicht fällt jemanden etwas ein dazu.
@gernotgalib Schwieriges Thema weil wir uns - so meine persönliche Ansicht - als Gesellschaft zu sehr von Narzist*innen, Blender*innen, Soziopath*innen und Psychopath*innen blenden lassen. Wir spülen Persönlichkeiten nach oben und ins Rampenlicht, die es verstanden haben zuerst im familiären Kreis, dann Bekanntenkreis usw. Menschen auf verschiedenste Weise zu manipulieren. Das ist wohl bei vielen Künstler*innen, Wissenschafter*innen, Politiker*innen usw. so. Bei Künstler*innen kommt dazu, daß Kunst sehr subjektiv ist und der Wert großteils ein rein ideeller, nicht klassisch messbarer, Wert. Würde ich mir einen Picasso ins Wohnzimmer hängen wenn nicht Picasso draufstehen würde? Eher nicht. Es gibt gute Künstler*innen wie Sand am Meer - viele wissen es halt selbst nicht und haben nicht das selbstdarstellerische Skillset, um in jene Kreise (auch geprägt von Narzisten und Psychopathen) zu kommen in denen sie sich gegenseiten hoch puschen....natürlich nicht aus reinem Altruismus. Es gibt so viele Ausnahmekünstler*innen, die qualitativ hochwertige Musik, Skulpturen, Kunstwerke etc. produzieren aber nur eine kleine Fanbase haben. Vielleicht stabilere Persönlichkeiten die keine Tobsuchtsanfälle bekommen weil jemand mal Kritik äußert.
Gleiches in der Wissenschaft. Viele Blender, viele Narzisten, deren Wege von seelischen Leichen gepflastert werden. Aber angesichts der hochstilisierten Genialität lässt man den "zerstreuten Professoren" alles durchgehen. Genie und Wahnsinn liegen halt nah beieinander - so das Narrativ. Gibt ja auch einige Nazi-Wissenschaftler, deren Mitwirken damals heute stark relativiert wird. Was ich da schon für "Ausreden" gehört habe - geht auf keine Kuhhaut. Also läßt sich die Gesellschaft generell (und hier zähle ich mich natürlich auch dazu) blenden und misst dann noch mit (mind.) zweierlei Maß.
Die gewünschte öffentliche Präsentation als moralische Instanz ist in solchen Fällen oft Teil der Manipulation im Sinne des Eigennutzes. Meist ist dies aber nicht über längere Zeit aufrechtzuerhalten. Dann gibts noch jene, die in "Enabler"-Kreise gekommen sind, in denen es völlig egal zu sein scheint welche moralischen Vorgaben es gibt - siehe Epstein & Maxwell