Ökumene ist out, postkonfessionell ist der letzte heiße Scheiß. https://zeitzeichen.net/node/10231
Gegen die Einheit | Plädoyer für ein postkonfessionelles Christentum

Mein Mann ist katholisch, aber nicht mehr lange. Vorausgesetzt, er schafft es irgendwann noch mal, bei der Stadt Frankfurt einen Termin zum Kirchenaustritt zu ergattern, wird er zur evangelischen Kirche wechseln. Schließlich hat der Papst ihm das ausdrücklich empfohlen: „In Deutschland gibt es eine sehr gute evangelische Kirche. Wir brauchen nicht zwei davon“, sagte Franziskus schon vor einiger Zeit an die Adresse derer, die den traditionalistischen Kurs des Vatikans kritisieren.

@antjeschrupp Ein Anstoß, über die eigenen #Kirchenbilder nachzudenken - Einheit war ja schon im Bild des Leibes, das Paulus im Korintherbrief nutzt, nicht uniform gedacht. Die große Vielfalt der frühen Kirche, diese Beobachtung finde ich an vielen Stellen wieder, die sich damit befassen.
Gleichzeitig gibt es im Johannesevangelium oder den Johannesbriefen Impulse zur #Einheit bzw. zur #Gemeinschaft, die in diesem Plädoyer weniger viel Resonanz haben - in meiner Wahrnehmung aber attraktiv sind.
@HGU Einheit und Gemeinschaft sind attraktiv, aber doch nicht mit jedem. Es gibt Leute, da bleib ich lieber allein.
@antjeschrupp Klar. Mich bewegt in diesem Zusammenhang eine Aussage einer Benediktinerin, Sr. Benedikta aus Kellenried sehr. Als evang. Pastorentochter war sie, nach dem 2. Weltkrieg, ins Kloster gegangen. Sie war schon in einer Todeszelle gewesen, hat dann doch überlebt. Ihr war wichtig, dass wir wissen, dass sie darum betet, im Himmel auch Hitler treffen zu können. D.h. wenn man vom Ende schaut, lohnt es sich, auch im Wissen um die vielen Wohnungen dort, den Kreis nicht zu klein zu ziehen.
@HGU Hm. Was ist ein Himmel wert, in dem Leute wie Hitler rumlaufen? Ich verstehe die Benediktinerin nicht. Ich denke, diese "Wir verstehen und vergeben alles"-Haltung vieler Christ*innen ist oft nur Täterschutz. Der alles "vergebende" christliche Gott hat viel Leid verursacht, weil Christ*innen im Zweifelsfall viel Verständnis für die Täter haben, aber die Opfer unter den Bus schmeißen. Sieht man ja auch wieder bei "christlicher Friedensethik", die sich zum Komplizen Putins macht usw. schwierig

@antjeschrupp Vermutlich ist die Erfahrung, Vergebung macht frei, nicht so einfach nachzuvollziehen für Menschen, die es nicht schon mal erlebt haben.

Das Herrengebet, das ,𝑽𝒂𝒕𝒆𝒓 𝒖𝒏𝒔𝒆𝒓' gibt der Vergebung einen hohen Stellenwert, natürlich beten nicht alle bewusst, ... 𝐰𝐢𝐞 𝐚𝐮𝐜𝐡 𝐰𝐢𝐫 𝐯𝐞𝐫𝐠𝐞𝐛𝐞𝐧 ... aber manche schon. So spricht mich das Zeugnis von Immaculée Ilibagiza aus Ruanda an, verstehe gleichzeitig, dass so etwas manchen fremd ist - Gehört das Vater-unser-Gebet zum Christsein dazu?

@HGU ich verstehe das Vaterunser nicht als Aufforderung, Tätern zu vergeben, damit sie weiter morden, rauben und quälen können, sondern denen zu vergeben, die ernsthaft um Vergebung bitten und umkehren möchten. (Das ist ja auch manchmal schwer.) Aber Hitler hat nicht um Vergebung gebeten und ist auch nicht umgekehrt. Diese christliche Bereitschaft, allen und und jedem zu vergeben, egal ob jemand ernsthaft bereut und umkehrt, ist falsch und lässt sich auch nicht aus dem Vaterunser ablesen.
@HGU und zu dem Argument, dass es dich frei macht, wenn du vergibst - das mag sein, wenn du selbst das Opfer bist. Christen sind aber auch schnell mal bereit, zu vergeben, wenn andere das Opfer sind oder von Opfern Vergebung einzufordern. Und das ist einfach daneben.
Toxische Seelsorge: Wie sich Pfarrer nach 1945 um NS-Täter kümmerten

Deutschlandfunk
@antjeschrupp Vergebung kann man nicht einfordern, da bin ich sofort dabei. Unser Austausch hat unterschiedliche Interessen.
Mir ist die therapeutische Perspektive wichtig, eine Hilfe nicht zu verbittern,
also eine positive Verwandlung mit Gottes Hilfe anzustreben, aus der Opferrolle auszusteigen.
Wie sich Täter zu ihrem unguten Tun (am Ende der Zeit vor Gott) verantworten (können/wollen), ist offen - manche Menschen beten dafür.
Keine Person soll auf ihre Sünden festgelegt bleiben müssen.