Brief von Lina S.
29.12.2022
Ich weine.
Wir weinen.
Vor mir sitzen Merita, Charlotte und Judith. Mit mir hier im Haftraum sind drei mutige Menschen und weinen. Wir weinen, auch wenn der Tag schön war. Wir weinen auch, wenn wir alles haben, was wir brauchen.
Wir weinen.
Wie kann man denn nicht weinen?
Wir können und wir wollen den Schmerz, den wir spüren, nicht Verdrängen. Die Klimakatastrophe tötet Wälder. Das Leben in unseren Ozeanen. Die Vögel fallen beim Fliegen tot aus der Luft. Unser Aushalten und Verharren während die Erde sich immer weiter erhitzt, tötet. Tötet auch Menschen.
Wir weinen.
Und während wir weinen merke ich, wie sehr ich liebe. Ich liebe jede einzelne dieser tapferen Frauen, die mit mir hier in Präventivgewahrsam sind Ich liebe.
Ich liebe, dass wir Menschen lachen, loslassen und leben. Ich liebe, dass wir verzeihen verändern und Verantwortung übernehmen können. Ich liebe uns Menschen und ich liebe diese Welt. Ich liebe.
Wie kann man denn nicht lieben?
Wir sind hier im Frauentrakt der Justizvollzugsanstalt Stadelheim weil wir Ungerechtigkeit, Zerstörung und Ignoranz sichtbar machen, sichtbar machen müssen, sichtbar machen wollen.
Wir sind hier eingesperrt, weil wir dagegen aufstehen.
Wir sind hier und leisten zusammen Widerstand.
Lasst und alle für Gerechtigkeit und Klimaschutz einstehen. Lasst uns ehrlich sein und in den Abgrund blicken, um dann miteinander einen Weg nach vorne zu finden. Lasst uns die Zeit, die war haber nutzen und lasst uns nicht aufhören.
Wir müssen uns entscheiden:
Trauer und Furcht oder menschliche Wärme und Busammenhalt?
Du musst dich entscheiden: friedlich zuschauen und akzeptieren oder handeln und friedlich rebellieren?