Heute wurde die virtuelle Forschungsumgebung https://berlinerkunstkammer.de gelauncht. Dieses Online-Angebot ist im Rahmen einer Forschungskooperation der #staatlichemuseenzuberlin, der @[email protected] zu Berlin und des @[email protected] entstanden.
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Die #BerlinerKunstkammer war die Keimzelle der Berliner #Museumslandschaft. Diese Kunstkammer wurde Ende des 16. Jhd vom Brandenburgischen Kurfürst Joachim II im #BerlinerSchloss eingerichtet und war zunächst in gewissem Sinne ein köngl. Kuriositätenkabinett.
Im Laufe der Zeit erfuhr die Sammlung zahlreiche Wandlungen, bereits im 30 jährigen Krieg wurden erhebliche Teile des Bestandes zerstört oder geplündert. Vor allem aber fiel die eher politisch motivierte Zusammenstellung der Objekte dem Megatrend des 19. Jhds zum Opfer,
der Bemühung um Systematisierung in einem wissenschaftlichen Sinne. Dieser Megatrend ist übrigens bis heute das wohl wirkmächtigste Vermächtnis des 19. Jhds. In diesem Zuge wurden weite Teile der Sammlung in eigenständige Sammlungen überführt, z.B. in eine zoologische Sammlung
oder eine mineralogische. Andere Objekte wurden in die ethnologische Sammlung überführt und einiges landete schließlich im Neuen Museum auf der berliner #Museumsinsel.
Die Sammlung die in Zusammenstellung und Präsentation als Teil einer Herrschafts- und Machtinszenierung
zu begreifen ist - quasi einen weltliches Gegenstück einer sakralen Reliquiensammlung verschwand parallel mit dem frühzeitlichen monarchischen Herrschaftsverständnis. Die Objekte diffundierten aus der Sphäre der Macht in die Sphäre der Wissenschaft...
wobei im Prozess dieser Diffusion in besonderer Weise erkennbar wird wie sehr diese Trennung der Sphären eine neuzeitliche Fiktion ist. (Worüber man bei anderer Gelegenheit noch einmal sprechen sollte)... Jedenfalls gibt es die #berlinerkunstkammer seit über
100 Jahren nicht mehr. Aber es gibt Quellen aus den verschiedenen Epochen, Inventarlisten, Reiseberichte usw. Und in diesen Quellen wird auf Objekte verwiesen, wobei die Verweisung in einigen Fällen Recht eindeutig ist, in anderen Fällen aber völlig unklar bleibt.
Einige der Objekte konnten in den Sammlungen die heute Objekte aus der Kunstkammer beherbergen identifiziert werden, andere Objekte bleiben als grauer Schatten eines undeutlichen Quellenverweises im Nebel oder sind einfach gänzlich verschwunden.
Das Forschungsprojekt hat nun in Jahre langer Detektivarbeit ausgehend von den Quellen die erwähnten Objekte der früheren Sammlung (en) wieder zu einer virtuellen Sammlung zusammengetragen.
Es ist mir bisher kein Forschungsprojekt untergekommen, dass den gesellschaftlichen Transformationsprozess von einer religiös geprägten ständischen Gesellschaft hin zu einer wissenschaftsdominierten modernen Gesellschaft besser zur Anschauung gebracht hätte.
Das spannende ist das das Projekt seinen Forschungsgegenstand nämlich die #Transformation in der Rezeption der Objekte im Grunde genommen fortschreibt. Die Nebeneinanderstellung verschiedener Narrative, der kritische Blick auf die Provinienz,
aber vor allem auch die wissenschaftliche redliche Unsicherheit - die zitternde Hand der Historiker*innen beim Umgang von z.B. von Rassismus durchdrungenen Texten (was tun mit Texten und Objekten die den Rassismus unserer bis in die Gegenwart reichenden Geschichte dokumentieren?)
diese ganze Herangehensweise die sich in dieser Forschungsumgebung niederschlägt ist stilistisch symptomatisch für unsere Zeit und unsere Wissenschaft. Darüber hinaus schlägt sich auch der Stand der Technik in dem Projekt nieder, denn es braucht erstaunlich viel Technik um
die durch verschiedenste Quellen referezierten Objekte als ein - identisches Objekt zu erkennen, also zu erkennen, dass ein Schabel eines Vogels der Erwähnung in einer Quelle von 1685 der selbe Schnabel sein muss der auch 1812 erwähnt wird.
Insofern müsste sich diese virtuelle Sammlungsdatenbank selbst wiederum als eine der "historischen" Inkarnationen der Sammlung in die eigene Datenbank schreiben...wie eine Schlange die sich selbst in sein hinteres Ende beißt.
Leider ist ist Onlinepräsentation noch nicht vollständig mobil-optimiert, das wird sich hoffentlich in den nächsten Tagen ändern. So oder anders gilt: wer der Geschichte der Moderne beim Geschehen zusehen möchte muss sich diese Onlinepräsentation anschauen und darin stöbern...
hier noch einmal der Link:
https://berlinerkunstkammer.de/
und der dazugehörige Hashtag:
#BerlinerKunstkammer
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