In vielen Spielarten der Esoterik ist Schuldumkehr - gerade beim Thema Gesundheit - ein gewaltiges Problem. Karma & Wiedergeburt klingt für viele Menschen harmlos. Nach dem Motto: „Wer gutes tut, wird vom Universum belohnt!“ Aber im Umkehrschluss bedeutet so ein Glaube.. (1/x)🧵
an eine „gerechte Welt“ eben auch: „Wem schlimmes widerfährt, der muss das wahrscheinlich irgendwie verdient haben.“ Finden sich keine „Ursachen“ in diesem Leben, kann kurzerhand über Missetaten in vergangenen Leben spekuliert werden. Krankheit bekommt so vermeintlich einen…
tieferen Sinn. Betroffene machen sich daraufhin schwere Vorwürfe. Im schlimmsten Fall kann es passieren, dass es z.B. bei „Rückführungstherapien“ heißt, ein Vergewaltigungsopfer habe in der letzten Inkarnation selbst anderen sexuelle Gewalt angetan. Oder aber der Holocaust…
wird mithilfe solcher „Konzepte“ zu einer angeblich karmischen Notwendigkeit umgedeutet. Esoterik kommt oft vermeintlich harmlos daher. Im Kern vieler Konzepte stecken aber hochproblematische Inhalte. Von wegen „sanft“ & „ganzheitlich“.

@kattascha

Aber prinzipiell steckt in jedem psychosomatischen Denkansatz das gefährliche Muster: "Ein bisschen bist du für deine Erkrankung selbst schuld, hättest du mehr auf deine Psyhohygiene geachtet, wäre das nicht passiert!" Es ist wichtig sich Zusammenhänge bewusst zu machen, man muss sich aber auch klar sein, dass man dem Betroffenen manchmal unnötig Schuld auflädt.

@Rupher @kattascha
und nicht zu vergessen, wie die anthros behinderte gerne mal nicht fördern, die befinden sich halt auf ihrem karmischen weg, lass die mal...
@3000kekse @Rupher @kattascha
Geistig Beeinträchtigte bezeichnete Steiner als "Trottelinkarnation". Mehr muss man nicht wissen.
@3000kekse @Rupher @kattascha
Auch Hochbegabung ist suspekt und die Bürde eines karmischen Ich-weiß-nicht-was.
Waldorflehrer zum hochbegabten Jungen, der sich über Langeweile beschwerte und sich schwierigere Aufgaben wünschte: "Ich werde Dich doch nicht noch für Deine karmische Last belohnen!"
@Rupher @kattascha ähm, nein, das steckt nicht in jedem psychosomatischen Denkansatz, nur bei Therapeuten, die nochmal den eigene Psychohygieneplan überarbeiten müssen.
Wenn mir etwas widerfährt, bin ich nicht schuld als Opfer, was nicht heißt, dass ich nächstes mal nicht schlauer sein darf. Eine depressive Haltung ist es, in sich die Schuld zu suchen, eine moderne (kapitalistische?) Haltung, die Schuld zuzuweisen --- Es ist kompliziert. wenn ich geraucht habe und Krebs bekomme weiß ich das 1/2

2/2
... Krebs und Rauchen...

dann kann schon die Frage nach dem Konsum die Schuldgefühle und auch die Schuldzuweisung triggern.

Ebenso die Frage nach dem Ablauf der Krankheitsentstehung bei Trauma, Depression etc. - wir wissen nicht immer, wie wir am besten fragen.

Wenn der Schaden da ist, soll er nicht größer werden, und nicht wieder geschehen.

Ist die Ursache, der Grund egal? Jain oder Jein?

@grob @kattascha @ennopark @Rupher @wiwet @norg @AchimMenges @mandelbrot57

@Daniel @grob @kattascha @ennopark @wiwet @norg @AchimMenges @mandelbrot57

"Jeder psychosomatischer Ansatz" war von mir dumm formuliert - so pauschal stimmt es nicht. Die Frage nach den Ursachen ist nicht egal, mir ist es aber genauso wichtig zu betonen, dass psychische Erkrankung über eine einfache Kausalität, die wieder zu einer eigenen Schuldzuweisung führen

@Daniel @grob @kattascha @ennopark @wiwet @norg @AchimMenges @mandelbrot57
kann ("was hab ich falsch gemacht"), eine Eigendynamik haben können, vor der niemand "sicher" ist.
Der Gedanke, dass der Schaden nicht noch größer werden darf, finde ich sehr gut, würde ich sofort unterstreichen!
@kattascha Noch schlimmer finde ich die Tendenz, die Schuld nicht im früheren sondern in diesem Leben zu suchen. Da wird dann dauernd Krebs zur Folge einer falschen Einstellung irgendwelchen Leuten oder Problemen gegenüber. Ganz fürchterliches Gaslighting, das mit jeder Erkrankung getrieben werden kann.

@kattascha wichtige Hinweise und treffend formuliert.

Eigene Erfahrung: Nach der für mich niederschmetternden Diagnose "komplett unfruchtbar" war die mit Abstand schmerzhafte Äußerung: Die Natur hat sich sicherlich etwas dabei gedacht.

Das ist nicht exakt was du beschreibst, geht für mich aber durchaus in die Richtung. Und tut richtig weh.

@kattascha Leider gehen auch Teile der ernsthaften Psychologie und Beratung teilweise in die Richtung, bzw. die Proponenten tappen in diese Denkfalle. Mit der Lösung von Problemen bei sich selbst anzufangen, ist ja grundsätzlich eine gute Idee, aber oft genug bekommt man dabei unterschwellig vermittelt, man sei halt unreif oder irgendwie selber schuld.
@kattascha Exakt das. Esoterik ist letztlich victim blaming.
@kattascha Das findet sich leider auch in der normalen Medizin. Natürlich seltener und mit nicht ganz so absurden Erklärungen, aber das gibt es. Und seien es nur Mikroaggressionen, weil man die Dreistigkeit hat krank beim Arzt aufzukreuzen. Selbst mehrfach und aufs übelste erlebt.