heute stellt das bka die zahlen zu partnerschaftsgewalt für 2021 vor. sehr viele gewaltbetroffene erscheinen nicht in der statistik, weil sie keine anzeige erstatten. warum machen das gewaltbetroffene frauen nicht? es ist komplex, ein paar gedanken dazu: 1/
viele betroffene, die ich familienrechtl begleite,haben kaum ressourcen für langwierige, stressige verfahren.sie müssen nach der trennung ihr leben organisieren, sich vom trauma erholen, wohnungen finden, im frauenhaus zurecht kommen, ihre kinder versorgen, schlicht ÜBERLEBEN 2/
viele haben kein vertrauen in die polizei, weil sie selbst oder freund*innen und bekannte bereits die erfahrung machen mussten, dass sie nicht ernst genommen werden, dass sie misogyne fragen beantworten mussten, dass es zu täter-opfer-umkehr gekommen ist.
viele betroffene haben unglaubliche angst (berechtigt) vor der rache des expartners, entweder durch gewalt an ihnen oder an ihren kindern. durch kindesentführungen, durch "ich mach dir dein leben zur hölle". die trennungssituation ist ein hochrisikofaktor für femizide 4/
viele betroffene wollen ihren expartner, nicht anzeigen weil sie nicht wollen, dass er strafrechtliche probleme bekommt, weil sie sich schuldig und verantwortlich fühlen,weil sie beispielsweise nicht möchten, dass der vater ihrer kinder stress mit der polizei und dem staat hat 5/
scham, schuld und misogyne strukturen spielen zusammen. mehr öffentlichlichkeit für das thema, echte unterstützung bei trennungen, spezialisierte und fortgebildete staatliche Institutionen würden schon mal weiterhelfen. am wichtigsten aber immer wieder: prävention.