Russland sieht sich kollektiv im Krieg gegen den Westen und der Westen weigert sich seit acht Jahren, das zur Kenntnis zu nehmen. Man wundert sich nur ab und an im Feuilleton über die Desinformation und die Spaltung der Gesellschaft und die Energieabhängigkeit und Cyberangriffe.
Headline in fünf Jahren:
"Wie konnte China so viel Macht über deutsche Politik gewinnen?"
"HUCH!", aber als politische Strategie.
@afelia Ich hab da einen schlimmeren Verdacht: Es wird einfach nur so getan, als sei man überrascht. Hab den Eindruck, in allen Bereichen denkt man fast ausschließlich opportunistisch, dreht das Rad eben weiter und versucht sich “irgendwie durchzuwurschteln”. Politik, Bildung, Industrie, you name it. Brauchen wir eine Art 68er Bewegung um den Muff loszuwerden?
@afelia noch viel mehr macht es mich fassungslos, wie man Merkel, Gabriel und Co. ihr “Huch das war ein Fehler” einfach durchgehen lässt. Es wurde jahrzehntelang Gräben mit Geld zugeschüttet und “Politik der kleinen Schritte” gemacht und dabei hat man offensichtlich komplett vergessen, warum man überhaupt Politik macht. Ich habe den Eindruck, man ist überhaupt nichtmehr in der Lage, das große Ganze zu denken und hüpft deshalb von Krise zu Krise.
@nfrgrt @afelia
Die Politikwissenschaft geht seit ca 1950 fest davon aus, dass Politiker*innen in Demokratien aus komplett rationalen Gründen immer nur bis zur nächsten Wahl denken. Solange die Wähler*innen ihr Wahlverhalten nicht von sich aus auf die lange Zukunft ausrichten, ist entsprechendes Handeln der Gewählten leider auch nicht zu erwarten - die werden nie freiwillig ihre Wähler beunruhigen, sobald sie selbst an der Macht sind. So funktioniert Demokratie...
@markus_quandt @afelia Ist das sowas wie der Homo Oeconomicus der Politikwissenschaft, der axiomatisch zugrunde gelegt wird für jede Analyse? Wie konnte dann zB Rot-Grün dann Agenda-Reformen beschließen und sehenden Auges die Macht verlieren? Oder die von selbiger Regierung beschlossene Energiewende, die dann von den Nachfolgern verschleppt wurde? Ich wehre mich gegen die Vorstellung, dass das so sein muss, weil Demokratie und so. Dann könnten wir den Laden dicht machen.
@nfrgrt @afelia
@lovesdaryl
ja, das ist der gleiche Homo Oeconomicus, nur werden hier Stimmen maximiert, nicht Profite.
Deshalb den Laden dicht machen? Kommt drauf an. Der H.Oec. ist ja eben ein Denkmodell, und nur dumme Ökonomen (die es natürlich oft genug gibt) glauben, dass wirklich alle Menschen nach dem Modell handeln. Nützlich ist es aber auch dann, wenn es nicht immer stimmt, weil es eine plausible, oft dominante Verhaltenstendenz beschreibt.
Wo könnte die 'Rettung' sein?
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@nfrgrt @afelia @lovesdaryl
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1. Die Ziele der *WählerInnen* liegen außerhalb des Modells, und sind eben nicht zwangsläufig nur materialistisch: Wenn genug WählerInnen Wandel wollen, machen die Politiker das!
2. "Genug" WählerInnen müssen nicht alle W. sein, und nicht mal immer Mehrheiten. Im Guten wie im Schlechten reichen oft laustarke Minderheiten, um in Demokratien die Richtung der Politik zu bestimmen. (Auch das kann man teilw. über Marktgesetze erklären).
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@nfrgrt @afelia @lovesdaryl
... Es bleibt aber das Problem, dass Demokratien meistens erst reagieren, wenn es sehr, sehr spät ist. Das liegt daran, dass die 'Masse' leider viel langsamer lernt als die Eliten. Und das ist unglaublich schwer zu ändern. Also entscheiden demokratische Eliten, wider besseres Wissen, nach den Präferenzen der zu langsamen WählerInnen. Mit allen negativen Folgen.
Deswegen die Demokratie abschaffen? Lieber nicht, wäre meine Meinung.