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Ein Transkriptom beschreibt die Quantität aller vorhandenen mRNAs (Transkripte bestimmter Gene des Genoms) zu einer bestimmten Zeit in einer bestimmten Zelle, einem bestimmten Organ oder in einem Organismus.

Die Transkriptome von sehr jungen und sehr alten Menschen unterscheiden sich ähnlich deutlich, wie die von Hirn- (Neuronen) und Muskelzellen (Myozyten).
Warum?

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Weil zu verschiedenen Entwicklungsschritten und in verschiedenen Körperteilen, andere Proteine zur Funktion benötigt werden. Die Vorstufe der Proteine sind mRNAs. Werden mehr Proteine einer bestimmten Art benötigt, wird das dafür kodierende Gen häufiger transkribiert in mRNA und diese dann in ein Protein translatiert. Wird es seltener benötigt, wird das Gen ebenfalls seltener transkribiert und somit weniger diesen Proteins produziert.
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Das passiert simultan mit zig tausenden Genen/Proteinen (Genregulation, Genexpression). In jeder Zelle ein wenig anders. Das Transkriptom ist also nichts statisches, wie etwa das Genom (theoretisch in jeder Zelle eines Organismus identisch). Es ist dynamisch und ständig im Wandel. So sehen wir beispielsweise auch Veränderungen des Transkriptoms nach Behandlungen. Das können Medikamente, Sonneneinstrahlung oder Alkoholkonsum sein.
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@lenri2017 Interessant! Ist die Veränderung des Transkriptoms nach einer Behandlung dann (gewollt) fehlerhaft oder der Auswirkung nach sinnvoll angepasst?

@Animarci eher letzteres. Ist die Behandlung schon doof, ist die Reaktion des Körpers oft ja auch nicht schön. Wird beispielsweise Alkohol getrunken, müssen in der Leber Enzyme/Proteine produziert werden, die diesen abbauen. Heißt, es werden vermehrt entsprechende mRNAs für Alkoholumsetzende Proteine/Enzyme transkribiert. Damit unterscheidet sich das Transkriptom der Leber (und des gesamten Organismus) vor, während und nach der "Behandlung" in Form von Alkoholkonsum.

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@Animarci Es gibt intrinsische Auslöser für eine Änderung/Anpassung (Wachstum, Zyklus etc) und externe (Nahrung, Stress, Gifte). Das Transkriptome beschreibt immer nur einen kurzen Ist-Zustand, denn der Körper ist ständig internen und externen Reizen (das kann alles sein) ausgesetzt.
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@Animarci Dennoch kann man beispielsweise bei bestimmten Entwicklungsschritten während der Embryonalphase Transkriptom-Muster erkennen, die bei allen menschlichen Embryonen wieder zu finden sind. Und sich auch bei anderen Arten in sehr ähnlicher Art wiederfinden lassen :)

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