Technophobie gegenüber KI wächst – Proteste von Künstlern bis zu Umwelt- und Rechtseinwänden zeigen, dass gesunder Zweifel Teil einer demokratischen KI-Politik ist; Angst ist unnötig, aber Über- oder Unterbewertung gefährlich, weshalb ich klare Grenzen sichtbar mache.

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Technophobie? Der KI-Widerstand wächst

Der KI-Widestand wächst. Doch was für einige wie ein Hindernis wirkt, ist ein wichtiger Beitrag zu einer demokratischen KI-Politik.

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Michael Kretschmer will die deutschen Klimaziele auf 2050 verschieben und den Ausbau der Windkraft in Sachsen drosseln. Aber dem Klima ist das egal. Es wartet nicht. Wer Klimaziele verschiebt, verschiebt Verantwortung – und verspielt unsere Zukunft. Innovation heißt dranbleiben beim Ausbau Erneuerbarer Energie, von Speichern und Netzen - nicht aufschieben.
Für Werner Seppmann spiegeln sich in der Nutzung des Digitalen nicht nur Klassenverhältnisse, sondern es finden sich in der "Kalifornischen Ideologie" auch irrationale und faschistoide Tenden. Teil 3 des Gesprächs über sein Buch Kritik des Computers.

Herr Seppmann, inwiefern spiegeln sich in der Internetnutzung Ihrer Ansicht nach Klassenverhältnisse?

Werner Seppmann: Sehr deutlich zeigt sich dass beim Internet als Informationsmedium. Soziale Differenzen werden nicht eingeebnet, sondern noch verstärkt. Bildungsbarrieren werden nicht abgebaut: Der Sohn aus guten Hause weiß, weil er angeleitet wurde, die Möglichkeiten des Netzes bei Wissensrecherchen und als Hilfsinstrument beim Lernen zu nutzen. Die Tochter einer Verkäuferin informiert sich jedoch vorrangig über die Beziehungsverhältnisse eines Schlagersängers und die Teilnahmebedingungen einer Casting-Show: Es dupliziert sich bei einer solch schichtenspezifischen Computernutzung, was schon vom Fernsehkonsum bekannt ist: Dass sich ein defizitäres Bildungsniveau durch die übliche selektive Mediennutzung verfestigt.
Dass vom Internet kompensatorische Wirkungen auf klassen- und schichtspezifische Benachteiligungen ausgehen könnten, ist illusorisch, zumal der sich selbst überlassene Nutzer in ständiger Gefahr schwebt, sich in den Weiten des Internets zu verlieren, weil ihm die nötigen Orientierungsmaßstäbe und Rechercheanleitungen fehlen. Ohne intellektuellen Kompass ist der Weg zu verlässlichen und die eigene Urteilsfähigkeit fördernde Informationen äußerst dornenreich, in der Regel auch vergeblich.

Können Sie diese Entwicklung spezifizieren?

Werner Seppmann: Zunächst einmal liegt die Besonderheit dieser Art von "Wissensarbeit" darin, dass gehaltvolle Information und Täuschung, rationale Erklärung und Obskurantismus eng beieinander liegen und sich oft in ihren Präsentationsformen kaum voneinander unterscheiden. Um nicht in der Informationsflut zu versinken, müssen entwickelte Kompetenzen vorhanden sein, denn vorherrschend ist eine Unschärfe, die eine Gleichrangigkeit von Banalem und Gehaltvollen vortäuscht.
Nicht nur, weil die Datenmengen weiter wachsen, wird es immer schwieriger das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden. Und prinzipiell steht die gewöhnliche Netzpraxis der Chance im Wege, solche Fähigkeit qualitativer Selektion überhaupt zu entwickeln. Durch die nicht abreißende "Informationsflut" wird ein intensives Nachdenken alleine nicht gefördert. Im Gegenteil: Weil die Aufmerksamkeitsräume weitgehend mit Botschaften und Signalen ohne direkten Lebensbezug und inneren Zusammenhang gefüllt werden, wird das Eigendenken und die Entwicklung alternativer Orientierungen erschwert. Niemanden ist das so deutlich bewusst, wie den konzeptionellen Köpfen der Internet-Industrie, die sich bei ihren Beeinflussungstrategien dieser Mechanismen bedienen.
https://www.heise.de/tp/features/Die-Kalifornische-Ideologie-hat-einen-faschistoiden-Charakter-3855628.html https://www.heise.de/tp/features/Die-Kalifornische-Ideologie-hat-einen-faschistoiden-Charakter-3855628.html #Kulturpessimismus #Smartphones #Technophobie
"Die Kalifornische Ideologie hat einen faschistoiden Charakter"

Interview mit dem Computerkritiker Werner Seppmann - Teil 3

Inwiefern stellt für Sie die technologische Rationalität, von der Sie in Ihrem Buch sprechen, eine Art Ideologie dar?

Werner Seppmann: Vorrangig, weil die vorherrschende Form der Digitalisierung in der Regel nicht nur von den Computer-Ideologen als "alternativlos" dargestellt wird, sondern auch von den Nutzern so erlebt wird. Seinen prägenden Ausdruck findet diese avancierte Form eines technologisch-reduktionistischen Denkens in den erbaulichen Geschichten aus den Komandozentralen des IT-Kapitals, dass mit Hilfe von Computer und Internet alle globale Probleme gelöst werden können - und zwar auf rein technologischer Grundlage.
Nur fragt es sich, warum mit der Problembekämpfung nicht vor der eigenen Haustür begonnen wird? Denn während die IT-Milliardäre behaupten, durch ihre technologische Dominanz die Welt zu verbessern, wächst vor ihrer unmittelbaren Haustür im Silicon Valley die Armut in unvorstellbarem Ausmaß. Bei den IT-Multis hat sich ein Beschäftigungssystem etabliert, in dem das technologische Fachpersonal Spitzeneinkommen erzielt, während ein Wachmann oder Handy-Verkäufer nicht in Würde und ohne Existenzängste existieren kann. Denn mit den gezahlten Löhnen für dieses "Fußvolk" ist es unmöglich, die exorbitanten Mieten und Lebensunterhaltskosten in den High-Tech-Zentren zu zahlen. Menschen, die fast überall sonst zum Mittelstand gehören würden, kämpfen im Silicon Valley ums Überleben.
Eine Viertelmillion Menschen steht in Kalifornien monatlich an den karitativen Essensausgaben Schlange und Zehntausende leben in Kalifornien in ihren Autos, in Garagen oder ganz auf der Straße, weil sie obdachlos sind, obwohl sie einen regulären Job (und oft auch mehrere haben) - und jedes dritte Kind ist in diesem "Wohlstandsgürtel" der USA ist vom Hunger bedroht.

Welche Folgen wird die Computertechnologie auf die Arbeitswelt und die Beschäftigungszahlen Ihrer Einschätzung nach haben?

Werner Seppmann: Höchstwahrscheinlich nicht jene dramatisch negativen, von denen (um der auflagesteigernden Sensation willen) mit maßloser medialer Übertreibung gesprochen wird. Es gibt viele Gründe dafür, dass die Digitalisierung nicht zu der gegenwärtig befürchteten und beschworenen Massenarbeitslosigkeit führen wird. Verlässliche Prognosen sind zwar letztlich kaum möglich, jedoch scheinen die im Umlauf befindlichen Zahlen über eine epochale Arbeitslosigkeit schon alleine deshalb unzuverlässig, ja geradezu unseriös und absurd zu sein, weil selbst die elementarsten Gesichtspunkte ignoriert werden.
Im Extrem ist ja davon die Rede, dass durch die computergesteuerte Automatisierung in der Bundesrepublik in den nächsten 2 Jahrzehnten 18 Millionen aller Arbeitsplätze wegfallen und eine Phase bisher nicht gekannter Massenarbeitslosigkeit anbrechen könnte. Aber schon die Kleinigkeit wird von den Kolporteuren ignoriert, dass die Autoren selbst nur darüber sprechen, dass sie sich an den prinzipiellen Automatisierungsmöglichkeiten orientieren. Systematisch ignoriert wird auch, dass nicht alle technischen Mechanisierungs- und Computerisierugsmöglichkeiten auch betriebswirtschaftlich einen Sinn ergeben.
Beispielsweise gelten 70 Prozent aller logistischen Abläufe als so komplex, dass sie ökonomisch sinnvoll als nicht automatisierbar gelten. Schon lange experimentiert Amazon mit der Vollautomatisierung seiner Lagerhaltung - bisher vergeblich. Einem dramatischen Anstieg der Arbeitslosigkeit steht übrigens schon die Tatsache entgegen, dass aufgrund der demographischen Entwicklung nach aktuellen Berechnungen bis zur Jahrhundertmitte die Zahl der Menschen in Deutschland im erwerbsfähigen Alter auf unter 29 Millionen absinken wird! Gegenwärtig sind es über 60 Millionen.
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Zu bedenken ist auch, dass sich bisher die Prognosen über einen automatisierungsbedingten Arbeitsplatzverlust immer vor der Realität blamiert haben. Und das schon Jahrzehnten!
https://www.heise.de/tp/features/Negative-Langzeitkonsequenzen-bis-in-die-neuronalen-Strukturen-hinein-3855582.html https://www.heise.de/tp/features/Negative-Langzeitkonsequenzen-bis-in-die-neuronalen-Strukturen-hinein-3855582.html #Kulturpessimismus #Smartphones #Technophobie
"Negative Langzeitkonsequenzen bis in die neuronalen Strukturen hinein"

Ein Interview mit dem Computerkritiker Werner Seppmann - Teil 2

Computer sind 2017 ein so selbstverständlicher Bestandteil des Alltags wie Schuhe. Trotzdem gibt es immer noch Leute, die vor ihnen warnen. Einer davon ist Werner Seppmann, der damit sogar ein ganzes Buch gefüllt hat, die Kritik des Computers. Reinhard Jellen hat in interviewt.

Herr Seppmann, Sie Vergleichen die Auswirkungen der Computertechnik mit denen der Kernenergie, halten Sie das nicht für ein wenig übertrieben?

Werner Seppmann: Nein. Zuallererst sollte uns zu denken geben, dass die Entwicklung des Computers von militärischen Interessen determiniert ist - und die Computer-Technologie diese Kainsmale immer noch mit sich herumschleppt. Der große Computer-Pionier und gleichzeitige unerbittliche Kritiker einer in ihren Konsequenzen unreflektierten Informatisierung, Joseph Weizenbaum hat vehement darauf hingewiesen, dass der Computer nicht nur im Krieg geboren wurde, sondern fast alle Forschungen und Entwicklungen vom Militär präjudiziert wurden und heute noch werden. Alleine aus diesem Grund kann nicht gesagt werden, dass der Computer eine wertfreie Technologie wäre.

Aber es gibt noch einen anderen Aspekt: Viele Entwicklungen geben berechtigen Anlass für Befürchtungen, dass die Computertechnologie den Menschen, ebenso wie die Atomkraft, aus der Hand gleitet. Damit meine ich nicht die phantastischen Geschichten, dass die Roboter die Menschen beherrschen würden. Das sind intellektuelle Geisterbahninszenierungen. Aber nicht zu unterschätzen ist das Gefahrenpotenzial bestimmter technologischer Verselbstständigungsvorgänge.
https://www.heise.de/tp/features/Der-Mann-der-vor-Computern-warnt-3855415.html https://www.heise.de/tp/features/Der-Mann-der-vor-Computern-warnt-3855415.html #Kulturpessimismus #Smartphones #Technophobie
Der Mann, der vor Computern warnt

Ein Interview mit Werner Seppmann - Teil 1