📎 Das war der Workshop “Class matters – Klassismus erkennen und entgegenwirken” mit Francis Seeck. Mit vielen interessierten Menschen und spannendem Austausch. Danke fĂŒr eure Teilnahme an diesem heißen Sommertag! ☀

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📌 Class matters: Klassismus erkennen und entgegenwirken

Workshop am 23. Mai 2026 mit Francis Seeck

Der Workshop fĂŒhrt in zentrale Perspektiven der Klassismuskritik ein. Gemeinsam wird der Frage nachgegangen, wie Klassismus in gesellschaftlichen Strukturen wirkt und welche Rolle politische Akteur*innen und soziale Bewegungen bei seiner Kritik und Überwindung spielen können. Neben einem kurzen Input stehen Austausch, Diskussion und gemeinsame Reflexion im Mittelpunkt. Ziel ist es, Ansatzpunkte fĂŒr eine klassismuskritische politische Praxis zu entwickeln.

📧 Anmeldungen bis zum 20. Mai an [email protected]

Weitere Infos findet ihr auf: sonja-lemke.de

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Gegen die Grundrechte

Sozialstaatsreform: Kommission empfiehlt Abbau von Grundrechten

Eine Fachkommission der Bundesregierung hat Empfehlungen vorgelegt, die den Sozialstaat bĂŒrgernĂ€her und digitaler machen sollen. DafĂŒr will sie den Datenschutz aufweichen und Verfahren mit Hilfe sogenannter KĂŒnstlicher Intelligenz automatisieren. WohlfahrtsverbĂ€nde warnen vor zusĂ€tzlicher Diskriminierung.

Der Sozialstaat stehe vor einem „digitalen Neustart“. Das verkĂŒndete Bundesarbeitsministerin BĂ€rbel Bas (SPD), als sie am Dienstag den Abschlussbericht der „Kommission zur Sozialstaatsreform“ entgegennahm.

Die Kommission empfiehlt insgesamt 26 Maßnahmen, um den Sozialstaat zu „modernisieren“. Sie sollen das Sozialleistungssystem vereinheitlichen, mehr „Erwerbsanreize“ fĂŒr Leistungsbeziehende schaffen und rechtliche Vorgaben vereinfachen.

Das Schutzniveau des Sozialstaats werde dadurch nicht gesenkt, betonte Bas. Stattdessen zielten die Empfehlungen darauf ab, den Leistungsvollzug effizienter zu machen. Vor allem die Empfehlungen zur Verwaltungsdigitalisierung wertet die Ministerin dahingehend als „Quantensprung“.

TatsĂ€chlich droht aber gerade hier ein Abbau elementarer Schutzvorkehrungen. Denn die Kommission will unter anderem den Datenschutz aufweichen und Verfahren weitgehend automatisiert „auch unter Nutzung von KĂŒnstlicher Intelligenz“ beschleunigen. WohlfahrtsverbĂ€nde befĂŒrchten, dass ohnehin benachteiligte Menschengruppen zusĂ€tzlich diskriminiert werden.

Plattformbasierte Modernisierung mit Sozialportal

Der Kommission gehörten Vertreter:innen des Bundes, der LĂ€nder und der Kommunen an. Vertreter:innen aus der Wissenschaft oder der Zivilgesellschaft waren in dem Gremium nicht vertreten. Es fĂŒhrte aber GesprĂ€che mit insgesamt 90 Expert:innen und Interessenvertreter:innen unterschiedlicher VerbĂ€nde und Sozialpartner.

FĂŒr eine „konsequente Ende-zu-Ende-Digitalisierung“ strebt die Kommission quasi im Backend eine „technisch sichere und souverĂ€ne Technologieplattform fĂŒr Bund, LĂ€nder und Kommunen“ mit einheitlichen Standards und Schnittstellen an. Die Basiskomponenten dafĂŒr soll der Deutschland-Stack liefern, das Prestigeprojekt des Bundesdigitalministeriums.

Im Frontend sollen BĂŒrger:innen alle Leistungen gebĂŒndelt ĂŒber ein zentrales „Sozialportal“ einsehen sowie AntrĂ€ge stellen und Bescheide abrufen können. Der Sozialstaat soll fĂŒr sie so „transparenter und leichter zugĂ€nglich“ werden.

BehördenĂŒbergreifender Datenaustausch

Damit Verwaltungen leichter untereinander Daten austauschen können, sollen sie behördenĂŒbergreifend die steuerliche Identifikationsnummer nutzen. Diese lebenslang gĂŒltige Personenkennziffer erhalten alle BĂŒrger:innen vom Bundeszentralamt fĂŒr Steuern bei Geburt.

Schon die Ampel-Regierung hatte geplant, die Steuer-ID dazu zu nutzen, um Verwaltungsdaten zusammenzufĂŒhren. Jurist:innen und DatenschĂŒtzer:innen kritisieren die EinfĂŒhrung einer solchen Personenkennzahl unter anderem mit Bezug auf das VolkszĂ€hlungsurteils des Bundesverfassungsgerichts als verfassungswidrig.

DarĂŒber hinaus spricht sich die Kommission dafĂŒr aus, das sogenannte Once-Only-Prinzip konsequent umzusetzen. Es sieht vor, dass BĂŒrger:innen ihre Antragsdaten nur noch einer Behörde mitteilen, die diese dann an andere Behörden weitergeben kann.

Der „komplexe“ Sozialdatenschutz

DafĂŒr mĂŒsse der Gesetzgeber aber zum einen den „komplexen Sozialdatenschutz“ aufweichen. Konkret empfiehlt die Kommission, entsprechende Regelungen im Ersten und im Zehnten Buch Sozialgesetzbuch zusammenzufĂŒhren. Zum anderen mĂŒsse dafĂŒr der Ersterhebungsgrundsatz reformiert oder gar gestrichen werden – sofern dies „mit dem verfassungsrechtlich verankerten Recht auf informationelle Selbstbestimmung vereinbar wĂ€re“.

Der Ersterhebungsgrundsatz sieht vor, dass personenbezogene Sozialdaten grundsĂ€tzlich direkt bei der betroffenen Person selbst erhoben werden mĂŒssen und nicht etwa beim Arbeitgeber. Betroffene Person können so derzeit selbst darĂŒber entscheiden, ob und wie ihre Daten preis- und weitergegeben werden.

Mehr KI, weniger Kontrolle

DarĂŒber hinaus will die Kommission Verwaltungsverfahren mit dem Einsatz sogenannter KĂŒnstlicher Intelligenz beschleunigen. Auf diese Weise will sie auch den „sich verschĂ€rfenden FachkrĂ€fteengpĂ€ssen“ begegnen.

So sollen „rein regelgebundene Prozesse ohne Ermessens- und Beurteilungsspielraum“ kĂŒnftig „weitgehend automatisiert ablaufen“. Damit sind Verwaltungsprozesse gemeint, bei denen ein Sachverhalt formal auf klare Voraussetzungen geprĂŒft wird – also etwa ob eine Frist eingehalten wurde oder ein:e Antragssteller:in ein bestimmtes Alter erreicht hat.

Aber auch bei Ermessensentscheidungen soll KI verstĂ€rkt zum Einsatz kommen – allerdings nur „unterstĂŒtzend“, wie der Bericht betont. Die Entscheidungen mĂŒssten „in menschlicher Hand“ verbleiben. Zugleich spricht sich die Kommission dafĂŒr aus, das sogenannte Vier-Augen-Prinzip einzuschrĂ€nken. Es sieht vor, dass mindestens zwei Behördenmitarbeitende gemeinsam einen Sachverhalt prĂŒfen.

WohlfahrtsverbÀnde warnen vor KI-Einsatz

Der ParitĂ€tische Wohlfahrtsverband sieht diese Empfehlungen â€žĂŒberaus kritisch“. „Auch ‚unterstĂŒtzende‘ KI kann systematische Benachteiligung verstĂ€rken“, schreibt der Verband auf Anfrage von netzpolitik.org. „Besonders gravierend ist die fehlende Transparenz vieler KI‑Modelle und die Gefahr, soziale Feinheiten auszublenden.“ Das Vier-Augen-Prinzip sei „ein unverzichtbarer Schutzmechanismus im Sozialstaat“ und insbesondere bei KI-gestĂŒtzten Verfahren wichtig. „Hier brauchen wir mehr Kontrolle, nicht weniger“, so der Verband.

„Nachvollziehbarkeit und Transparenz mĂŒssen zu jeder Zeit gewĂ€hrleistet sein“, mahnt auch der Arbeiterwohlfahrt Bundesverband. Er verweist auf Forschungsergebnisse, wonach Algorithmen dazu neigen, ohnehin benachteiligte Menschengruppen weiter zu diskriminieren. „Sofern der Ermessensspielraum nicht zugunsten der BĂŒrgerinnen und BĂŒrger genutzt wird, muss deshalb immer durch eine qualifizierte Person entschieden werden“, schreibt die Arbeiterwohlfahrt.

Selbst dann seien die Risiken aber noch immer hoch, sagt die Bundestagsabgeordnete Sonja Lemke (Die Linke). Diverse Studien und Umfragen hĂ€tten gezeigt, dass Menschen KI-Ergebnissen recht blind vertrauten. „Daher besteht die Gefahr, dass Ermessensentscheidungen, die von der KI unterstĂŒtzt werden, am Ende faktisch allein von der KI getroffen werden – mit allem Bias, rassistischen und sexistischen Vorurteilen, die in ihr stecken“, so Lemke gegenĂŒber netzpolitik.org. „Das ist Politik auf Kosten derjenigen, die existenziell von Sozialleistungen abhĂ€ngig sind.“

„Commitment“ oder GrundgesetzĂ€nderung

Die Kommission drĂ€ngt auf eine rasche und einheitliche Umsetzung ihrer Empfehlungen. Bund, LĂ€nder und Kommunen mĂŒssten bundesweit geltende Vorgaben festlegen. Dazu zĂ€hlen einheitliche Datenformate, Schnittstellen und IT-Dienste.

DafĂŒr brauche es insbesondere ein „Commitment“ der Kommunen, betonte die Arbeitsministerin am Dienstag im ARD-Morgenmagazin. Nicht jede Kommune könne kĂŒnftig ihre eigene Software behalten, so Bas.

Gelingt eine solche Einigung nicht, spricht sich die Kommission dafĂŒr aus, Artikel 91c des Grundgesetzes so anzupassen, dass „durch zustimmungspflichtige Bundesgesetze Standards, Sicherheitsanforderungen und Komponenten verbindlich festgelegt werden können“. DafĂŒr braucht die schwarz-rote Koalition allerdings mindestens eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Bundestag – und damit die UnterstĂŒtzung der Linkspartei oder der AfD.

Daniel Leisegang ist Politikwissenschaftler und Co-Chefredakteur bei netzpolitik.org. Zu seinen Schwerpunkten zĂ€hlen die Gesundheitsdigitalisierung, Digital Public Infrastructure und die sogenannte KĂŒnstliche Intelligenz. Daniel war einst Redakteur bei den »BlĂ€ttern fĂŒr deutsche und internationale Politik«. 2014 erschien von ihm das Buch »Amazon – Das Buch als Beute«; 2016 erhielt er den Alternativen Medienpreis in der Rubrik »Medienkritik«. Er gehört dem Board of Trustees von Eurozine und dem Kuratorium der Stiftung Warentest an. Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Mastodon, Bluesky, Threema ENU3SC7K, Telefon: +49-‭30-5771482-28‬ (Montag bis Freitag, jeweils 8 bis 18 Uhr). Dieser Beitrag ist eine Übernahme von netzpolitik, gemĂ€ss Lizenz Creative Commons BY-NC-SA 4.0.

Gegen die Grundrechte – Beueler-Extradienst

RE: https://mastodon.social/@FSBT_Kontext/115790591923449039

#SonjaLemke ( #Linke ) hat am 19. Dezember 2025 zum ersten mal im #bundestag #pixelfed gesagt (und die afd war dagegen). halt ist, absolute Peanuts. (Stephan Brandner [AfD]: Wie viele Nullen hat denn die Zahl? Wissen Sie das?) Die Strafen nach dem DSA sind zu gering, die Verfahren dauern zu lange, und das muss sich jetzt endlich Ă€ndern. (Beifall bei der Linken) Und auch die Bundesregierung muss endlich die Mittel bereitstellen, den DSA auch umzusetzen, und dafĂŒr braucht es Stellen. (Stephan Brandner [AfD]: Sie haben schon zwei Minuten nicht mehr „Faschisten“ gesagt!) Aber wenn die zustĂ€ndige Behörde wie alles dem „Sparzwang“ unterworfen werden soll und keine zusĂ€tzlichen wir die Nachrichten bekommen, die uns interessieren und von denen wir wissen, warum sie uns angezeigt werden, in denen wir uns mit den Menschen vernetzen können, die die gleichen Interessen haben. (Stephan Brandner [AfD]: Sie können ja eins aufbauen! Machen Sie doch!) Und das Gute ist: Es gibt jetzt schon eine Alternative. Mit dem Fediverse existieren jetzt schon nichtkommerzielle Alternativen zu den gĂ€ngigen Plattformen: Mastodon statt X, Pixelfed statt Instagram, Peertube statt Youtube. (Dr. Konrad Körner [CDU/CSU]: Ich finde, Sie sollten sich von allen kommerziellen Plattformen zurĂŒckziehen!) Und ohne dass hier irgendetwas verabschiedet werden muss, ohne dass hier irgendwelche Gelder

Datenschutzreform: Kommt der Kahlschlag?

Schwarz-Rot hat weitreichende Reformen beim Datenschutz angekĂŒndigt.

„Im Sinne der Wirtschaft“ soll unter anderem die Aufsicht neu geregelt werden. Inzwischen liegen zahlreiche konkrete VorschlĂ€ge vor, unter anderem von SPD und LandesdatenschĂŒtzer:innenn, nur die Union gibt sich verschlossen.

Die schwarz-rote Koalition hat sich fĂŒr die nĂ€chsten Monate einiges vorgenommen. Ein „Herbst der Reformen“ soll es werden, sagt der Bundeskanzler, und meint dabei vor allem Einsparungen beim Sozialstaat. Eine andere Reform steht weniger im Fokus der Öffentlichkeit, fĂŒhrt aber in Fachkreisen seit Monaten zu intensiven Debatten. Es geht um den Datenschutz, auch hier hat die Koalition sich weitreichende Maßnahmen vorgenommen.

So haben CDU/CSU und SPD in ihrem Koalitionsvertrag (PDF), verabredet, sich auf europĂ€ischer Ebene fĂŒr umfassende Ausnahmen der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) „fĂŒr nicht-kommerzielle TĂ€tigkeiten (zum Beispiel in Vereinen), kleine und mittelstĂ€ndische Unternehmen und risikoarme Datenverarbeitungen (zum Beispiel Kundenlisten von Handwerkern)“ einzusetzen. Auf nationaler Ebene sollen SpielrĂ€ume der DSGVO genutzt werden, und fĂŒr mehr KohĂ€renz und „Vereinfachungen fĂŒr kleine und mittlere Unternehmen, BeschĂ€ftigte und das Ehrenamt“ zu sorgen.

Besonders intensiv debattiert werden PlĂ€ne zur VerĂ€nderung der Aufsichtsstruktur im nicht-öffentlichen Bereich, also bei nicht-staatlichen Akteur:innen. So strebt Schwarz-Rot hier „im Interesse der Wirtschaft“ eine BĂŒndelung von ZustĂ€ndigkeiten und Kompetenzen bei der Bundesbeauftragten fĂŒr Datenschutz und Informationsfreiheit (BfDI) an. Die Bundesbehörde soll zudem umbenannt werden und kĂŒnftig auch Beauftragte fĂŒr Datennutzung heißen. Zudem soll die Datenschutzkonferenz (DSK), in der die Datenschutzbehörden von Bund und LĂ€ndern sich informell koordinieren, gesetzlich verankert werden.

Überlastete Aufsicht

Da CDU-Chef Friedrich Merz im Wahlkampf mit markigen Worten einen Kahlschlag beim Datenschutz angekĂŒndigt hat, lassen diese Vorhaben bei vielen DatenschĂŒtzer:innen die Alarmglocken lĂ€uten. Allerdings: Dass sich in Sachen Aufsicht etwas tun muss, dafĂŒr plĂ€diert lĂ€ngst nicht mehr nur die Wirtschaft. So spricht auf Anfrage auch Frederick Richter, Vorstand der (staatlichen) Stiftung Datenschutz von einer â€žĂŒberlasteten regionalen Datenschutzaufsicht“ und Problemen mit uneinheitlicher Auslegung der Datenschutzgesetze.

Die Datenschutzbehörden selbst weisen zwar in der Regel den Vorwurf der Uneinheitlichkeit von sich, bringen sich jedoch auch mit eigenen VorschlĂ€gen in die Debatte ein. „Die Rechtsanwendung muss vereinheitlicht, eine zentrale Koordinierung geschaffen werden“, heißt es beispielsweise in der Überschrift eines Gastbeitrages, den Thomas Fuchs, Meike Kamp und Alexander Roßnagel kĂŒrzlich in der FAZ [€] veröffentlichten. Das sind die Datenschutzbeauftragen von Hamburg, Berlin und Hessen. Meike Kamp ist derzeit zudem die Vorsitzende der Datenschutzkonferenz.

Die große Frage ist allerdings, wie genau die im Koalitionsvertrag beschriebene „BĂŒndelung von ZustĂ€ndigkeiten und Kompetenzen“ aussehen soll.

Entsteht eine Riesenbehörde beim Bund?

Die nur vermeintlich einfachste Lösung wĂ€re eine umfassende Zentralisierung. Also: Die Landesbehörden verlieren die gesamte Aufsichtskompetenz ĂŒber die Wirtschaft und den sonstigen nicht-öffentlichen Bereich. ZustĂ€ndig wĂ€re dann die Bundesbeauftragte, die bislang neben Bundesbehörden lediglich ein paar staatliche Unternehmen und Telekommunikationskonzerne ĂŒberwacht. Laut geleakter ZwischenstĂ€nde der Koalitionsverhandlungen favorisierten CDU und CSU diese Variante.

Wenn die Zentralisierung nicht zu einem Freifahrtschein fĂŒr die Wirtschaft werden soll, ginge das wohl nur mit erheblichem Personalausbau bei der BfDI. Fuchs, Kamp und Roßnagel berichten von etwa 70.000 FĂ€llen, die die Landesbehörden im nicht-öffentlichen Bereich pro Jahr bearbeiten. Tendenz: steigend. Um mit dieser Last fertigzuwerden, mĂŒsste die Behörde der Bundesbeauftragten ihrer SchĂ€tzung nach von 430 auf etwa 900 Stellen anwachsen. Eine neue Mega-Behörde also? „Dass sehr große Behörden unbĂŒrokratischer arbeiten, wĂ€re mir neu“, kommentiert Meike Kamp gegenĂŒber netzpolitik.org.

In jedem Fall mĂŒssten bei einer Zentralisierung auch die BundeslĂ€nder mitspielen, deren Aufsichtsbehörden um Kompetenzen beschnitten wĂŒrden. Frederick Richter betont, dass die dadurch freiwerdenden Stellen nicht wegfallen dĂŒrften. „Denn sĂ€mtliche Behörden sind strukturell unterausgestattet, und die vorhandenen Belegschaften könnten sich dann komplett auf die Aufsicht im öffentlichen Bereich konzentrieren, sodass dort sofort die Unterausstattung behoben wĂ€re.“ Ob die BundeslĂ€nder das wollen?

Weniger Zentralisierung, mehr BĂŒndelung

FĂŒr Kamp jedenfalls steht fest, dass die föderale Struktur der Datenschutzaufsicht zahlreiche Vorteile habe. Sie sichere nicht nur NĂ€he zu den Betroffenen und der lokalen Wirtschaft, sondern verhindere auch, „dass Datenschutz durch Druck auf eine einzige Stelle ausgehebelt wird“, so die Berliner Datenschutzbeauftragte. Ihr ist wichtig zu betonen, dass Datenschutzaufsicht nicht nur Beratung von Unternehmen bedeute, „sondern vorrangig Grundrechtsschutz durch Hilfestellungen fĂŒr betroffene Personen sowie PrĂŒfungen vor Ort.“ Dies falle in der aktuellen Debatte manchmal unter den Tisch.

Gemeinsam mit Thomas Fuchs und Alexander Roßnagel macht sie deshalb eine Reihe anderer VorschlĂ€ge fĂŒr eine verbesserte Aufsichtsstruktur. So wĂŒnschen sie sich eine Institutionalisierung der Datenschutzkonferenz, die bislang informell arbeitet und kĂŒnftig verbindliche BeschlĂŒsse fassen könnte. FĂŒr eine zentrale Koordination der DSK sollte ihrer Meinung nach eine GeschĂ€ftsstelle bei der BfDI eingerichtet werden. Außerdem schlagen sie ein zentrales Online-Portal vor, ĂŒber das Beschwerden und Datenpannen gemeldet und dann verteilt werden können. Bislang mĂŒssen BĂŒrger:innen und Unternehmen sich je nach Bundesland mit unterschiedlichen Meldewegen herumschlagen.

DarĂŒber hinaus regen die drei DatenschĂŒtzer:innen an, die Potenziale zur EntbĂŒrokratisierung zu nutzen, die die DSGVO bereits vorsieht. Dazu gehören etwa Zertifizierung und verbindliche Verhaltensregeln von VerbĂ€nden, die bislang kaum genutzt werden und kĂŒnftig von der BfDI koordiniert werden könnten. Auch Standardisierung und Normierung könnten entlastend wirken; die BfDI sollte stellvertretend fĂŒr alle Behörden in entsprechenden Gremien mitwirken. Und auch die Technologieberatung sollte zentral von der BfDI ĂŒbernommen werden, so Fuchs, Kamp und Roßnagel.

Ihr wohl weitgehendster Vorschlag: FĂŒr ĂŒberregionale Unternehmen und Forschungsvorhaben soll nur eine einzige Behörde zustĂ€ndig sein. Außerdem soll ein „Einer-fĂŒr-alle-Prinzip“ gelten, bei dem eine Aufsichtsbehörde PrĂŒfungen vornimmt, deren Ergebnis auch fĂŒr die anderen Behörden verbindlich sind. Das wĂ€re ein Modell der BĂŒndelung, bei dem die Aufsicht fĂŒr den Großteil der Unternehmen bei den Landesbehörden bleibt, schließlich machen kleine und mittlere Unternehmen laut Fuchs, Kamp und Roßnagel 99,3 Prozent der Wirtschaftsakteure aus.

In diese Richtung denkt auch Frederick Richter von der Stiftung Datenschutz, geht jedoch etwas weiter. Auch er hĂ€lt eine umfassende Zentralisierung der Aufsicht beim Bund fĂŒr keine gute Lösung, weil regionale Unternehmen und Vereine von regionaler Beratung und Aufsicht profitieren wĂŒrden. Stattdessen spricht er sich aber fĂŒr eine alleinige ZustĂ€ndigkeit der BfDI fĂŒr ĂŒberregionale und internationale Unternehmen aus, also eine Teilzentralisierung.

SPD legt Fokus auf verbesserte Zusammenarbeit

Welche Richtung wird die Bundesregierung einschlagen? Derzeit will sie sich nicht in die Karten blicken lassen. Auf Anfrage schreibt uns das Innenministerium lediglich: „Die Bundesregierung beabsichtigt, in Umsetzung der Vorgaben aus dem Koalitionsvertrag diese Legislaturperiode das Bundesdatenschutzgesetz zu reformieren.“ Die betroffenen Stellen innerhalb der Regierung stĂŒnden dazu im Austausch; ZwischenstĂ€nde laufender Abstimmungen zu Gesetzgebungsvorhaben teile man grundsĂ€tzlich nicht.

Auch Johannes SchĂ€tzl, digitalpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, schreibt uns, dass sich die Reformvorhaben derzeit noch in laufenden Abstimmungsprozessen befinden. „Ein konkreter Zeitplan zur Umsetzung liegt noch nicht vor.“

Immerhin macht SchĂ€tzl deutlich, wo die PrioritĂ€ten seiner Meinung nach liegen sollten. „Unser wichtigstes Ziel in den Koalitionsverhandlungen war es, die KohĂ€renz und Einheitlichkeit der Auslegung der Datenschutzregelungen seitens der Aufsichtsbehörden zu stĂ€rken und die institutionelle Verankerung der Datenschutzkonferenz gesetzlich festzuschreiben.“ Sie mĂŒsse rechtlich verankert und durch eine zentrale GeschĂ€ftsstelle gestĂ€rkt werden. Außerdem mĂŒsse sie verbindliche SchlĂŒsse fassen können.

Der Schritt, Aufsichtskompetenzen zur BfDI zu verlagern, habe dahingegen „tiefgreifende Folgen, da er eine umfassende Neuorganisation erfordern und die Arbeit der Datenschutzbehörden fĂŒr lĂ€ngere Zeit noch herausfordernder gestalten wĂŒrde“, so SchĂ€tzl weiter. „Zudem wĂŒrden Unternehmen ihre vertrauten Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner in den LĂ€ndern verlieren, wĂ€hrend die BfDI erst erhebliche neue KapazitĂ€ten aufbauen mĂŒsste.“

Die SPD plĂ€diere stattdessen fĂŒr „eine sinnvolle KompetenzbĂŒndelung, die tatsĂ€chliche Erleichterung etwa durch schnellere Bearbeitung Ă€hnlich gelagerter und landesĂŒbergreifender Anfragen ermöglicht, ohne die BeratungsbedĂŒrfnisse lokaler Unternehmen zu vernachlĂ€ssigen.“

Ob das auch der Koalitionspartner so sieht? Wir haben dem Sprecher der AG Digitales und Staatsmodernisierung der CDU/CSU-Fraktion, Ralph Brinkhaus, mehrere Fragen geschickt. Als einziger von uns angefragter Bundestagsabgeordneter hat er keine einzige davon beantwortet, sondern teilt lediglich vage mit, man arbeite an den von uns genannten Themen.

Auch Opposition will Datenschutzkonferenz stÀrken

Klar fallen hingegen die Antworten der demokratischen Oppositionsparteien im Bundestag aus. Eine mögliche Zentralisierung „kĂ€me einer Entmachtung der bisher zustĂ€ndigen Landesbeauftragten gleich“, schreiben Lukas Benner und Konstantin von Notz von den GrĂŒnen. Es ist sei „nicht im Interesse der vielen kleinen und mittleren Unternehmen, wenn sie keine Ansprechpartner fĂŒr Datenschutzfragen und Beratung mehr in ihrer NĂ€he haben“, teilen der Obmann der GrĂŒnen im Innenausschuss und der Fraktionsvize mit. „Am Ende einer solchen Politik stĂŒnde weniger Datenschutz fĂŒr alle und weniger Service und unabhĂ€ngige Beratung fĂŒr die Unternehmen.“

Dass die Reform „im Interesse der Wirtschaft“ stattfinden soll, lĂ€sst auch Sonja Lemke von der Linkspartei misstrauisch werden. Die Sprecherin fĂŒr Digitale Verwaltung und Open Government fĂŒrchtet einen Abbau der Landesdatenschutzbehörden und einen „Grundrechteabbau zugunsten von Profitinteressen“.

GrundsĂ€tzlichen Reformbedarf bei der Aufsicht sehen allerdings auch Linke und GrĂŒne. Die KohĂ€renz mĂŒsse durch eine verbesserte Zusammenarbeit der Behörden im Rahmen der Datenschutzkonferenz erreicht werden. Sie sollte gesetzliche verankert werden und verbindliche Mehrheitsentscheidungen treffen.

Im Sinne der BĂŒrger:innen

Durchweg kritisch sehen GrĂŒne und Linke hingegen die weiteren Reformvorhaben von Schwarz-Rot. Fast wortgleich antworten sie uns, dass sie „pauschale Ausnahmen“ fĂŒr kleinere und mittlere Unternehmen sowie Vereine ablehnen. „Das wĂŒrde in der RealitĂ€t zu weniger Datenschutz und Datensicherheit fĂŒr Millionen von BĂŒrger*innen in Deutschland fĂŒhren“, so Benner und von Notz. Sonja Lemke wiederum erinnert daran, dass auch kleine Unternehmen wie etwas Medizin-Start-ups oder auch Selbsthilfevereine hochgradig sensible Daten verarbeiten. Eine Umbenennung der BfDI sehen beide Parteien kritisch.

Auch Johannes SchĂ€tzl von der SPD betont: Bei den angedachten Vereinfachungen gehe es nicht darum, „Datenschutzvorgaben und bewĂ€hrte Instrumente wie die betrieblichen Datenschutzbeauftragten zur Risikominimierung grundsĂ€tzlich in Frage zu stellen“. Vielmehr sollten SpielrĂ€ume der DSGVO genutzt werden, um neben der KohĂ€renz auch Vereinfachungen fĂŒr kleinere und mittlere Unternehmen und das Ehrenamt zu erreichen. Details dazu, wie dies im bestehenden rechtlichen Rahmen aussehen könnte, nennt er nicht. Die genaue Ausgestaltung werde noch verhandelt.

Unklar bleibt auch, ob die Koalition mit ihren Reformen nicht nur fĂŒr Erleichterungen „im Sinne der Wirtschaft“ sorgen wird, sondern auch bestehende Probleme bei der Durchsetzung des Datenschutzes angeht. Denn dass es auch dort Handlungsbedarf gibt, zeigen immer wieder Recherchen nicht nur unseres Mediums. Sei es beim Werbe-Tracking, beim Datenhandel oder bei Einwilligungen im Handy-Shop oder in der Sparkasse – an vielen Stellen funktioniert der Datenschutz fĂŒr BĂŒrger:innen nicht. Jede Reform wird daran zu messen sein, ob sie auch daran etwas Ă€ndert.

Ingo Dachwitz ist Journalist und Kommunikationswissenschaftler. Seit 2016 ist er Redakteur bei netzpolitik.org und u.a. Ko-Host des Podcasts Off/On. Er schreibt hĂ€ufig ĂŒber Datenmissbrauch und Datenschutz, Big Tech, Plattformregulierung, Transparenz, Lobbyismus, Online-Werbung, WahlkĂ€mpfe und die Polizei. 2024 wurde er mit dem Alternativen Medienpreis und dem Grimme-Online-Award ausgezeichnet. Ingo ist Mitglied des Vereins Digitale Gesellschaft sowie der Evangelischen Kirche. Seit 02/2025 ist sein Buch erhĂ€ltlich: “Digitaler Kolonialismus: Wie Tech-Konzerne und GroßmĂ€chte die Welt unter sich aufteilen” Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Mastodon, Bluesky, FragDenStaat. Dieser Beitrag ist eine Übernahme von netzpolitik, gemĂ€ss Lizenz Creative Commons BY-NC-SA 4.0.

Datenschutzreform: Kommt der Kahlschlag? – Beueler-Extradienst

Auch der Stand der rechten „Deutschen Burschenschaft" sorgte fĂŒr Kritik – Artenvielfalt schĂŒtzen: Mehr als 140 Menschen demonstrierten gegen die „Jagd & Hund“-Messe

Das „BĂŒndnis gegen Jagd“ hatte zum Protest gegen die „Jagd & Hund“-Messe aufgerufen. In einem friedlichen Demonstrationszug taten rund 140 Menschen ihren Unmut ĂŒber die Messe kund. Kritik Ă€ußerten sowohl TierschĂŒtzer:innen, als auch die Dortmunder â€Š#BĂŒndnisgegenJagd #DeutscheBurschenschaft #Dortmund #HannahRosenbaum #JagdundHundMesse #MesseWestfalenhallen #SonjaLemke
Artenvielfalt schĂŒtzen: Mehr als 140 Menschen demonstrierten gegen die „Jagd & Hund"-Messe - Nordstadtblogger

Artenvielfalt schĂŒtzen: Mehr als 140 Menschen demonstrierten gegen die „Jagd & Hund"-Messe - Auch der Stand der rechten „Deutschen Burschenschaft" sorgte fĂŒr Kritik

Das „BĂŒndnis gegen Jagd“ hatte zum Protest gegen die „Jagd & Hund“-Messe aufgerufen. In einem friedlichen Demonstrationszug taten rund 140 Menschen ihren Unmut ĂŒber die Messe kund. Kritik Ă€ußerten sowohl TierschĂŒtzer:innen, als auch die Dortmunder â€Š

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Sonja Lemke und Kevin Götz sind das neue FĂŒhrungsduo in Dortmund – „Die Linke“ wĂ€hlt einen neuen Vorstand: „Wir sind die Partei der sozialen Gerechtigkeit“

Die Linke Dortmund hat ihren Kreisvorstand gewÀhlt und sich dabei personell neu aufgestellt. Als Kreissprecherin wurde Sonja Lemke (32) gewÀhlt und als Kreissprecher Kevin Götz (29).#DieLinke #Dortmund #KevinGötz #Kreisvorstand #Neuwahl #SonjaLemke
„Die Linke“ wĂ€hlt einen neuen Vorstand: „Wir sind die Partei der sozialen Gerechtigkeit“ - Nordstadtblogger

„Die Linke“ wĂ€hlt einen neuen Vorstand: „Wir sind die Partei der sozialen Gerechtigkeit“ - Nordstadtblogger

Die Linke Dortmund hat ihren Kreisvorstand gewĂ€hlt und sich dabei personell neu aufgestellt. Als Kreissprecherin wurde Sonja Lemke (32) gewĂ€hlt und als Kreissprecher Kevin Götz (29). VervollstĂ€ndigt wird der geschĂ€ftsfĂŒhrende Kreisvorstand vom Schatzmeister Jan Siebert â€Š

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