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Terroranschlag bei Moskau: Video zu angeblichem SchuldgestÀndnis der Ukraine ist gefÀlscht
In einem Video-Interview soll Oleksiy Danilov, SekretÀr des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine, zugegeben haben, dass die Ukraine in den Terroranschlag auf die Crocus City Hall bei Moskau verwickelt sei. Das Video ist ein Fake.
27. MĂ€rz 2024
Dieses angebliche Interview ist eine Manipulation: Es wurde aus zwei verschiedenen Aufnahmen montiert, die schon vor dem Anschlag bei Moskau entstanden sind. Die Tonspur von Oleksiy Danilov ist gefÀlscht. (Quelle: X; Screenshot und Collage: CORRECTIV.Faktencheck) BehauptungDer SekretÀr des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine, Oleksiy Danilov, habe in einem Video-Interview zugegeben, dass der Terroranschlag in der Crocus City Hall bei Moskau von ukrainischer Seite organisiert wurde.
Aufgestellt von: BeitrÀgen auf X und Telegram Datum:22.03.2024 Bewertung
Manipuliert
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Manipuliert. Das Video-Interview ist eine Montage aus zwei anderen Interviews, die schon vor dem Terroranschlag auf die Konzerthalle am 22. MĂ€rz 2024 veröffentlicht wurden. Die Tonspur ist gefĂ€lscht, Danilov spricht im Original nicht ĂŒber den Anschlag.
Bei dem Terroranschlag am 22. MĂ€rz in der Crocus City Hall, einer Konzerthalle im Moskauer Vorort Krasnogorsk, starben laut Angaben russischen Behörden mehr als hundert Menschen, mehr als 180 wurden verletzt. Nachdem Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin von einer angeblichen Verwicklung der Ukraine in den Terroranschlag sprach, nannte er spĂ€ter âradikale Islamistenâ als TĂ€ter. Zu dem Angriff bekannte sich die dschihadistisch-salafistische Terrororganisation âIslamischer Staatâ.
Noch am Tag des Anschlags tauchte in Sozialen Netzwerken ein Video auf, in dem Oleksiy Danilov, SekretÀr des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine, angeblich gesteht, dass die Ukraine den Terroranschlag organisiert habe.
Zehntausende sahen das Video auf X und Telegram in deutschsprachigen BeitrĂ€gen, es kursiert auch in englischen und russischen BeitrĂ€gen â teils ohne den konkreten Zusatz, es sei ein SchuldeingestĂ€ndnis.
Dieses angebliche Interview wurde mehrfach in Sozialen Netzwerken geteilt. Es ist allerdings manipuliert. (Quelle: X; Screenshot und SchwĂ€rzung: CORRECTIV.Faktencheck)Audiospur von Oleksiy Danilov manipuliert â Aufnahmen stammen aus zwei verschiedenen Videos
Ein automatisch erstelltes Transkript und dessen Ăbersetzung zeigt, dass die Untertitel des Videos zur Audiospur passen. Darin ist kein direktes SchuldeingestĂ€ndnis von Danilov zu hören, da heiĂt es: âIst es heute in Moskau lustig? Meiner Meinung nach ist es sehr lustig. Ich wĂŒrde gerne glauben, dass wir ihnen öfter eine solche Freude bereiten werden, schlieĂlich sind wir ein brĂŒderliches Volk. Aber man muss seinen Verwandten öfter eine Freude machen und sie öfter besuchen. Also, wir werden gehen.â
Doch hat Danilov das tatsĂ€chlich gesagt? Eine Bilder-RĂŒckwĂ€rtssuche fĂŒhrt zu einem Live-Ticker der BBC vom 22. MĂ€rz 2024. Darin ist ein Screenshot des angeblichen Video-Interviews mit Danilov eingebettet. Die BBC schreibt, das Video sei gefĂ€lscht und Danilovs Stimme wahrscheinlich mit KĂŒnstlicher Intelligenz generiert.
Demnach stammt der rechte Ausschnitt, der Danilov zeigt, aus einem Interview, das das ukrainische Medium Pravda am 19. MĂ€rz 2024, also drei Tage vor dem Anschlag, auf Youtube veröffentlichte. Es geht darin laut Videobeschreibung unter anderem um den möglichen Einsatz französischer Truppen in der Ukraine. Die Worte âlustigâ oder âFreudeâ kommen laut einer Ăbersetzung des Transkripts nicht vor, die Audiospur wurde also manipuliert.
Original-Video Àlter als Terroranschlag in Russland
Danilov sitzt in diesem Interview vor einem BĂŒcherregal, der Hintergrund ist verschwommen. Die Kleidung und Anordnung der BĂŒcher sind identisch mit der Anordnung im Original-Video von Pravda.
Der linke Ausschnitt des manipulierten Videos mit dem Moderationsduo stammt laut BBC aus einem Video, das der TV-Sender We Ukraine TV am 16. MĂ€rz 2024 auf Youtube veröffentlichte. Ab Minute 1:48 stimmen die Kopfbewegungen der Moderatorin und des Moderators mit jenen im Fake-Video ĂŒberein. Interviewpartner ist im Original nicht Danilov, sondern der ukrainische Geheimdienstchef Kyrylo Budanow. Es geht um die Wahlen in den von Russland besetzten Gebieten, die Mitte MĂ€rz stattfanden.
Medien und ukrainische Behörde: Russischer Staatssender HTB verbreitete Fake-Video
Wer das gefÀlschte Video wann erstellt hat, lÀsst sich nicht genau rekonstruieren. Laut mehreren ukrainischen und internationalen Medienberichten und dem ukrainischen Center for Countering Disinformation, einem Gremium des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine, veröffentlichte es auch der russische Sender NTV (auf Russisch: HTB). Auf der dortigen Webseite und im Telegram-Kanal des Senders ist das Video allerdings nicht mehr auffindbar.
Einen Ăberblick mit allen Faktenchecks von uns zum Krieg in der Ukraine finden Sie hier.
Redigatur: Kimberly Nicolaus, Uschi Jonas
Die wichtigsten, öffentlichen Quellen fĂŒr diesen Faktencheck:
- Youtube-Video von Pravda, 19. MĂ€rz 2024: Link (archiviert)
- Youtube-Video von We Ukraine TV, 16. MĂ€rz 2024: Link
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Author: Gabriele Scherndl
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