Okay, der Versuch, die Weltlage gutzuradeln, was ohnehin naiv ist, schlug zwar fehl, aber die drei Wochen fast ohne das Nachrichtengeplärre taten ziemlich gut. On top gab es Begegnungen mit Menschen vielfältiger Natur, mal ganz intensiv, herzlich, mal eher oberflächlich; fast nie fühlte es sich so an wie die virtuellen, in Socialmedia gespiegelten, reibend anstrengenden Begegnungen, die mir alltäglich den bevorstehenden Weltuntergang suggerieren.
Ich wäre lieber immer draußen.

#irlirwo

Eben habe ich den letzten Rest Kaffeegemahle des Reiseproviants gekocht. Die Künstlerbude hing voller Spinnenweben. Es gibt noch Johannis- und Jostabeeren im Garten. Die auf Null gestutzte Feige ist 1,5 Meter groß und überwuchert eine Paprikapflanze. Der Körper wiegt noch 72 kg; es gibt nur noch Beinmuskeln; die Prostata ist durch den Druck des Sattels bis ins Hirn gewandert.
Die 12%-Steigung auf den letzten paar zig Metern nach Hause radelte sich wie nix.

#irlirwo #radreise

Bin wieder daheim. Hab nochmal Nudeln auf dem Trangia gekocht, geh aber zum Schlafen in die Künstlerbude, statt Schlafsack und Luftisomatte im Zelt. Die Zugfahrt dauerte elf Stunden. Die Umstiege waren turbulent, teils erstaunlich, was so alles in die Fahrradabteile rein passt. Die letzten neun Kilometer ab Homburg/Saar wieder geradelt. Faszinierend wie lässig ich die 140 Hm wegsteckte.
Ich sollte öfter irgendwohin radeln.

#irlirwo

Nun sitze ich seit Hannover im Zug. Ein Abenteuer die Umstiege in Göttingen und Fulda.
Ab Frankfurt kann ich notfalls wieder radeln. Hoffe aber, dass sich im RE3 ein Plätzchen findet.

#irlirwo

Gutes Gespür für Hüttchen gehabt. Leider ganz schwaches Netz. Der hier geht raus an alle. Wenn er raus geht.
Wieder wurde die Reise heute irgendwohinisch.
Bin nun nahe Hannover unweit des Bächleins Auter. Morgen dann wohl Zug, statt im VW-Bus mit Freund Ludwig.
Oder irgendwohin.

#irlirwo

Suboptimaler Lagerplatz recht nah an der Autobahn. Den angepeilten Lagerplatz auf einer Wiese weiter weg konnte ich nicht anfahren weil der Forstweg gesperrt war. Danach Militär und schließlich Sandwege, so dass ich kurz vor Dunkelheit zu langsam voran kam, um die Autobahn hinter mir zu lassen. Bin nahe der Luhe-Quelle.

#irlirwo

Am Elbstrand bei Geesthacht. "Geesthachtz".

#irlirwo

Ich werde nun in Nähe zur A7 südwärts radeln. Mein Freund Ludwig, der gerade in Hamburg ist, greift mich in den nächsten Tagen an einer Autobahnauffahrt auf und nimmt mich im VW-Bus mit südwärts. Vielleicht morgen oder übermorgen? Ich schaffe es also noch in die Lüneburger Heide.
Das Radel ist in Auflösung begriffen und ich bin, ganz theseuesque, auch ein anderer geworden. Von Wind und Wetter durchdrungen, von Reisealltagsabenteuern zersiebt. Weichgeklopft von bald 2000 km Radreise.

#irlirwo

Der Wind nagt und kühlt.
Seit dreißig Kilometern nur Land und winzige Weiler. Ich liebs. Aber ich finde das auch unheimlich. Vielleivht sollte ich mich in eine Stadt routen. Bad Bramstedt sei nah, sagte jemand, der auf dem Ochsenweg radelt.

#irlirwo

Glücklicher Irgendlink. Wie so ein Mensch gewordener Einsiedlerkrebs habe ich mein "Gehäuse" vom Typ Bushäuschen nun getauscht gegen ein Edekacafé vom Typ Kaffee und Kuchen. Ich legnere bis der Regen endet.

#irlirwo #radreise #legnern