Instagram-Chef warnt: Skepsis muss im KI-Zeitalter zur neuen NormalitÀt werden https://the-decoder.de/instagram-chef-warnt-skepsis-muss-im-ki-zeitalter-zur-neuen-normalitaet-werden/

Na dann hat die Techindustrie und die Menschheit alles richtig gemacht.
Ich wollte immer in einer Welt leben wo man erst vertraut
 aber das ist wohl nund endgĂŒltig vorbei. Wie lange wohl bis sich das auch technisch im privaten Alltag niederschlĂ€gt?
#ki #ai #instagramm #meta #dytopie #vertrauen

Instagram-Chef warnt: Skepsis muss im KI-Zeitalter zur neuen NormalitÀt werden

Instagram-Chef Adam Mosseri warnt: Die Anpassung an eine Welt voller KI-generierter Medien werde Jahre dauern und fĂŒr alle extrem unbequem. Er gibt damit fast exakt die Worte wieder, die einer der Deepfake-Erfinder bereits 2017 von sich gab.

The Decoder

Eine neue Realpolitik

Jenseits von Nostalgie und Dystopie: Die Utopie eines souverÀnen Europa

„Seid realistisch – verlangt das Unmögliche“ so hieß es im Mai 1968 in Frankreich. Die Energiewende zeigt, wie Utopien Wirklichkeit werden können. Sie hat die Gesellschaft real verĂ€ndert. Realpolitik ist die Antwort auf Trumps Dystopie wie die Nostalgie eines Friedrich Merz. Wir brauchen eine neue Realpolitik: ein souverĂ€nes Europa, das auf Erneuerbare, strategische UnabhĂ€ngigkeit, fairen Handel und gemeinsame Sicherheit setzt.

Meine Rede beim 60. BME-Symposiums Einkauf und Logistik (BME = Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V.) am 13.11..25 in Berlin

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
lieber Volker Wieprecht,
Danke fĂŒr die Einladung.

1 Seid realistisch – verlangt das Unmögliche

Ich habe eine Vermutung, wie ich zu der Ehre kam, hier zu sprechen. Soll doch mal so ein Alt-68 er erzÀhlen wie er in dem halben Jahrhundert seines politischen Wirkens mit der unbequemen RealitÀt klar gekommen ist.

Winston Churchill wird das Bonmot zugeschrieben: „Wer mit 20 nicht links ist, hat kein Herz. Wer mit 40 noch links ist, hat keinen Verstand.“

Ich bin 71 und mein Verstand sagt mir:

Gesellschaften, die auf Kosten kĂŒnftiger Generationen leben, haben keine gute Zukunft.

Als 1968 Studierende von Nanterre nach Paris in die Sorbonne zogen taten sie es unter Parole „Seid realistisch – verlangt das Unmögliche“. Das fĂŒhrte zum Mai 1968, bei dem Charles de Gaulle zeitweilig Schutz in einer Kaserne in Deutschland suchen musste.

Die Forderung des Unmöglichen hatte die RealitÀt der Republik Frankreich grundlegend verÀndert.

Es sollte nicht das einzige Beispiel bleiben. NatĂŒrlich gibt es WidersprĂŒche zwischen politischen Idealen und der politischen RealitĂ€t. Was aber ist die politische RealitĂ€t? Mit Sicherheit keine naturwissenschaftliche Kategorie.

Politische RealitÀt ist das Ergebnis des Kampfes unterschiedlicher politischer, wirtschaftlicher, militÀrischer Interessen.

Politische RealitÀt verÀndert sich permanent. Sie beruht auf politisch-kultureller Hegemonie, die einen Konsens der Gesellschaft reprÀsentiert. Diesen Konsens haben die 68er in Paris wie in Berlin und Prag gewaltig verschoben.

Geraten politische Überzeugungen in einen Konflikt der politischen RealitĂ€t, gibt es unterschiedliche Wege damit umzugehen.

  • Man kann die RealitĂ€t in Richtung der Überzeugungen verĂ€ndern.
  • Man kann sich vor der RealitĂ€t verstecken.
  • Man kann die RealitĂ€t zerstören.

Deshalb werde ich heute ĂŒber drei Überzeugungen und ihr VerhĂ€ltnis zur RealitĂ€t sprechen.

  • Utopie
  • Nostalgie
  • Dystopie

2 Von der Utopie zur Wirklichkeit

In Deutschland hat die Utopie keinen guten Ruf. LegendĂ€r ist der Satz von Helmut Schmidt: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“. Der Satz stammt aus dem Jahre 1980. Schmidt stand damals in einer erbitterten Auseinandersetzung mit der Friedens- und der Anti-AKW-Bewegung – und seiner eigenen Partei.

Die Anti-AKW-Bewegung hatte eine Vision. Sie wollte Strom erzeugen, ohne kĂŒnftige Generationen hochgiftigen AtommĂŒll und ein von Treibhausgasen ĂŒberhitztes Klima zu hinterlassen. Schon auf dem besetzten Bauplatz des Atomkraftwerks Grohnde drehte sich 1977 ein Windrad.

DafĂŒr wurden die Atomkraftgegner ausgelacht. Die Utopie einer atommĂŒllfreien, klimaneutralen Stromerzeugung galt als utopisch und realitĂ€tsfremd.

Nach vielen Irrungen und Umwegen jedoch setzte sich die Utopie durch. Anfang der 2000er Jahre wurde der Ausstiegaus der Atomenergie und der Einstieg in die Erneuerbaren von einer rot-grĂŒnen Mehrheit auf den Weg gebracht.

Die Energiewende begann.

Versuche einer Koalition atomarer Nostalgiker, die Energiewende rĂŒckgĂ€ngig zu machen, scheiterten 2011 mit Fukushima.

Die Idee von 2002, ein FĂŒnftel deutschen Stroms aus Atomkraftwerken bis 2020 durch Strom aus Wind und Sonne zu ersetzen, wurde als Utopie verlacht. Die Erneuerbaren könnten maximal 8 Prozent liefern.

Doch meine Vorgabe im Erneuerbaren Energien Gesetz, bis zum Ende der Atomenergie 20 Prozent des Stroms erneuerbar zu erzeugen, war falsch. Die 20 Prozent wurden bereits 2012 erreicht, 2020 waren es ĂŒber 40 Prozent. Letzten Monat waren 64,2 Prozent.

Die Utopie der Energiewende hatte die RealitÀt schneller verÀndert, als selbst ihre Macher glaubten.

Diese Wende blieb nicht auf Deutschland beschrĂ€nkt. Am Rathaus zu Basel findet sich die Inschrift „Wohl Gehen macht wohl folgen“. So ging es mit der Energiewende.

Das EEG löste innerhalb eines Jahrzehnts Kostensenkungen von ĂŒber 90 Prozent fĂŒr Wind- und Solarstrom aus. Ex Außenminister und US-Klimabeauftragter John Kerry formulierte es so:

“(So) schuf Deutschland einen frĂŒhen Markt fĂŒr aufstrebende Technologien, der inzwischen auf der ganzen Welt floriert.“

Wie dieser Markt floriert, ist in den Statistiken der Internationalen Energie Agentur wie der Irena nachzulesen. Im Jahr 2024 gingen 585 GW erneuerbare StromerzeugungskapazitĂ€t weltweit ans Netz. Das waren 92,5 Prozent aller neuen, globalen StromerkapazitĂ€ten. Anders gesagt, Kohle, Öl, Gas und Uran teilen sich heute eine Marktnische von 7,5 Prozent.

Zum ersten mal war der Zubau erneuerbarer KapazitÀten höher als die weltweit wachsende Stromnachfrage.

Die Energiewende hat die Grundlage fĂŒr die Dekarbonisierung der Welt geliefert.

Der Grund ist einfach. Nichts kann eine Kilowattstunde billiger produzieren, als Sonne und Wind. Kohle, Öl und Gas sind nicht wettbewerbsfĂ€hig – von Uran ganz zu schweigen.

Das wird nicht auf die Stromerzeugung beschrĂ€nkt bleiben. Eine WĂ€rmepumpe erzeugt aus einer Kilowattstunde Strom dreieinhalb Kilowattstunden WĂ€rme. Ein batteriebetriebenes Auto ist vier bis fĂŒnfmal so effizient, wie ein mit E-Fuels betriebenes.

Die Utopie der Bauplatzbesetzer von 1977 geht heute mit der RealitÀt des Marktes zusammen.

Auch der Markt ist kein Naturgesetz. Er hÀngt an dem Rahmen, der ihm durch Politik und wirtschaftliche Macht gesetzt wird.

Neben der wirtschaftlichen Vorteile der Erneuerbaren gibt es gute geostrategische GrĂŒnde in Erneuerbare, sprich heimische Energien zu investieren.

Die HÀlfte der neu installierten 585 GW gingen 2024 in China ans Netz. China will sich seine Energiekosten nicht lÀnger von den USA vorschreiben lassen. Europa hat das gleiche Interesse.

Russland und die USA dagegen haben an dieser UnabhĂ€ngigkeit Europas ĂŒberhaupt kein Interesse. Ihre Einnahmen und und ihre geopolitische Rollen beruhen auf fossilen Energien.

Wir erleben heute das globale Ringen zwischen Petrostaaten und Elektrostaaten.

Europa wird sich entscheiden mĂŒssen, auf welcher Seites es steht.

Utopien verĂ€ndern nicht immer die Wirklichkeit. Die Idee Frieden schaffen ohne Waffen ist eine solche Utopie. 25 Jahre sah es so aus, als wenn Europa ein Kontinent wĂŒrde, in dem die Herrschaft des Rechts herrscht und Krieg nicht mehr stattfindet. Armeen schrumpften, es wurde abgerĂŒstet. Deutschland hielt sich noch eine Interventionstruppe, um sich an friedenssichernden EinsĂ€tze – out of area – zu beteiligen.

Diese Idee zerstob 2014 mit der Annexion der Krim durch Russland. In Europa werden wieder mit Gewalt Grenzen verÀndert. In Russlands Krieg in der Ukraine zeigt ein neuer Imperialismus sein brutales Gesicht.

Werden Utopien von Wirklichkeit widerlegt, ist es an der Zeit sich von ihnen zu verabschieden.

Es macht keinen Sinn, einem toten Pferd noch die Sporen zu geben.

Europa muss sich im ureigenen Interesse dem Imperialismus Russlands entgegen stellen. DafĂŒr muss es in Verteidigung investieren, muss souverĂ€ner werden.

Das ist teuer. Robert Habeck hatte den Mut vor der letzten Bundestagswahl zu sagen, was es kostet. 3,5 Prozent unseres Bruttoinlandprodukts. Das ist aus dem laufenden Haushalt nicht zu stemmen. Es geht nur mit zusÀtzlicher Staatsverschuldung oder zusÀtzlichen Einnahmen.

Alles anderen Parteien – von CDU ĂŒber SPD bis zur Linken – bestritten das. Sie wollten die Menschen nicht mit der Wahrheit belĂ€stigen.

Die Wahrheit ist nicht populĂ€r – aber real.

Einfacher ist es, den Menschen die RĂŒckkehr zu einer vermeintlich besseren Vergangenheit zu versprechen. Womit wir bei der Nostalgie sind.

3 Nostalgie – mich sieht ja keiner

Friedrich Merz hat seinen Wahlkampf mit zwei Retro-Versprechen gefĂŒhrt: Weniger Migranten, weniger Staat.

Merkels Entscheidung von 2015, auf FlĂŒchtlinge nicht schießen zu lassen, sollte korrigiert werden. Die Migration reduzieren wir durch Grenzkontrollen und Abschiebungen. Wenn der Staat von ĂŒberflĂŒssigen Ausgaben befreit ist, dann ginge es allen besser, das Wachstum springt an und Deutschland wird wieder Exportweltmeister. Wenn wir Steuern senken, dann werden Unternehmen und Vermögende schon wieder investieren.

Merz Wahlkampf war nicht besonders erfolgreich. Er verbesserte das schlechteste Unionsergebnis von 2021 zum zweitschlechtesten. Aber Merz wurde Kanzler. Galt im Wahlkampf noch: Im Himmel ist Jahrmarkt landete der Bundeskanzler Merz unsanft in der RealitÀt.

Beide Wahlkampfversprechen haben den RealitÀtstest nicht bestanden.

Statt illegale Migration zu bekĂ€mpfen, wollte die Union zuerst die legale Zuwanderung im Rahmen des Aufnahmeprogramms aus Afghanistan stoppen – und scheiterte damit vor Gericht. Nun versucht ein christ-sozialer Innenminister, den in Pakistan seit 2 Jahren festsitzenden Afghanen ihr Recht auf Schutz vor den Taliban fĂŒr ein Linsengericht abzukaufen.

Auch die ZurĂŒckweisung ohne Verfahren an den Grenzen kassierte ein Gericht mit einer so grundsĂ€tzlichen BegrĂŒndung, dass Dobrindt auf sein Rechtsmittel dagegen verzichtete. Es sollte fĂŒr CDU und CSU aber noch schlimmer kommen.

Bei einem Besuch in Syrien benannte CDU Außenminister Johann Wadephul die Zerstörungen des Syrien-Krieges: „schlimmer als 1945“ in Deutschland. Es sei nicht realistisch, dass große Zahlen der seit 2015 nach Deutschland geflohenen gut 1 Mio. Syrer schnell nach Hause zurĂŒckkehren werden.

Die RealitÀt in Syrien widerlegte die Versprechungen des Wahlkampfs

FĂŒr das Aussprechen der Wahrheit musste sich Wadephul vom eigenen Fraktionsvorsitzenden abkanzeln lassen. Parteifreunde gifteten, er setze wohl die Außenpolitik von Annalena Baerbock fort.

Es war wie im MĂ€rchen Des Kaisers neue Kleider. Der kleine Johann hatte es gewagt, zu sagen, der Kaiser ist nackt. NatĂŒrlich werden kurzfristig nicht große Zahlen von GeflĂŒchteten nach Syrien zurĂŒckkehren. DafĂŒr ist die Zerstörung zu groß und die Situation fĂŒr viele Volksgruppen wie Drusen, Aleviten und Christen zu fragil. Auch die 300.000 GeflĂŒchteten, die inzwischen Deutsche sind, werden nicht in großer Zahl wieder auswandern.

Remigration nach Syrien ist zudem weder im Interesse Syrien noch Deutschlands.

Jens Spahn will die GeflĂŒchteten zum Steinekloppen nach Syrien schicken. Man kann bei jedem Entwicklungsökonom nachlesen, dass Transfers aus der Diaspora einem Land mehr helfen.

Vor allem aber: Deutschland muss sich fragen, wie es dann die fehlenden ArbeitskrĂ€fte ersetzt. Hier geht es nicht nur um die inzwischen ĂŒber 5.000 syrischen Ärzte. Von den 690.000 erwerbsfĂ€higen GeflĂŒchteten arbeiten heute 500.000 in sozialversicherungspflichtigen Jobs. Und das ist gut so.

Merz hĂ€tte den Widerspruch zwischen Wahlkampfversprechen und deutschen Interessen anders auflösen können. Er hĂ€tte – wie Hollands Wahlsieger Rob Jetten – eine einfache Wahrheit aussprechen können:

Deutschland braucht Migration, damit sein Wohlstand gesichert wird.

Dann ist es eine gute Nachricht, dass zehn Jahr nach Angela Merkels Entscheidung von 2015 die Mehrheit der GeflĂŒchteten arbeitet, Steuern und Sozialversicherung bezahlt – ja ein Drittel sogar Deutsche geworden ist.

Das aber hÀtte vorausgesetzt, sich von der Nostalgie einer biodeutschen Gesellschaft endlich zu verabschieden und festzuhalten:

Deutschland ist ein Einwanderungsland.

In Stuttgart haben heute mehr als 40 Prozent der Einwohner einen Migrationshintergrund. Cem Özdemir aus Bad Urach ist der typische Schwabe.

Stattdessen hofiert Merz mit dem Geraune ĂŒbers „Stadtbild“ fremdenfeindliche Emotionen. Doch das Versprechen durch Abschiebungen weniger Elend und Armut zu sehen wird scheitern.

Die Gewinner bei der Verweigerung der RealitÀt eines Einwanderungslandes sind die Antidemokraten der AfD.

In der Migrationspolitik muss die schwarz-rote Koalition den RealitĂ€tstest noch bestehen, den sie in der Haushaltspolitik schon hinter sich hat. Um den Haushalt zu decken und ĂŒberhaupt Geld fĂŒr Investitionen zu haben hieß es schon vor der Vereidigung von Merz: ZurĂŒck zu Habeck.

FĂŒr Investitionen in Sicherheit und Infrastruktur wurden eine Halbe Billion neue Staatsschulden aufgenommen. Von wegen Senkung der Staatsquote.

Welcome to reality.

Doch scheint bei Schwarz-Rot die Verlockung weiterhin hoch zu sein, sich angesichts unbequemer RealitĂ€t die Decke ĂŒber den Kopf zu ziehen und zu behaupten: „Mich sieht ja keiner.“

Doch, die Menschen merken, dass die versprochene Senkung der Stromsteuer nicht kommt, dafĂŒr aber die Krankenkassen- und RentenbeitrĂ€ge steigen.

4 Dystopie

WĂ€hrend Schwarz-Rot noch darĂŒber grĂŒbelt, wie sie die kognitive Dissonanz zwischen Idee und Wirklichkeit auflösen soll, ist Donald Trump weiter. Er setzt darauf, mit der Idee die RealitĂ€t gewaltsam zu zertrĂŒmmern.

WĂ€hrend Friedrich Merz nur von einem biodeutschen Stadtbild raunt, setzt Trump die weiße Vorherrschaft in den StĂ€dten gewaltsam durch.

In den USA ist die Jagd auf Menschen lateinamerikanischen, schwarzen oder asiatischen Aussehens eröffnet. Durch die Straßen ziehen maskierte Trupps der Einwanderungspolizei ICE, zerren Menschen in anonyme Autos und entfĂŒhren sie. Die große Mehrheit der Latinos, Schwarzen und Asiaten wird nicht abgeschoben, aber traut sich kaum noch auf die Straße. So setzt Trump sein Stadtbild durch.

Trump widerlegt mit Inbrunst die neoliberale Behauptung „Gegen den Markt kann man nichts machen“. Doch, Trump kann.

NatĂŒrlich kostet das Ende des Freihandels Wachstum. Doch das stört ihn nicht, solange die Nachteile daraus andere treffen. DafĂŒr zu sorgen werden alle Register der Erpressung eingesetzt. Das reicht von Annexionsdrohungen bis zu Strafzöllen.

Strafzöllen von 15 Prozent auf Maschinen – aber 50 Prozent auf Stahl und Aluminium aus der EU. Deutsche Maschinenbauer sind zur Zeit mit Herkunftsnachweisen ihrer Schrauben beschĂ€ftigt, um eine Einfuhrgenehmigung vom US-Zoll zu bekommen. Dagegen sind die Regelungen des nun abgeschwĂ€chten EU-Lieferkettengesetzes schlank und unbĂŒrokratisch.

Zum Erpressen gehören immer zwei. Einer, der erpresst, und einer, der sich erpressen lĂ€sst. China ließ sich ebenso wie Brasilien nicht erpressen.

Europa aber war schon umgefallen, bevor die Erpressung begann. Im Zollstreit zwischen der EU und den USA steht es 0:15 bei Stahl und Aluminium 0:50. Als Morgengabe haben die EuropĂ€er noch versprochen, fĂŒr 750 Mrd. US-Frackinggas zu kaufen. Deshalb fordert Trump jetzt, dass die EU ihre Klimaschutzgesetzgebung, den Green Deal revidiert.

Wer Autokraten mit Appeasement begegnet, darf sich ĂŒber solche Nachforderungen nicht wundern.

NatĂŒrlich weiß die fossile Industrie der USA, dass sie das ökonomische Rennen gegen die Erneuerbaren verliert – wie sie weiß, dass ihre Produkte die Klimakrise antreiben. Aber gerade deshalb hat sie 450 Mrd. Dollar in Trumps Kampagne investiert. Trump soll ihnen gegen den Markt eine LaufzeitverlĂ€ngerung verschaffen. Auch um den Preis der Zerstörung des Klimas.

Trump hat in den ersten 9 Monaten seiner Amtszeit geliefert. Der Meteorologie, der Raumforschung wurden die Gelder gestrichen, Treibhausgase dĂŒrfen nicht mehr reguliert werden, Windparks auf See wie an Land werden zur Bedrohung der Nationalen Sicherheit erklĂ€rt und verboten. Stattdessen gab es erleichterte Bohrgenehmigungen fĂŒr Öl und Gas. Die geldwerten Vorteile der fossilen Industrie summieren sich auf 45 Mrd. Dollar.

Die Dystopie der Klimakrise hat mit Trump einen Turbo bekommen.

5 Die neue Realpolitik

Dem gilt es zu begegnen. Mit einer neuen Realpolitik.

Seid realistisch, verlangt das Unmögliche.

Im geopolitischen Ringen zwischen Petro- und Elektrostaaten muss sich Europa entscheiden, auf welcher Seite es steht. Eigentlich einfach – da Europa ĂŒber keine nennenswerten fossilen Ressourcen verfĂŒgt.

Eigentlich einfach, weil Europa nur gemeinsam Gewicht hat.

Wie wÀre es mit also einem Europa,

  • Dass sich Trump wie Putin entschlossen entgegenstellt?
  • Dass sich aufmacht, sich aus der fossilen AbhĂ€ngigkeit zu befreien? Einem Europa, dass auf Erneuerbare und Wasserstoff statt auf Kohle, Öl und Gas setzt?
  • Dass gemeinsam seine MĂ€rkte – von Stahl bis Chemie – vor Erpressung und unfairem Wettbewerb schĂŒtzt?
  • Dass seine AbhĂ€ngigkeit bei KI, Chips und Clouds beendet?
  • Dass seine Rohstoffpolitik partnerschaftlich diversifiziert, Recycling im großen Stil auf den Weg bringt und so Chinas Monopol auf rare Ressourcen bricht?
  • Dass mit den großen Staaten des Globalen SĂŒden Freihandelsvereinbarungen schließt?
  • Dass in seine eigene militĂ€rische Sicherheit investiert?

Kurz:

Wie wÀre es mit einem souverÀneren Europa?

Utopisch? Nein.

Es wÀre nicht zu viel verlangt.

Verabschieden wir uns von der Nostalgie. BekĂ€mpfen wir die Dystopie. Werden wir realistisch. Die neue Realpolitik heißt:

Seid realistisch – verlangt das Unmögliche.

Vielen Dank fĂŒr Ihre Aufmerksamkeit.

Dieser Beitrag ist eine Übernahme von der Homepage des Autors, mit seiner freundlichen Genehmigung.

Eine neue Realpolitik – Beueler-Extradienst