Das ist das erste von 4 Büchern, die ich während meines Urlaubs gelesen habe. Das klingt jetzt wenig (war immerhin 3 Wochen out of office) aber dieses Buch ist WAHNSINNIG dick. Also, so ein richtiger Schinken, ein Wälzer, der den Namen noch verdient - 800 noch was Seiten, hab ich alle gelesen (jedenfalls die meisten, und davon das meiste). Ich dachte, es müsste ein gutes Buch sein, weil es in Lyon in einem sehr guten feministischen Buchladen im Regal stand (da hab ich es nicht gekauft, aber habe es als zusätzliche Validierung empfunden, dass es da auch stand).

Na ja.

Ich sag mal so, ich weiß jetzt noch nicht was an dem Buch feministisch ist außer dass die Autorin eine Frau ist und alle Männer (was leider die Mehrheit der handelnden Charaktere sind) erstaunlich nutzlos sind und entsprechend wenig klug handeln. Dabei profitiert das Buch wirklich nicht davon, dass es so lang ist, weil man beim Lesen an vielen Stellen einfach nur sehr ausgedehnt leidet.

Die Handlung spielt in England, 19. Jahrhundert, in einem Universum in dem Magie eine alte, vergessene Kunst ist. Zwei Magier, die sehr gegensätzlich sind, versuchen auf ihre Arten, die Kunst der Magie wiederzubeleben und gleichzeitig in einem Krieg gegen Frankreich hilfreich zu sein. Eigentlich geht es aber um einen längst verstorbenen (oder verschollenen) Supermagierkönig und einen Feenkönig (es besteht die Möglichkeit, dass das dieselbe Person ist) und wie egal Frauen, Nicht-Weiße Personen, Angestellte und Arme sind. Ich habe außerdem mitbekommen, dass es eine Metaebene über Naturalismus vs. Academia gibt (oder so ähnlich), und der Sexismus/ Rassismus/ Klassismus eventuell ein Stilmittel sein soll, da bin ich mir aber nicht so sicher.

In Summe war es stellenweise unterhaltsam, hat sich dann gezogen und wurde auf die letzten Meter (~ 100 Seiten) SEHR langwierig; was Schade ist, weil es nicht schlecht angefangen hat. Fußnoten werden exzessiv genutzt, meistens für Worldbuilding auf einem sehr hohen Detailgrad (i mean, wer erfindet denn ganze Bibliografien anstatt von tiefgründigen weiblichen Charakteren), was ziemlich anstrengend wird - ich glaube der Highscore ist eine Fußnote über 6 Seiten, könnten aber auch 8 gewesen sein. Lang jedenfalls. Hätte ich persönlich gekürzt, wie das meiste in diesem Buch.

5/10, ich würde es nicht weiterempfehlen, es war aber auch nicht furchtbar und ich wollte es immerhin zu jedem Zeitpunkt durchlesen.

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In meiner Bubble wurde dieses Buch oft empfohlen und gefeiert und ich dachte mir an einem gemütlichen Freitagabend „Mensch, hol ich mir, les ich durch“.

Gesagt getan erledigt und ganz ehrlich, was zur Hölle. Es geht um eine junge Frau, die denkt sie wäre mit ihrem gutaussehenden Arbeitskollegen zusammen und entsprechend bestürzt ist, als er ihr eröffnet, dass er seine tatsächliche Freundin heiraten wird (ebenfalls eine Arbeitskollegin). Daraufhin fällt sie in eine Depression, die nicht so genannt wird, kündigt ihren Job und reflektiert kurz aus ihrem Bett (dass sie für ein paar Wochen nicht mehr verlässt), dass ihr Leben bisher nicht nennenswert aufregend war. Diese Erkenntnis wird aber nicht weiter verfolgt oder therapeutisch aufgearbeitet (Quartier Life Crisis hätte benannt und behandelt werden können), stattdessen holt ihr weirder aber liebenswürdiger Onkel sie zu sich in seinen Buchladen. Der Rest der ersten Buchhälfte läuft ziemlich vorhersehbar und herzig ab, die Protagonistin entdeckt ihre Leidenschaft für Literatur, überwindet ihre Depression, vergisst dass sie tiefgreifende Zweifel an ihrem Lebensentwurf hatte, findet einen neuen Job und eine neue Wohnung. So weit, so nett, so viele verpasste Gelegenheiten für eine wirklich ergreifende Entwicklung eines menschen.

Die zweite Hälfte ist dann wirklich seltsam: die lange verschollene Tante/ Frau vom Onkel taucht wieder auf. Achtung Spoiler: nach einer Fehlgeburt hatten die beiden Eheleute beide eine Depression, konnten sich gegenseitig nicht helfen und hatten auch keine von außen, deshalb ist die Tante weggegangen. Wiedergekommen ist sie dann wegen einer Krebsdiagnose. Sie geht dann aber noch mal, wird dann vom Onkel zurück geholt (er findet sie am Grab des verstorbenen Babys). Das alles ist nicht das was ich seltsam finde - Geschichten über Fehl-/ Totgeburten sind wichtig, psychische Gesundheit in der Boomergeneration auch - mitr stößt die Ignoranz, mit der diese Themen sehr kurz erzählt und nicht aufgearbeitet werden auf. Die Geschichte hatte wahnsinnig viel Potenzial, man hätte die beiden Buchhälften auch sinnvoll verbinden können, hat man aber nicht. Durch diese sorglose Oberflächlichkeit wirkt letztendlich alles belanglos und löst sich in Wohlgefallen mit Bücherduft auf. Ich gebe zu, ich war noch nie in Tokio und hab keine Ahnung von der japanischen Kultur, gleichzeitig traue ich Japaner:innen mehr zu als… das.
Was bleibt ist die Erkenntnis: Holt euch Hilfe, wenn es euch nicht gut geht; führt ehrliche Gespräche; legt Menschen einer älteren Generation eine Therapie nahe, denn von alleine kommen sie offensichtlich nicht darauf. 2/10, war wenigstens ein dünnes Buch

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