John Higgins hat es mal wieder gemacht. Mit einem Endspurt aus Granit schlägt er Neil Robertson mit 13–10 und steht zum gefühlt zwanzigsten Mal im Halbfinale einer WM.

In Wirklichkeit ist es erst das zwölfte Mal, aber das macht jetzt wirklich keinen Unterschied. Dieser Mann ist einfach ein Phänomen. Vor vier Jahren stand er das letzte Mal hier. Dazwischen lag eine grausame Zeit aus verlorenen Endspielen, Selbstzweifeln und Gedanken, sich zur Ruhe zu setzen. Im letzten Jahr scheiterte er denkbar knapp im Viertelfinale an Mark Williams. Doch kurz zuvor hatte er endlich mal wieder Titel gewonnen: nicht nur einen, sondern sogar zwei. Und jetzt steht er unter den letzten Vier im größten Turnier. Dort bekommt er es mit Shaun Murphy zu tun.

Der Fluch in Form von Shaun Murphy

Murphy spielte sich mit einem 13–10 gegen den amtierenden Weltmeister Zhao Xintong an den Einzeltischaufbau. Er will ja schon seit 21 Jahren beweisen, dass sein WM-Titel kein Ausrutscher war. Ein paar Mal ist er auch wieder dran gewesen, konnte aber so Stolpersteine wie Mark Selby, Stuart Bingham oder eben auch einen gewissen John Higgins nicht überwinden. Nun nimmt er den nächsten Anlauf, zumindet wieder in einem Finale zu stehen.

Erstweltmeistertitelträger Zhao Xintong wurde also doch noch Opfer des Crucible Fluchs. Schön hatte er angefangen, toll weitergemacht und war dann doch vom Druck des Weltmeistertitels/einem gnadenlosen Shaun Murphy geplättet worden. Ich habe seine erfrischenden Auftritte hier bei der WM genossen und ich finde, er hat eine richtig gute Weltmeistersaison hingelegt. Dafür gebührt ihm jede Anerkennung.

Shaun Murphy – John Higgins
Donnerstag 14 Uhr, Freitag 11 und 20 Uhr, Samstag 15:30 Uhr

Wu Yize und Mark Allen im zweiten Halbfinale der WM

Nicht nur zur Enttäuschung unserer Teamkollegin Målin scheiterte Barry Hawkins auf den letzten Zentimetern an Mark Allen. Der kam nach dem zwischenzeitlichen 10–10 mit den besseren Breaks und bescherte uns mit 13–11 das engste Viertelfinale. Mark Allen steht auf der Liste der Leute, die längst Weltmeister geworden hätten sollen ja ziemlich weit oben. Seine Ausbeute bei der WM ist dafür aber ein bisschen mager: in zwanzig Jahren viermal Viertelfinale und jetzt zum dritten Mal im Halbfinale.

Hier trifft er auf Wu Yize, den Jungspund mit der unvernünftigen Schussauswahl. Beide treten hier für ihre allererste Finalteilnahme an und natürlich für ihren ersten Titel. Es besteht also eine gute Chance, dieses Jahr einen Debüt-Weltmeister zu feiern.

“Some of the balls he took on against me, I’m not sure they were the right shot, but they were going in. He’s still young and loving the game.”

Wenn sie drin waren, waren sie vielleicht nicht so verkehrt 😄.
#Snooker #WorldChampionship

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— Lula Witzescher (@lulawitzescher.eurosky.social) 29. April 2026 um 08:05

Wu Yize wäre in meinen Augen (und meinem Herzen) ein guter Kandidat dafür. Er spielt unkonventionell und mutig und ist mental offensichtlich ausgesprochen stabil. Um dem viermaligen Weltmeister Mark Selby den Schneid abzukaufen, musst du das auch sein. Und im Viertelfinale gegen Hossein Vafaei war sein Auftritt ebenso überzeugend.

Mark Allen – Wu Yize
Donnerstag 20 Uhr, Freitag 15:30 Uhr, Samstag 11 und 20 Uhr (Ja, Mark, das ist wieder ganz unfair mit dem Zeitplan, das wissen wir.)

Unseren Überblick über die WM findet ihr auf unserer Turnierseite. Dort stehen alle Partien samt Zwischenständen und Endergebnissen.

Wu Yize hat Grund zum Feiern. Hier bei seinem Einzug ins WM-Halbfinale. © Zheng Zhai

https://snookerpro.de/artikel/halbfinale-wm-murphy-higgins-und-allen-wu/

#Snooker #WellSPottedLulasWM

Wu Yize behält die Nerven gegen den viermaligen Weltmeister Mark Selby. Und John Higgins geht Ronnie O’Sullivan so auf die Nerven, dass der einfach nicht gewinnen kann.

Nein, Wu Yize sei nicht nervös gewesen, sagt er. Ja, das Crucible würde schon Druck produzieren, aber Wu hätte das Spiel genossen. Und hätte so gespielt, dass er noch weiter genießen kann. Ja, dann ist ja alles in Ordnung. Denn ich bin fast gestorben vor Nervosität.

Wu Yize wehrt sich gegen seinen Verfolger

Nach zwei hochkarätigen Sessions ging es heute beim Stand von 9–7 für Wu Yize gegen Mark Selby in die Entscheidung. Gleich im ersten Frame ging das Safetyduell für Wu aus und er konnte sich weiter absetzen. Doch gleich darauf sahen wir ein typisches Selby-Break: guter Split, guter Locherfolg, gutes Stellungsspiel und fertig ist der Framegewinn. Frame 19 war ein fröhliches Fehlerfestival und am Ende war es eine verdödelte Safety von Wu, die Selby den nächsten Framegewinn bescherte. Und dieses 10–9 statt 11–8 schien sehr schmerzhaft für Wu, denn er hatte ausreichend Chancen den Frame zu gewinnen. Die Kommentatoren redeten herbei, dass Wu Yize jetzt Mark Selbys Atem spüren und zu zittern anfangen würde.

Wu selbyt Selby

Der nächste Frame strafte sie Lügen. Ein 52-minütiges Monster mit allem, was das Snookerherz begehrt. Und eigentlich ein absoluter Selby-Frame. Wu hatte die erste Chance, musste aber nach 37 Punkten sicher ablegen, weil die Roten ungünstig gelaufen waren. Die Roten lagen in Häufchen rund um Pink und Schwarz und es ging munter hin und her mit den Versuchen, dem Gegner möglichst nichts hinzulegen. Safeties wurden vergeigt, Fluchtversuche aus Snookern waren erfolglos, dazwischen dann mal ein schöner Einsteiger, der zu nichts führte. Beim Stand von 57–5 (75 noch auf dem Tisch) verschoss Wu eine Rote, die direkt im Tascheneinlauf liegen blieb. Ein paar tolle Pots von Wu später brauchte Selby drei Snooker. Beziehungsweise er legte die fiesen Snooker und Wu soll dann Foulpunkte produzieren. Einmal tat er das auch, aber mit dem Freeball wollte es nicht klappen. Am Ende machte Selby selbst einen Safetyfehler und Wu holte sich diesen hartumkämpften, taktischen Frame zum 11–9. Puh, ich brauchte nun erstmal Pause.

Higgins strapaziert O’Sullivans Nerven

Währenddessen ging es am Nebentisch hoch her. Auch wenn ich nicht hätte gucken wollen, war das Gegröle nicht zu überhören. So reimte ich mir zusammen, was dort geschah. O’Sullivan pendelte bei dieser WM laut Medien ja mal wieder zwischen Ich-liebe-das-Spiel-wieder und Ich-gehe-dann-wohl-doch-bald-in-Ruhestand. In den ersten beiden Sessions war von dem ersten Ronald etwas mehr zu sehen. Deshalb führte er nach der ersten Session mit 6–2 und gewann die erste Hälfte der zweiten mit 3–1. Die Ronnie-Gröler hatten schon Oberwasser. Doch das stieg ihnen in den kommenden Frames hoch und höher bis zum Hals.

Higgins gewann die letzten drei Frames der zweiten und die ersten drei der dritten Session (vier davon extrem knapp, zwei deutlich) und plötzlich führte er mit 10–9. O’Sullivan riss sich aber trotz sichtbarer Frustration am Riemen und produzierte zwei sehr schöne Breaks, mit denen er seinerseits wieder in Führung ging. Bevor Higgins sich mit zwei fetten Breaks wieder an die Spitze schob. Doch kampflos ging O’Sullivan hier nicht unter. Mit einer 81 erspielte er sich den Entscheidungsframe. Nein, den konnten sie natürlich nicht einfach runterspielen, sondern machten ihren Fanlagern immer wieder Hoffnung, um diese bei der nächsten vergeigten Aktion wieder zu zerstören. Am Ende hieß der Sieger John Higgins und Stephen Hendry darf noch ein weiteres Jahr hoffen, dass O’Sullivan ihm den letzten Rekord nicht auch noch abnimmt.

Eine typische Selby-Session mit untypischem Ende

Zum Glück hatte damit der Lärm vom Nachbartisch endlich ein Ende und ich konnte mich voll und ganz darauf konzentrieren, einem Nervenzusammenbruch immer näher zu kommen. Doch auch bei den Akteuren am Tisch zeigten sich nach der Pause die Nerven. Beide machten einige unnötige Fehler (wie immer hier die Frage: Gibt es eigentlich nötige Fehler?) und wir wurden Zeuge, wie Mark Selby mit seinem Spielstock auf den Boden stampfte. Zum Glück blieb das Ding heil, aber der Frame ging an Wu. Nur noch ein Frame zum Einzug ins Viertelfinale brauchte er. Für seinen ersten Auftritt in einem Best-of-25 zeigte er doch eher Nerven wie Drahtseile.

Endspurtmarathon zum Sieg

Dass Selbys Queue offensichtlich keinen Schaden genommen hatte, zeigte sich bei dem wunderhübschen 95er Break zum 10–12, mit dem er den Abstand wieder auf zwei Frames verkürzte. Und auch den nächsten gewann er nach viel hin und her und einer schlechten Safety von Wu. Der Locherfolg beider sank diametral zur steigenden Anzahl der unforced errors. Meine Nerven lagen jedenfalls blank und mein Mantra war „BittekeinenEntscheidungsframeBittekeinenEntscheidungsframe …“ Denn das würde ich einfach nicht aushalten. Zwischenzeitlich dachte ich an meine Kollegin Målin, die das Spiel zeitversetzt nachschauen würde. Ich verkniff mir also sämtliche Spoiler im Teamchat und auf Social Media. Auch weil ich es ihr als großem Mark-Selby-Fan nicht auch noch reinreiben wollte … Aber warum war ich eigentlich insgeheim schon am feiern? Fehlte da nicht noch ein Frame? Ein schönes Century zum Sieg?

Denkste. Der 24. Frame nimmt in meinem Notizbuch eine komplette Seite ein. Ich könnte ihn hier also minuten- und punktgenau nacherzählen. Habt ihr da Lust drauf? Ich jedenfalls nicht. Es war ein nervenzerrüttendes Hin & Her. Stapelweise große Kreuze (für verschossenen Ball), ein paar Herzchen (für mutige Bälle), Ausrufezeichen (für großartige Locherfolge) und die Worte „Verzweiflung“ und „wildes Bild“ sowie ein Beinahe-Fluke von Wu, der direkt am Lochrand liegenblieb. Am Ende spielt Selby ein Double auf die Mitte und verschießt anschließend Blau. Wu Yize macht den Sack zu und ich feiere heimlich mit Partyhütchen und Tanz auf dem Tisch.

Mark fand, er hätte in der ersten Session gut gespielt und dann nachgelassen. Konzentrationsverlust, zu viele Fehler gemacht. Yize erfreut sich seines Spiels, des Selbstvertrauensschubs und der Crucible-Atmosphäre. Ich drücke die Daumen, dass er auch gegen Judd Trump oder Hossein Vafaei die Nerven behält.

Letzte Entscheidungen des Achtelfinales

Während ich das hier tippe, stehen Neil Robertson und Chris Wakelin sowie Judd Trump und Hossein Vafaei für die letzte Entscheidung des Achtelfinales am Tisch. Trump führt 10–7 und Robertson 10–6. Wakelin hatte gestern nach einem von Peggy Li ausgerufenen Foul alle Frames verloren. Die Entscheidung war umstritten. Denn Wakelin soll die Gelbe mit dem Queue gestreift haben, hatte das aber selbst nicht gemerkt und auch die TV-Bilder gaben keinen Aufschluss. Offensichtlich hat es Chris aber aus dem Takt gebracht, denn vorher spielte er konzentriert. Er bezeichnete die Situation selber als ’so bizarre‘. Ich drücke die Daumen, dass er heute Abend wieder in den Tritt kommt.

Alle Partien werden heute, morgen oder Montag entschieden. Unseren Überblick über die WM findet ihr auf unserer Turnierseite. Dort stehen alle Partien samt Zwischenständen und Endergebnissen.

 

https://snookerpro.de/artikel/nerven-nerven-nerven/

#WellSPottedLulasWM

Fünfzehn gesetzte Spieler setzten sich in der ersten Runde durch. Nur Si Jiahui stolperte über einen Qualifikanten: Hossein Vafaei. In Runde zwei gewann Shaun Murphy schon mit einer gesparten Session.

Ich mag es nicht, wenn die zweite Runde startet, bevor die erste zu Ende gespielt ist. Mir fehlt das letzte Abrunden, das anschließende Durchatmen, das Neusortieren am Spielplan und dann der Startschuss für die nächste Runde. Aber irgendwie ist das neuerdings dauernd so und es trägt zu meiner Verwirrtheit nicht unerheblich bei. Egal.

Robertson gewinnt irgendwie gegen Pang

Ich weiß auch nicht, was ich von dem 10–6 von Neil Robertson gegen Pang Junxu halten soll. Beim 5–5 wirkte das Match wirklich ausgeglichen. Beide spielten grandiose Pots und machten dödelige Fehler. Kollege Sascha hat das ja schon kurz erwähnt. Robertson wechselte zwischen unentschlossenem Um-den-Tisch-Gelatsche und flüssigen Breaks, Pang zwischen konzentriertem und kontrolliertem Spiel zu Unforced Errors.

Doch plötzlich legte Robertson los und Pang war vier Frames lang nicht mehr vorhanden. Der eine Anschlussframe, den er noch holte, nützte nichts mehr. Robbo machte eine glatte 100 im letzten Frame und steht jetzt in Runde zwei. Wenn ich nach meiner Expertise gefragt werden würde: Ich setze nicht darauf, dass Neil Robertson sein nächstes Spiel gewinnt. Chris Wakelin wird wahrscheinlich in der Morgensession weit enteilt sein, bevor Robbo richtig aufwacht. Und den Rückstand wird er nicht aufholen können.

Starker Vafaei gegen schwächelnden Si Jiahui

Kollege Sascha war ja der Meinung, dass Si Jiahui mit 3–6 viel zu weit zurückliegen würde. Naja, nachdem Hossein Vafaei auch noch die letzten vier Frames zum Matchgewinn holte, lag Si leider noch viel weiter zurück. Vafaei hatte – sage und schreibe – neun Frames in Folge geholt, vier davon zu Null. Damit ist er der einzige Qualifikant, der sich in der Runde der letzten 16 wiederfindet. Und zwar am selben Tisch wie Judd Trump. Der wird ihm das Leben sicher nicht so leicht machen.

Hochklassige erste Session bei Zhao gegen Ding

Die erste Session der Partie des ersten chinesischen Weltmeisters gegen den wirklichen Weltmeister aus China war eine hochklassige Angelegenheit. Noch war das Ganze nicht fehlerfrei, aber sowohl Ding wie auch Zhao zeigten hervorragendes Stellungsspiel und ihr Locherfolg lag bei deutlich über 90%. Sie gewannen die Frames immer schön abwechselnd und am Ende der Session stand es 4–4.

Der letzte Frame vor der Pause bot viel Sehenswertes. Zu Beginn gab es einen krassen Fast-Fluke von Ding, der vor der Tasche liegen blieb, anschließend ein ohrenschmerzenerzeugendes Miscue von ihm, das zu einem Freeball führte, gefolgt von einem wunderschönen Century-Break vom Weltmeister Zhao. Und der letzte Frame der Session bescherte uns einen großartigen Framediebstahl auf Schwarz vom vielleicht zweiten chinesischen Weltmeister Ding Junhui. Die nächste Session gibt es morgen Nachmittag, die dritte Sonntag früh. Da werde ich auf alle Fälle wieder dabei sein.

Shaun Murphy zerschreddert Xiao Guodong in nur zwei Sessions

Shaun Murphy hat sich nach seinem Decidersieg gegen Fan Zengyi in Runde eins jetzt eine etwas längere Pause verschafft, indem er sein potentielles Drei-Session-Match in nur zwei zu Ende spielte. Möglich machte das Xiao Guodong, der nicht viel von seiner Erstrundenform an den Tisch brachte.

Murphy ging gleich mal 5–0 in Führung, bevor Xiao auf drei Frames verkürzen konnte. Danach hatte er zwar immer wieder Chancen, machte aber nichts bis wenig daraus. Nach dem zwischenzeitlichen 9–3 drehte Murphy dann richtig auf und fügte dem Century in Frame drei noch drei weitere zum 13–3-Endstand hinzu.

Von seiner Clearance im letzten Frame wird wahrscheinlich noch länger gesprochen werden.

Und die anderen?

Barry Hawkins 4–4 Mark Williams, 2. + 3. Session heute und morgen, jeweils 20 Uhr
Kyren Wilson 7–9 Mark Allen, 3. Session morgen 11 Uhr

Unseren Überblick über die WM findet ihr auf unserer Turnierseite. Dort stehen alle Partien samt Zwischenständen und Endergebnissen. Und hier stehen die Sendezeiten auf Eurosport.

https://snookerpro.de/artikel/favoritensiege-in-runde-1-murphys-spart-session/

#WellSPottedLulasWM

Wu Yize marschiert nahezu ungehindert von Lei Peifan in die zweite Runde. Chris Wakelin und Liam Pullen kämpfen auf Augenhöhe. Und Ronnie O’Sullivan spielt sehr vernünftig gegen He Guoqiang.

Wu-nderjungerMann

Ja, alle stehen jetzt auf Wu Yize. Und so sehr ich auch sonst gegen den Mainsteam bin: Auch ich stehe auf Wu Yize. Das erste Mal live gesehen habe ich ihn 19-jährig beim European Masters 2023. Aufgefallen war er mir natürlich schon, als er gleich in seiner ersten Saison die Runde der letzten 32 bei der UK Championship erreicht hatte. 2022 stand er in Fürth im Viertelfinale und am Ende seiner zweiten Saison qualifizierte er sich das erste Mal fürs Crucible. 2024 stand er gleich zweimal in einem Finale und ein Jahr später holte er seinen ersten Titel. Seit Anfang des Jahres ist er in den Top 16 der Weltrangliste. Das ist ein beeindruckender Aufstieg.

Der zweite chinesische Weltmeister?!

Und nun steht er zum dritten Mal in der Endrunde der WM und hat gerade sein erstes Spiel gewonnen – mit 10–2. Und alle Welt (zumindest lassen die Medienberichte und Interviewfragen vermuten) sieht in ihm den zweiten Weltmeister aus China nach Zhao Xintong. Außer Steve Davis, der denkt immer noch, das würde Ding sein.

„Es ist mein Traum, hier den Titel zu holen. Das ist der Traum eines jeden Snookerspielers,“ sagt Wu selber. „Ich weiß nicht, ob ich das schaffe, aber ich werde 100% geben und jedes Match genießen. Bisher habe ich gut gespielt und ich mag den Veranstaltungsort wirklich gerne.“ Ok, das sagen eigentlich alle.

Aber er hat wirklich gut gespielt. Die Breaks waren superb, besonders das letzte – ein bildhübsches Century-Break. Ich könnte sie hier alle aufzählen, die sechs 50+ Breaks plus zwei Centuries. Aber ich finde etwas anderes viel spannender. In 7 von 12 der gespielten Frames hatte Lei Peifan die erste Chance. In der Erwartung eines spannenden Spiels bereitete ich mich jedes Mal auf einen Framegewinn von Lei vor. Doch der machte einfach ganz schön viele Fehler. Mit dem Hilfsqueue, mit den Farben vom Punkt, beim Split, mit dem Versenken des Spielballs. Die ersten beiden Frames gingen gleich nach dem ersten Fehler über in ein dickes Break von Wu, im dritten brauchte es zwei, drei Anläufe, bis Wu Yize Lei Peifan den Frame auf Schwarz – nach einem bezaubernden 27er Break – wegschnappte. Auch der vierte Frame ging nach etwas Hin & Her an Wu.

Lei Peifan verkauft sich unter Wert

Erst nach der Pause durfte Lei endlich einen Frame gewinnen, bevor Wu weiter Lei Peifans Fehler nutzte und mit wunderschönem Leeren des Tisches glänzte – Exhibition Shots inklusive. Wu beendete die Session mit einem schönen Century, nachdem er sich früh im Frame ganz sehenswert auf eine Farbe selbst genookert hatte.

Es war wirklich schade, Lei Peifan hier so untergehen zu sehen. Dass er es kann, zeigte er mit den Einsteigern, die zu den Chancen führten. Doch seine Breaks waren zu klein und zaghaft gegen das Heavy Hitting eines Wu Yize. In der zweiten Session setzte sich das Ganze fort. Lei holte den ersten Frame, Wu Yize die nächsten beiden und damit war der Drops gelutscht. So zufrieden ich auch damit bin, ohne große Nervenschwäche Wu Yize in der nächsten Runde zu sehen, so unbefriedigend fand ich, dass Lei Peifan hier nicht stattgefunden hat.

Wu Yize spielt in Runde zwei gegen Mark Selby oder Jak Jones.

Bei Wakelin gegen Pullen passt kein Blatt dazwischen

Diese Partie verfolge ich ein bisschen mit zwei Herzen in der Brust. Mit dem einen gönne ich Chris Wakelin einen tollen Lauf bei dieser WM. Und mit dem anderen bin ich bei dem Underdog, dem Debütanten, der jungen Hoffnung: Liam Pullen.

Und diesem inneren Geschehen angemessen geht es am Tisch zu. Pullen ist zwar sichtlich nervös ob dieses aufregenden Auftritts – Das erste Mal in den heiligen Hallen! –, doch er macht im wahrsten Sinne das Beste daraus. Holte sich nach einigen Fehlern den ersten Frame mit einem tollen Break, öffnete im zweiten die Roten und stieg dann mit einem tollen Double ins Break ein. Nur um mit einem Versenken des Spielballs Wakelin den Framediebstahl zu ermöglichen. Die nächsten beiden Frames gewann Wakelin nach Fehlern von Pullen: einmal war es einer von mehreren schlechten Stößen mit dem Hilfsqueue, das andere Mal eine miese Safety. Er spielte dabei eine Rote, von der ich sage: Genial. Andere meinen: Fluke.

Aber Pullen blieb dran und ließ sich von Wakelins Erfahrung nicht beeindrucken. Die fünf Frames nach der Pause gewannen sie im Wechselschritt, Liam drei und Chris zwei, jeweils mit rahmengewinnendem Break. Diese Partie ist zwar spannend, weil in der zweiten Session buchstäblich alles offen ist (das Phrasenschwein wird dick und dicker), aber ich kann sie mit vollster Seelenruhe gucken. Ich feuere immer den Spieler an, der gerade am Tisch ist und fühle mich dabei wie Steven Hallworth in der BBC-Kommentatorenbox. Der macht das nämlich genauso.

Vier Frauen als Schiris bei der WM

Eine Sache, die ich schon seit Beginn ansprechen wollte: Dieses Jahr schiedsen bei der WM vier Frauen und vier Männer. Damit haben wir das erste Mal eine ausgeglichene Verteilung der Geschlechter. Eine besondere Freude ist es, Maike Kesseler wieder im Crucible am Tisch zu sehen. Mit dabei sind außerdem Tatiana Woollaston, Desislava Bozhilova und Peggy Li. Peggys Rückkehr finde ich auch einen großen Gewinn. Es ist toll zu sehen, wie sie hinter den Kulissen mit den Spielern rumalbert wie vor dem Spiel Wu-Lei.

Wie die Zeiten sich ändern!

Und ich habe mich gleich an die Diskussion erinnert, die wir 2019 hatten, als nur eine Schiedsrichterin fürs Crucible nominiert war und die gab ihr Debüt. Selbst die, die vorher schon ihr Debüt hatten, hatten sich nach Meinung der Experten (ungenerisches, sondern wörtliches Maskulinum) so verschlechtert, dass sie nicht mehr würdig waren. Oder waren innerhalb eines Jahres von ihren Kollegen (ungenerisches, sondern wörtliches Maskulinum) in Wissen, Kompetenz oder welche Kriterien auch immer zugrunde gelegt wurden, überholt worden.


Ich finde es jedenfalls großartig, dass sich die vier Frauen, wie Frauen im Volksmund genannt werden, dieses Mal so zahlreich in voller Kompetenz zeigen dürfen. (Naja, eigentlich ja gerade mal fifty-fifty, aber so wie die Lage ist, müssen wir das feiern, solange es hält.)

Und die anderen Spiele?

Ronnie O’Sullivan trennte sich 7–2 von He Guoqiang. Der Underdog hatte in Frame 3 seine ersten guten Aktionen mit beeindruckendem langen Einsteiger und einem weiteren tollen langen Ball. Doch der Frame ging unglücklich nach Durchstoß an O’Sullivan. Später stolperte He sich einen Frame zusammen und gewann gleich den nächsten mit rahmengewinnendem Break von 77. Leider lag er danach immer noch 2–5 zurück, weil er O’Sullivans Fehler nicht in Zählbares verwandeln konnte. Dessen C-Game reichte bisher, um He in Schach zu halten. Die zweite Session läuft Mittwoch 15:30 Uhr.

Zur Zeit entscheiden sich gerade folgende Spiele:
Shaun Murphy 7–7 Fan Zhengyi
Judd Trump 10–5 Gary Wilson

Unseren Überblick über die WM findet ihr auf unserer Turnierseite. Und hier die Sendezeiten auf Eurosport.

https://snookerpro.de/artikel/wu-yize-zu-gut-wakelin-und-pullen-gut-genug/

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Im ersten chinesischen Duell gewann Xiao Guodong gegen Zhou Yuelong und Mark Williams hielt den Neuling Antoni Kowalski erfolgreich in Schach.

In ihrer Vorschau nannte Målin die Partie Xiao gegen Zhou „Das übersehene Duell“. Und glatt habe ich in meinem Well (s)pottted in der Aufzählung der Zwischenstände genau das Match vergessen. Ich weiß nicht einmal warum. Denn ich habe mich auf das Spiel gefreut und es auch gerne geschaut. Zumindestens die erste Session.

Das kürzere Ende für den Qualifikanten

Dort ging es munter hin und her, vielleicht nicht auf dem allerhöchsten Niveau, aber doch sehr ansehnlich. Eine schöne Mischung aus Spielfluss, Gedödel, Spannung und Geniestreichen. Xiao tat sich am Anfang etwas schwerer und Zhou ging in Führung, aber im Sinne der Päckchentheorie gewann Xiao die nächsten Frames. Am Ende stand es einigermaßen knapp und gerecht 5–4 für Xiao. Von dem sahen wir ein Century, dazu eine wiederaufgesetzte Schwarze im fünften Frame, die Zhou sich ohne viel Federlesens holte.

Am Abend kam dann Zhou nicht gut ins Rollen. Am Anfang nicht und später auch nicht. Er gewann zwar noch zwei Frames, einen davon auf Schwarz, nachdem Xiao schon enteilt war. Aber danach war nichts mehr für den Qualifikanten zu holen. Xiao Guodong machte noch zwei Century-Breaks und ließ Zhou Yuelong auch im letzten Frame kaum eine Chance.

Für mich war es wieder ein kleiner Ausflug auf der Straße der Erinnerungen. Ich konnte mich genau erinnern, warum ich Xiao Guodong bei meinem ersten German Masters Besuch beobachtet hatte und warum es mir gefiel. Nein, nicht wegen der Schuhe.

Kowalski tapfer, aber erfolglos gegen Williams

Zugegeben, ich habe nicht viel von dem Match gesehen. Antoni haute gleich zu Beginn eine rahmengewinnende 82 raus und kann nun stolz verkünden, er habe im Crucible gegen Altmeister Mark Williams geführt. Zur Pause waren sie beide gleichauf und das ist schon etwas, worauf der junge Pole wirklich stolz sein kann.

Doch schon am Ende der ersten Session führte Willo deutlich und Antoni konnte in der zweiten nur noch einen Frame gewinnen. Auch hier war es also nix mit dem Sieg eines Qualifikanten. Trotzdem: Starke Leistung, Antek!

Und die anderen?

Wenn ich da gerade an den Tisch Kyren Wilson gegen Stan Moody gucke, dann müssen wir vielleicht nicht mehr lange auf die Überraschung warten. Am anderen Tisch wehrte sich David Gilbert heute Morgen noch ein bisschen, aber Ding Junhui hat tatsächlich mit 10–5 gewonnen.

Kyren Wilson 3–6 Stan Moody, zweite Session 20 Uhr
John Higgins 4–5 Ali Carter, zweite Session Montag 15:30 Uhr

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https://snookerpro.de/artikel/wieder-kein-sieg-der-qualifikanten/

#WellSPottedLulasWM

Zhang Anda setzt seine Null-Matchgewinn-im-Crucible-Serie fort, Mark Allen erhält seine Hoffnung auf den ersten WM-Titel.

Zhang Anda mit starkem Auftakt gegen Mark Allen

Meine Eltern waren total unterschiedlich beim Auto fahren. Mein Vater schlich und wechselte dann hektisch die Spur, würgte die Gänge rein und stieg häufig unvermittelt in den Anker, bis wir auf der Rückbank von dem Geruckel Schmerzen in der Halswirbelsäule bekamen. Meine Mutter dagegen fuhr äußerst zügig und gleichmäßig. Sie fuhr vorausschauend, bremste mit dem Motor und ein Gangwechsel brachte nicht einmal mein Getränk in der Hand in die entfernteste Gefahr, verschüttet zu werden.

Ungefähr so hat Mark Allen dieses Spiel bestritten. In der ersten Session war er mein Vater, in der zweiten meine Mutter. Leider war es bei Zhang Anda genau umgekehrt. Er verschoss sein ganzes Pulver schon in der ersten Spielhälfte, machte dabei ein Century und sah super entspannt aus.

Zhang Anda friert ein, Mark Allen mit dem besseren Ende

Mit 5–3-war er in die zweite Session gegangen. Die ersten beiden Frames teilten sie noch untereinander auf, aber dann marschierte Allen durch und machte unterwegs drei Century Breaks.

Bei Zhang Anda klappte gar nichts. Die langen Einsteiger verfehlte er knapp, seine Spielbälle liefen sonstwohin, blieben im Tascheneinlauf hängen, dengelten an andere Bälle. Während bei Mark Allen die langen Einsteiger wie an der Schnur geführt mitten in die Tasche knallten, die Rote am Lochrand herumtanzte und dann doch fiel und die ungeplanten Kollisionen mit anderen Bällen zu glücklichen Resultaten führten.

Mark Allen sagte anschließend: „Ich hab auch ein bisschen Glück gehabt, versteht mich nicht falsch. Aber ich habe mir nicht mehr selbst im Weg gestanden wie gestern.“ Der gute Mann steht ja auf meiner Liste „Wird nie einen WM-Titel gewinnen“ ganz oben, zusammen mit Ding Junhui, knapp gefolgt von David Gilbert und Ali Carter. Nun ist er eine Runde weiter und dem langersehnten Titel einen Schritt näher. In der nächsten Runde warten Kyren Wilson oder Stan Moody. Ich bin gespannt, als welches Elternteil Allen sich da hinters Steuer setzt.

Von der Tragik und der Schönheit

Meine eindrücklichste Erinnerung an Matthew Stevens ist das Finale der WM 2005. Aus irgendeinem Grunde denke ich in letzter Zeit häufig daran. Das war die WM, bei der O’Sullivan allen möglichen Blödsinn gemacht hat und einer seiner Gegner dann gewonnen hat. Ich war als Paul-Hunter-Fan ein bisschen schockgelähmt und bin im Windschatten der Begeisterung meiner Freundin gesegelt. Die begeisterte sich für den Underdog, Murphy, den Amateur. Damals war mir Matthew Stevens eher als Paul Hunters Freund bekannt und noch nicht so als Spieler, der grandios Führungen verspielen kann. Doch ich erinnere mich, dass ich mich während des Finales immer mehr für Matthew begeisterte und dass das Spiel einfach nicht enden wollte. Am Ende blieb meiner Freundin die Freude und mir das Gefühl, etwas Tragisches erlebt zu haben.

Und dieses Gefühl der Tragik begleitet mich seitdem. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals einfach Freude empfunden hätte, wenn ich Matthew spielen sah. Im Fall des Matches gegen Barry Hawkins hatte ich nun Sympathien für beide und fand Målins Prognose nicht unwahrscheinlich. Es kam aber etwas anders.

Beide kämpften mit sich und dem Tisch, stocherten und stoppelten sich zum 2–2. Dann kam zumindest Barry etwas in Fluss, machte ein Mark-Davis-Century von 99 und am Ende trennten sie sich 7–2. Die zweite Session begann wieder ausgeglichen. Es war etwas mehr Zug in der Sache, lange Einsteiger fielen etwas öfter und auch das Kopfschütteln über die Reaktion des Spielballs war etwas seltener. Allerdings stand es da auch schon 9–4 für Barry. Die Lochquote lag bei beiden zur Pause aber in einem einer WM unwürdigen Bereich.

Der letzte Frame brachte dann nichts Neues. Fehler von beiden, die Stirnfalten von Matthew erreichten an Tiefe die Furchen, die ich zur Aussaat meiner Sonnenblumen ausgehoben habe, zwei Breaks von Barry, ein verschossener Frameball, ein toller Einsteiger von Matthew und anschließend dann doch wieder nix von ihm, außer der Aufgabe des Frames und Matches. Hawkins wird sich weiter warmspielen und mich gegen Mark Williams oder Antoni Kowalski hoffentlich mit seiner dann wieder schönen Spielweise begeistern. Er steht bei mir nämlich nicht auf der Liste mit Allen und Ding.

Und die anderen?

Antoni Kowalski 3–6 Mark Williams, zweite Session 20 Uhr
Xiao Guodong 5–4 Zhou Yuelong, zweite Session 20 Uhr
Ding Junhui 7–2 David Gilbert, zweite Session Montag 11 Uhr
John Higgins 4–1 Ali Carter (erste Session läuft noch), zweite Session Montag 15:30 Uhr

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https://snookerpro.de/artikel/das-spiel-der-zwei-sessions-und-etwas-nostalgie/

#WellSPottedLulasWM

Zhao Xintong hat die erste Hürde zur Titelverteidigung erfolgreich genommen. Auch wenn Liam Highfield ihm nicht kampflos das Feld überließ und das 10–7 bestimmt für Zhao knapper war als gewünscht, ließ er keine großen Zweifel an seiner guten Form.

Der Auftakt zur WM war genauso, wie ich ihn mir gewünscht habe. Die Spiele waren allesamt spannend, abwechslungsreich, manchmal etwas schmerzhaft – Snooker eben.

Rehabilitation in progress

Als ich Zhao Xintong 2017 beim Paul Hunter Classic in Fürth „entdeckte“, war er fast noch ein Teenager. Den Whitewash gegen Reanne Evans fand ich noch nicht so beeindruckend, aber schon bei seinem Sieg gegen Kuldesh Johal habe ich ihn ins Herz geschlossen. Schöne Breaks, aber ohne das „Hau-drauf-auf-alles“, das manche der jungen chinesischen Spieler damals spielten. Seitdem hatte ich ein Auge auf ihn und habe seinen Aufstieg begeistert verfolgt.

Dass er in den Wettskandal verwickelt war, hat mich tief getroffen. Egal, was ich über seine Strafe und deren Länge denke, ob damit das Unrecht abgegolten ist: Ich werde wohl nie wieder mit dem Herzen so unbeschwert dabei sein wie damals. Letztes Jahr war es mir zu früh, ihn als ersten chinesischen Weltmeister richtig zu feiern. Und auch dieses Jahr ist die Enttäuschung bei mir immer noch nicht ganz verflogen. Aber ich komme wieder dahin, seine Leistung voll und ganz anzuerkennen, ihm seinen Erfolg zu gönnen und mich an seinem Spiel zu erfreuen.

Titelverteidigung gegen Underdog

Bei meinen Vorlieben bin ich meistens Team Underdog. Ich mag es, wenn Favorit*innen gefordert und unter Druck gesetzt werden, wenn für selbstverständlich Genommenes ins Wanken gerät, wenn das Unglaubliche geschieht. Und so bin ich gestern auch in dieses Match gegangen. Meine Daumen für Liam Highfield waren gedrückt.

Kollegin Målin nannte die Partie „Die Bürde der Titelverteidigung“. Ich war gespannt, ob diese Bürde sichtbar werden würde. Und sie wurde. Nach den tollen Leistungen in dieser Saison war die Nervosität bei Zhao greifbar. Zwar blitzte schon in der ersten Session seine Qualität auf, ein schönes Century-Break, tolle Pots, aber auch relativ überraschende Fehler. Dazu spielte Highfield, wie wir es von ihm erwarten konnten: als hätte er nichts zu verlieren. So war die erste Session dann auch ein Kampf auf Augenhöhe und Zhao ging gerade mit einem Frame Vorsprung in die Abendsession.

Ich war erleichtert, dass Highfield gleich zu Beginn gleichzog und war auf einen ähnlichen Kampf wie am Nachmittag vorbereitet. Aber dann zündete Zhao seinen Turbo. Der erste der nächsten vier Frames war noch umkämpft mit dem besseren Ende für Zhao, aber dann sah Highfield nur noch dessen Rücklichter und Zhao stand einen Frame vor dem Matchgewinn. Und hier kamen Highfields Kampfgeist und der Druck der Titelverteidigung so richtig ins Tragen. Ich postete auf Social Media schon das Kommzurück des Jahres herbei und Highfield gewann die nächsten beiden Frames mit einer 101 und einer 53. Aber da war er wieder, der Zhao, in den mein Snookerherz sich damals verliebt hatte: nervenstark und mit großartigem Breakbuilding. Und so war es nur passend, dass er das Match mit einem Century abschloss.

Selbstbewusst trotz Druck

Im anschließenden Interview ließ er uns daran noch einmal teilhaben, wie sehr die Erwartung der Titelverteidigung ihn belastet. Das Crucible wäre unter diesen Umständen eine völlig andere Erfahrung. Er gab zu, seine Nervosität nicht immer im Griff gehabt und einfache Bälle verschossen zu haben. Und dass es nicht so viel Spaß mache, unter diesem Druck zu spielen. Aber so sehr, wie er als Spieler in den letzten Jahren gewachsen ist, wage ich schon fast zu hoffen, dass er diesen berühmten Fluch bricht.

Noch alles offen in den anderen Partien

Barry Hawkins und Matthew Stevens kämpften mit sich und dem Tisch und trennten sich 7–2. Mark Allen liegt momentan nur noch 4–5 gegen Zhang Anda zurück und Antoni Kowalski hat sich bisher mit 3–6 gegen Mark Williams tapfer geschlagen. Heute morgen spielen auch noch Ding Junhui gegen David Gilbert. Hier steht es 1–1.

Unseren Überblick über die WM findet ihr auf unserer Turnierseite. Und hier die Sendezeiten auf Eurosport.

https://snookerpro.de/artikel/mission-titelverteidigung/

#WellSPottedLulasWM

Wie war das eigentlich, als ich zum WM-Auftakt noch nicht daran denken musste, wann und was ich darüber schreibe? Wann ich die Scores für snooker.org übernehme? Das ist jetzt 12 Jahre her und ich kann mich ehrlich gesagt kaum noch daran erinnern. Seitdem ist durch den Blog eine gewisse Routine entstanden. Und manchmal verschwimmen die einzelnen Turniere. Und manchmal habe ich auch überhaupt keine Lust auf Snooker. Zum Glück sind wir mittlerweile ein kleines Team und ich bin sehr dankbar für alles, was Målin, Hjördis, Sascha und im Hintergrund immer noch Daniel beitragen.

So aufgeregt wie in diesem Jahr war ich aber schon lange nicht mehr vor einer WM. Die Vorfreude ist ungewöhnlich groß, vielleicht, weil es mir einfach gerade richtig gut geht. Oder weil ich zum Finale eine kleine Reise geplant habe – nein, nicht nach Sheffield, aber doch zum Snookergucken. Auf der Couch.

Und weil ich mich so freue, habe ich beschlossen, meine kleine „Lulas-WM“-Reihe wieder aufleben zu lassen. Eigentlich eine ganz lockere Geschichte, aber da heute Målins WM-Vorschau in der Pipeline steckengeblieben ist, improvisiere ich ein bisschen.

WM Auftakt klassisch mit Weltmeister

Bevor es richtig losgeht, gedenken wir dem verstorbenen Kommentator John Virgo. Die BBC hat ein schönes Tribute auf die unverwechselbare Stimme des Snooker gebracht. Eine Minute Applaus gab es für Virgo im Crucible Theatre, bevor die Spieler an den Tisch kamen.

Zhao Xintong, der erste chinesische Weltmeister, beginnt heute seinen Versuch, den berühmten Crucible Curse zu brechen und seinen Titel zu verteidigen. Wie wir alle wissen, ist das noch niemals einem Spieler gelungen. Er tritt gleich gegen Liam Highfield an, der sich recht gut in der Qualifikation präsentiert hat. Dafür, dass er ansonsten in dieser Saison nicht viel gerissen hat.

Parallel dazu spielen Zhang Anda und Mark Allen. Zhang Anda könnte den gesetzten Mark Allen hier locker an die Wand spielen, wenn der sich wieder nicht entscheiden kann, ob er spielt oder rumpopelt. Das Spiel ist auf TNT zu sehen.

Am Nachmittag wird es dann richtig aufregend. Aber das überlasse ich dann doch der Kollegin.

Kollegin Kathi vom Total Clearance Podcast ist übrigens in Sheffield und hat Interviews gemacht. Ihr könnt euch dort täglich informieren. Unseren Überblick über die WM findet ihr auf unserer Turnierseite. Und hier die Sendezeiten auf Eurosport.

Vorhersagen?!

An vielen Stellen im Internet können wir tippen, wer gegen wen gewinnt und wer am 4. Mai die Silbervase in die Höhe hält. Ich sage da lieber nicht so viel, da ich wirklich berühmt für meine miesen Vorhersagen bin. Guckt lieber bei den Profis, was die vorhersagen.

Oder wir fragen Antoni Kowalski, den ersten Spieler aus Polen, der es in die Endrunde der WM geschafft hat.

„Nehmen wir an, die Halbfinals lauten Zhao Xintong gegen Ronnie O’Sullivan und ich gegen Mark Selby. Und im Finale steht sich Xintong und Selby gegenüber. Hoffen wir, dass Selby seinen fünften Titel holt.“

Mutiger Tipp von Antek. Aber ich hätte nichts dagegen. 😄
#Snooker #WorldChampionship

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— Lula Witzescher (@lulawitzescher.eurosky.social) 18. April 2026 um 08:52

https://snookerpro.de/artikel/aufregender-wm-auftakt-lulas-wm/

#WellSPottedLulasWM

Zak Surety bricht den Century-Rekord der Debütanten. Vier 100+Breaks spielte er in seinem Crucible-Debüt gegen Ding Junhui.

Century-Rekord bei Debüt

Ryan Day und Jackson Page hielten mit je drei Centuries den bisherigen Century-Rekord. Surety spielte die 104, 109, 136 und 110 hintereinander weg, nur durch einen Framegewinn von Ding unterbrochen. Seinen 2–6 Rückstand verwandelte er dadurch in ein 6–7 und setzte Ding damit richtig unter Druck. Am Ende reichte es leider nicht für Surety. Ding gewann mit 10–7.

Der andere Debütant Daniel Wells gewann in der ersten Session seines Matches nur zwei Frames – die aber mit Century. Für morgen Vormittag drücken wir alle Daumen, dass er noch ein paar drauflegt. Nicht nur wegen des Century Rekords.

Die Snooker-Gemeinde auf Bluesky ist meistens echt ganz nett. Ehrlich. Der noch mehr gehasste Spieler ist übrigens Ali Carter.

Wer spielte noch?

Wundertüte Ronnie O’Sullivan hatte heute seinen ersten Auftritt und wir waren gespannt, welcher Ronald gegen Donald-Trump-Fan Carter antreten würde.

Der begeisterte Brexitier Carter war zwar direkt mit 1–0 in Führung gegangen, aber GOAT Ronald schnappte ihm den zweiten Frame auf Schwarz weg, gewann den dritten durch weniger Fehler als der Covid-Experte Carter und spielte im vierten das erste Century des Matches. Damit stand es trotz anfänglicher Fehler von ihm zur Pause 3–1. Am Ende der Session führte das Genie Ronald gegen den egoistischen und wenig menschenfreundlichen Carter mit 5–4. Die Entscheidung fällt morgen ab 15:30 Uhr. *siehe Fußnote

Der Fluch, die Tränen, die Dramen

Ja, klar. In den letzten Tage ist natürlich schon eine Menge passiert, worüber wir hätten schreiben können. Aber das Gucken war schon so anstrengend … und dauerte immer so lange! Der Fluch hat wieder zugeschlagen und Kyren Wilson musste seine Mission Titelverteidigung schon am ersten WM-Tag begraben. Lei Peifan war der glückliche Gewinner des Matches. Der darf in Runde zwei gegen Zhao Xintong ran, der bei einigen als Titelkandidat gehandelt wird.

Neben Wilson sind mit Neil Robertson, Barry Hawkins und Jak Jones schon vier der gesetzten Spieler raus. Chris Wakelin, Hossein Vafaei und Zhao Xintong hatten sich hier durchgesetzt. Besonders freut es mich für Chris Wakelin, der gegen Mark Allen nochmal die Gelegenheit hat, sich gut in Szene zu setzen.

Für die Tränen war ausnahmsweise mal nicht Rob Walker zuständig, sondern John Higgins. Der war wegen seines kranken Schwiegervaters erst verspätet zur WM angereist und setzte sich trotz Erschöpfung und privaten Sorgen gegen Joe O’Connor durch.

Ein bisschen traurig bin ich für Wu Yize. Der hatte gegen Mark Williams wirklich eine tolle Leistung gezeigt, doch am Ende fehlten ihm die Mittel gegen die Erfahrung des alten Mannes.

Morgen starten die letzten Partien der ersten Runde. Ihr findet alles im Überblick hier auf unserer Turnierseite.
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* Die Beschreibungen habe ich für die Menschen hinzugefügt, die mich in letzter Zeit gefragt haben, warum so viele Leute den allseits beliebten Carter nicht abkönnen. Wer nicht auf X/Twitter ist und keine englischsprachigen Medien liest, bekommt davon oft gar nichts mit. Nein, ich halte die Politik nicht aus dem Sport raus. Und ich finde Leute, die sich wie Arschlöcher aufführen, auch nicht wert, sie zu feiern. Auch wenn der arme Mann Krebs hatte … Es ist nicht nötig, über Migranten zu hetzen. Wisst ihr, was andere machen, die Krebs hatten? Genau, eine Stiftung gründen.

https://snookerpro.de/artikel/century-rekord-im-crucible/

#WellSPottedLulasWM

Das Crucible Theatre ist heute Schauplatz des Media Day der Snooker-WM 2025. Zeit für uns zu Hause, uns – nicht nur mental – auf die nächsten 17 Tage vorzubereiten.

Welche Gesetzten treffen im Crucible auf welche Qualifikanten?

Der Draw, das Draw, die Auslosung … das war gestern natürlich das Thema des Tages. Wen trifft welches Los? Welchen Qualifikanten möchten die gesetzten Spieler vermeiden? Zehn chinesische Spieler sind dieses Jahr dabei, darunter auch Zhao Xintong, dessen Rückkehr nach seiner Sperre gemischte Gefühle auslöst. Drei Spieler geben ihr Debüt: Lei Peifan, Daniel Wells und Zak Surety.

Und dann kamen die Partien: Ronnie, der erst am Mittwoch entschieden hat anzutreten, gegen diesen unangenehmen Typen (Zitat Kathi von Total Clearance), Jak Jones mit der Arschkarte gegen den Rückkehrer, der sehschwache Mark Williams gegen Wu Yize, das Offensivduell Si Jiahui gegen David Gilbert und das Grauen für Målin bei Judd Trump gegen Zhou Yuelong. Aber schaut euch die vier Viertel selbst an.

Kyren Wilson (1) v Lei Peifan
Jak Jones (16) v Zhao Xintong
Neil Robertson (9) v Chris Wakelin
Mark Allen (8) v Fan Zhengyi
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Ronnie O’Sullivan (5) v Ali Carter
Zhang Anda (12) v Pang Junxu
Si Jiahui (13) v David Gilbert
Mark Selby (4) v Ben Woollaston
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John Higgins (3) v Joe O’Connor
Xiao Guodong (14) v Matthew Selt
Barry Hawkins (11) v Hossein Vafaei
Mark Williams (6) v Wu Yize
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Luca Brecel (7) v Ryan Day
Ding Junhui (10) v Zak Surety
Shaun Murphy (15) v Daniel Wells
Judd Trump (2) v Zhou Yuelong

Crucible Vorhersagen

Sofort haben sich natürlich alle an ihre Vorhersagen für die erste Runde im Crucible gemacht, haben zusätzlich Statistiken ausgewertet, die Saisonform der Beteiligten abgewogen, die Crucible-Auftritte dagegengerechnet, ihre Expertise zur Hexerei einfließen lassen und anschließend das Ganze auf Tonspuren gequatscht, auf Videos aufgenommen, in Blogs und auf Webseiten geschrieben und auf Social Media verbreitet. Sogar der totgeglaubte Snookerbacker ist passend zum christlichen Fest mit ähnlichem Vorkommnis aus seiner Gruft gestiegen und hat uns mit einer Vorschau beehrt, die ein bisschen nach John P. selbst anmutet. (Hier verlinkt in der deutschen Übersetzung).

Bis morgen früh um elf könnt ihr übrigens auch selber noch eure Tipps abgeben. Entweder auf snooker.org beim Crucible Contest oder beim etwas komplizierteren Crucible auf Kicktipp.

Und ich habe mich wieder schön rausgehalten und nichts von alldem gemacht. Wie immer bin ich zum Werksverkauf einer stadtbekannten Süßwarenfabrik gefahren und habe mich mit zweieinhalb Kilo Marzipaneiern, Blätterkrokant und Zartbittertrüffeln eingedeckt. Weder die Spitztensport-Bananen noch das Podcasterinnen-Popcorn kann meine Nerven über die nächsten Wochen so stabil in Form halten wie ein Haufen weißer Zucker und das gesunde Fett von Mandeln.

Während unsere Weltmeister Higgins und Trump fehlen, posieren (hintere Reihe v.l.) Jak Jones, Ronnie O’Sullivan, Mark Selby, Shaun Murphy, Neil Robertson, Si Jiahui, Mark Williams, Mark Allen und (vorne v.l.) Barry Hawkins, Luca Brecel, Xiao Guodong, Kyren Wilson, Ding Junhui, Zhang Anda.

Die Weltmeister des Teams SnookerPRO

Und ich habe das Team angestachelt, wenigstens Tipps und so für den Weltmeister abzugeben.

Hjördis ist ein bisschen unentschieden. „Ich tendiere zum Bruch des Crucible Curse und sehe den amtierenden Weltmeister Kyren Wilson auch als neuen. Mein Wunsch ist aber John Higgins oben auf dem Treppchen und ich würde es ihm von Herzen gönnen, wenn er noch vor seinem 50. Geburtstag seinen fünften WM-Titel holen könnte. Wenn einer der Underdogs am Ende die Silbervase in den Händen hält, wäre ich aber auch nicht traurig.“

Lula: Ich kehre zurück zu alten Gewohnheiten und tippe darauf, dass Ronnie O’Sullivan in diesem Jahr seinen achten Titel holt und damit endlich Besenstil-Stephens Rekord überflügelt und selber zum Crucible König avanciert. Aber die Hauptsache ist, dass er die erste Runde übersteht. Für einen Wu Yize Titeltipp ist es anscheinend noch ein bisschen früh.

Målin: Ich tendiere ganz langweilig zu Judd Trump. Ich denke, dass insbesondere Kyren Wilson, aber auch Mark Selby und John Higgins im Vorfeld der WM ein bisschen von sich hören gemacht haben, kann ihm helfen. Das Draw ist auch recht freundlich für ihn. Higgins im Halbfinale könnte der größte Stolperstein für ihn sein. Oder es wird Barry Hawkins, der hatte ne gute Saison, es fehlt aber noch ein Titel. Warum nicht dieser? Man wird ja nochmal träumen dürfen.

Ralf: Wirklich schwierig weil wir ja von Turnier zu Turnier jedesmal eine neue Überraschung sehen und das zieht sich jetzt schon seit ein paar Jahren so durch die Tour. Ich sage einfach mal John Higgins, weil er bei der Tour Championship wirklich überzeugt hat und in einer sehr guten Form auch über lange Distanzen zu sein scheint.

Sascha: Ronnie muss man natürlich immer auf der Rechnung haben. Entweder stolpert er über sich selbst oder er zieht das durch bis zum Titel. Ich glaube ersteres. Wünschen täte ich mir Ding Junhui. Aber ganz nüchtern betrachtet und damit mein „offizieller“ Tipp ist Judd Trump im Finale gegen Si Jiahui.

Wen seht ihr dieses Jahr im Crucible am Ende als Weltmeister? Lasst es uns in den Kommentaren wissen oder auf Bluesky oder Mastodon. Dort werden Hjördis und ich euch auch während der WM so gut wie möglich auf dem Laufenden halten.

Servicetipps

Den Auftakt macht am Samstag um 11 Uhr wie gehabt der amtierende Weltmeister Kyren Wilson mit seiner Erstrundenpartie gegen Lei Peifan, während am Nebentisch Xiao Guodong und Matt Selt spielen werden. Nachmittags um 15:30 Uhr spielen Neil Robertson gegen Chris Wakelin und Mark Williams gegen Wu Yize. Um 20 Uhr spielen Wilson und Lei ihre zweite Session und Barry Hawkins gegen Hossein Vafaei startet am Nebentisch.

Den Draw, also alle Spielpaarungen mit Anstoßzeiten, (Zwischen-)Ergebnissen und unsere Artikelübersicht findet ihr auf unserer Turnierseite. Wann die Spiele bei Eurosport laufen, erfahrt ihr hier. Außerdem wird der zweite Tisch auf Discovery+ gestreamt. Wer lieber im eigenen Mediaplayer gucken möchte (spart Energie und Bandbreite), kann unserer Anleitung hier folgen.

https://snookerpro.de/artikel/es-ist-crucible-eve-gespannte-wm-vorfreude-bei-snookerpro/

#WellSPottedLulasWM

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