Warten auf Tag X

#Rechtsextreme in #Bundeswehr und #Polizei, be­waff­ne­te #Prepper und einer der grĂ¶ĂŸten si­cher­heits­po­li­ti­schen Skandale der letzten Jahre: Was wurde aus der #Hannibal-Re­cher­che der taz? Eine Bilanz nach sechs Jahren

Von #SebastianErb, #MartinKaul, #AlexanderNabert, #ChristinaSchmidt und #DanielSchulz
https://www.taz.de/!5977591

Warten auf Tag X

Rechtsextreme in Bundeswehr und Polizei, bewaffnete Prepper und einer der grĂ¶ĂŸten sicherheitspolitischen Skandale der letzten Jahre: Was wurde aus der Hannibal-Recherche der taz? Eine Bilanz nach sechs Jahren

Kommunikations-Kollisionen

Grosses und kleines Denken – ein Sortierversuch

In der Medienbranche machen 1.130,50 € derzeit selbstreferentiellen Wind. Das hat Frau Zervakis vom Bundeskanzleramt kassiert, um Olaf Scholz auf der re:publica ganz lieb in ein GesprĂ€ch zu verwickeln. Und die taz (Sebastian Erb) hat das herausgefunden. Ich kenne die aktuellen Reispreise nicht. Was kostet ein Sack, wenn er umfĂ€llt? Meine karge Rente ist jedenfalls höher (im Monat, nicht pro Interview). Zur Ehrenrettung der taz: sie enthĂ€lt auch Wichtiges, z.B. dieses Interview mit Extradienst-Gastautor Paul SchĂ€fer.

Aber zurĂŒck zu dem Sack Reis auf der re:publica, die sich ja immerhin in den letzten Jahren zum grössten Kommunikationsort fortschrittlich-demokratischer KrĂ€fte in diesem Land entwickelt hat. Der Fall Scholz/Zevakis steht fĂŒr ein weit grösseres Problem: den inzestuösen Mikrokosmos von Politik, Lobbys und Medien in Berlin-Mitte, weit östlich von allen gesellschaftlichen RealitĂ€ten in dieser Republik. Dieser Mikrokosmos spiegelt die sozialen VerhĂ€ltnisse in diesem Land nicht, ĂŒberhaupt nicht. Das ist ein Problem fĂŒr alle. Nicht hinnehmbar und von der Verfassung nicht im geringsten gedeckt ist, wenn dieser Mikrokosmos sich sogar demonstrativ von demokratischer Kontrolle abzuschotten versucht.

Dies geschieht nicht nur durch GefĂ€lligkeitsinterviews. Was glauben Sie denn, warum ich grundsĂ€tzlich keine TV-Talkshows, keine einziges “Sommerinterview”, und mittlerweile auch keinen “Bericht aus Berlin” (sein VorlĂ€ufer aus Bonn war dagegen ja noch richtiger Journalismus) mehr glotze? Bei der GesprĂ€chsanbahnung laufen ganz gewohnheitsmĂ€ssige intransparente Deals, ein Spiel das beide Seiten begeistert spielen, weil sie sich dabei wichtiger vorkommen. In Wirklichkeit – das rufe ich ihnen hier aus dem Westen zu, aber sie hören ja nicht – machen sie sich immer irrelevanter.

Wenn dann mal eine entferntere nicht dem berlinmittigen Mikrokosmos angehörende Redaktion, bspw. aus Köln oder Mainz, ein Interview zu einem schwierigeren Thema anfragt – dann kriegt sie einfach keins. Will ein*e Politiker*in im Zusammenhang mit einem schwierigen Thema (oder gar einem “Skandal”) gesehen werden? Nee, so blöd sind die noch nicht mal in Berlin. Dann lieber “Lanz” 


Immerhin gibt es seit 2006 die gute Einrichtung des Informationsfreiheitsgsetzes. WĂ€hrend der rot-grĂŒnen Bundesregierung (1998-2005) war es den BĂŒrokratien noch gelungen das Gesetz zu verhindern. 2006 trat es als Ergebnis einer Parlamentsinitiative von SPD und GrĂŒnen als Erbe der abgewĂ€hlten Koalition in Kraft. Die Lustlosigkeit bei seiner praktischen Umsetzung ist endemisch.

Darum vertrĂŒge es eine VerschĂ€rfung. Öffentlichen Einrichtungen und Institutionen (Parteien, Fraktionen und ihre Stiftungen gehören durch ihre extrem privilegierte Staatsfinanzierung dazu!) aller Art sollte die Verweigerung öffentlicher Stellungsnahmen verweigert werden. Daraus sollte unter nĂ€her zu bestimmenden UmstĂ€nden auch eine Pflicht zu Interviews gehören. Niemand ist gezwungen in öffentlichen Institutionen zu arbeiten oder fĂŒr sie zu kandidieren. Wer es tut, ist auch zu öffentlicher Rechenschaft verpflichtet.

Hier im Westen haben wir andere Probleme

Die WAZ (Funke-Mediengruppe) berichtet heute in Essen (Paywall) ausfĂŒhrlich ĂŒber die Konzernpolitik des Wohnungsunternehmens Vivawest. Es spielt im grössten deutschen Ballungsraum Ruhrgebiet, doppelt so gross wie Berlin, eine fĂŒhrende Rolle, und ist insofern besonders, als eine grosse DGB-Gewerkschaft zu seinen Anteilseignern gehört. Der WAZ-Bericht lĂ€sst sich so zusammenfassen: ein grundsĂ€tzlicher Unterschied zu anderen kapitalistischen Wohnungsunternehmen lĂ€sst sich nicht wirklich feststellen.

Das bedeutet praktisch: Grundbesitz wird allein durch Nichtstun immer wertvoller. So grosse Werte dĂŒrfen nicht nachlĂ€ssig, sondern mĂŒssen “effizient” verwertet werden. Wenige billige Wohnungen auf viel Grund sind nicht kapitaleffizient. Darum muss die Rendite durch zahlreichere und teurere Wohnungen optimiert werden. Alte billige Wohnungen werden also abgerissen und durch “moderne” ersetzt.

Sicher, dann gibts gelegentlich öffentlichen Ärger. Mieter*innen und ihre Familien beschweren sich und stellen sich dem “Fortschritt” in den Weg. VorĂŒbergehend. Die ĂŒblichen VerdĂ€chtigen melden sich mit der Behauptung, Erhalt und Sanierung sei umweltfreundlicher als Abriss und Neubau. “Kulturelles Erbe”, “sozialer Zusammenhalt” in alten Siedlungen – die ĂŒblichen alten Lieder. DafĂŒr hat jedes Wohnungsunternehmen eine professionelle PR-Abteilung – es gibt also ArbeitsplĂ€tze fĂŒr Journalist*inn*en, gar nicht mal so schlecht bezahlt – die mĂŒssen das dann halt mĂ€nĂ€tschen. Das kommt und geht.

So wie bei der Pandemie in den Altenheimen gibt es in diesen ökonomisch durchrationalisierten Prozessen Todesopfer. Die zĂ€hlt niemand, dafĂŒr gibt es keine Statistik: es sind betagte und “vorerkrankte” Mieter*innen, die sich nicht verpflanzen lassen können und/oder wollen. FĂŒr Renditeberechnungen uninteressant, Schwund ist immer 


Interessiert sich der Gesetzgeber (= das Parlament) dafĂŒr? Greift er in die Speichen von solcherart tödlichem Kapitalismus? Ist das wichtig? Sind Volksentscheide dazu wichtig? Wenn Sie nach Berlin-Mitte reisen – fragen Sie doch mal nach!

Kommunikations-Kollisionen

Grosses und kleines Denken - ein Sortierversuch In der Medienbranche machen 1.130,50 € derzeit selbstreferentiellen Wind. Das hat Frau Zervakis vom Bundeskanzleramt kassiert, um Olaf Scholz auf der re:publica ganz lieb in ein GesprĂ€ch zu verwickeln.

Beueler-Extradienst