𝗞𝗹𝗼𝗸𝗵𝘂𝗶𝘀-𝘀𝗲𝗿𝗶𝗲 𝗼𝘃𝗲𝗿 𝗻𝗶𝗲𝘂𝘄𝘀 𝗸𝗿𝗶𝗷𝗴𝘁 𝘃𝗲𝗿𝗺𝗲𝗹𝗱𝗶𝗻𝗴 𝗯𝗶𝗷 𝗣𝗿𝗶𝘅 𝗘𝘂𝗿𝗼𝗽𝗮

Een serie van Het Klokhuis over journalistiek is vrijdag in het zonnetje gezet bij de uitreiking van de Prix Europa. De serie, waarin presentator Janouk Kelderman uitlegt wat nieuws is en waarom journalistiek zo belangrijk is, kreeg een speciale vermelding in de categorie Digitale Media. De Prix...

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#Klokhuis #nieuws #PrixEuropa

Klokhuis-serie over nieuws krijgt vermelding bij Prix Europa

Een serie van Het Klokhuis over journalistiek is vrijdag in het zonnetje gezet bij de uitreiking van de Prix Europa. De serie, waarin presentator Janouk Kelderman uitlegt wat nieuws is en waarom journalistiek zo belangrijk is, kreeg een speciale vermelding in de categorie Digitale Media. De Prix Europa is het grootste prijzenfestival voor de beste televisie-, radio- en onlineproducties van Europa. De uitreiking vond plaats in Berlijn.

RTL Boulevard

𝗕𝗡𝗡𝗩𝗔𝗥𝗔-𝘀𝗲𝗿𝗶𝗲 𝗗𝗲 𝗧𝗼𝗲𝘀𝗹𝗮𝗴𝗲𝗻𝗮𝗳𝗳𝗮𝗶𝗿𝗲 𝗴𝗲𝗻𝗼𝗺𝗶𝗻𝗲𝗲𝗿𝗱 𝘃𝗼𝗼𝗿 𝗣𝗿𝗶𝘅 𝗘𝘂𝗿𝗼𝗽𝗮

De BNNVARA-serie De Toeslagenaffaire maakt dit jaar kans op de Prix Europa. Op de lijst met genomineerden staan veertien producties van Nederlandse bodem.

https://www.rtl.nl/boulevard/artikel/5524532/bnnvara-serie-de-toeslagenaffaire-genomineerd-voor-prix-europa

#Toeslagenaffaire #genomineerd #PrixEuropa

BNNVARA-serie De Toeslagenaffaire genomineerd voor Prix Europa

De BNNVARA-serie De Toeslagenaffaire maakt dit jaar kans op de Prix Europa. Op de lijst met genomineerden staan veertien producties van Nederlandse bodem.

RTL Boulevard

𝗕𝗡𝗡𝗩𝗔𝗥𝗔-𝘀𝗲𝗿𝗶𝗲 𝗗𝗲 𝗧𝗼𝗲𝘀𝗹𝗮𝗴𝗲𝗻𝗮𝗳𝗳𝗮𝗶𝗿𝗲 𝗴𝗲𝗻𝗼𝗺𝗶𝗻𝗲𝗲𝗿𝗱 𝘃𝗼𝗼𝗿 𝗣𝗿𝗶𝘅 𝗘𝘂𝗿𝗼𝗽𝗮

De BNNVARA-serie De Toeslagenaffaire maakt dit jaar kans op de Prix Europa. Op de lijst met genomineerden staan veertien producties van Nederlandse bodem.

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#Toeslagenaffaire #BNNVARA #PrixEuropa

BNNVARA-serie De Toeslagenaffaire genomineerd voor Prix Europa

De BNNVARA-serie De Toeslagenaffaire maakt dit jaar kans op de Prix Europa. Op de lijst met genomineerden staan veertien producties van Nederlandse bodem.

RTL Boulevard

Beim Prix Europa 2024 wollte ein Hörspiel nicht in die gediegene Maßkonfektion passen

Vom 7. bis 11. Oktober trafen sich im Berliner Haus des Rundfunks europäische Fernseh-, Radio- und Digitalprojekte-Macher zum Prix Europa. In der Hörspielkategorie gewann ein Stück Maßkonfektion der BBC; beste Hörspielserie wurde einmal mehr eine Produktion von arteradio.com. Das herausragendste Stück aber blieb ohne Preis.

Alljährlich treffen sich im Oktober im Berliner Haus des Rundfunks Fernseh-, Radio- und Digitalprojektemacher aus ganz Europa, um ihre Produktionen zu diskutieren und aus ihren Reihen die besten Stücke zu küren. Das reicht vom Preis für die beste TV-Miniserie, die an die ARD-Produktion „Die Zweiflers“ ging, bis zur besten TV-Investigation, die an die RBB-Produktion „Das Strohmann-Kartell – Dienstleister für die Mafia“ vergeben wurde.

Mit dem Ehrenpreis als beste Journalistin des Jahres wurde Mirjam Kottmann ausgezeichnet. Seit Anfang des Jahres ist die für den Bayerischen Rundfunk arbeitende Journalistin die erste Nachrichtenmoderatorin im Rollstuhl. Die Jury meinte: „Ihre herausragende journalistische Leistung und ihre Charakterstärke machen sie nicht nur zu einer Pionierin, sondern zu einem Vorbild für uns alle. Mirjam Kottmanns Arbeit erinnert uns daran, dass es im Journalismus nicht nur darum geht, die Öffentlichkeit zu informieren – es geht auch darum, gültige Normen zu hinterfragen und Ungerechtigkeit zu bekämpfen.“ Das war es aber auch schon mit Preisen die nach Deutschland gingen.

Der Prix Iris für das beste Medienprojekt über Identität, Diversität und Inklusion ging an das zweisprachige österreichische Radiofeature „Blasse Stunden / Blijedi sati“ von Manuela Tomic in der Inszenierung von Andreas Jungwirth für den ORF. Damit setzte sich eine Audioproduktion gegen Bewegtbild und digitale Formate durch. Das Stück wurde kürzlich auch mit dem Prix Italia ausgezeichnet. Beim Prix Italia war zudem in der Kategorie Musik die Techno-Oper „Exzess“ von Noam Brusilovsky ausgezeichnet worden, Die war auch in der Hörspielkategorie des Prix Europa, die dort „Audio Fiction“ heißt, nominiert, ging aber hier leer aus.

Akustische Maßkonfektion

Stattdessen zeichneten die versammelten Hörspielredakteure, -dramaturgen, -autoren und -sounddesigner, ein Stück der BBC als bestes europäisches Hörspiel aus: „Franz and Felice“ von Ed Harris in der Regie von Sasha Yevtushenko. Britische Hörspiele könnte man am besten mit einem Begriff aus der Modewelt als Maßkonfektion bezeichnen. Alles passt, wackelt und hat Luft: Plot, Figuren, Dialoge, alles tiptop und auf den Anlass zugeschneidert. In diesem Fall war der Anlass das Kafkajahr 2024. Ed Harris konzentrierte sich in seinem Stück auf die komplizierte (Nicht-)Beziehung von Kafka zu Felice Bauer. In besonders „kafkaesken“ Momenten bricht in „Franz and Felice“ eine Touristengruppe samt Tourguide in sein Leben ein, um genau diesem Moment beizuwohnen.

Das ist sehr lustig inszeniert, aber leider konnte sich die Regie nicht dazu durchringen, die komische Ebene bis zum Schluss durchzuhalten, in dem Felice in den 1950er-Jahren in Amerika ihre Kafkabriefe verkauft. Da reißt die Melancholie die vorher mühsam aufgebaute Leichtigkeit wieder ein. Zwei Tage Sprachaufnahmen, drei Tage Mischung – fertig ist eines dieser unterhaltsamen Fließbandprodukte. Man merkt diesen Stücken an, dass da Profis am Werk sind.

Der zweite Platz in der Hörspielkategorie, beim Prix Europa „Besondere Empfehlung („Special Commendation“) genannt, ging an die Schweizer Produktion „Fünf beste Tage“ von Erwin Koch in der Regie von Stefan Weber (Kritk hier).

Wenn das Geld geht

Die zweite BBC-Produktion, die für die Hörspielserienkategorie nominiert war, war der Fünfteiler „Money Gone“ von Ed Sellek in der Regie von Tony Churnside, der für den BBC Radio 4 Lime-light-Podcast-Sendeplatz produziert worden war. Es geht darum, dass über Nacht weltweit der elektronische Zahlungsverkehr zusammenbricht. Plötzlich funktionieren keine Kreditkarte und kein Geldautomat mehr – und die britische Premierministerin muss sich fragen, ob sie mit ihrem Flugzeug überhaupt noch sicher landen kann, weil die Fluglotsen ihre Arbeit eingestellt haben, da sie nicht mehr bezahlt werden. Eine Serie aus dem Endstadium des Kapitalismus, bei der man gerne gewusst hätte, wie es nach der ersten Folge weitergeht.

Der Prix Europa für die beste Hörspielserie ging aber an die Serie „La chute de Lapinville“ (Der Untergang von Lapinville) von Benjamin Abitan (auch Regie), Wladimir Anselme und Laura Fredducci, die in fünf- bis sechs-minütigen Folgen täglich auf arteradio.com veröffentlicht wird. Inzwischen ist man bei Folge 138 aus dem Leben von Lapin angelangt. Dessen Rachefeldzug gegen diejenigen, die ihn in der Grundschule gemobbt haben, wird zu einer der größten Umweltkatastrophen aller Zeiten führen.

Ein Rest Unvorhersehbarkeit

Beim Prix Europa ließen sich zwei Kategorien von Serien beobachten: die, die brav nach Drehbuchratgebern ihre Grundkonstellation durchspielen, und die, die nach relativ harmloser Exposition immer abgedrehter werden und so einen Rest Unvorhersehbarkeit retten. Die deutsche Nominierung für die Serienkategorie war Leonhard Koppelmanns Bearbeitung von Benedikt Wells‘ Coming-of-Age-Roman „Hard Land“. Die Koproduktion von HR, NDR und SRF wurde wohlwollend aufgenommen – wie eigentlich jedes Stück, weil man will, dass die Kollegen auch das eigene Stück achtsam, respektvoll und wertschätzend behandeln.

Das führt aber leider häufig dazu, dass beim Prix Europa in der Regel das handwerklich gutgemachte, inhaltlich gut gemeinte und das ästhetisch schöngedachte prämiert wird – kurz: der kleinste gemeinsame Nenner. Der zweite Platz in der Serienkategorie ging an die schwedische Produktion „Mio mein Mio“ nach dem Roman von Astrid Lindgren.

Riskante Produktionen, die das Zeug haben, das Publikum zu irritieren, werden denn auch eher selten eingereicht. Umso erfreulicher, dass ein richtig unangenehm zu hörendes Stück gleich am ersten Tag des Wettbewerbs lief und in der Jurydiskussion gleich die Frage aufkommen ließ, ob vor der Ausstrahlung eine Triggerwarnung gesendet worden sei. Die eigentliche Frage war aber die, ob sich einer der versammelten Hörspielverantwortlichen trauen würde, ein Stück wie „Slabe ceste“ („Schlechte Straßen“) überhaupt zu senden.

Die Wahrheit kommt beim Bier

Das 88-minütige Hörspiel der ukrainischen Dramatikerin und Drehbuchautorin Natalija Woroschbyt (Wikipedia) wurde vom slowenischen Rundfunk RTVSLO in der Inszenierung von Ana Krauthaker produziert – und es war keine Minute zu lang. Seit dem Requiem „Crashing Aeroplanes“ von Andreas Ammer und FM Einheit vor 20 Jahren, das mit O-Tönen der Voice-Recorder aus abgestürzten Flugzeugen arbeitete, gab es kein Stück, das einen ähnlichen „impact“ hatte. Damals wurde über das Stück noch intensiv und kontrovers gestritten – ein Höhepunkt der Diskussionskultur beim Prix Europa, der seitdem nicht wieder erreicht wurde. Heute geht es im Haus des Rundfunks gesitteter zu – damit aber auch langweiliger. Was die Teilnehmer wirklich von den Stücken halten, erfährt man erst später beim Bier.

Die verstörende Qualität von „Schlechte Straßen“ entfaltet sich erst langsam. Es gibt fünf Episoden, die untergründig miteinander verbunden sind. Die erste Szene beginnt mit der Selbstbeschreibung von Natasha, die als Kriegsreporterin einen Soldaten in den Dombass begleiten will. Die zweite Beschreibung gilt dem Soldaten, den sie begleiten will. Der dritte Blick lenkt auf den von Explosionen zerrissenen Körper in einem Dokumentarfilm über den Krieg. Man hatte wohl vergessen, dass man solche Bilder Zivilisten nicht zeigen sollte. „Diese Frau will leiden, hilf ihr“, imaginiert die Protagonistin Natasha die Antwort der Jungfrau Maria auf ihr Gebet.

In der zweiten Szene unterhalten sich Teenagermädchen über Soldaten – auch dort wird es manchmal drastisch. In der dritten Szene wird ein Lehrer an einem ukrainischen Checkpoint festgehalten. Er entdeckt eine seiner Schülerinnen in einem Soldatenquartier und vermutet sexuelle Ausbeutung – ein Verdacht, der ihn das Leben kosten könnte. In der vierten Szene bleiben ein Mann und eine Frau auf einer der titelgebenden schlechten Straßen mitten in der Nacht liegen. Im Kofferraum die Leiche des Ehemanns der Frau ohne Kopf. Plötzlich klingelt ihr Telefon: „Finde meinen Kopf“ – ein grausamer Scherz des Feindes mit Hilfe des Mobiltelefon des Toten.

Die zentrale Szene spielt in einem jener Keller, die in der ersten Szene imaginiert wurde. Eine andere Frau, ein anderer Soldat, aber die Konstellation verrohter Sexualität ist die gleiche.

Public Value

Um Gewalt darzustellen braucht es kein Gebrüll und keine fiesen Geräusche, wie man es in ein paar anderen für den Prix Europa nominierten Stücken hören konnte. Natalija Woroschbyt und ihre Regisseurin Ana Krauthaker verstehen es mittels Sprache und vorsätzlich unangenehmem aber nicht vordergründigem Sounddesign eine Atmosphäre der Bedrohung zu schaffen, die eben nicht effekthascherisch oder voyeuristisch mit dem Phänomen der Gewalt umgeht. Selbst die Pausen, oftmals ein billiges Mittel, um Szenen mit Bedeutung aufzuladen, sind hier sorgfältig gesetzt, denn sie sind nicht erholsam, sondern lassen ahnen, das es danach noch schlimmer werden wird.

Die Autorin bedient nicht die erwartbaren Opfererzählungen, sondern erzählt von Phänomenen, von denen man nichts hören will. Von jener Verrohung, die sich in die Seelen schleicht und von der man ahnt, dass sie einen auch selbst betreffen könnte. Und wenn es nur die Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid anderer ist.

In den Bewertungskriterien für den Prix Europa, die Ästhetik, die Entwicklung der Idee und den Gesamteindruck umfassen, gibt es ein Kriterium, das „Public Value“ heißt. Abgesehen von der Machart des Stückes, in dem sich der Schrecken im Text, in den Figuren und in der Schauspielkunst manifestiert, entspricht ein Stück wie „Slabe ceste“ genau jenen Werten, die der öffentlich-rechtliche Rundfunk fördern sollte.

Jochen Meißner – KNA Mediendienst, 18.10.2024

 

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#2024 #NataliaVorozhbit #NatalijaWoroschbyt #PrixEuropa #SchlechteStraßen #SlabeCeste

PRIX EUROPA

PRIX EUROPA - Continental Media Festival Berlin & Potsdam 13 - 19 October 2018.

PRIX EUROPA

𝗩𝗶𝗷𝗳𝘁𝗶𝗲𝗻 𝗡𝗲𝗱𝗲𝗿𝗹𝗮𝗻𝗱𝘀𝗲 𝗻𝗼𝗺𝗶𝗻𝗮𝘁𝗶𝗲𝘀 𝗯𝗶𝗷 𝗣𝗿𝗶𝘅 𝗘𝘂𝗿𝗼𝗽𝗮

Vrijdagavond is de uitreiking van de Prix Europa in Berlijn. Bij de genomineerden zitten vijftien Nederlandse titels. Onder andere De Joodse Raad (EO) en Bodem (BNNVARA) maken kans in de categorie Video Fiction. De Joodse Raad won eerder de Zilveren Nipkowschijf en een Gouden Kalf voor Beste Dramaserie. Daarnaast zijn...

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#Nederlandse #nominaties #PrixEuropa

Vijftien Nederlandse nominaties bij Prix Europa

Vrijdagavond is de uitreiking van de Prix Europa in Berlijn. Bij de genomineerden zitten vijftien Nederlandse titels. Onder andere De Joodse Raad (EO) en Bodem (BNNVARA) maken kans in de categorie Video Fiction. De Joodse Raad won eerder de Zilveren Nipkowschijf en een Gouden Kalf voor Beste Dramaserie. Daarnaast zijn er Nederlandse nominaties in zes andere categorieën.

RTL Boulevard

𝗗𝗲 𝗝𝗼𝗼𝗱𝘀𝗲 𝗥𝗮𝗮𝗱 𝗲𝗻 𝗕𝗼𝗱𝗲𝗺 𝗶𝗻 𝗿𝗮𝗰𝗲 𝘃𝗼𝗼𝗿 𝗣𝗿𝗶𝘅 𝗘𝘂𝗿𝗼𝗽𝗮

Een groot aantal Nederlandse producties maakt dit jaar kans op de Prix Europa. Op de longlist voor de prestigieuze tv-prijs staan vijftien titels van Nederlandse bodem.

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#JoodseRaad #Bodem #PrixEuropa

Während in Deutschland gerade über die Abschaffung anspruchsvoller Kulturprogramme diskutiert wird, fand vom 22. bis zum 27. Oktober in Berlin zum 37. Mal der Prix Europa für Fernseh-, Hörfunk- und Internetangebote statt. Nach dreijährigem „Exil“ in Potsdam war man ins Haus des Rundfunks an der Masurenallee zurückgekehrt, um die Highlights aus den Programmen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten aus ganz Europa zu diskutieren – oder das, was die einreichenden Anstalten dafür hielten.

Prix Europa Trophäe. Bild: Mateusz Skora.

In der Hörspielkategorie des Prix Europa waren das 26 Stücke, die um die Stier-Trophäen des niederländischen Künstlers Anthon Hoornweg für die „Beste Europäische Hörspielserie“ und das „Beste Europäische Einzelhörspiel“ konkurrierten. Die Jury bestand aus knapp 30 Kollegen, die in der Regel selbst ein Stück im Wettbewerb hatten. Also wurde entsprechend ausführlich und wertschätzend diskutiert. Bewertet wurden verschiedene Aspekte der Stücke wie die „Entwicklung und Durchführung der Idee“, die „Klanggestaltung“ oder die „Verbindung zur Hörerschaft“ auf einer Skala von 1 bis 10. Aus den einzelnen Werten ergibt sich das finale Ergebnis.

Schon dieses Verfahren tendiert zum kleinsten gemeinsamen Nenner, was Rückwirkungen auf die Nominierungspraxis der einreichenden Anstalten hat – ein Teufelskreis, der zu einer fortschreitenden Nivellierung führt. Wer riskante ästhetische Experimente sucht, wird beim Prix Europa also immer weniger fündig.

Außerdem wird am Ende jedes einzelnen Wettbewerbstages abgestimmt, wenn man noch gar keinen Überblick über das gesamte Feld der nominierten Stücke haben kann. Nur so ist es erklärlich, dass die am ersten Tag vorgestellte Konfektionsware „Vorher-Nachher: Anna Lindh 2003“ von Jörgen Hjerdt für den Schwedischen Rundfunk über den Mord an der damaligen Außenministerin den Prix Europa als „Beste Europäische Hörspielserie“ bekommen konnte.

Wie nach Rezept zusammengebraut

Innerhalb der Rundfunkhäuser scheint flächendeckend der Konformitätsdruck und der Blick auf die Abrufzahlen immer mehr die Produktionen zu bestimmen. So beschränken sich denn auch die Diskussionen häufig auf Handwerkliches und lassen keinerlei Schluss auf das spätere Abstimmungsverhalten zu – da kann ein Stück noch so gelobt werden.

Der Prix Europa für das „Beste Europäische Einzelhörspiel“ ging an die Produktion „Dear Harry Kane“ von James Fritz unter der Regie von Sally Avens für Radio 4 der BBC. Es geht um einen Taxifahrer aus Sri Lanka, der der größte Fan des britischen Fußballstars Harry Kane ist und ausdrucksvoll mit dessen früherem, damals noch glücklosem Verein Tottenham Hotspur leidet. Über einen Arbeitsvermittler, der 75.000 Rupien verlangt, verdingt er sich als Bauarbeiter in Katar, um beim Bau eines Fußballstadions zu helfen. Es kommt wie es kommen muss: Er wird nicht bezahlt und stirbt schließlich an Hitze und Entkräftung, nicht aber bevor er seiner großen Liebe gestanden hat, dass er sich für den Job nicht mit 75.000, sondern mit dem Zehnfachen, also 750.000 Rupien verschuldet hat, weshalb eine vorzeitige Rückkehr in die Heimat unmöglich ist.

Das ist der einzige Punkt, an dem das Stück politische Relevanz hätte entwickeln können, denn für die Ausbeutung sind nicht anonyme, kriminelle Marktkräfte verantwortlich, sie beginnt vor Ort. Handwerklich ist an dem Stück überhaupt nichts auszusetzen. Die genaue Figurenzeichnung, die Dialoge und die exzellente schauspielerische Leistung sind im Dienst eines gefühligen Melodrams aber ziemlich verschwendet. Das ganze Stück wirkt wie nach Rezept zusammengebraut. Man nehme: Fußball, eine exotische Liebesgeschichte und eine böse Umwelt, an der der Protagonist tragisch scheitert und fertig ist ein Publikums-Hit und Preisträger-Stück.

Ähnlich tief meinte man sich beim Westdeutschen Rundfunk bücken zu müssen, um der angepeilten weiblichen Hörerschaft auf Augenhöhe begegnen zu können. Bevor eine neue Serie überhaupt geschrieben wurde, wurden Studien gewälzt und Hörer befragt, was denn so gewünscht werde. Herausgekommen ist dabei die 20-teilige Mystery-Serie „Forever Club“, die in einem Internat spielt und deren Protagonistin die Gabe hat, tote Menschen zu sehen. Auf der Plattform YouTube wurde die mit Mood-Animationen illustrierte erste Folge 340.000 Mal aufgerufen, die zweite Folge gerade noch knapp 2.400 Mal, ab Folge acht werden die Abrufzahlen dreistellig.

Auf anderen Podcastplattformen habe das besser funktioniert, teilte die Dramaturgin Natalie Szallies mit, da habe es 800.000 Downloads gegeben. Die Coming-of-Age-Geschichte, die Female Empowerment zum Ziel habe, sei wie erwartet/beabsichtigt zu 70 Prozent von Frauen gehört worden, und obwohl es nicht die erfolgreichste Serie des WDR war, wird es eine zweite Staffel geben. Die wird übrigens nicht mehr von der Produktionsfirma Junique der Autorin Jette Volland produziert, sondern vom WDR – aus Kostengründen. Wer konnte auch ahnen, das Outsourcing nicht einmal im ersten Anlauf Kosten sparen würde.

„How dare you?“ war förmlich zu hören

Die Frage nach den Zahlen, die als Running Gag in den täglichen Jurydiskussionen als die Frage nach der „Demografie“ gestellt wurde, hätte man auch an sich selbst stellen sollen. Als am letzten Tag das Porträt „Ich bin vom Licht fasziniert“ der weitgehend vergessenen Malerin Elin Danielson-Gambogi (1861-1919) von Iira Halttunen für den Finnischen Rundfunk vorgestellt wurde, wurde bemängelt, dass die beste Freundin der Malerin als Ehebrecherin so schlecht wegkam.

Ein negativer weiblicher Charakter in einem feministischen Stück – man hörte förmlich das nur wenig ironisch gebrochene „How dare you?“ in der Diskussion. Was vor allem damit zu tun hatte, dass die versammelte Jury vor der Sounddesignerin Tiina Luoma auf den Knien lag – und das durchaus zurecht. So ausdifferenziert hört man Regengeräusche und Musik selten ineinander verwoben. Warum sollte man nicht die Beste engagieren – auch wenn der Text nur ein vorhersehbares ASMR-Einschlafstück (Autonomous Sensory Meridian Response) hergibt.

Im Zuge dieser Diskussion hätte man kurz innehalten und feststellen können, dass knapp drei Viertel der Diskutanten weiblich waren, die festangestellten Hörspieldramaturgen zu zwei Dritteln weiblich und von den 26 Wettbewerbsbeiträgen 16 von Frauen stammten beziehungsweise bei Autorenteams mindesten eine Frau beteiligt war. Ähnlich verhält es sich mit den Protagonistinnen. Eine „Medea von Nebenan“ war die Hauptfigur im gleichnamigen kroatischen Stück. Im österreichischen Hörspiel hörte für Eurydike die Liebe nimmer auf, in einer BBC-Produktion wurden „Die Frauen von Troja“ nach der Niederlage ihrer Stadt von den Griechen versklavt.

Weil man für das jährliche Literatur-Nobelpreisstück des Schwedischen Rundfunks 2022 keine Rechte vom Verlag bekam, verfasste die Dramaturin Lola Zackow innerhalb von zwei Tagen unter dem Titel „Ernauxs Mädchen“ eine Paraphrase, die sie dann gleich selbst inszenierte und sprach. Das reichte zu einer „Lobenden Erwähnung“, dem zweiten Platz beim Prix Europa. Die Liste weiblicher Hauptfiguren lässt sich fortsetzen und endet nicht erst bei der blinden Protagonistin der niederländischen Serie „Donkerslag“, die mit der beinahe tödlich endenden Folge „Nachtschwimmen“ antrat.

Emotion vor Reflexion

Man schämt sich fast, aufzuzeigen, wie klischeehaft und allgegenwärtig im europäischen Hörspiel doch relativ triviale feministische Narrative bedient wurden, wie oft Emotion vor Reflexion ging und wie groß der blinde Fleck dafür in den Jurydiskussionen war. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob Jungs oder Mädchen mit ihren Förmchen im Sandkasten einer Hörspielabteilung spielen. Denn die Stücke waren früher, als das Geschlechterverhältnis auf der Macherseite noch etwas ausgeglichener war, auch nicht besser.

Es sind die Förmchen, die man wegwerfen sollte, um den gesellschaftlich finanzierten Freiraum wieder zu einem Abenteuerspielplatz zu machen, auf dem man ästhetische Erfahrungen machen kann, die jenseits der marktgängigen „Joy of Repetition“ liegen. Denn genau dafür leistet man sich in den liberalen Demokratien Europas einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, auch wenn der seinem Auftrag immer weniger gerecht werden will.

Einen signifikanten Unterschied im Bereich weiblicher Opfererzählungen gab es allerdings: In Stücken aus Osteuropa spielte der Krieg in der Ukraine eine Rolle, unter anderem in den Minidramen „Muss man im Krieg wirklich putzen?“ vom Slowakischen Rundfunk. Westlich von Polen spielte das Thema überhaupt keine Rolle.

Ein bisschen mutig war die belgische Autorin Mathilde Schoenauer Sebag, die es in ihrem Stück „Auch Kieselsteine sterben“ wagte, ein Hörspiel über Materie zu machen. Darin entdeckt die Chemikerin Adelaide (auch hier eine weibliche Protagonistin), dass sie mit Atomen kommunizieren kann. Physikalisch vollkommen korrekt wird die Geschichte der Materie vom Urknall bis zu einer Sonneneruption als Brutstätte schwerer Elemente erzählt, und Schoenauer Sebag weiß auch, in wunderbarem Sounddesign die subatomaren Welten zu etablieren und den fiktionalen Charakter ihrer Protagonistin mit dem zu verschmelzen, was Materie eigentlich ist: neben Protonen, Elektronen und Neutronen nämlich zu 99,9 Prozent Leere.

Leider haben sich auch in dieses Stück Narrative von Achtsamkeit und Selbstbestimmung eingeschlichen, die metaphorisch bei unbelebter Materie so gar nicht funktionieren. Aber das war ein Nebeneffekt der Anthropomorphisierung von einem Gadolinium- und einem Eisenatom (alias Gedeon und Fe), mit denen sich Adelaide unterhält.

Eindeutschungen

Von den deutschsprachigen Einreichungen wurde Noam Brusilovskys autofiktionale Eindeutschungsgeschichte „Faust (Hab‘ ich nie gelesen)“ (Kritik hier) sehr wohlwollend diskutiert. Sie handelt nicht nur von der humorvollen Dekonstruktion des deutschen Kulturmythos schlechthin, sondern bezieht auch featurehafte Elemente mit ein, wie beispielsweise ein Interview mit einer hochbetagten israelischen Germanistin, die erstmals seit 1943(!) den Faust ins Hebräische übersetzt hat.

Ein halbdokumentarisches Format kam aus der Schweiz: In „Schwimmen lernen“ von Sabina Altermatt und Karin Berri geht es um die Resozialisierung von Strafgefangenen, die quasi auf dem Trockenen die Selbstständigkeit wieder lernen müssen. Hier hört man die Protagonisten in breitem schweizerdeutschen Dialekt, und das wirkt oft stärker als die heftig inszenierten Spielszenen dazwischen.

Magda Woitzuks schon erwähnte Orpheus-Variation „O Eurydike! Die Liebe höret nimmer auf“, eine Koproduktion von Südwestrundfunk (SWR) und Österreichischem Rundfunk (ORF), erzählt den Mythos auf witzige und gewitzte Weise nach. Dabei kommt nicht nur die sonst schweigende Eurydike ausführlich zu Wort, sondern auch die Frage, warum verdammt noch mal Orpheus sich umdreht, bekommt eine plausible Antwort. Anachronismen, wie eine batteriebetriebene Stirnlampe als Bezahlung für den Fährmann über den Styx, tragen zur Komik des Stückes bei, das von SWR-Dramaturgin Uta-Maria Heim als „Fassung für Kinder“ ein wenig unter Wert verkauft wurde. Natürlich ist das ein All-Age-Format, das auf verschiedenen Ebenen funktioniert.

Bis auf wenige lobende Erwähnungen und zwei per Publikumsabstimmung ermittelte Nachwuchspreise blieben deutsche Produktionen beim Prix Europa chancenlos. Das änderte sich erst als die letzte Auszeichnung bei der Preisverleihung im Roten Rathaus, die Kategorie „Bester Europäischer TV-Film“, aufgerufen wurden. Die gewann der Debütfilm „Elaha“ von Milena Aboyan (Buch und Regie). Ihr Abschlussfilm an der Filmakademie Baden-Württemberg, produziert von Kinescope Film, Essence Film, SWR und Arte lief bereits auf der Berlinale und soll am 23. November ins Kino und 2024 ins Fernsehen kommen. Anhand der Geschichte der 22-jährigen Deutsch-Kurdin Elaha, die meint, vor ihrer Hochzeit chirurgisch ihre Jungfräulichkeit wiederherstellen zu müssen, erzählt der Film von sexueller Selbstbestimmung und dem Umgang mit kulturellen Differenzen.

Jochen Meißner – KNA Mediendienst, 02.11.2023

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