Von Generation zu Generation: Die Familie Mayer zwischen Nationaler Offensive und III. Weg
Von Generation zu Generation: Die Familie Mayer zwischen Nationaler Offensive und III. Weg
Von Generation zu Generation: Die Familie Mayer zwischen Nationaler Offensive und III. Weg
Im November 2025 wurde bekannt, dass sich der Neonazi Laurenz Mayer, Mitte Zwanzig und wohnhaft in der Leipziger Vorstadt, ĂŒber mehrere Jahre in linken RĂ€umen und subkulturellen ZusammenhĂ€ngen bewegte. Sein Vater ist ein alter Bekannter, der schon in den 1980er Jahren ein aktiver und gut vernetzter Neonazi war und Anfang der 1990er in Dresden half, die extreme Rechte zu organisieren.
Laurenz Mayer (links, markiert) und Constantin Mayer (rechts, markiert) beim Naziaufmarsch am 15. Februar 2025 in Dresden (Quelle: Marco Kemp)UrsprĂŒnglich war Laurenz Mayer ein politisch unauffĂ€lliger Oi!-Skin. Er schloss enge Freundschaften und bewegte sich ganz selbstverstĂ€ndlich in Locations wie zum Beispiel der Chemiefabrik, dem Ostpol und dem Pawlow. Auch wenn er immer wieder als introvertiert beschrieben wird, besuchte er Partys, Konzerte und kickerte mit Freund:innen. Gerade in den Jahren 2021 bis 2023 verkehrte er mit antifaschistischen Punks und Skinheads, soll aber nie Einblick in sensible Strukturen bekommen haben. Auch in politisch aktiven Wohngemeinschaften soll er nicht zugegen gewesen sein. Was alle Aussagen ehemaliger Freund:innen und Bekannter gemein haben ist, dass Laurenz Mayer nie negativ auffiel. Alle Menschen, die ihn persönlich kennen, waren ehrlich ĂŒberrascht ĂŒber die Entwicklung und sind sich einig, âdass er nicht immer so warâ. Deshalb kann man den genannten Locations auch keinen Vorwurf machen, dass sich Laurenz Mayer ĂŒber Jahre hinweg an diesen Orten aufhalten konnte.
Laurenz Mayer (markiert) bei einer III. Weg Demonstration am 1. Mai 2025 in Suhl (Quelle: Pixelarchiv)Je nach Quelle, soll sich Laurenz Mayer 2023/24 immer mehr zurĂŒckgezogen haben und nahm fortan nur noch sporadisch am sozialen Leben seines Freund:innen- und Bekanntenkreis teil. Sah man sich vorher mindestens jedes Wochenende, lieĂ sich Laurenz nun nur noch alle ein bis zwei Monate blicken. Mit dem Zeitpunkt seines privaten RĂŒckzuges ging auch ein beruflicher Wandel einher. Verdiente er vorher in der Versicherungsbranche sein Geld, begann er 2023 eine Lehre als Krankenpfleger in der Klinik Bavaria in Kreischa.
Unklar bleibt derzeit, ab wann sich Laurenz Mayer politisiert und radikalisiert hat. Die Teilnahme an rechten Veranstaltungen und Demonstrationen lĂ€sst sich seit dem 15. Februar 2025 belegen. An diesem Tag nahm er am alljĂ€hrlichen Neonaziaufmarsch anlĂ€sslich der Bombardierung Dresdens teil. Belegt sind auch die Teilnahmen an den III. Weg-Demonstrationen am 29. MĂ€rz 2025 in Berlin-Hellersdorf und am 1. Mai 2025 in Suhl, jeweils in KleidungsstĂŒcken des III. Weges. Auch an einer Schulungsveranstaltung des III. Weges im April 2025 im Haus Montag in Pirna nahm er teil.
Links im Bild: Laurenz Mayer, bei bei einer internen Schulung des III. Wegs im Haus Montag in Pirna (April 2025). Im Vordergrund, Konstantin Steglich (Quelle: Instagram)Wie der Vater so der Sohn?
Auch wenn der Zeitpunkt der Politisierung unklar ist, so gilt das nicht fĂŒr ihren Ursprung. Beim Namen Mayer klingelt etwas? Gerade bei der Form mit âayâ, die vor allem im sĂŒddeutschen Raum vorkommt? Richtig! Aber der Reihe nach:
Am 3. Juli 1990 grĂŒndeten unzufriedene FAPâler (Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei) in Augsburg die Nationale Offensive (NO) als ânationale Partei neuen Typusâ, welche von den Mitgliedern des Komitees zur Vorbereitung der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag Adolf Hitlers dominiert wurde. Eine Nachfolgeorganisation der verbotenen Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA). Vorsitzender der NO war der umtriebige Hannoveraner Neonazi und ehemalige KameradschaftsfĂŒhrer der ANS/NA und FAP-Mitgleid Michael Swierczek.
Obwohl die Partei nur knapp 150 bis 200 Mitglieder hatte, sah man in Sachsen so viel Potential, dass man 1991 einen StĂŒtzpunkt errichtete und zwar, natĂŒrlich, in Dresden. StĂŒtzpunktleiter war ein gewisser Constantin Mayer, erster Stellvertreter der Bundes-NO und Vater von Laurenz Mayer.
Constantin Mayer als FunktionĂ€r der Nationalen Offensive im Jahr 1993. (Quelle: Der Spiegel, MĂ€rz 1993)Constantin Thomas Johannes Mayer, geboren am 23. Mai 1970, verheiratet und Vater zweier Söhne, stammt ursprĂŒnglich aus dem schwĂ€bischen Teil Bayerns. Genauer, aus dem Raum Augsburg, wo er bis zur GrĂŒndung der NO FAP-Kreisvorsitender war und in der Augsburger RAC (Rock Against Communism) Band Kruppstahl spielte. Zudem brachte Mayer von 1987 bis mindestens 1988 das Naziskin-Fanzine âStiefeltrĂ€gerâ heraus. Nach dem Verbot der Nationalen Offensive arbeitete Constantin Mayer von April 1993 bis Juni 2002 als selbststĂ€ndiger Versicherungsvertreter der Stuttgarter Versicherung Generalagentur BCV GmbH. Von Juni 2002 bis MĂ€rz 2018 war er Inhaber der Genaralagentur Mayer â Partner der NĂŒrnberger Versicherung (Vertriebsweg Familienschutz), bevor er im MĂ€rz 2018 die GA MAYER Generation + Konzept GmbH grĂŒndete, deren GeschĂ€ftsfĂŒhrer er ist und die ihren Sitz auf der Blasewitzer StraĂe 41 hat.
Ganz nebenbei betreibt Constantin Mayer, der heute im Dresdener Stadtteil LangebrĂŒck wohnt, noch den Onlineshop Widerstand Wear. Ein Onlineshop fĂŒr âklare Aussagen fĂŒr den nationalen Widerstandâ. Als Model fungiert natĂŒrlich der eigene Junior, Laurenz. Gut zu erkennen an den Tattoos auf beiden Armen. Tattoos trĂ€gt auch der Senior. Zum Beispiel einen SA-Mann auf dem rechten Unterarm und einen Wehrmachtssoldaten auf dem linken.
Laurenz Mayer als Model bei Widerstand Wear (links). Gut zu erkennen an den auffĂ€lligen Tattoos.In politischen Kontexten trat Constantin Mayer seit dem Verbot der Nationalen Offensive nicht mehr wahrnehmbar auf, bis er am 17. August 2024 beim Sommerfest der âDeutschen Stimmeâ in Riesa auflief. Danach trauerte er am 15. Februar 2025 gemeinsam mit Sohn Laurenz auf dem alljĂ€hrlichen Trauermarsch in Dresden und demonstrierte mit ihm am 29. MĂ€rz 2025 in Berlin-Hellersdorf. Im Februar 2026 trauerte er wieder mit knapp 1500 anderen Neonazis durch Dresden.
Constantin Mayer im GesprĂ€ch mit dem völkischem Siedler Mario Matthes am 15.02.2025 in Dresden (Quelle: Tim Mönch)Familie Mayer (Laurenz und Constantin) bei einer III. Weg Demonstration am 29.03.2025 in Berlin (Quelle: Pressefuchs)Aber nicht nur an Demonstrationen nimmt Constantin Mayer jetzt wieder regelmĂ€Ăig teil. Er besuchte auch am 3. Juli 2025 die Remigratios-Lesung vom Salonfaschisten Martin Sellner im Feriendorf LangebrĂŒck, der auch der AfD-Bundestagsabgeordnete Steffen Janich beiwohnte. Im November 2025 schaute er dann bei der maĂgeblich von Susanne Dagen organisierten extrem rechten BĂŒchermesse Seitenwechsel vorbei. Spannend war hier, dass Constantin Mayer mit Thomas Sattelberg aus Bahretal anreiste. Thomas Sattelberg, seines Zeichens MitbegrĂŒnder der neonazistischen Skinheads SĂ€chsische Schweiz, ist auch Mitbesitzer des Haus Montag in Pirna und der Vater von Hella HĂ€ttasch, geborene JĂ€ger. Deren Ehemann, Kurt HĂ€ttasch, sitzt aktuell wegen der mutmaĂlichen GrĂŒndung einer terroristischen Vereinigung vor dem Oberlandesgericht Dresden und gibt da vor, dass er nichts mit der extremen Rechten zu tun zu habe.
Constantin Mayer (rechts, markiert) und Thomas Sattelberg (links, markiert) bei der gemeinsamen Anreise zur Messe âSeitenwechselâ im November 2025 in Halle (Quelle: Rechtsimbild)Am Ende bleibt noch festzuhalten, dass Constantin Mayer Mitglied der neonazistischen Partei Der III. Weg ist. DafĂŒr sprechen der Besuch von Demonstrationen des III. Weges in KleidungstĂŒcken der neonazistischen Kleinstpartei, die Tatsache, dass Constantin Mayer Anfang Februar 2025 einen Vortrag fĂŒr den III. Weg Mittelsachsen hielt und im MĂ€rz 2026 wieder an einer Demonstration des III. Weges in Berlin teilnahm.
Constantin Mayer hÀlt einen Vortrag bei einer Veranstaltung des III. Wegs im Februar 2025. (Quelle: Telegram)Was bleibt
Constantin Mayer ist ein langjĂ€hriger, erfahrener und wohl auch gut vernetzter Neonazi, der fast 30 Jahre unter dem Radar flog und nach dem Verbot der Nationalen Offensive ein gutbĂŒrgerliches Leben fĂŒhrte. Neben den offenen Fragen danach, wann sich Laurenz Mayer politisierte und radikalisierte oder ob er sein menschenverachtendes Weltbild schon im Elternhaus mitgegeben bekommen hat und weswegen Constantin Mayer sich erst 2024 wieder wahrnehmbar an das politische Tageslicht begab, und nicht wie andere Neonazis Ă€lteren Semesters schon wĂ€hrend der Jahre 2014 bis 2018 oder spĂ€testens mit den sogenannten Anitcoronaprotesten, bleibt eines wieder festzuhalten: Die âaltenâ Nazis, die der 1980er und 90er, sind jetzt Eltern und sie werden ihr menschenverachtendes und tödliches Weltbild aller Wahrscheinlichkeit nach an ihre Kinder weitergeben oder dies schon getan haben. Laurenz Mayer und Hella HĂ€ttasch sind dafĂŒr nur zwei Beispiele. Mit Blick auf das extrem rechte Personenpotential der sogenannten Wendezeit und der BaseballschlĂ€gerjahre ist nur schwer abzuschĂ€tzen was da nachwĂ€chst oder schon gediehen ist. Zu befĂŒrchten ist einigesâŠ
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