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This week's ten #books

A Killer in the Family by #AminAhmad
The Hotel: Amelia by #DDLorenzo
Guilt by #KeigoHigashino
Operation Berlin by #MichaelRidpath
The Subtle Art of Folding Space by #JohnChu
Bride of Ash and Dust by #MeredithHart
Close Call by #IsabellaBassett
Dream in Ash by #JacquelynGilmore
Valley of the Fireflies by #EmmaFraser
American Fantasy by #EmmaStraub

#bookstodon

Verlags-Idioten

Ein Ärgernis der digitalen Welt sind die Geoblockaden. Bei Ebooks und Hörbüchern existiert es in einer speziellen Ausprägung. Im Beitrag Audible macht gar keine gute Figur habe ich beschrieben, wie man mir nicht erlaubt hat, die Harry Potter-Hörbücher in der von Stephen Fry gelesenen Fassung zu hören.

Häh? (Bild: JD Hancock/Flickr.com, CC BY 2.0)

Diesem Problem bin ich wieder begegnet. Ich habe hier und hier die Krimireihe von Michael Ridpath erwähnt, in der Kommissar Magnus Jonson in Island Verbrechen aufklärt und seinem eigenen isländischen Erbe auf die Spur kommt.

Neulich ist mir eingefallen, nach weiteren Folgen dieser Reihe zu suchen. Laut krimi-couch.de sind fünf Bücher erschienen (Where the shadows lie, 66° North, Edge of nowhere, Meltwater und Sea of stone). In Deutsch gibt es lediglich die ersten beiden Bücher.

Nur der Anfang der Serie wurde auf Deutsch übersetzt

Wenn man sich fragt, warum die anderen hierzulande nicht in einer Übersetzung erschienen sind, dann liefern die Titel eine Erklärung: Die ersten beiden Folgen tragen die Titel Fluch und Wut: Es ist offensichtlich, dass der deutsche Verlag damit auf der Millennium-Welle mitschwimmen wollte: Lisbeth Salander ist nun einmal ein Verkaufsgarant.

Aber Reykjavik ist eben nicht Stockholm und Magnus Jonson nicht Mikael Blomkvist. Und der Versuch, Michael Ridpath und Stieg Larsson in einen Topf zu werfen, ist grober Unfug und ich mag es jedem Verlag gönnen, der mit einer solchen Marketingstrategie auf die Schnauze fliegt. Leid tut es mir um die deutschen Leser, die zu wenig Englisch beherrschen, um die Bücher im Original zu lesen. Sie werden nicht erfahren, wie die Magnus’ Suche nach seinen Wurzeln ausgeht.

Aber ich erfahre es womöglich auch nicht. Denn ich bin Kunde bei Amazons Hörbuch-Tochter und konsumiere meinen Lesestoff aus Gründen inzwischen nur noch auf diese Weise. Doch bei dem Hörbuch von «Sea of Stone» heisst es bei Audible.com wieder einmal Folgendes:

Title Not For Sale In This Country/Region Due to publishing rights restriction, we are not authorized to sell this item in the country/region where you live.

Würde Audible.com «Go 🤬 yourself» schreiben, es käme aufs gleiche heraus.

Das ist besonders dämlicher Unfug, da es anders als bei Harry Potter keine Alternative gibt. Auch Audible.de bietet es nicht an, orellfuessli.ch ebensowenig. Das Hörbuch ist schlichtwegs nicht erhältlich.

Warum verzichtet Audible freiwillig auf Einnahmen?

Da fragt man sich schon, weswegen ein Verlag freiwillig auf mein Geld und Einnahmen aus einer ganzen Region verzichtet. Ist das eine Art von anarchistischer Kapitalismuskritik? Ist es eine unterschwellige Form von Diskriminierung? Mag Isis Publishing Ltd, der Herausgeber des Hörbuchs, unsereins hier auf dem alten Kontinent nicht? (Bei dem Namen würde es einen jedenfalls nicht wundern.)

Ich habe eine andere Theorie, nämlich, dass den Verlagen bei ihrem Geschacher mit territorialen Verlagsrechten den Überblick verloren haben. «Due to publishing rights restriction» deutet an, dass irgend ein deutscher Verlag irgend ein Vorverkaufsrecht besitzt. Mutmasslich auf das Gesamtpaket aus Hardcover, Taschenbuch, E-Book und Hörbuch. Allerdings wäre ich offenbar in der Lage, das Ebook bei Amazon zu kaufen, sodass das Problem vielleicht bei den Hörbuchverlagen liegt.

Manche wollen Bücher im Original lesen oder hören

Doch selbst wenn das so sein sollte, würde es keinen Sinn ergeben, das englischsprachige Hörbuch nicht zu verkaufen. Denn wenn einer das Buch im Original hören will, dann will er nicht die deutsche Übersetzung, ganz egal, ob die nun existiert oder nicht.

… nein, ich korrigiere mich. Das ist nicht egal: Eine nicht existierende deutschsprachige Hörbuchfassung wollen Leute wie ich noch weniger als eine, die es tatsächlich gibt.

Was ist dann die Logik? Die Lizenz fürs englischsprachige Hörbuch im deutschsprachigen Raum nochmals separat zu verkaufen, damit es ein hiesiger Sprecher mit schwerem Akzent und üblem Denglisch noch einmal separat einsprechen kann? Natürlich, das wäre eine echte Marktlücke.

Denn sie wisse nicht, was sie tun

Nein, ich glaube, es ist sinnlos, diesen Verlegern irgend eine Form von logischem Handeln zu unterstellen. Es sind einfach Idioten, die nicht wissen, was sie tun.

Leidtragende sind übrigens nicht nur wir Leser, sondern auch die Autoren. Ich habe Michael Ridpath über seine Facebook-Seite angeschrieben und gefragt, weswegen das Buch für mich mit meiner Schweizer Kreditkarte nicht angeboten wird. Er war sich des Problems offensichtlich nicht bewusst und hat versprochen, Abklärungen vorzunehmen. Ich schätze diese Bemühung sehr. Die Erfolgsaussichten bewerte ich allerdings als gering, weil: Siehe vorangegangener Abschnitt.

Anmerkung: Dieser Beitrag enthält Links zu Amazon. Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen.

#Audible #Benutzerunfreundlichkeit #EBooks #Juristerei #MichaelRidpath
Wenn schon global, dann richtig global

Das Geoblocking nimmt überhand: Viele Videos und andere Inhalte sind nur sind einem Land oder in einer Region verfügbar, alle anderen Nutzern werden sie vorenthalten.

Clickomania

Ð, þ und ein paar isländische Geschichten

Als Island- und Krimifans lesen in diesem Haushalt alle gerne die Bücher von Arnaldur Indriðason. Ein Grund der Bewunderung für mich ist, dass er wie Stieg Larsson vorführt, wie man den Niederungen des Journalismus durch Krimiautorwerdung entfleucht.

[caption id=““ align=“aligncenter“ width=“520″] Auf dem Weg zum nächsten Abenteuer.[/caption]

Wie jeder gute Krimi sind die Werke von Indriðason untrennbar mit ihren Schauplätzen verbunden. Sie spielen, wie man an dem seltsamen, d-ähnlichen Kringel¹ im Namen des Autors schon erahnt, in Island und handeln weniger von Ponys und von Papageitauchern, als vielmehr von Leuten, die im Herbstnebel auf Nimmerwiedersehen verschwinden.

Nach vielen Jahren brechen exzessive Familiengeheimnisse auf, sodass Indriðasons Geschichten häufig mit Rückblenden arbeiten – weil das Unheil schon vor vielen Jahren geschah und erst dann ans Tageslicht kommt, wenn die Gletscher besonders stark schmelzen. Die Hauptfigur in Indriðasons Büchern ist Erlendur, der Kommissar mit den traurigen Augen. Neben dem klassischen Ermittlerroman gibt es mit Gletschergrab aber auch einen eigentlichen Thriller, bei dem die beiden Protagonisten einem Geheimnis durch halb Europa hinterherjagen, und der, genauso wie Ian Fleming in James Bonds Diamantenfieber, den Showdown auf einem Schiff inszeniert.

Þingvellir

Indriðason führt einen an Schauplätze, die man als Tourist kennt. In Kälteschlaf zum Beispiel nach Þingvellir (noch so ein seltsames isländisches Zeichen). In Nordermoor bringt er auch aktuelle Themen wie die Datenbank von Decode Genetics aufs Tapet. Indriðason lese ich drum gerne, ebenso wie Árni Thórarinsson, der nicht ganz so humorlos ist wie Indriðason, und der in Todesgott seinen Helden von Reykjavík nach Akureyri zwangsversetzt.

Nachdem wir in unseren letzten Ferien auch mal da waren, kann ich mir ausmalen, dass das doch ein bisschen aufs Gemüt schlägt. (Obwohl der einheimische Reiseführer nicht müde wurde zu betonen, dass die im Süden ja so gar keine Ahnung hätten. Und wer braucht schon die blaue Lagune, wenn man das Jarðböðin-Naturbad hat?! Der Betreiber des Bads war sein Cousin, glaube ich. Ich kann mich aber auch täuschen).

Und wenn ich noch einen Namen in die Runde werfen darf, bevor ich endlich aufs Thema komme: Michael Ridpath ist zwar kein Isländer, lässt seine Romane aber trotzdem dort spielen. Und die Mischung zwischen isländischem Schauplatz und angelsächsischem ImpactEinfluss ergibt eine leichtfüssige Lektüre. Meltwater ist hier die Empfehlung.

Þjóðminjasafn Íslands

Das neueste Werk von Indriðason jedenfalls hat mich hellhörig gemacht. Es verwendet das Match des Jahrhunderts als Motiv: Die Schachweltmeisterschaft von 1972 zwischen Boris Spasski und Bobby Fischer. Ich würde an dieser Stelle jetzt gern behaupten, dass Indriðason durch meine Verschwörungstheorie der Woche auf dieses Thema gekommen ist. Das würdet ihr mir aber vermutlich nicht abkaufen.

Und es ist bekanntlich so, dass zwei Dinge, die vernünftigerweise nicht Korrelation stehen können, häufig durch eine gemeinsame Ursache verbunden sind. Anzunehmen ist denn auch, dass wir beide die gleiche Ausstellung im isländischen Nationalmuseum gesehen haben, die dort vom 3. März 2012 bis zum 31. Januar 2013 zu sehen war und das Match dokumentierte. Es dient in Duell als Rahmenhandlung für den Mord in einem Kino in Reykjavík, in dem ein Jugendlicher erstochen wird (und nicht erschlagen, wie es im Pressetext heisst).

Ragnar hatte die etwas seltsame Gewohnheit, die Tonspur der Filme aufzunehmen, was schon in den 70ern, noch vor der Urheberrechts-Paranoia, für Probleme sorgen konnte. Indriðasons neuer Kommissar, Marian Briem vermutet denn auch schnell, dass auf der Aufzeichnung noch mehr als nur die Tonspur des Films drauf sein könnte.

Die Geschichte, die ich als von Walter Kreye gelesenes Hörbuch verfolgt habe, kommt wie oft bei Indriðason nur langsam in Fahrt, und es gibt auch bei diesem Titel lange Rückblenden. Diese führen in die Jugend des Kommissars. Er hat einen Vater, der ihn nicht anerkennt (und darum keinen auf -son endenden Nachnamen), und er litt in seiner Jugend unter Tuberkulose. Das führte ihn auf eine eigentliche Odyssee in ein Lungensanatorium, wo er seine Jugendliebe traf, die seine einzige Liebe blieb. Aber un- oder nur halb erwidert, weil damals archaische Behandlungsmethoden wie die Rippenresektion praktiziert wurden. Die dem Leben von Katrín eine neue Richtung gaben.

Berklaveiki

Man kann darüber geteilter Meinung sein, wie wichtig das Privatleben des Kommissars sein soll und darf. Klar – Ermittler ohne jegliches Privatleben wie der selige Stephan Derrick sind heute kaum mehr vorstellbar. Das Land und die Umgebung, in der eine Kriminalgeschichte spielt, prägen nicht nur den Fall und den Verbrecher, sondern auch das Ermittlungspersonal. Das fein auszubalancieren, ist eines der Kunststücke, die ein Autor leisten muss. Ich mag die Kommissare nicht, die Helden ohne Fehl und Tadel sind.

Aber allzu verkrachte Existenzen sind auch nicht glaubwürdig. Denn ohne eine einigermassen gefestigte Persönlichkeit kann man den Job nicht machen, denke ich. Bei «Duell» habe ich Marians Tuberkulose-Odyssee gern verfolgt, weil sie einfühlsam erzählt ist und ohne Melodrama vor Augen führt, wie viel härter das Leben noch vor wenigen Jahrzehnten war. Der Aufhänger des Buchs, das Match des Jahrhunderts, bleibt Staffage (auch wenn es durchaus Verbindungen zu den Tätern gibt).

Das fand ich schade. Aber ich nehme an, dass das mit der Menge der gesicherten Fakten zusammenhängt, die Indriðason über das Ereignis zusammentragen konnte. Da wollte sich Indriðason wohl nicht allzu weit auf die Äste hinauslassen – und damit hatte er auch wieder recht.

Fazit: Kein adrenalingeschwängerter Knaller, sondern ein ruhiges Buch mit zwei exzentrischen Schachspielern in Nebenrollen, einem unschuldigen Mordopfer, primitiver Medizin und unerfüllter Liebe, und gleich zwei Kriegsschauplätzen. Denn es sind der kalte Krieg und der Kabeljaukrieg, die damals in den Siebzigern die Stimmung in Island geprägt haben².

Fussnoten

1) Der Beitrag sollte ursprünglich «Ð, þ und ein paar isländische Geschichten» heissen. Es hat sich herausgestellt, dass mein CMS mit diesen isländischen Buchstaben seine liebe Mühe beweist. Schade – aber da die isländische Literatur nicht mein Hauptthema ist, müsste ich damit leben können… (Mit dem Umstieg auf Worpress konnte dieses Problem endlich gelöst werden.) ↩

2) Es gibt von Michael Ridpaths Buch mehrere Fortsetzungen, die mich allerdings vor einige Probleme gestellt haben. Siehe dazu Verlags-Idioten. ↩

#MichaelRidpath

Arnaldur Indriðason – Wikipedia

Eyjafjalla in einer Nebenrolle

Anfangs Jahr hat es uns nach Island verschlagen. Wegen der Nordlichter, die sich uns aber verweigert haben, aber auch, um wieder einmal einen richtigen Winter zu erleben und in der blauen Lagune zu liegen. Und um uns in die passende Kulisse zum neuesten Werk von Michael Ridpath zu begeben, das wiederum in Island spielt und das ich mir erst für den Kindle besorgt hatte, um es dann als Hörbuch zu hören – weil Sprecher Seán Barrett eine knarrende Stimme hat und auch das Isländisch, soweit ich das beurteilen kann, richtig ausspricht.

Bei den deutschen Hörbuchfassungen isländischer Bücher ist das nicht der Fall, was bei den Büchern von Arnaldur Indriðason gründlich den Spass verdorben hat. Es ist mir schon klar, dass es nicht allzu viele deutsche Sprecher gibt, die Isländisch beherrschen. Etwas Aussprachetraining könnte man den Sprechern indes schon angedeihen lassen, sodass sie wenigstens Reykjavík, Geysir und Eyjafjallajökull richtig über die Lippen bringen.

[caption id=““ align=“aligncenter“ width=“520″] Der Krimi zur Islandreise – denn zufällig hat der Kommissar beim Skógafoss nach Indizien zu suchen.[/caption]

Letzterer spielt im Buch «Meltwater» eine wichtige Rolle. Er bricht nämlich rechtzeitig zu Beginn der Geschichte aus und verleiht ihr die Dramatik…

The cloud thinned ahead of them to reveal a flat section of ice and rock on which a lone four-by-four and a couple of snowmobiles were parked. Dúddi eased his superjeep next to the other vehicle. A man and a woman were sitting inside staring upwards into the mist. The team got out of the jeep. It sounded as if an angry monster was thrashing about just out of sight in the clouds. It was cold; the wind was biting. Everyone zipped themselves up in their snow jackets and they walked as a group towards the bottom of a pile of rubble; Erika was very grateful for the coat Dúddi had borrowed for her from his sister. Despite the wind, she could smell sulphur in the air. Then the curtain lifted. Erika looked up and saw the most astounding sight of her life. About three hundred yards ahead the monster was revealed: a churning mass of orange and red fire, spitting, exploding, pouring up into the air with a steady rhythmic crash. It had eaten out the top of a small dome, creating a bubbling bowl of magma, over the rim of which a dribble of super-hot lava spilled, an orange river burning its way through the ice of the glacier down to the side. Steam spewed out of the cauldron, and from fissures in the ridge all around them where smaller fires of stone burned.

… indem er die Ermittlungsarbeiten von Kommissar Magnus Jonson durcheinanderbringt. Er ist hinter dem Mörder eines Mitglieds der Gruppe Freeflow her. Diese erinnert sehr an Julian Assanges WikiLeaks-Whistleblower, und an das Video der Luftangriffe in Bagdad; auch wenn das eigentliche Geschehen im Buch natürlich fiktiv ist.

Der perfekte Schauplatz

Island jedenfalls ist ein perfekter Schauplatz für internationale, politische Ränkespiele, bei denen sich Verstrickungen mit lokalen Protagonisten und teilweise alten Geschehnissen ergeben. «Meltwater» ist der dritte Teil der Krimireihe mit Magnus Jonson, in dem auch die Rahmenhandlung vorangetrieben wird. Das ist der Mord an Magnus’ Vater, dessen Motiv über mehrere Generationen in die dunkle Familiengeschichte zurückführt, als manchen ihr Erbe als Wikinger Siedler noch deutlich näher als die moderne, zivilisierte Lebensweise war.

Als Island-Besucher teilt man die Faszination fürs Land mit dem Autor, der laut eines Interviews bei einer Reise auf die Idee verfallen ist, seine Geschichten dort spielen zu lassen. Da Reykjavík eine überschaubare Stadt ist, kennt man als Tourist die meisten der Strassen und Plätze, und auch die anderen Schauplätze wie den Skógafoss konnte man nicht verpassen. Das hilft dem Kopfkino – und ansonsten findet man auf der Homepage des Autors eine Fotogalerie mit den wichtigen Schauplätzen…

#MichaelRidpath