Richter fĂŒr die Grundrechte
Ein Richter des Bonner Landgerichts lehnte die Beschwerde eines BĂŒrgers ab, mit der dieser gegen ein soziales Netzwerk klagte, das ihm keine Auskunft geben wollte, ob US-Geheimdienste auf seine Daten zugegriffen hatten. Und dies mit einer bemerkenswert mutigen BegrĂŒndung. Das kritisieren nun konservative Journalisten, corona-leugnende Jurist:innen und die US-Botschaft in Berlin.
Das Gericht bezeichnete im Urteil die US-Regierung Trump als âoffen echtsextremistisch-populistischâ. Es gebe in der Trump-Regierung âdeutlich anti-demokratische, anti-rechtstaatliche, autokratische bis faschistische Tendenzenâ und verwies in der Ablehnung der Klage darauf, dass man US-Unternehmen, die auch in Deutschland tĂ€tig seien, zugestehen mĂŒsse, dass sie sich an US-Recht halten mĂŒssten und die Aussage verweigerten, ob ein US-Geheimdienst auf die Daten des KlĂ€gers zugegriffen hat. Klagen könne er in den US.
Widersprochen, was J.D. Vance behauptet hat
Weiter heiĂt es in der UrteilsbegrĂŒndung in Anspielung an die AusfĂŒhrungen des US-VizeprĂ€sidenten J.D. Vance auf der MĂŒnchner Sicherheitskonferenz ĂŒber die angeblich in Deutschland gefĂ€hrdeten Freiheitsrechte.: âRechtsextremisten gerichtsbekannt immer schon die gröĂten Feinde individueller Freiheit (der anderen bzw. andersdenkenden) wĂ€hrend sie sich zugleich â die LĂŒge beharrlich wiederholend â als ihre angeblich gröĂten Verteidiger gerieren.â Und dies geschehe, âum das eigene (Wahl-)Volk irrezufĂŒhren, was leider hĂ€ufig funktioniert, insbesondere inzwischen ĂŒber soziale Medien, wie die letzten Jahre gezeigt haben.â Daneben seien âRechtsextremisten in aller Regel die korrupteste Sorte von Politikern, weil die ideologische Grundbasis des Rechtsextremismus unvernĂŒnftig ĂŒbersteigerter (nationaler und individueller) Egoismus ist.â
Richterliche UnabhÀngigkeit zum Schutz der Grundrechte
Ein Sprecher des NRW-Justizministeriums lehnte mit Hinweis auf die richterliche UnabhĂ€ngigkeit gemÀà Artikel 97 Grundgesetz jede Urteilsschelte ab. So hatten Journalisten des âKölner Stadtanzeigerâ MĂŒhe, kritische Stimmen zum Urteil zu finden. Neben der US-Botschaft, den Kölner konservativen Verwaltungsrechtlern Michael Ogorek und Daniel Deba, Sprecher einer dubiosen, 2021 gegrĂŒndete Juristen-Splittergruppe von Corona-Kritikern.
Ein Richter verteidigt Grundrechte und LiberalitĂ€tâŠ
Es ist erfreulich, dass der Bonner Richter nicht nur die Grundrechte kennt, sondern sie auch verteidigt, indem er klar benennt, welche Eingriffe in die persönlichen Freiheiten, welche ZensurmaĂnahmen und antidemokratischen RechtsbrĂŒche Donald Trump und seine Komplizen und Tech-Oligarchen derzeit unter unser aller Augen begehen. Mit Auswirkungen auf uns und die EU. Das Urteil ist ein Ausdruck demokratischer Haltung und Rechtsstaatlichkeit. Der Richter verdient jede Menge Preise fĂŒr Zivilcourage. Die ĂuĂerungen des zitierten Kölner Staatsrechtlers Michael Ogorek, der âeinem Zivilrichter politische ĂuĂerungenâ absprechen will, sind dagegen hart an der Grenze zum DuckmĂ€usertum und einer Haltung, die an âdes Kaisers neue Kleiderâ erinnert und verhindern möchte, dass laut ausgesprochen wird, was alle sehen, nĂ€mlich dass der Kaiser nackt ist.
âŠund rechtslastiger Journalismus fĂ€llt ihm in den RĂŒcken!
Dass Journalisten im einstmals linksliberalen âKölner Stadtanzeigerâ das âNetzwerk kritischer Richter und StaatsanwĂ€lteâ zitieren, die in die gleiche Kerbe hauen, wie Herr Ogorek, ist mehr als verstörend. Dieses âNetzwerkâ umfasst bundesweit etwa 40 Mitglieder, die sich 2021 laut âLegal Tribune Onlineâ aus einem Kreis von Corona-Leugnern in der Justiz gegrĂŒndet haben und die auf ihrer Homepage praktisch kein anderes Thema kennen, als Corona. Sie vertreten die Position , dass nahezu alle MaĂnahmen und insbesondere die Maskenpflicht verfassungswidrig gewesen seien. Sie sind nicht âpolitisch neutralâ, sondern benutzen den Begriff âNeutralitĂ€tâ wie die AfD und ihr Umfeld, um diejenigen zu verunglimpfen, die ihrer rechten politischen Meinung entgegentreten.âSprecherâ Daniel Deba, politisch beim BSW aktiv, erklĂ€rte im Juni 2025, das Verwaltungsgericht in Schwerin werde âvon Asylverfahren ĂŒberschwemmtâ. Hony soit, qui mal y pense!
Die falschen angerufen?
Das alles ist so absurd, dass man glauben möchte, es lĂ€ge eine Verwechslung mit den eher liberalen âKritischen Juristinnen und Juristenâ vor und Detlev Schmalenberg und Joachim Frank (letzterer immerhin âChefkorrespondentâ) hĂ€tten bloĂ die Telefonnummern verwechselt. Die âKritischen Jurist:innenâ wĂŒrden das Urteil aber natĂŒrlich völlig anders einordnen. Viel wahrscheinlicher ist, dass KStA- Chefredakteur Gerhard Selch die Richtung vorgegeben hat. Der war nĂ€mlich erst Chefredakteur beim âFocusâ und dann bei der âBILDâ-Zeitung. Alfred Neven DuMont, der immer noch posthum als Herausgeber im Impressum des KStA steht, wĂŒrde sich im Grab rumdrehen. Kein Wunder, wenn die Auflage bestĂ€ndig sinkt.