Lässt sich die Geschichte und Vielfalt der indischen #ScienceFiction in einem Übersichtsband darstellen? Suparno Banerjee hat den Versuch gewagt. Ich bespreche sein Buch anhand von 7 daraus gewonnenen Erkenntnissen feat. verschiedene Sprachtraditionen, Subgenre-Kämpfe oder typische regionale Elemente. #IndianSF https://fragmentansichten.de/2025/08/08/7-erkenntnisse-ueber-indische-science-fiction/
7 Erkenntnisse über indische Science Fiction ... - FragmentAnsichten

Was zeichnet indische Science Fiction aus? Eine Besprechung von Suparno Banerjees „Indian Science Fiction" anhand von 7 Erkenntnissen

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(10/11) Die zweite Hälfte des Kapitels dreht sich dann ums Motiv der Reise und Othering-Elemente in der #IndianSF. Interessant fand ich dabei, wie in manchen Titeln offenbar ein Hindu-Tabu in die Space Opera übertragen wird, nachdem Reisen über Wasser mit Ansehensverlust einhergehen.
Beispiele widmen sich allerdings mehr Mars-Ethnologen, die religiöse Messen besuchen ("Kumbh Ke Mele Mein Mangalwasi") oder transnationalem Planetenhopping ("Oblivion: A Journey").

(9/11?) Das vorletzte Kapitel widmet sich (1) Utopien / Dystopien und (2) Reisen (den Zusammenhang sehe ich nur bedingt).

Banerjee geht zunächst (1) intensiv auf Heterotopien und critical dystopias ein sowie die Frage, ob und wie sich beide Konzepte in der indischen SF finden lassen. Beispielhafte Erwähnung finden dabei mehrere "eco-feminism dystopias", in denen jeweils die Gesellschaft auseinanderfällt, nachdem die weiblichen Mitglieder ausgerottet wurden. #IndianSF

(8/x) In Kapitel 3 schaut Banerjee genauer darauf, wie (alternative) Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in der #IndianSF dargestellt werden. Er geht auf Beispiele ein, in denen ein "präkoloniales und präislamisches Goldenes Zeitalter" dargestellt wird, aber auch auf Titel, die solche Vorstellungen wiederum kritisch sehen. Eines der spannendsten Beispiele ist die Kurzgeschichte "Delhi" von Vandana Singh, in der mittels Zeitreisen dargestellt wird, wie sich das kulturelle Gedächtnis verändert.

(7/x) Kapitel 2 beleuchtet intensiv das Verhältnis von science bzw. knowledge und fiction. Konkret unterscheidet Banerjee 3 Varianten von Wissen, die in indischer SF eine Rolle spielen: naturalistische Wissenschaft, holistische "Vedic science" und Volkswissen bzw. -glauben.

Kurz angestoßen wird auch das Hindi-Genre "ayari", was Magie und Mechanik verknüpft (klingt bisschen nach Steamfantasy oder Arcanopunk) und wie Mythen zur Legitimierung des Hindu-Nationalismus genutzt werden. #IndianSF

(6/x) 1995 – 2019
Es erscheint mehr englischsprachige #IndianSF, viel aus der Diaspora heraus, und die Themen ändern sich: Gender-Rollen, westl. Hegemonie, aber auch der indische Nationalismus werden hinterfragt. Ebenso werden die Grenzen zu verwandten Genres offener, u. a. durch Vandana Singhs einflussreiches „Speculative Manifesto“.

Zahlreiche Webzines ebnen den Weg für neue Autor*innen und „Strange Horizons“ spielt eine wichtige Rolle bei der internationalen Wahrnehmung von #IndianSF.

(5/x) 1947–1995
Diese Phase bezeichnet Banerjee als „golden age of indigenous-language SF“. In einigen Sprachkulturen (z. B. Bangla) bleibt SF dabei Teil der generellen Literaturszene, in anderen (z. B. Hindi) spaltet sie sich ab.
1963 erscheint mit „Ascharya“ das erste SF-Magazin, es folgen z. B. „Vigyan Katha“ (Hindi) und „Naval“ (Marathi). Mit der Anthologie „It Happened Tomorrow“ (1993) entsteht endgültig eine Art nationales Bewusstsein für die indische SF-Literatur.

#IndianSF

(4/x) 1905 – 1947
Indische Versionen westlicher SF z. B. von Wells oder Verne bleiben in dieser Phase recht beliebt, aber auch Utopien spielen eine Rolle. Bemerkenswert z. B. Begum Rokeya Shakhawat Hossains „Sultana’s Dream“, worin Frauen den technologisch progressiven, friedlichen Staat „Ladyland“ schaffen (1905), oder Rahul Sankrityayans sozialistische, kastenfreie Utopie „Baisvee sadi“ (1924).
Die SF jener Zeit erscheint vor allem in allgemeinen Jugend- und Literaturmagazinen. #IndianSF
(3/x) Kapitel 1 mit einer „Brief History of Indian SF“ ist in 4 Abschnitte gegliedert. Los geht’s mit 1835–1905 und Kylas Chunder Duttss „A Journal of Forty-Eight Hours of the Year 1945“ (1835). Es beschreibt eine (letztlich erfolglose) Rebellion gegen die britische Herrschaft; das Thema taucht auch in anderen Geschichten auf. Die erste Hindi SF wiederum stellt in den 1880ern Pandit Ambika Datta Vyasas „Ascharya Vrittant“ dar, eine Variante von Vernes „Reise zum Mittelpunkt der Erde“. #IndianSF
(2/x) Zur Einleitung hält Banerjee fest, dass er indische #ScienceFiction als "kulturellen Hybrid" und keineswegs als einheitliches Gebilde sieht: Mindestens 14 der Sprachen Indiens haben eigene SF-Traditionen hervorgebracht.
Je nach Sprache unterscheidet sich auch die Haltung, wie viel Science die Fiction umfassen soll. Während die Hindi- und Marathi-Tradition eher Richtung Hard SF geht, ist die Bangla-SF liberaler, verflechtet z. B. stärker spirituelle Elemente.
#IndianSF