Realismus

Iran, Sachsen-Anhalt, SPD, Autoindustrie – alle bedroht

Benjamin Roth/telepolis interviewt den hier schon erwähnten Saman Mahdevar: ‘Kriegskritische Stimmen aus dem Iran sind häufig komplexer’ – Über die Auswirkungen des Kriegs gegen den Iran, die Verzerrungen der deutschen Berichterstattung und die Lage vor Ort.” Das mit der “Komplexität” ist bekanntlich auch hierzulande ein komplexes Problem, bis in die Regierungsspitze.

Der Kern von Mahdevars kluger Botschaft lautet: “Autoritäre Herrschaft entzieht den Menschen die Möglichkeit, über ihr eigenes Leben und ihre politische Ordnung zu bestimmen. Krieg tut etwas sehr Ähnliches von außen: Er zerstört die materiellen und sozialen Grundlagen, die notwendig sind, um kollektiv handeln zu können.”

Ein Zwergstaat von der Grösse Hamburgs (oder zwei Saarlands)

Diese Erkenntnis ist noch nicht bis ins deutsche Sachsen-Anhalt vorgedrungen. Das liegt gewiss auch, aber nicht nur an den Lehrern. Ein Lehrer, Wolfram Janzen, bemüht sich an gleicher Stelle vor der AfD zu warnen: Was die AfD für Sachsen-Anhalt plant – und warum kaum jemand darüber spricht – Die AfD könnte in Sachsen-Anhalt erstmals allein regieren. Ihr 138-seitiges Programm enthüllt, was das konkret bedeuten würde.”

Ich persönlich finde es bedenklich, wenn es ein Lehrer nicht kürzer und prägnanter schafft. Das macht den Widerstand gegen Rechts nicht stärker, leider. Unter den geschilderten Umständen fände ich “ein ‘politisch souveränes’ Sachsen-Anhalt” gar keine so schlechte Idee. Spätestens, wenn es den MDR-Staatsvertrag kündigt, könnten wir daraus ein deutsches Lesotho machen; an Polen übergeben wird scheitern, an Russland dürfte nicht durchsetzbar sein. Die durchrasenden ICEs müssten u.U. umgeleitet werden, Hamburg-Berlin wird doch gerade schon saniert.

Verschwindende Sozialdemokratie

Bei der SPD sieht es noch schlimmer aus, als in Sachsen-Anhalt. Sie droht zu verschwinden. Und das, obwohl es in ihren Reihen kluge, sogar bezahlte, Leute gibt, wie z.B. Henrik Meyer/ipg-Journal: Sind sie noch zu retten? – In Mitteleuropa verschwindet eine sozialdemokratische Partei nach der anderen von der Landkarte. In Westeuropa könnte ein ähnliches Schicksal drohen.”

Die amtierende Partei- und Fraktionsführung hat sicher gar keine Zeit mehr, das zu lesen. Geschweige denn das.

Fahrende Bunker und Weihnachtsbäume auf Rädern

Paolo Tumminelli kannte ich bisher nicht. Dabei sitzt er hier um die Ecke im nahegelegenen Dorf Köln (nahegelegen mit dem Fahrrad, mit der Bahn eher schon eine Fernreise). Der Mann hat bei der FAZ-Paywall eine anregende Geschichte der deutschen Autokultur von nachm Krieg bis heute abgeliefert.

“Design von Autos: Wo die deutsche Automobilindustrie falsch abgebogen ist – Arroganz und Ignoranz statt Leidenschaft: Wer braucht noch die Designs der deutschen Automobilindustrie? Die Fehleranalyse eines Design-Professors.”

Die FAZ gibt online eine “Lesezeit 13 min.” an. Die könnten kurzweiliger nicht sein. Ein Professor, der sehr gut schreiben kann. Ein Kollege von ihm war sehr amüsiert, dass er nun als Rentner kritisch geworden sei. Es ist nie zu spät 😉

Ich habe mir den Text gesichert, und stelle ihn gerne auf individuelle Anfrage und nur zum persönlichen Gebrauch – ich will ja keine Gesetze brechen, die FAZ hat teure Anwälte – zum Mitlesen zur Verfügung.

Realismus – Beueler-Extradienst

Bequemer Pessimismus

Lutz Heuken war nach meiner Lesererinnerung in seinem Berufsleben, das sich bei der einst wichtigen und mächtigen WAZ abspielte, ein durchgehend anständiger Journalist. Unvergesslich bleibt mir, dass er sich Ende der 90er als Ressortchef und Leitartikler gegen den “völkerrechtswidrigen” (zit. der damals amtierende Kanzler Schröder) Kosovo-Feldzug der seinerzeit rot-grünen Bundesregierung und der Nato ausgesprochen hat. Auch heute gibt er im “Blog der Republik” seines früheren Arbeitskollegen Alfons Pieper Einschätzungen zum Ausdruck, denen ich und viele meiner Freund*inn*e*n folgen können. Darum benenne ich hier heute für mich eine Ausnahme.

“Wir haben versagt – jetzt zahlen wir den Preis” – mit dem ersten Wort fängt es schon an. Das vereinnahmende “Wir” wird auch von mir gelegentlich angewandt, und beste Freund*inn*e*n rügen mich dafür. Mit Recht.

Heukens “Wir” zieht sich durch den gesamten Text. Er nivelliert damit nicht nur Klassen- und andere -Widersprüche und politische Gegensätze. Wird nicht ansonsten immer wieder über angeblich schreckliche “Polarisierung” gejammert? Die fehlt hier. Dabei gibt es sie wirklich. Sie wird nur von der herrschenden real existierenden und vermachteten Medien- und Parteienlandschaft nicht abgebildet und repräsentiert. Diese wird von Heuken mit Recht kritisiert, aber unzulässig auf ein “Wir” verallgemeinert. Vielleicht, weil er zu anderen, nur teilweise besseren, Zeiten selbst ein Teil davon war?

Zweifellos gibt er mit seinem an Jammer nicht sparenden Text den Gefühlen und Einschätzungen vieler meiner Freund*inn*e*n Ausdruck. Doch ich fürchte, diese vorgebliche Verzweiflung und Machtlosigkeit dient nur dem Selbstbetrug: ich bin dagegen, aber auf mich hört ja keiner, ich kann ja nichts machen. Falsch.

Pieper und Heuken trete ich sicherlich nicht zu nahe, wenn ich ihre politische Sozialisation und Denkweise in die Nähe der deutschen Sozialdemokratie rücke. Nirgends ist die politische Verzweiflung heute grösser, als dort. Doch aus der gleichen publizistischen Küche, nur ohne deutsche oder mitteleuropäische Scheuklappen, kommt das:

Chiara Cordelli/IPG-Journal: Die Tragödie unserer Zeit – Aus Krise wächst Hoffnung: Wie Autoritarismus und Klimachaos neuen demokratischen Aufbruch befeuern.”

Signora Cordelli hat verstanden, dass der Fortschritt nie linear ist oder sein kann. Er ist immer ein Resultat dialektischer Prozesse und Finessen. Fortschrittliche Kräfte, die nicht dumm bleiben wollen, studieren solche Prozesse aufmerksam, und lernen daraus. So, wie es die Rechten leider auch tun. Heutigen alten und jungen Linken täte es gut, die grassierende machttechnologische Welle zu begreifen, wie es hier ein junger netzpolitik-Praktikant fertigbringt. Zielsicher erfasst der junge Kollege das Zentrum der unbegrenzten Bereicherung durch die Menschheitsplagen unserer Zeit, die sich in Gestalten wie Trump, Musk u.v.a. austoben. Warum sind so viele zu dumm für das, was Denis Glismann kann?

Am Ende siegen die … nein, falsch. Es gibt kein Ende. Es geht immer weiter, so lange es Menschen gibt – eine Klimakatastrophe kann immer “dazwischen kommen” … Siegen werden immer die, die mehr Menschen und soziales Engagement mobilisieren. “Polarisierung” kann dem sogar dienlich sein. Sie muss halt an elementaren gesellschaftlichen Widersprüchen ansetzen, und darf sich nicht durch von den Herrschenden mobilisierte Scheinwidersprüche spalten lassen.

Der sog. “konstruktive Journalismus”, nach dem eine mutmassliche Mehrheit sogar hungert und dürstet, damit sie nicht Heuken-artig unter der Wucht der Aufmerksamkeitsökonomie zusammenbricht, hat das noch nicht begriffen. Niemand da draussen kennt ihn, den es z.B. hier oder hier geben soll … Statt brav Fördergelder zu verbrauchen, auch mal in Konflikte reingehen, Gegnerschaft und Interessen benennen, Kampfbereitschaft zeigen – dann würde es vielleicht bemerkt.

Gesellschaftliche Bündnispolitik ist eine hohe Kunst. Es gab Zeiten, zu denen die SPD diese Kunst beherrschte. Die Grünen schaffen es bis heute nicht. Ob die US-Demokrat*inn*en es wieder erlernen, kann für den Planeten lebenswichtig werden.

Die chinesischen Oligarchen wissen übrigens schon lange von Signora Cordellis Erkenntnissen. Systemkonkurrenz.

Bequemer Pessimismus – Beueler-Extradienst

Macht

Ein Appell an den Genossen Klingbeil? – Und wo die MedienMacht herkommt und heute sitzt

Der von mir sehr, sehr geschätzte Genosse Mützenich setzte sich soeben mit dem Begriff der Macht auseinander, wie ihn möglichweise der Bundeskanzler versteht, und wie ihn sinnvollerweise Demokrat*inn*en in Deutschland und der EU verstehen sollten. In meinen Augen tut er das – mal wieder – sehr instruktiv:

Rolf Mützenich/IPG-Journal: Rückkehr der Machtpolitik – Sozialdemokratische Außenpolitik darf sich nicht auf militärische Stärke verengen – Macht entsteht auch durch Regeln, Institutionen und Kooperation.”

Um es für verbohrte “Marktwirtschaftler*innen” verständlich zu machen: der Autor beschreibt eine speerangelweite Lücke auf dem Weltmarkt, die die Despoten und Autokraten dieser Welt der*dem zu Füssen legen, die*der weiss damit umzugehen und sie mit politischem Inhalt (und Diplomatie!) zu füllen. Wer beherrscht dieses Handwerk heute noch? Lars Klingbeil? Bärbel Bas? Ich weisses nicht. Und wünsche Rolf Mützenich viel Erfolg bei der Suche.

Kompakte Geschichte der MedienMacht

Ich rätsele schon länger, wer sich hinter der Autorenbezeichnung “Danny Patrick Rose” verbirgt. Schreiben kann er (wenn er ein Mann ist). Wenn er eine Frau ist, ist es mir auch recht. Eva C. Schweitzer wird es ja wohl nicht sein, oder? Seiner Fantasie-Biografie glaube ich jedenfalls nur in Teilen.

Danny Patrick Rose/overton: Die Ellisons und die amerikanischen Medien – Von einem 16-jährigen jüdischen Einwanderer auf Ellis Island bis zum milliardenschweren Medienmogul David Ellison – einem Mann mit direktem Draht ins Weiße Haus.”

Ein kleines aber relevantes Detail fehlt bei ihm, wahrscheinlich weil er sich wie so viele “nicht für Fussball interessiert”. Der Paramount-Konzern des trumpfreundlichen Ellison-Clans hat sich für die nächsten vier Jahre die wertvollsten TV-Rechte des Profifussballs (der Herren) bei der Uefa-Mafia gesichert: die Champions League. Damit sind sie ein Elefant auf dem europäischen Medienmarkt. Niemand wird sich trauen, den zu jagen.

Oder doch? Bitte melden, bitte aus der Deckung kommen und sich zeigen. Gegen diese Gangster hilft nur harter Widerstand. “WM-Boykott” ist dagegen wie Kinderzimmer.

Macht – Beueler-Extradienst

Die “Autismus”-Pandemie

Eine gefährliche Falle für die bürgerliche Demokratie

Gestern korrespondierte ich mal wieder mit einem guten politischen Freund über die grassierende sinkende Medienqualität. Ich erwähnte einen US-Korrespondenten der SZ, und zwar einen Gutwilligen, der eine landesweite Mobilisierung für millionenstarke Anti-Trump-Demos nicht bemerkt hatte, und eine Woche vorher von einem gemeinsamen Freund darauf hingewiesen werden musste. Hier in Beuel kannte ich das Thema schon einen Monat lang. Ich mache dem Kollegen keinen Vorwurf – obwohl: objektiv ist es schon einer. Die Arbeitsverdichtung ist weit fortgeschritten, die Verlegerclans sparen die Redaktionen nieder, die Allgemeinbildung wird nicht besser … Und der Gute ist ja kein Einzelfall, sondern Repräsentant eines verbreiteten Problems. Die Kolleg*inn*en beim MDR-Altpapier protokollieren es jeden Werktag. Und machen das immerhin gut. Aber wer kennt die?

Beginnen wir lieber mit der guten Nachricht

Auch die ist schon fragil, denn in Spanien wollen, wie überall im EU-Europa, trumpfreundliche Faschist*inn*en Wahlen gewinnen und die aktuelle Regierung ablösen. Jedenfalls macht die Regierung offenbar fast alles anders, als der Rest der EU, wie Antón Gómez-Reino Varela/IPG-Journal schreibt: Vielfalt oder Niedergang – Gegen den europäischen Trend will Spanien eine halbe Million Migranten legalisieren. Der Schritt ist wirtschaftlich motiviert – und zukunftsweisend.” Ob das erfolgreich ist, weiss ich nicht. Richtig ist es. Freilich gibt es einen Stolperstein, den Spanien allein nicht in der Hand hat: der Klimawandel und die Wüstenbildung in Spanien. Mitverursacher: die industrielle Landwirtschaft. Das ist EU-Politik, und die macht es nicht besser sondern schlimmer. Auch das von ihm richtig beschriebene Landflucht-Problem ist kein spanischer Sonderfall. Im herrschenden Immobilienkapitalismus ist Grunderwerb für Individuen weitgehend unmöglich geworden, und Grundbewirtschaftung wird es – überall, wo Privatbesitz an Grund und Boden grassiert.

Fast schon komisch-satirisch ein anderer Text an gleicher Stelle Emily Chamlee-Wright, die, so ihre Autorinnennotiz “klassisch liberale Ideen fördern” will: Positiv bleiben – Technische Revolutionen haben stets Arbeitsplätze vernichtet – und zugleich Fortschritt bewirkt. Auch KI wird den Menschen nicht überflüssig machen.”

An einer Stelle heisst es bei ihr: “Unzählige Einzelpersonen und Unternehmen erproben, wie man Werkzeuge, Instrumente, Fertigkeiten und Ideen neu miteinander kombinieren kann. Diese neuen Kombinationen sind nicht vorhersehbar, denn ihre Entwicklung ist in erster Linie keine technische Frage, sondern eine des Entdeckens. Welche neuen Kombinationen erfolgreich sind, erweist sich erst im Marktprozess.” Ich musste sehr lachen. Den staatsmonpolistischen Kapitalismus kennt die Frau “Präsidentin” offenbar nicht, hat sie vielleicht noch nie gehört. Ich habe sogleich Beueler Garagen überprüft, ob dort “unzählige Einzelpersonen”, jugendliche Daniel Düsentriebs, es wild mit dem Erfinden treiben, um in Kürze so reich zu werden, wie die angeblichen Idole Elon Musk und Mark Zuckerberg. Autogaragen sind die Garagen schon lange nicht mehr, die Autos parken alle auf dem Gehweg und nehmen den Rollatoren den Platz weg. Aber in den Garagen ist heute alles ruhig.

Näher an der Wirklichkeit ist da “Der neue Davos Man” von Cord Jakobeit – “Nach der neoliberalen Globalisierung kommt die ‘Tech-Brobalisierung’. Auch hier offenbart sich Europas massive Abhängigkeit von den USA.” In seinem gezeichneten Bild wird die Abkapselung dieser “Bro’s” von der realen Welt da draussen spürbar.

Sind die Herrschenden nun “krank” oder “normal”?

Der Kampf um diese Definition bringt uns dem Kern der Sache schon näher. Krankheiten – fragen Sie nach bei Friedrich Merz und seinen “Wirtschaftsräten” und “Familienunternehmen” – angebliche und wirkliche, rücken ins Zentrum der gesellschaftspolitischen Machtkämpfe. Mann kann darüber zwar sachlich argumentieren – aber die Instrumentalisierungsoptionen liegen quasi alle vor der Haustür von Parteien, Medien und Lobbys.

Für die Analyse ist nicht ganz nebensächlich, ob zuerst die Henne oder das Ei da war. Mein Vorschlag: versuchen wirs mal mit der aussterbenden Dialektik.

Im Wissenschaftsteil der oft allzu doktrinären Jungen Welt fand ich diese Orchidee von Felix Bartels, die in einigen Tagen in einem “linksradikalen” Paywallarchiv beerdigt wird: Psychiatrie: Gib ihm das Tablet – Virtueller Autismus. Digitale Medien und ihre Wirkung auf die Kindesentwicklung”. Im Prinzip richtig beobachtet und nicht zu bestreiten. In Rechnung zu stellen ist, dass Körper und Gehirne von Kindern noch mitten in der Konstruktion und Verdrahtung, also im Guten wie im Schlechten beeinflussbarer sind, als bei uns erwachsenen Geriatrie-Patient*inn*en. Die Neuimplementierung von Informations- und Kommunikationstechniken gefährdet uns Erwachsene dennoch in gleicher Weise und ähnlichem Ausmass. Zeigen Sie mir den allseitig gebildeten Erwachsenen, dessen Medienkompetenz perfekt-medienkritisch und spielerisch-souverän mit den asozialen Netzwerken und den bestehenden KI/AI-Konsumangeboten umzugehen weiss. Ich kenne noch keinen.

So kommt es dann, wie es kommen muss. Wie erwähnt: das können Sie hier weiterlesen, vorwärts oder rückwärts, egal.

Noch Beiträge zur Versachlichung des Krankheitsdiskurses gefällig?

Zu den modischen Klassifizierungen von Krankheiten ist Stephan Schleim der Autor meiner Wahl. Z.B. seine Textreihe zu “ADHS” halte ich für uns Laien für aussergewöhnlich aufschlussreich:

ADHS-Diagnosen: Versechsfachung bei jungen Frauen, Verdreifachung bei den Männern – Seit der COVID-Pandemie explodieren die psychiatrischen Diagnosen förmlich”

Was bedeuten die stark ansteigenden Diagnosezahlen für ADHS? – Vor allem bei erwachsenen Frauen stieg die Häufigkeit in den letzten Jahren auf bis das Sechsfache”

ADHS in den Medien: Was läuft schief? Beispiel Quarks – Die gesellschaftlichen Folgen von zu viel Aufmerksamkeit für die Aufmerksamkeitsstörung.”

An Schleims Argumentationsführung gefällt mir, dass er individuelle Schicksale nicht verniedlicht, aber immer den Weg zur gesellschaftlichen/sozialen Bedingtheit sucht. Das steht im einzelnen dann jedem sachlich-fachlichen Streit offen. Und unterscheidet sich damit wohltuend von PR-Moden und ideologischen Propagandafeldzügen der Herrschenden.

Mein Tipp: ziehen Sie Ihre Schlüsse selbst.

Die “Autismus”-Pandemie – Beueler-Extradienst

Abstiegskampf

Wer wie ich Borussia-Mönchengladbach-Fan ist, muss sich darin auskennen. Was braucht mann dafür? Im optimalen Fall wird mann aus dem thüringischen Osten mit einem allseitig gebildeten Kerl wie Hans Meyer beschenkt. Sein Geburtsort im heutigen Tschechien wurde abgebaggert. Seine allseitige Bildung ermöglichte ihm, das System, in dem er sich nach 1990 als Fussballlehrer durchbeissen musste, besser verstand, als die meisten, die in ihm aufgewachsen waren. Insbesondere durchschaute er das profitorientierte und an billigen Formeln mehr als an Fachwissen orientierte Mediensystem. Und spielte fortan intelligenter auf diesem Klavier, als die meisten seines Berufsstandes. Später wurde er in dieser Disziplin nur von Jürgen Klopp übertroffen, der sich aber seitdem für weit billigere Werbung hergibt als der kluge Hans.

Meyer hatte erkannt, dass die Skills, die er sich in der DDR aneignen musste, um gut arbeiten zu können, im real existierenden Kapitalismus etliche Vorteile hatten. Ich habe in meinem Freundinnenkreis eine selbstständige Unternehmerin in Köln, der das im was-mit-Medien-Betrieb ähnlich gut gelang; sie besitzt ein schickes Haus in Zollstock, und ihre Steuerberaterin sucht beständig für sie nach Gelegenheiten der steuermindernden Kapitalanlage … Gelernt hatte sie beim damaligen Zentralorgan der FDJ, der “Jungen Welt”. Es war ganz offenbar nicht vergeblich.

In wenigen Tagen erscheint beim MDR eine neue Dokumentation über den weisen Mann Hans Meyer, der ich mit Spannung entgegensehe. Er wusste mit Richtlinienkompetenz umzugehen, ein strategisch kluger Kopf.

Und nun sehen Sie nur, wen die hiesige bürgerliche Demokratie mit Richtlinienkompetenz ausgestattet hat. Das ist kein Scherz, sondern ein Drama. Der Kollege Fabian Scheidler ist ein weit jüngerer kluger Kopf, der schreibt darüber so:

Deutschland auf dem Weg in den Kriegsstaat – Wie die entfesselte Militarisierung zum Schlüsselprojekt Deutschlands und der Europäischen Union in der Polykrise wurde”.

Es geht auch gemässigter im Ton, bei Klaus Lang/bruchstuecke, IG-Metaller im Ruhestand, und berufsbedingt pragmatisch geschult:

“Schreiben gegen den Wind, auch wenn er nicht lesen kann”.

Und in einem sozialdemokratischen Medium

Marcus Schneider/IPG-Journal: Mehr als ein bisschen Schnee – Trumps Griff nach Grönland sprengt den Nachkriegskonsens. Will Europa dem US-Präsidenten Paroli bieten, muss es endlich die Sprache der Macht lernen.”

Was tun?

Der weise Hans Meyer wusste besser als die vielen Medienfuzzys, mit denen er sich berufsbedingt beschäftigen musste, dass Fussball ein Teamsport ist. Millionen TV-Glotzer*innen haben längst mitbekommen, dass die Frauen das besser begriffen haben als die dummen Jungs. Aus eigener Berufserfahrung kann ich Ihnen versichern: in demokratischer Politik und ihren Medien funktioniert das genauso.

Den Schwierigkeitsgrad des deutschen Abstiegskampfes beschreibt der Kollege Scheidler – in meinen Augen zutreffend – so:

“All dies trägt zur Frustration eines großen Teils der Bevölkerung bei, der nicht nur das Vertrauen in diese oder jene bestimmte Regierung verliert, sondern in das politische System insgesamt. Umfragen zeigen, dass nur noch 21% der Deutschen Vertrauen in die Regierung haben, während der Wert für politische Parteien bei nur 13% liegt. Darüber hinaus wird der soziale und wirtschaftliche Niedergang als Teil einer schier endlosen Kette von schlechten Nachrichten und Katastrophen wahrgenommen, auf die die Politik nicht nur keine Antworten hat, sondern die sie sogar noch verschlimmert.”

Parallel dazu der Abstiegskampf deutscher Medien:

Ralf Heimann/MDR-Altpapier: Abgedreht – In den USA schaltet sich die ausgetrocknete Rundfunkförderung selbst ab. Was bedeutet das? Und was heißt das für die deutsche Debatte?”

In Mönchengladbach haben wir gegen diese Krise Eugen Polanski. Er hat aus den gleichen schlechten Spielern – die besten sind sogar verletzt – ein besseres Team gemacht. Die Fans, die den Borussia-Park regelmässig vollmachen, stehen hinter ihm. Derzeit. Es ist also möglich. Aber nicht sicher.

Wer also macht nun den deutschen Wahlberechtigten ein seriöseres Angebot?

Ganz unten: Trumps Mordbrüder in Ecuador

Ganz unten ist, wenn die Katholische Kirche die letzte revolutionäre Organisation ist. Das war mein erster Gedanke beim Ansehen dieser Dokumentation. Mein zweiter: warum wurde nicht auf die furchtbare Musiksauce verzichtet? Ohne sie wäre diese Dokumentation der sachgerechte Hammer:

Marcel Mettelsiefen/Arte/ZDF: Drogenkrieg in Ecuador – Einst galt Ecuador als eines der friedlichsten Länder Lateinamerikas – heute zählt es zu den gewalttätigsten der Welt. Drogenkartelle beherrschen ganze Regionen, das Militär antwortet mit brutaler Härte. Im Mittelpunkt stehen drei Menschen, deren Schicksale sich kreuzen: ein Priester, ein Gouverneur und ein Vater, der für die Wahrheit über den Tod seines Sohnes kämpft.” Video 53 min. Verfügbar bis 5.4.

Eine Analyse, wie es politisch in Ecuador so weit kommen konnte, finden Sie hier.

Abstiegskampf – Beueler-Extradienst

Nüchtern

Es geht auch vernünftig. Aber versuchen Sie das mal in paranoiden Gesellschaftssystemen durchzusetzen.

Daniel Angus/IPG-Journal: Keine Panik – Australiens Social-Media-Verbot beruhigt besorgte Eltern. Europa sollte statt Symbolpolitik echte Lösungen suchen.” Hat der Professor für digitale Kommunikation an der Fakultät für Kommunikationswissenschaften der Queensland University of Technology und Direktor des Forschungszentrums für digitale Medien der QUT keine Kinder? Wie kommt er sonst auf die Idee, Vertrauen in Kinder und Jugendliche zu setzen? Die haben doch nur noch das Eine im Kopf …

In Australien ist der Gute wohl nicht ganz auf Ballhöhe. Er schreibt “Europa steht an einem Scheideweg. Es kann eine Führungsrolle im Bereich der digitalen Rechte übernehmen.” Haha, davon haben hier viele geträumt. Vor längerer Zeit. Die EU-Führung ist jederzeit bereit, sich vor dem Trump-Regime auf den Rücken zu legen und in den Hals beissen zu lassen. Ganz wie er. In Australien haben sie das übersehen. Die rechten Oligarchen machen sich die Fakten, wie sie sie haben wollen. Davon lassen Sie sich durch EU-Gesetze nicht abbringen, und durch US-Bundesstaaten schon gar nicht.

Werden die Fakten diesen halsstarrigen Mächtigen folgen? Möglich ist das. Aber beeinflussbar. Und keineswegs sicher. Geschichtliche Fakten und gesellschaftliche Zustände fliessen und mäandern. Oder, mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und Worten:

Imke Stock (Interview)/heise: Technikfolgenabschätzung trifft KI-Romantik – KI zwischen Illusion und Erkenntnis: Ein Gespräch über Bewusstsein, Emotion und das neue Verhältnis von Mensch und Maschine. Generative KI-Sprachmodelle verändern unsere Welt in rasantem Tempo – und mit ihr unseren Blick auf Bewusstsein, Emotion und Beziehung. Doch wo verläuft die Grenze zwischen echter Empfindung und perfekter Simulation?”

Und nun spekulieren wir mal, was das für und in unserem Zwergstaat bedeutet. Lesen Sie dazu, was der in der Regel faktenkundige Kollege Falk Steiner/heise herausgefunden hat, und fantasieren Sie sich dazu in Ihrem Kopf die passenden Filmbilder (bei mir sind es ungefähr diese):

Problembär-Dressur: ‘Der Russe war es’ reicht nicht – Die Bundesregierung macht Russland für Fälle von Desinformation und Cyberangriffen verantwortlich. Die Zuordnung dauerte teils sehr lange.”

Sie können es in ihrer Fantasie auch mal mit der britischen Sicherheitsfilosofie versuchen. Die habe ich mir immer bedeutend professioneller vorgestellt. Sicher auch ein Vorurteil.

Meine steile These

Was bei Steiners Text vor meinen Augen abläuft, das würden die Kolleg*inn*en von netzpolitik sicher fachkundiger, schneller und schätzungsweise für höchstens ein Zehntel des Aufwandes erledigen können. Oder auch die Kinder und Enkel*innen der zahlreichen beteiligten Beamt*inn*en und Agent*inn*en. Zweifellos würden die eine Taschengeldaufbesserung verlangen. Legitim und billig.

Nüchtern – Beueler-Extradienst

Trump-Astrologie oder Analyse?

Entscheiden Sie selbst – Lesenswertes von den Sozis, und über sie

Leuten wie mir ist die Irrläuferei der SPD eine olle Kamelle. Der SPD im Ruhrgebiet sowieso. So viel Lernresistenz haben ich noch von keinem anderen menschlichen Organismus erlebt. Insofern reissen mich die Erkenntnisse von Antonia Groß/MDR-Altpapier von keinem Hocker mehr, entlocken mir allenfalls ein “Siehste!”. Aber Recht hat sie.

Vom Verweigerer zum Straftäter? – Die Stigmatisierung von Sozialgeldbeziehern hat viele Facetten. Wurden sie kürzlich noch als sogenannte Totalverweigerer inszeniert, wird eine ganze Gruppe jetzt mit Betrug assoziiert. Im Kontext der “Stadtbild”-Debatte ist das fatal.”

Ebenso Recht hat ein bis vor kurzem noch führender Sozi, der das gegenwärtige kleine Einmaleins der Atomkriegsgefahren präsentiert, die nach meinem Gefühl den meisten Jüngeren in den demokratischen Parteien gedanklich nicht mehr wirklich präsent sind: Rolf Mützenich/IPG-Journal: Das neue nukleare Zeitalter – Atomwaffen erleben ein gefährliches Comeback. Ohne neue Rüstungskontrolle droht der Welt ein atomares Armageddon.”

Zur Überschrift veranlasst haben mich die folgenden beiden Texte.

Christos Katsioulis/IPG-Journal: Zweite Geige, eigener Einsatz – Europa muss für einen Ukraine-Friedensdeal eine aktivere Rolle finden – und Trump am Ende doch die Bühne überlassen.”

Marco Bitschnau/IPG-Journal: Heute hü, morgen hott – Trumps Außenpolitik wirkt erratisch, folgt aber klaren Interessen. Sein Verhandlungsansatz öffnet Türen, an denen klassische Diplomatie oft scheitert.”

Beiden muss mann nicht zustimmen. Tatsache ist aber, dass sie auch nur das kleine Einmaleins des (aussen-)politischen Handwerks behandeln, das hierzulande vom Aussterben bedroht ist. Daran ist die SPD so wenig unschuldig, wie meine eigene Partei. Und mein Wohlbefinden attackiert das weit mehr, als das bösartige Agieren der politischen Gegner*innen, denen so freie Bahnen gewährt werden.

Trump-Astrologie oder Analyse? – Beueler-Extradienst

Ein Inder gibt Nachhilfe

Der deutsche Adel und das “Wir” – er versteht weder das, noch “die Welt”

mit Update 3.10.

Ist Albrecht von Lucke/Blätter nun endlich “oben” angekommen? “35 Jahre Einheit oder: Die Rückkehr der Machtpolitik”. Rückkehr? Wo ist er denn all die Jahrzehnte gewesen? Und hat seine eigene Zeitschrift nicht gelesen? Ich will nicht ungerecht lästern. Ich lese immer, was er schreibt, weil Vieles richtig beobachtet ist. Seine wachsende Ratlosigkeit wird jedoch mitleidserregend, weil sie die Hauptstadtblasen-Diskurse, in denen er sich selbst bewegt, detailgetreu widerspiegelt. Und hier wird Ihnen geholfen (garnicht weit weg):

Ist Chilamkuri Raja Mohan “der Albrecht von Lucke von Indien”? Wahrscheinlich eher nicht, weil es sich im Vergleich zu uns mitteleuropäischem Zwergstaat um ein grosses Land handelt. Auch wird in dem hier hinzuweisenden Text die indische Innenpolitik wohlweislich ausgelassen, was auch manche Erkenntnis auslässt. Tatsache ist, dass der indische Staatschef Narendra Modi zwar weniger dumm als die deutsche Bundesregierung ist, jedoch auch weit weniger demokratisch gesinnt. Eine hohe dreistellige Millionenzahl seiner Landsleute sind für ihn und seine hindufaschistischen Bewegungen (inkl. Regierungspartei) Andere, also solche, die nicht dazugehören und rechtlos werden/bleiben (sollen). Das ist mehr als nur bedauerlich, das ist bekämpfenswert.

Ebenso gehöre ich aber zu denen, die in der Politik für schrittweisen Fortschritt sind, und nicht alles auf einmal erwarten dürfen. Dazu gehört, dass in der Aussenpolitik auch mit Despot*inn*en gesprochen werden muss, gerade um ihre potenziellen Opfer zu schützen. Mann nennt es Diplomatie. Und von der versteht die indische Regierung leider weit mehr als die deutsche.

IPG-Journal: ‘Heuchelei war schon immer Teil der internationalen Politik’ – Sicherheitsexperte Raja Mohan über Trumps Attacken auf die internationale Ordnung, die Krise Europas und Indiens Verhältnis zu Russland.”

Dä.

Deutschland gibt es als Staat erst seit 1871. Dass der deutsche Adel sich als legitimierter Führer aller von den “Germanen” abstammenden europäischen Völker verstand, hat sich seitdem als zerstörerischer roter Faden durch die ganze deutsche Geschichte gezogen. Damit aufzuhören – und zwar kollektiv, mann nennt es, glaube ich, neuerdings “Staatsräson” – wäre ein erster guter Schritt zur Besserung.

Update 3.10.

Das IPG-Journal legte nach mit einem Interview mit einem ehemaligen pakistanischen Sicherheitsberater, der das Abkommen mit dem Saud-Clan betont niedrig zu hängen versucht, gleichzeitig aber eine insgesamt in der deutschen Mediendebatte weitgehend unbekannte Tonlage pflegt:

‘Der größte Teil der Welt denkt nicht in solchen Kategorien’ – Sicherheitsexperte Moeed Yusuf über Pakistans Verteidigungsabkommen mit Saudi-Arabien, die Instabilität im Nahen Osten und eine ‘muslimische NATO’.”

Ein Inder gibt Nachhilfe – Beueler-Extradienst

Mauereinsturz

War das witzig gemeint? Das Geschwätz des damaligen noch-nicht-Bundeskanzlers von der “Brandmauer”. Bei diesen Westfalen kann mann nie wissen … Oder was meinte er wohl mit der “Halbierung der AfD”? Zu dieser Frage würde ich zu gerne mit Frau Merkel zusammen ein Piccolöchen zischen. Für uns Bürger*innen gilt derweil: Politikergeschwätz. Die Taten entscheiden. Und die sehen so aus:

Tobias Mörschel/IPG-Journal: Europas schleichender Rechtsruck – In Brüssel kippt das Machtgefüge: Die Europäische Volkspartei öffnet sich nach rechts und verändert damit die politische Agenda der EU nachhaltig.”

Das ist nicht nur eine Kritik an den Rechten, sondern zuvörderst und nicht wirklich verklausuliert im vorletzten Absatz an den eigenen Genoss*inn*en: “Es gilt nun, die kleiner gewordenen Handlungsräume strategisch besser zu nutzen. In mehreren europäischen Ländern sind progressive Parteien als Juniorpartner an der Regierung beteiligt. So stellt sich für Deutschland beispielsweise die Frage, wie die SPD ihre Rolle als Koalitionspartner in der Bundesregierung und zugleich als Teil der S&D nutzt. Eine engere Verzahnung zwischen Berlin und Brüssel würde dazu beitragen, progressive Prioritäten beidseitig kohärenter zu vertreten und Mehrheiten in strittigen Dossiers zu organisieren. Hier müsste auch eine europaweite Koordinierung stattfinden.” Offenbar fühlen sich die Genoss*inn*en in Brüssel von denen in Berlin verraten, verkauft, vergessen.

Dä.

Und hier schon mal ein Vorgeschmack, was die Rechten mit unseren Daten machen:

Martin Holland/heise: Whistleblower: DOGE hat Daten zu allen Menschen in den USA in die Cloud kopiert – In der US-Sozialkasse haben Angestellte von DOGE laut einer Whistleblower-Beschwerde eine hochsensible Datenbank in die Cloud kopiert. Das Risiko sei enorm.”

Wenn Ihnen nach dem Lesen schlecht wird, sind Sie noch nicht abgebrüht. Gut so.

Mauereinsturz – Beueler-Extradienst

Was machen wir nur mit ihnen …?

Es gibt unzählige Gründe für Mediendiät – hier nur wenige aktuelle Beispiele

Immerhin sei vorbemerkt, dass die Beispiele dafür stehen, dass es (noch) medienkritischen Journalismus gibt. Den Kollegen Suchsland z.B., im Hauptberuf Filmkritiker, fasse ich gedanklich nur mit spitzen Fingern an, wenn er sein Fachgebiet verlässt, und politische Strategien zu verstehen versucht. Und in der Regel immer missversteht. Aber als Filmkritiker ist er Experte für die Herstellung von Bildern. Und das ist mittlerweile die Hauptbeschäftigung der meisten Profipolitiker*innen. Da gerät oft vieles durcheinander. Aber hier ist Suchsland auf der richtigen Spur:

Ukraine-Krieg: Der begrenzte Blick der deutschen Medien und Trumps Erfolg – Baerbockmentalität statt Grautöne: Das Treffen von Alaska – Warum die Medien Diplomatie nicht mehr sehen.”

Roland Czada/overton war mir bisher nicht bekannt. Trump, Putin und die Geopolitik – Europas Marginalisierung resultiert nicht aus Uneinigkeit, wie viele annehmen. Der Kontinent steht abseits, weil europäische Staaten immer noch geschlossen an ihrer von Doppelmoral triefenden Mission als Vorkämpfer einer liberalen Welteinheit und Bollwerk gegen das autoritäre Russland festhalten.” Sein Befund ähnelt dem von Dani Rodrik/IPG-Journal: Wo bleibt der Widerstand? – Trumps Handelskrieg entlarvt nicht nur den US-Imperialismus, sondern auch die eklatante Führungsschwäche anderer Mächte.

Über Widerstand in den USA sandte mir Nora Guthrie gestern eine lesenswerte E-Mail, die ich Ihnen auf Anfrage gerne weiterleite. Was in der hiesigen Öffentlichkeit, und auch bei Nora jedoch wenig bekannt ist, dass der Fortschritt in Spanien den in Deutschland mittlerweile überholt hat, und das nicht nur im Fussball: Omar G. Encarnación/IPG-Journal: Pragmatismus statt Parolen – Spaniens Migrationspolitik stellt sich gegen den europäischen Trend – und widerlegt rechte Untergangserzählungen.” Dä. Wussten Sie das? Haben Sie sich in Ihrem letzten Spanienurlaub dafür interessiert?

Uebermedien hat zwei medienkritische Texte aus seiner Paywall entlassen. Ich warne Sie. Sie sind geeignet, Ihr Medienvertrauen zu unterminieren.

Nils Altland/uebermedien: ‘Grüner Ikarus’: Gerüchte oder Tatsachen? Warum eine MeToo-Recherche des ‘Stern’ Fragen aufwirft – Ein Bericht des ‘Stern’ führt zum Rücktritt des grünen EU-Abgeordneten Malte Gallée. Doch die Recherche wirft die Frage auf: Wie transparent muss MeToo-Berichterstattung trotz des nötigen Quellenschutzes sein?”

Boris Rosenkranz/uebermedien: Niederlagen vor Gericht: Was bleibt vom Verdacht? Wie der ‘Tagesspiegel’ seinen Artikel zum Fall Judy S. leise umbaute – Im Frühjahr ging die Zeitung der brisanten Frage nach, wie die Unwahrheiten über eine Berliner Polizistin in ‘Bild’ und ‘B.Z.’ gekommen sein könnten. Mehrere Personen gingen juristisch gegen den Text vor. Auch die ‘Bild’-Autorin klagte – mit Erfolg. Aber der Rechtsstreit ist noch nicht vorbei.”

Beide Kritiken werfen die Frage auf:

Was lernen Journalist*inn*en eigentlich in ihrer Ausbildung?

Bleibt zum Abschluss noch die bewährte MDR-Altpapier-Kolumne, gestern von Antonia Groß: Klöckners Beziehung(en) zu Medienmännern – Bundestagspräsidentin Julia Klöckner schadet ihrem Amt und der Demokratie, finden manche aus der Medienwelt. Und das liegt nicht einmal an ihrer öffentlich gewordenen Hetero-Beziehung.” Sehr gut enthüllt Frau Groß, wie aus belanglosem Tratsch gehaltvolle Politik wird, und welch eine Künstlerin in dieser Disziplin die zweite Frau im Staate ist.

Was macht eigentlich Claudia Roth?

Was machen wir nur mit ihnen …? – Beueler-Extradienst