Abstiegskampf

Wer wie ich Borussia-Mönchengladbach-Fan ist, muss sich darin auskennen. Was braucht mann dafür? Im optimalen Fall wird mann aus dem thüringischen Osten mit einem allseitig gebildeten Kerl wie Hans Meyer beschenkt. Sein Geburtsort im heutigen Tschechien wurde abgebaggert. Seine allseitige Bildung ermöglichte ihm, das System, in dem er sich nach 1990 als Fussballlehrer durchbeissen musste, besser verstand, als die meisten, die in ihm aufgewachsen waren. Insbesondere durchschaute er das profitorientierte und an billigen Formeln mehr als an Fachwissen orientierte Mediensystem. Und spielte fortan intelligenter auf diesem Klavier, als die meisten seines Berufsstandes. Später wurde er in dieser Disziplin nur von Jürgen Klopp übertroffen, der sich aber seitdem für weit billigere Werbung hergibt als der kluge Hans.

Meyer hatte erkannt, dass die Skills, die er sich in der DDR aneignen musste, um gut arbeiten zu können, im real existierenden Kapitalismus etliche Vorteile hatten. Ich habe in meinem Freundinnenkreis eine selbstständige Unternehmerin in Köln, der das im was-mit-Medien-Betrieb ähnlich gut gelang; sie besitzt ein schickes Haus in Zollstock, und ihre Steuerberaterin sucht beständig für sie nach Gelegenheiten der steuermindernden Kapitalanlage … Gelernt hatte sie beim damaligen Zentralorgan der FDJ, der “Jungen Welt”. Es war ganz offenbar nicht vergeblich.

In wenigen Tagen erscheint beim MDR eine neue Dokumentation über den weisen Mann Hans Meyer, der ich mit Spannung entgegensehe. Er wusste mit Richtlinienkompetenz umzugehen, ein strategisch kluger Kopf.

Und nun sehen Sie nur, wen die hiesige bürgerliche Demokratie mit Richtlinienkompetenz ausgestattet hat. Das ist kein Scherz, sondern ein Drama. Der Kollege Fabian Scheidler ist ein weit jüngerer kluger Kopf, der schreibt darüber so:

Deutschland auf dem Weg in den Kriegsstaat – Wie die entfesselte Militarisierung zum Schlüsselprojekt Deutschlands und der Europäischen Union in der Polykrise wurde”.

Es geht auch gemässigter im Ton, bei Klaus Lang/bruchstuecke, IG-Metaller im Ruhestand, und berufsbedingt pragmatisch geschult:

“Schreiben gegen den Wind, auch wenn er nicht lesen kann”.

Und in einem sozialdemokratischen Medium

Marcus Schneider/IPG-Journal: Mehr als ein bisschen Schnee – Trumps Griff nach Grönland sprengt den Nachkriegskonsens. Will Europa dem US-Präsidenten Paroli bieten, muss es endlich die Sprache der Macht lernen.”

Was tun?

Der weise Hans Meyer wusste besser als die vielen Medienfuzzys, mit denen er sich berufsbedingt beschäftigen musste, dass Fussball ein Teamsport ist. Millionen TV-Glotzer*innen haben längst mitbekommen, dass die Frauen das besser begriffen haben als die dummen Jungs. Aus eigener Berufserfahrung kann ich Ihnen versichern: in demokratischer Politik und ihren Medien funktioniert das genauso.

Den Schwierigkeitsgrad des deutschen Abstiegskampfes beschreibt der Kollege Scheidler – in meinen Augen zutreffend – so:

“All dies trägt zur Frustration eines großen Teils der Bevölkerung bei, der nicht nur das Vertrauen in diese oder jene bestimmte Regierung verliert, sondern in das politische System insgesamt. Umfragen zeigen, dass nur noch 21% der Deutschen Vertrauen in die Regierung haben, während der Wert für politische Parteien bei nur 13% liegt. Darüber hinaus wird der soziale und wirtschaftliche Niedergang als Teil einer schier endlosen Kette von schlechten Nachrichten und Katastrophen wahrgenommen, auf die die Politik nicht nur keine Antworten hat, sondern die sie sogar noch verschlimmert.”

Parallel dazu der Abstiegskampf deutscher Medien:

Ralf Heimann/MDR-Altpapier: Abgedreht – In den USA schaltet sich die ausgetrocknete Rundfunkförderung selbst ab. Was bedeutet das? Und was heißt das für die deutsche Debatte?”

In Mönchengladbach haben wir gegen diese Krise Eugen Polanski. Er hat aus den gleichen schlechten Spielern – die besten sind sogar verletzt – ein besseres Team gemacht. Die Fans, die den Borussia-Park regelmässig vollmachen, stehen hinter ihm. Derzeit. Es ist also möglich. Aber nicht sicher.

Wer also macht nun den deutschen Wahlberechtigten ein seriöseres Angebot?

Ganz unten: Trumps Mordbrüder in Ecuador

Ganz unten ist, wenn die Katholische Kirche die letzte revolutionäre Organisation ist. Das war mein erster Gedanke beim Ansehen dieser Dokumentation. Mein zweiter: warum wurde nicht auf die furchtbare Musiksauce verzichtet? Ohne sie wäre diese Dokumentation der sachgerechte Hammer:

Marcel Mettelsiefen/Arte/ZDF: Drogenkrieg in Ecuador – Einst galt Ecuador als eines der friedlichsten Länder Lateinamerikas – heute zählt es zu den gewalttätigsten der Welt. Drogenkartelle beherrschen ganze Regionen, das Militär antwortet mit brutaler Härte. Im Mittelpunkt stehen drei Menschen, deren Schicksale sich kreuzen: ein Priester, ein Gouverneur und ein Vater, der für die Wahrheit über den Tod seines Sohnes kämpft.” Video 53 min. Verfügbar bis 5.4.

Eine Analyse, wie es politisch in Ecuador so weit kommen konnte, finden Sie hier.

Abstiegskampf – Beueler-Extradienst

Nüchtern

Es geht auch vernünftig. Aber versuchen Sie das mal in paranoiden Gesellschaftssystemen durchzusetzen.

Daniel Angus/IPG-Journal: Keine Panik – Australiens Social-Media-Verbot beruhigt besorgte Eltern. Europa sollte statt Symbolpolitik echte Lösungen suchen.” Hat der Professor für digitale Kommunikation an der Fakultät für Kommunikationswissenschaften der Queensland University of Technology und Direktor des Forschungszentrums für digitale Medien der QUT keine Kinder? Wie kommt er sonst auf die Idee, Vertrauen in Kinder und Jugendliche zu setzen? Die haben doch nur noch das Eine im Kopf …

In Australien ist der Gute wohl nicht ganz auf Ballhöhe. Er schreibt “Europa steht an einem Scheideweg. Es kann eine Führungsrolle im Bereich der digitalen Rechte übernehmen.” Haha, davon haben hier viele geträumt. Vor längerer Zeit. Die EU-Führung ist jederzeit bereit, sich vor dem Trump-Regime auf den Rücken zu legen und in den Hals beissen zu lassen. Ganz wie er. In Australien haben sie das übersehen. Die rechten Oligarchen machen sich die Fakten, wie sie sie haben wollen. Davon lassen Sie sich durch EU-Gesetze nicht abbringen, und durch US-Bundesstaaten schon gar nicht.

Werden die Fakten diesen halsstarrigen Mächtigen folgen? Möglich ist das. Aber beeinflussbar. Und keineswegs sicher. Geschichtliche Fakten und gesellschaftliche Zustände fliessen und mäandern. Oder, mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und Worten:

Imke Stock (Interview)/heise: Technikfolgenabschätzung trifft KI-Romantik – KI zwischen Illusion und Erkenntnis: Ein Gespräch über Bewusstsein, Emotion und das neue Verhältnis von Mensch und Maschine. Generative KI-Sprachmodelle verändern unsere Welt in rasantem Tempo – und mit ihr unseren Blick auf Bewusstsein, Emotion und Beziehung. Doch wo verläuft die Grenze zwischen echter Empfindung und perfekter Simulation?”

Und nun spekulieren wir mal, was das für und in unserem Zwergstaat bedeutet. Lesen Sie dazu, was der in der Regel faktenkundige Kollege Falk Steiner/heise herausgefunden hat, und fantasieren Sie sich dazu in Ihrem Kopf die passenden Filmbilder (bei mir sind es ungefähr diese):

Problembär-Dressur: ‘Der Russe war es’ reicht nicht – Die Bundesregierung macht Russland für Fälle von Desinformation und Cyberangriffen verantwortlich. Die Zuordnung dauerte teils sehr lange.”

Sie können es in ihrer Fantasie auch mal mit der britischen Sicherheitsfilosofie versuchen. Die habe ich mir immer bedeutend professioneller vorgestellt. Sicher auch ein Vorurteil.

Meine steile These

Was bei Steiners Text vor meinen Augen abläuft, das würden die Kolleg*inn*en von netzpolitik sicher fachkundiger, schneller und schätzungsweise für höchstens ein Zehntel des Aufwandes erledigen können. Oder auch die Kinder und Enkel*innen der zahlreichen beteiligten Beamt*inn*en und Agent*inn*en. Zweifellos würden die eine Taschengeldaufbesserung verlangen. Legitim und billig.

Nüchtern – Beueler-Extradienst

Trump-Astrologie oder Analyse?

Entscheiden Sie selbst – Lesenswertes von den Sozis, und über sie

Leuten wie mir ist die Irrläuferei der SPD eine olle Kamelle. Der SPD im Ruhrgebiet sowieso. So viel Lernresistenz haben ich noch von keinem anderen menschlichen Organismus erlebt. Insofern reissen mich die Erkenntnisse von Antonia Groß/MDR-Altpapier von keinem Hocker mehr, entlocken mir allenfalls ein “Siehste!”. Aber Recht hat sie.

Vom Verweigerer zum Straftäter? – Die Stigmatisierung von Sozialgeldbeziehern hat viele Facetten. Wurden sie kürzlich noch als sogenannte Totalverweigerer inszeniert, wird eine ganze Gruppe jetzt mit Betrug assoziiert. Im Kontext der “Stadtbild”-Debatte ist das fatal.”

Ebenso Recht hat ein bis vor kurzem noch führender Sozi, der das gegenwärtige kleine Einmaleins der Atomkriegsgefahren präsentiert, die nach meinem Gefühl den meisten Jüngeren in den demokratischen Parteien gedanklich nicht mehr wirklich präsent sind: Rolf Mützenich/IPG-Journal: Das neue nukleare Zeitalter – Atomwaffen erleben ein gefährliches Comeback. Ohne neue Rüstungskontrolle droht der Welt ein atomares Armageddon.”

Zur Überschrift veranlasst haben mich die folgenden beiden Texte.

Christos Katsioulis/IPG-Journal: Zweite Geige, eigener Einsatz – Europa muss für einen Ukraine-Friedensdeal eine aktivere Rolle finden – und Trump am Ende doch die Bühne überlassen.”

Marco Bitschnau/IPG-Journal: Heute hü, morgen hott – Trumps Außenpolitik wirkt erratisch, folgt aber klaren Interessen. Sein Verhandlungsansatz öffnet Türen, an denen klassische Diplomatie oft scheitert.”

Beiden muss mann nicht zustimmen. Tatsache ist aber, dass sie auch nur das kleine Einmaleins des (aussen-)politischen Handwerks behandeln, das hierzulande vom Aussterben bedroht ist. Daran ist die SPD so wenig unschuldig, wie meine eigene Partei. Und mein Wohlbefinden attackiert das weit mehr, als das bösartige Agieren der politischen Gegner*innen, denen so freie Bahnen gewährt werden.

Trump-Astrologie oder Analyse? – Beueler-Extradienst

Ein Inder gibt Nachhilfe

Der deutsche Adel und das “Wir” – er versteht weder das, noch “die Welt”

mit Update 3.10.

Ist Albrecht von Lucke/Blätter nun endlich “oben” angekommen? “35 Jahre Einheit oder: Die Rückkehr der Machtpolitik”. Rückkehr? Wo ist er denn all die Jahrzehnte gewesen? Und hat seine eigene Zeitschrift nicht gelesen? Ich will nicht ungerecht lästern. Ich lese immer, was er schreibt, weil Vieles richtig beobachtet ist. Seine wachsende Ratlosigkeit wird jedoch mitleidserregend, weil sie die Hauptstadtblasen-Diskurse, in denen er sich selbst bewegt, detailgetreu widerspiegelt. Und hier wird Ihnen geholfen (garnicht weit weg):

Ist Chilamkuri Raja Mohan “der Albrecht von Lucke von Indien”? Wahrscheinlich eher nicht, weil es sich im Vergleich zu uns mitteleuropäischem Zwergstaat um ein grosses Land handelt. Auch wird in dem hier hinzuweisenden Text die indische Innenpolitik wohlweislich ausgelassen, was auch manche Erkenntnis auslässt. Tatsache ist, dass der indische Staatschef Narendra Modi zwar weniger dumm als die deutsche Bundesregierung ist, jedoch auch weit weniger demokratisch gesinnt. Eine hohe dreistellige Millionenzahl seiner Landsleute sind für ihn und seine hindufaschistischen Bewegungen (inkl. Regierungspartei) Andere, also solche, die nicht dazugehören und rechtlos werden/bleiben (sollen). Das ist mehr als nur bedauerlich, das ist bekämpfenswert.

Ebenso gehöre ich aber zu denen, die in der Politik für schrittweisen Fortschritt sind, und nicht alles auf einmal erwarten dürfen. Dazu gehört, dass in der Aussenpolitik auch mit Despot*inn*en gesprochen werden muss, gerade um ihre potenziellen Opfer zu schützen. Mann nennt es Diplomatie. Und von der versteht die indische Regierung leider weit mehr als die deutsche.

IPG-Journal: ‘Heuchelei war schon immer Teil der internationalen Politik’ – Sicherheitsexperte Raja Mohan über Trumps Attacken auf die internationale Ordnung, die Krise Europas und Indiens Verhältnis zu Russland.”

Dä.

Deutschland gibt es als Staat erst seit 1871. Dass der deutsche Adel sich als legitimierter Führer aller von den “Germanen” abstammenden europäischen Völker verstand, hat sich seitdem als zerstörerischer roter Faden durch die ganze deutsche Geschichte gezogen. Damit aufzuhören – und zwar kollektiv, mann nennt es, glaube ich, neuerdings “Staatsräson” – wäre ein erster guter Schritt zur Besserung.

Update 3.10.

Das IPG-Journal legte nach mit einem Interview mit einem ehemaligen pakistanischen Sicherheitsberater, der das Abkommen mit dem Saud-Clan betont niedrig zu hängen versucht, gleichzeitig aber eine insgesamt in der deutschen Mediendebatte weitgehend unbekannte Tonlage pflegt:

‘Der größte Teil der Welt denkt nicht in solchen Kategorien’ – Sicherheitsexperte Moeed Yusuf über Pakistans Verteidigungsabkommen mit Saudi-Arabien, die Instabilität im Nahen Osten und eine ‘muslimische NATO’.”

Ein Inder gibt Nachhilfe – Beueler-Extradienst

Mauereinsturz

War das witzig gemeint? Das Geschwätz des damaligen noch-nicht-Bundeskanzlers von der “Brandmauer”. Bei diesen Westfalen kann mann nie wissen … Oder was meinte er wohl mit der “Halbierung der AfD”? Zu dieser Frage würde ich zu gerne mit Frau Merkel zusammen ein Piccolöchen zischen. Für uns Bürger*innen gilt derweil: Politikergeschwätz. Die Taten entscheiden. Und die sehen so aus:

Tobias Mörschel/IPG-Journal: Europas schleichender Rechtsruck – In Brüssel kippt das Machtgefüge: Die Europäische Volkspartei öffnet sich nach rechts und verändert damit die politische Agenda der EU nachhaltig.”

Das ist nicht nur eine Kritik an den Rechten, sondern zuvörderst und nicht wirklich verklausuliert im vorletzten Absatz an den eigenen Genoss*inn*en: “Es gilt nun, die kleiner gewordenen Handlungsräume strategisch besser zu nutzen. In mehreren europäischen Ländern sind progressive Parteien als Juniorpartner an der Regierung beteiligt. So stellt sich für Deutschland beispielsweise die Frage, wie die SPD ihre Rolle als Koalitionspartner in der Bundesregierung und zugleich als Teil der S&D nutzt. Eine engere Verzahnung zwischen Berlin und Brüssel würde dazu beitragen, progressive Prioritäten beidseitig kohärenter zu vertreten und Mehrheiten in strittigen Dossiers zu organisieren. Hier müsste auch eine europaweite Koordinierung stattfinden.” Offenbar fühlen sich die Genoss*inn*en in Brüssel von denen in Berlin verraten, verkauft, vergessen.

Dä.

Und hier schon mal ein Vorgeschmack, was die Rechten mit unseren Daten machen:

Martin Holland/heise: Whistleblower: DOGE hat Daten zu allen Menschen in den USA in die Cloud kopiert – In der US-Sozialkasse haben Angestellte von DOGE laut einer Whistleblower-Beschwerde eine hochsensible Datenbank in die Cloud kopiert. Das Risiko sei enorm.”

Wenn Ihnen nach dem Lesen schlecht wird, sind Sie noch nicht abgebrüht. Gut so.

Mauereinsturz – Beueler-Extradienst

Was machen wir nur mit ihnen …?

Es gibt unzählige Gründe für Mediendiät – hier nur wenige aktuelle Beispiele

Immerhin sei vorbemerkt, dass die Beispiele dafür stehen, dass es (noch) medienkritischen Journalismus gibt. Den Kollegen Suchsland z.B., im Hauptberuf Filmkritiker, fasse ich gedanklich nur mit spitzen Fingern an, wenn er sein Fachgebiet verlässt, und politische Strategien zu verstehen versucht. Und in der Regel immer missversteht. Aber als Filmkritiker ist er Experte für die Herstellung von Bildern. Und das ist mittlerweile die Hauptbeschäftigung der meisten Profipolitiker*innen. Da gerät oft vieles durcheinander. Aber hier ist Suchsland auf der richtigen Spur:

Ukraine-Krieg: Der begrenzte Blick der deutschen Medien und Trumps Erfolg – Baerbockmentalität statt Grautöne: Das Treffen von Alaska – Warum die Medien Diplomatie nicht mehr sehen.”

Roland Czada/overton war mir bisher nicht bekannt. Trump, Putin und die Geopolitik – Europas Marginalisierung resultiert nicht aus Uneinigkeit, wie viele annehmen. Der Kontinent steht abseits, weil europäische Staaten immer noch geschlossen an ihrer von Doppelmoral triefenden Mission als Vorkämpfer einer liberalen Welteinheit und Bollwerk gegen das autoritäre Russland festhalten.” Sein Befund ähnelt dem von Dani Rodrik/IPG-Journal: Wo bleibt der Widerstand? – Trumps Handelskrieg entlarvt nicht nur den US-Imperialismus, sondern auch die eklatante Führungsschwäche anderer Mächte.

Über Widerstand in den USA sandte mir Nora Guthrie gestern eine lesenswerte E-Mail, die ich Ihnen auf Anfrage gerne weiterleite. Was in der hiesigen Öffentlichkeit, und auch bei Nora jedoch wenig bekannt ist, dass der Fortschritt in Spanien den in Deutschland mittlerweile überholt hat, und das nicht nur im Fussball: Omar G. Encarnación/IPG-Journal: Pragmatismus statt Parolen – Spaniens Migrationspolitik stellt sich gegen den europäischen Trend – und widerlegt rechte Untergangserzählungen.” Dä. Wussten Sie das? Haben Sie sich in Ihrem letzten Spanienurlaub dafür interessiert?

Uebermedien hat zwei medienkritische Texte aus seiner Paywall entlassen. Ich warne Sie. Sie sind geeignet, Ihr Medienvertrauen zu unterminieren.

Nils Altland/uebermedien: ‘Grüner Ikarus’: Gerüchte oder Tatsachen? Warum eine MeToo-Recherche des ‘Stern’ Fragen aufwirft – Ein Bericht des ‘Stern’ führt zum Rücktritt des grünen EU-Abgeordneten Malte Gallée. Doch die Recherche wirft die Frage auf: Wie transparent muss MeToo-Berichterstattung trotz des nötigen Quellenschutzes sein?”

Boris Rosenkranz/uebermedien: Niederlagen vor Gericht: Was bleibt vom Verdacht? Wie der ‘Tagesspiegel’ seinen Artikel zum Fall Judy S. leise umbaute – Im Frühjahr ging die Zeitung der brisanten Frage nach, wie die Unwahrheiten über eine Berliner Polizistin in ‘Bild’ und ‘B.Z.’ gekommen sein könnten. Mehrere Personen gingen juristisch gegen den Text vor. Auch die ‘Bild’-Autorin klagte – mit Erfolg. Aber der Rechtsstreit ist noch nicht vorbei.”

Beide Kritiken werfen die Frage auf:

Was lernen Journalist*inn*en eigentlich in ihrer Ausbildung?

Bleibt zum Abschluss noch die bewährte MDR-Altpapier-Kolumne, gestern von Antonia Groß: Klöckners Beziehung(en) zu Medienmännern – Bundestagspräsidentin Julia Klöckner schadet ihrem Amt und der Demokratie, finden manche aus der Medienwelt. Und das liegt nicht einmal an ihrer öffentlich gewordenen Hetero-Beziehung.” Sehr gut enthüllt Frau Groß, wie aus belanglosem Tratsch gehaltvolle Politik wird, und welch eine Künstlerin in dieser Disziplin die zweite Frau im Staate ist.

Was macht eigentlich Claudia Roth?

Was machen wir nur mit ihnen …? – Beueler-Extradienst

Nicht erkannt

Der Ernst der Lage

René Martens/MDR-Altpapier sieht es ähnlich wie Constanze Kurz/Markus Reuter. Es ist nicht nur das “Sommerinterview”, eine nur scheinbare Journalismus-Gattung, die seit Jahrzehnten mit Schleimerei zu verwechseln ist, und deswegen von über 82 der 84 Mio. Einwohner*innen gemieden wird. Da bin ich ganz bei der Mehrheit. Das Problem, das Martens richtig erkennt: es ist die Mehrheit der Profimedien, die nicht bei der Mehrheit ist, und auch sonst zu dumm, den Ernst der Lage zu verstehen: Auch Journalisten müssen essen, sonst können sie nicht arbeiten – Der Protest gegen das ‘Sommerinterview’ mit Alice Weidel richtet sich nicht zuletzt gegen mediale Berichterstattungsroutinen. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP haben Angst, dass ihre Kollegen in Gaza den Hungertod sterben.”

Rob Kenius/overton meditiert über “Die Finanzmacht – mächtiger als der Präsident der USA – geht in die letzte Schlacht”. Er entwertet seine richtigen Beobachtungen mit unsachgemässen und wenig fachlichen Schlenkern über das Coronavirus und die öffentlichen Medien in Deutschland. Warum nur fällt es schreibenden alten weissen Männern so oft schwer, sich thematisch zu fokussieren? Sie müssen nicht die ganze Welt erklären – das geht fast immer schief. Weit differenzierter wird das geopolitische Thema von Herbert Wulf/IPG-journal behandelt, der dazu ein Leben lang, u.a. im Bonner BICC, wissenschaftlich gearbeitet hat: Zu viele Köche – Nach dem BRICS-Gipfel überwiegen die Unterschiede zwischen den Mitgliedsstaaten. Bis zu einer neuen Weltordnung ist der Weg noch weit.”

Dort beim IPG-Journal beschreibt Sandra Weiss, wie Donald Trump seine Lateinamerikapolitik gegen die Wand fährt, wobei er da bekanntlich ganz schmerzfrei rassistisch ist: Nicht nur amigos – Trumps Lateinamerika-Politik setzt auf Druck, Drohungen und Deals. Dennoch nimmt der Einfluss der USA in der Region weiter ab.”

Die Überschrift dieses Textes prägte die ehemalige IPG-Chefin Claudia Detsch, die zusammen mit Niels Hegewisch schreibt, wie die EU und China ihre Beziehungen und die globale Klimapolitik gemeinschaftlich vergeigen: Katerstimmung – Konflikte, Klimaziele, Rohstoffe: Die EU-China-Beziehung steht vor einem Stresstest. Dabei braucht es dringend gemeinsame Lösungen.”

Nicht erkannt – Beueler-Extradienst

Kapital und Ideologie

Schreckt die Überschrift Sie hinreichend ab?

Im Folgenden lasse ich Sie daran teilhaben, welche Texte mich heute klüger gemacht haben. Der Wichtigste zuerst.

Yanis Varoufakis/Project Syndicate: “Trump will Big Tech die Macht über den Dollar geben” Darum geht es Trump und seinen besten Freunden: aus den Kryptowährungen ein Kettenbriefsystem machen, in dem er (und seine Freunde) der ist, der sich “ganz oben” dumm und dämlich bereichert. Dass ich den Text überhaupt gefunden habe, liegt an den linksradikalen Miesepetern bei den nachdenkseiten, “Hinweise des Tages” – so viel Fairness muss sein. Die Kommentare zu den Links lassen sich überlesen …

Wie funktioniert diese Gangster-Systematik in der US-Regierung? Der hier in Bonn ansässige Schnellschreiber Uwe Kerkow/telepolis vermittelt dazu einen ebenso schnell zu lesenden prägnanten Eindruck und lässt dabei auch die inneren Widersprüche (= Schwachstellen) nicht aus: Wie Silicon Valley und Pentagon zur Supermacht verschmelzen – Silicon Valley und das Pentagon gehen eine historische Allianz ein. Die Tech-Giganten liefern KI-Expertise, Washington bietet Geld und Macht. Doch zu welchem Preis?”

Um das Denken dieser Gangster besser zu verstehen, eignet sich folgender Text von Tilman Baumgärtel/Jungle World: Elon Musk und anderen US-Rechten gilt Mitgefühl als selbstmörderisch: Fehler im System – Elon Musk und Ideologen des »Dark Enlightenment« wie der kanadische Marketingprofessor Gad Saad erklären das Mitgefühl zum neuesten »woke mind virus«: toxisch und selbstmörderisch.”

So dumm und dämlich können Medien funktionieren

Oliver Schott/Jungle World: “Eine Journalistenfloskel, die man nicht mehr hören kann: Politiker XY müsse jetzt ‘liefern’: Die Lieferer – Sprachkolumne. Was Journalisten bei der Politik bestellen.”

Zwei weitere Beispiele sind der Paywall von uebermedien entsprungen, und haben von ihrer schockierenden Brisanz leider nichts verloren:

Johanna Bernklau/uebermedien: Reportage aus Erfurt: ‘Y-Kollektiv’ will sich Klischees genau anschauen, guckt aber dran vorbei – ‘Ausländer kriminell, Ossis rassistisch?’, fragt eine ARD-Doku. Doch statt Vorurteilen wirklich auf den Grund zu gehen, bleibt der Film oberflächlich. Auf ihrem Trip nach Erfurt fragt die Reporterin nicht ausreichend nach, sie ordnet nicht ein. Und lässt problematische Aussagen einfach so stehen.” Die Presenter-Pest – da ist sie wieder. Und die fragliche Dame war noch nicht mal aus dem dummen Westen zum Zoobesuch angereist, sondern – aus Leipzig.

Stefan Niggemeier macht die mächtigste Verlegerin NRWs nackig: Wie ‘Der Westen’ mit Clickbait für Medienkritik wirbt – Das Funke-Clickbait-Portal ‘Der Westen’ führt Menschen mit einer Schlagzeile zu Friedrich Merz in die Irre. Aber vielleicht dient das alles ja nur dem angeblichen Traum von Verlegerin Julia Becker, eine medienkritische Gesellschaft zu fördern?”

Mehr Intelligenz

versammelt sich alljährlich bei der re:publica. Von den dortigen Diskursen gibt es lesenswerte Nachbereitungen, deren Meinung ich nicht in allen Punkten teile, die aber zur persönlichen Meinungs- und Weiterbildung gut geeignet sind, jedenfalls sich positiv vom dummen Gesülze über “die Digitalisierung” unterscheiden:

Christian Bartels/MDR-Altpapier: Die Digitalsteuer-Debatte – … die der neue Kulturstaatsminister Weimer anzettelte, nimmt Fahrt auf. Digitalminister Wildberger legte auf zwei ausgesprochen unterschiedlichen Konferenzen erste Auftritte hin. Außerdem: ‘Das Gerät Radio wird vermutlich nicht überleben.'” Zum letztgenannten Punkt markiere ich meinen Dissens. Und Valerie Weber, Ex-WDR-Direktorin, halte ich nur für eine recht begrenzt taugliche Kronzeugin solcher Argumente.

Wie immer eine inhaltliche Fundgrube Thomas Knüwer: “re:publica 2025 – In der Zwischen-Zeit”.

Wohin das Rüstungskapital führen will

Das beschreibt Bojan Stojkovski/IPG-Journal ganz schamfrei und begeistert über die Ukraine: Operation Startup – Die Ukraine entwickelt sich zum Epizentrum militärischer Innovation – und könnte Europas Verteidigung grundlegend verändern.”

Wenn dieses Gedöns hier durch die Luft fliegt, will ich tot sein.

Und wer tut was dagegen?

Es gibt jede Menge übliche Verdächtige. Aber auch die hier, die sich gegen ihre Diffamierung durch das “Leitmedium” Süddeutsche zu wehren wissen:

Jens Neusser/schwatzgelb: “Präsidentschaftswahl beim Ballspielverein Borussia 09 e.V.: Lügen, Unwahrheiten und andere Diffamierungen.

Und hierzu jetzt Ihre intellektuelle Hausaufgabe: warum tut die SZ das? Warum hat sie das nötig? Und warum die, für deren Interessen sie hier ficht?

Kapital und Ideologie – Beueler-Extradienst

Koalitionsausschuss

Irgendwo habe ich gelesen, der tage heute zu ersten Mal. Ich hätte da zwei Vorschläge zur Tagesordnung. Keine Angst – es wäre das erste Mal, dass die Regierung tut, was ich will. Obwohl: es wäre nicht nur zu meinem und Ihrem Besten, sondern täte sogar dieser Regierung gut. Sicher, viele wollen nichts, was dieser Regierung guttut. Aber diesen Luxus kann ich mir nicht mehr erlauben. An meinen Tagesordnungsvorschlägen werden Sie es erkennen.

Erstens

Heute stimme ich zur Abwechslung Albrecht v. Lucke/Blätter – wir müssen ihn ja nicht sprechen hören – mal wieder inhaltlich fast vollständig zu. Ich wäre allenfalls noch pessimistischer als er: GroKo ohne Alternative: Das Dilemma der Progressiven – Nicht von jeder Koalition lässt sich sagen, dass sie bereits mit dem ersten Tag Historisches ‘geleistet’ hat. Für die große Koalition, die in Wahrheit längst eine kleine ist, trifft diese Beschreibung jedoch durchaus zu. Tatsächlich hat sie sich gleich zu Beginn Bemerkenswertes geleistet: Dass Friedrich Merz am 6. Mai als der erste der bisher neun Bundeskanzler dieses Landes – bei einer Bundeskanzlerin – im ersten Wahlgang durchgefallen ist, steht bereits jetzt in den Geschichtsbüchern. Und dass es noch am selben Tag zum zweiten Wahlgang mit der dann klaren Mehrheit für Merz gekommen ist, verdankt sich ironischerweise der Hilfe von Grünen und Linkspartei, da es für die Anberaumung dieses Termins laut Geschäftsordnung einer Zweidrittel-Mehrheit bedurfte.”

Zweitens und noch weit wichtiger

Und noch unwahrscheinlicher, dass es diesen Koalitionsausschuss bekümmert, ist, was zwei Germanwatch-Fachleute im IPG-Journal schreiben:

Barbara Pongratz & Martin Voß: Augen auf Peking – Chinas Kurs entscheidet, welche Richtung die globale Klimapolitik einschlägt. Noch kann Europa sein diplomatisches Engagement darauf ausrichten.”

Das Medium, in dem dieser Text erscheint, gehört der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. Was die SPD-Spitze jedoch mehr interessiert als solche Grundfragen, das lesen Sie leider zutreffend oben beim Kollegen Lucke.

Koalitionsausschuss – Beueler-Extradienst

Trump stellt Killen zollfrei

Claudia Sheinbaum – keine Superfrau, nur eine coole Realpolitikerin

Sie können mir glauben, dass Held*inn*enverehrung in der Politik mir wesensfremd ist. Dafür weiss ich zu viel darüber. Aber in der von Scheisse gefluteten Zone der globalen Weltöffentlichkeit – die Begrifflichkeiten sind nicht von mir, sondern nur ins Deutsche übersetzt – sticht die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum dann doch hervor, einfach, weil Seltenes wertvoll ist. Und während in Berlin virile Männer über ihre eigenen Beine stolpern, weil sie ihr Handwerk elementar nicht beherrschen, hat Señora Sheinbaum das seriös erlernt, und zwar wissenschaftlich.

Sandra Weiss/IPG-Journal hatte gewiss die Absicht, die Dame und ihre überbordende Verehrung – immerhin erhält sie in ihrem Volk immer noch 70% Zustimmung, was Nachbar Donald Trump in stillen Momenten grün erneiden lassen wird – zu “entzaubern”. Bei mir führt ihre kritische Würdigung jedoch zu einer weiteren Steigerung meines Respekts und meiner Anerkennung (denn was haben wir, nur mal zum Vergleich, hier?): Trumps Nemesis? – Mexikos Präsidentin Sheinbaum erhält viel Lob für ihren coolen Umgang mit dem impulsiven US-Präsidenten. Zur Anti-Trump-Ikone taugt sie jedoch nicht.” Tja, liebe Sozis, so eine können wir bei Euch lange suchen …

Volker Hermsdorf/Junge Welt stellt die sechsstelligen zollfreien Waffenexporte der USA heraus, mit denen massenhaft Mexikaner*innen umgebracht werden. Was wäre wohl los, wenn jede*r “illegal” einwandernde Mexikaner*in nur eine*n einzige*n US-Bürger*in auf vergleichbare Weise killen würde? Für Donald Trump wäre das ein Kriegsgrund, den er sich ja auch für Kanada sooo wünschen würde. Hermsdorf: Korb für Trump – Mexikos Staatschefin Sheinbaum kontert US-Präsidenten – und fordert statt Militärpräsenz Grenzkontrolle wegen illegalen Waffentransfers”. Diesen Text versenkt die Junge Welt in einigen Tagen in ihrem Paywallarchiv.

Trump stellt Killen zollfrei

Claudia Sheinbaum - keine Superfrau, nur eine coole Realpolitikerin Sie können mir glauben, dass Held*inn*enverehrung in der Politik mir wesensfremd ist. Dafür weiss ich zu viel darüber.

Beueler-Extradienst