Gesehen: Tomorrow Never Dies (1997)

https://www.youtube.com/watch?v=eqrk7-mx2D0

GB/US, R: Roger Spottiswoode, D: Pierce Brosnan, Jonathan Pryce, Michelle Yeoh, Teri Hatcher, Joe Don Baker, Judi Dench, Ricky Jay, Desmond Llewelyn, Götz Otto, Samantha Bond, Wikipedia

Dass das natürlich weiterhin sexistischer Quatsch ist, der vor lauter Klischees regelrecht trieft, ist fast schon nicht weiter erwähnenswert. Aber komplett faul ist der Film dann auch wieder nicht. Denn er registriert in dieser Zeit in den Jahren nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs, dass die bisher bipolare Welt eine Neuordnung erfährt und was einst so vermeintlich klar abzustecken war, nach und nach zersetzt wird.

Klar, Westen und Osten gibt es immer noch. Aber hier geht es um eine dritte Macht, die durch reine Konzentration von Kapital entsteht und dann missbraucht wird. Eigentlich ist es ein abschreckendes Beispiel dafür, was passiert, wenn zentrale Kommunikationstechnologien praktisch unreguliert bleiben in die Hände von rechtsradikalen Milliardären fallen. Elon Musk. Ich meine Elon Musk.

Zum Abgewöhnen bleibt weiterhin das ganz grundlegende Sujet der ganzen Reihe: Demokratisch gewählte Regierungen sind unfähig und müssen deshalb immer wieder von einem Geheimdienst gerettet werden, der jedoch kaum einer funktionierenden demokratischen und schon gar keiner transparenten Kontrolle unterliegt. Coole Agent*innengeschichten ließen sich auch ohne ein Abkulten dieses Weltbildes erzählen. Aber das muss man dann auch wollen.

★★½☆☆

#510 #DerMorgenStirbtNie #DesmondLlewelyn #Filme #Filmkritik #GötzOtto #JamesBond #JoeDonBaker #JonathanPryce #JudiDench #MichelleYeoh #PierceBrosnan #RickyJay #RogerSpottiswoode #SamanthaBond #TeriHatcher #TomorrowNeverDies

Tomorrow Never Dies (1997) Official Trailer - Pierce Brosnan James Bond Movie HD

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Gesehen: Woman of the Hour (2024)

https://www.youtube.com/watch?v=ODUdpwddTQk

US, R: Anna Kendrick, D: Anna Kendrick, Daniel Zovatto, Tony Hale, Nicolette Robinson, Autumn Best, Pete Holmes, Wikipedia

Es ist dem Film deutlich anzumerken, dass er Anna Kendricks Regiedebüt ist. Aber nicht, weil er dilettantisch oder unsicher daherkommt. Viel mehr, weil er mit aller Kraft versucht, cool auszusehen und abgeklärt smooth zu flowen, bloß keinen bildästhetischen Makel zuzulassen. Das gelingt Kendrick auch – zum Preis einer total kühlen und mechanischen Krampfigkeit, die den kompletten Film durchzieht und nie gänzlich abgeschüttelt werden kann.

Was mir nicht so recht in den Kopf will, ist die Entscheidung, derart große Teile der Geschichte aus der Perspektive des Serienmörders Rodney Alcala zu erzählen. Denn das verurteilt einen konventionell inszenierten Film wie diesen zum Scheitern. Weil so am Ende nur Raum für halbgar psychologisierende Erklärversuche à la „Er hatte halt keine Vaterfigur in seinem Leben und wurde nie richtig geliebt“ bleibt. Dass dahinter eine in der Gesellschaft verankerte frauenverachtende Ideologie steht, die auf viel mehr als Kindheitstraumata fußt, fällt weitestgehend hinten runter.

Deshalb halte ich den Film auch nicht für sonderlich klug. Unterstrichen wird das durch die letzte Szene, in der Rodney Alcala von den Cops gefasst und auf den Boden gedrückt wird, während er verzweifelt genau wie seine Opfer zuvor strampelt. Es soll sagen: „Jetzt bekommt der Mörder etwas von seiner eigenen Medizin verabreicht.“ Es sagt aber letztlich: „Die angemessene Festnahme eines Serienmörders ist genauso heftig wie die Vergewaltigung und Ermordung einer Frau.“ Auch das ist unterm Strich ein Ergebnis dieser Obsession mit der Bildästhetik. Die visuelle Referenz hat mehr Gewicht als deren Konsequenz, und das steht nicht nur sinnbildlich für dieses auch noch von einem Mann verfasste Drehbuch, sondern bricht dem Film wirklich die Beine.

★★½☆☆

https://andrepitz.de/2024/10/27/gesehen-woman-of-the-hour-2024/

#510 #AnnaKendrick #AutumnBest #DanielZovatto #Filme #Filmkritik #NicoletteRobinson #PeteHolmes #TheDatingGameKiller #TonyHale #WomanOfTheHour

Woman of the Hour | Official Trailer | Netflix

Anna Kendrick’s directorial debut, Woman of the Hour, is set in 1970s Los Angeles when an aspiring actress (Kendrick) crosses paths with a serial killer (Dan...

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Gesehen: The Pod Generation (2023)

https://www.youtube.com/watch?v=rGMx_7oAeUM

BE/FR/GB/US, R: Sophie Barthes, D: Emilia Clarke, Chiwetel Ejiofor, Rosalie Craig, Vinette Robinson, Wikipedia

Als reine Tech-Dystopie betrachtet ist dieser Film uninspiriert und uninteressant. Hier wabern lediglich viel zu vage Konzepte durch die Welt, denen zwar nicht unbedingt wohlwollend, aber auf jeden Fall seltsam indifferent begegnet wird.

Aber der Kern des Films ist ein anderer und die gesellschaftlichen Implikationen technologischen Fortschritts sind gar nicht sooo wichtig. Vielmehr geht es um die Konzerne hinter den Technologien, die ihr absurdes Vermögen für die endgültige Demontage des Staates einsetzen und mit neoliberaler Rhethorik ihr autoritäres Bestreben verschleiern.

★★½☆☆

https://andrepitz.de/2024/10/26/gesehen-the-pod-generation-2023/

#510 #BabyToGo #ChiwetelEjiofor #EmiliaClarke #Filme #Filmkritik #RosalieCraig #SophieBarthes #ThePodGeneration #VinetteRobinson

The Pod Generation | Official Trailer (HD) | Vertical

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Gesehen: The Fall Guy (2024)

https://www.youtube.com/watch?v=j7jPnwVGdZ8

US, R: David Leitch, D: Ryan Gosling, Emily Blunt, Aaron Taylor-Johnson, Hannah Waddingham, Teresa Palmer, Stephanie Hsu, Winston Duke, Wikipedia

Mit David Leitch ist der Film natürlich in den besten Händen, denn er huldigt hier ohne jeglichen Zynismus seiner ursprünglichen Zunft und persifliert das Filmbusiness mit einem sympathischen Augenzwinkern. Bemerkenswert ist für mich außerdem, dass hier die digitale Reproduktion ganzer Körper vor der Kamera nicht nur eine Rolle spielt, sondern sehr zeitgeistig einen zentralen Plot Point daraus konstruiert.

Nur davon abgesehen scheint der Weg, den dieser Film beschreitet, bereits ab der ersten Sekunde klar zu sein. Er erfüllt alle Mindestanforderungen an einen massentauglichen Film, der unter dem Deckmantel einer angestaubten IP einfach ein paar Übercharismaten vor der Kamera für eine gute Zeit zusammenschiebt. Aber genau das ist doch auch das Problem. Was hier passiert, ist einfach super transparent, ohne Vision, ohne Wagnis, konventionell und abgegriffen.

Am Ende lächelt man müde und hat im exakt selben Moment den halben Film schon wieder vergessen.

★★½☆☆

https://andrepitz.de/2024/10/21/gesehen-the-fall-guy-2024/

#510 #AaronTaylorJohnson #DavidLeitch #EmilyBlunt #Filme #Filmkritik #HannahWaddingham #RyanGosling #StephanieHsu #TeresaPalmer #WinstonDuke

The Fall Guy | Official Trailer

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Gesehen: Wicked Little Letters (2023)

https://www.youtube.com/watch?v=SeTeCWbF8KY

GB, R: Thea Sharrock, D: Olivia Colman, Jessie Buckley, Anjana Vasan, Timothy Spall, Gemma Jones, Malachi Kirby, Alisha Weir, Joanna Scanlan, Eileen Atkins, Lolly Adefope, Hugh Skinner, Wikipedia

Ich mag doch alberne Filme mit schrulligen Figuren, tollen Schauspielerinnen und dem Herz am richtigen Fleck. Dennoch war das hier total mittelmäßig. Viele Gründe dafür sind struktureller Natur, der Film ist äußerst repetitiv in seinen Motiven, Figurenanordnungen und im Humor.

Allen voran Olivia Coleman, Jessie Buckley und Anjana Vasan sind es, die den Film immer wieder zurück auf den Boden holen. Gerade Coleman spielt hier äußerst filigran und schafft es mit nuanciertem Mienenspiel nahezu wortlos, den für mich interessantesten Part der Geschichte freizulegen: den schamlosen Masochismus innerhalb katholisch geprägter Institutionen. Der Erlöser™ hat gelitten. Wenn wir also auch leiden, sind wir dem Erlöser™ zum Greifen nahe. Und wie finden wir das? Richtig geil, wir könnten uns bis zum Jüngsten Gericht darin suhlen!

Doch dann bombardiert der Film dieses spannende Fundament mit völlig kruden Momenten. Wenn Anjana Vasans Figur als einzige Polizistin im Revier immer wieder zu vermeintlich niederen Aufgaben verdonnert und wiederholt von ihrem männlichen Vorgesetzten darauf hingewiesen wird, dass es ja immer noch eine Hierarchie gebe, dann ist das erst mal Ausdruck der patriarchalen Machtverhältnisse. Diese auszusprechen, ist noch kein Gag. Denn dafür bedarf es üblicherweise eines Bruchs mit Erwartungen. Den liefert der Film jedoch nur in den wenigsten Momenten. Deshalb hat es sich für mich sehr oft so angefühlt, als ob hier nicht über die misogynen Arschlöcher, sondern mit ihnen gelacht wird.

★★½☆☆

https://andrepitz.de/2024/10/20/gesehen-wicked-little-letters-2023/

#510 #AlishaWeir #AnjanaVasan #EileenAtkins #Filme #Filmkritik #GemmaJones #HughSkinner #JessieBuckley #JoannaScanlan #KleineSchmutzigeBriefe #LollyAdefope #MalachiKirby #OliviaColman #TheaSharrock #TimothySpall #WickedLittleLetters

WICKED LITTLE LETTERS | Official Trailer (2024)

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Gesehen: Actual People (2021)

https://www.youtube.com/watch?v=E0BASfJjDzI

US, R: Kit Zauhar, D: Kit Zauhar, Scott Mun, Tiye Amenechi, Isabelle Barbier, Mae Claire, Jackson Crook, Fraser Jones, Wikipedia

Hier stimmt so viel: Die Figuren sind klar gezeichnet, klug beobachtet und ihnen kann trotz all ihrer vermeintlichen Fehler mit Empathie begegnet werden. Alleine aus Gründen meines Alters resoniert der Film in so vielen Momenten mit mir, meinen Erfahrungen und meinem Empfinden.

Dennoch habe ich mir am Ende die Frage gestellt, ob diesem 2021(!) erschienenen Film tatsächlich noch etwas Produktives abzugewinnen ist. Denn letztlich lässt sich hier keine neue „Millennials in der Sinnkrise“-Facette abgewinnen. Es bleibt ein sehr authentisches, aber eben auch ein sehr abgegriffenes Befindlichkeitskino.

★★½☆☆

https://andrepitz.de/2024/10/09/gesehen-actual-people-2021/

#510 #ActualPeople #Filme #Filmkritik #FraserJones #IsabelleBarbier #JacksonCrook #KitZauhar #MaeClaire #ScottMun #TiyeAmenechi

Actual People | Feature Film Trailer | 2022 Slamdance Film Festival

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Gesehen: Wolfs (2024)

https://www.youtube.com/watch?v=wLJUPjiRbAM

US, R: Jon Watts, D: George Clooney, Brad Pitt, Amy Ryan, Austin Abrams, Poorna Jagannathan, Wikipedia

Ich will nicht leugnen, dass es schon auch ein bisschen cool ist, diesen beiden alternden Stars in diesen Rollen zuzuschauen. Denn das sind im Prinzip zwei Figuren, die nicht an völliger Selbstüberschätzung und Selbstüberhöhung leiden, sondern sich regelrecht darin suhlen. George Clooney und Brad Pitt spielen Figuren, die lieber irgendwo im Nirgendwo am Wegesrand verdursten würden, als jemanden nach dem Weg zum nächsten Brunnen zu fragen – gewissermaßen Typen, die aufgrund ihres Gehabes schon zu Recht aussortiert werden sollen.

Was Jon Watts jedoch um dieses Sujet herum veranstaltet, fühlt sich eher nach einem an einem Wochenende zusammengeschobenen Studentenprojekt als nach „Prestige“-Streaming an. Klar, Clooney und Pitt lässt sich nicht absprechen, dass sie einen gewissen Rapport miteinander haben und auch die ihnen vorgelegten Gags mit einer abgeklärten Schnittigkeit spielen können. Nur ist der Humor genauso abgenutzt wie die Bandscheiben der beiden Wölfe.

Außerdem bin ich mir nicht sicher, warum die Entscheidung getroffen wurde, ausgerechnet in der Millionen-Metropole New York City fast keinen einzigen Menschen außerhalb der Figuren mit Dialog zu zeigen. Metaphorisch betrachtet lässt sich hier natürlich irgendwas à la die Vereinsamung der Wölfe in der Anonymität der Großstadt herauslesen. Unterfüttert wird das letztlich jedoch kaum. Auf jeden Fall nicht genug. Wohin dieser Film will? Keine Ahnung 🤷‍♂️

★★½☆☆

https://andrepitz.de/2024/09/29/gesehen-wolfs-2024/

#510 #AmyRyan #AustinAbrams #bradPitt #Filme #Filmkritik #GeorgeClooney #JonWatts #PoornaJagannathan #Wolfs

WOLFS — Official Trailer | Apple TV+

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Gesehen: Wintermärchen (2018)

https://www.youtube.com/watch?v=KfLFX3tuIhg

DE, R: Jan Bonny, D: Thomas Schubert, Ricarda Seifried, Jean-Luc Bubert

Der Abspann beginnt über den Fernseher zu laufen, im Hintergrund setzt „Schrei nach Liebe“ von Die Ärzte ein und ich denke mir nur: „Euer verdammter Ernst?!“ Wer diese Lyrics wirklich als Erklärungsansatz für rechtsextremen und nationalsozialistischen Terror begreift, der hat doch den Schuss nicht gehört. Die Nazis sind die ungeliebten Kinder mit den bösen Eltern, sind sexuell frustriert, kennen ausschließlich toxische zwischenmenschliche Beziehungen und essen heimlich natürlich trotzdem Döner. Das Drehbuch klammert fast gänzlich die menschenfeindliche und rassistische Ideologie aus. Aber wer sich derart deutlich auf Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe bezieht, kann und darf sich das nicht erlauben.

Versucht man diese Brille für einen Moment abzulegen, verbirgt sich hinter WINTERMÄRCHEN aber eben auch eine unter die Haut gehende Beobachtung von Machtdynamiken, toxischen Beziehungsgefügen und repressiven Herrschaftssystemen. Und diesen Beobachtungen wohnt eine universellere Wahrheit inne, die sich nicht nur im Nationalsozialismus, sondern auch zwischen den Geschlechtern oder Institutionen wie etwa der katholischen Kirche wiederfinden lässt.

★★½☆☆

https://andrepitz.de/2024/09/10/gesehen-wintermaerchen-2018/

#510 #Filme #Filmkritik #JanBonny #JeanLucBubert #RicardaSeifried #ThomasSchubert #Wintermärchen

Wintermärchen [Offizieller Trailer Deutsch HD German 16:9]

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Gesehen: Twisters (2024)

https://www.youtube.com/watch?v=wdok0rZdmx4

US, R: Lee Isaac Chung, D: Daisy Edgar-Jones, Glen Powell, Anthony Ramos, Brandon Perea, Maura Tierney, Harry Hadden-Paton, Sasha Lane, Daryl McCormack, Kiernan Shipka, Katy O’Brian, Tunde Adebimpe, Tunde Adebimpe, David Corenswet, Wikipedia

Als Sommerblockbuster, bei dem gefühlt alles, aber letztlich doch gar nichts auf dem Spiel steht, kann man sich den schon anschauen. TWISTERS ist dynamisch inszeniert, hat gewaltige Motive und ist charismatisch besetzt – selbst Daisy Edgar-Jones’ fürchterlich bemühtes Spiel schlägt diesem Fass nicht den Boden aus.

Nur hat man sich eben auch ein Thema für diesen Film ausgesucht, das einfach keinen reinen Eskapismus mehr erlaubt. Deshalb konnte ich es kaum glauben, dass wirklich kein einziges Mal das Wort Klimawandel (oder -katastrophe oder irgendeine andere Variation) fällt. Irgendwann dröhnt dieses „Schweigen“ lauter als die Tornados selbst. Es wird zwar von den immer häufiger werdenden Wirbelstürmen, vom Jahrhundertsturm gesprochen, aber es fühlt sich hier doch sehr singulär und nicht als logische Konsequenz des menschengemachten Klimawandels an.

Aus meiner deutschen Sicht würde ich den Film als feuchten Propaganda-Traum einer jeden FDP-Politiker*in bezeichnen. Dieses blinde Verrennen im Glauben an eine noch nicht erfundene Technologie, die uns irgendwann die Extremwetterereignisse vom Hals schaffen wird, die elende Mär von der TeChNoLoGiEoFfEnHeIt, das kennen wir hier schon sehr gut und diesem Irrglauben fällt auch TWISTERS zum Opfer.

Schade.

★★½☆☆

https://andrepitz.de/2024/08/12/gesehen-twisters-2024/

#510 #AnthonyRamos #BrandonPerea #DaisyEdgarJones #DarylMcCormack #DavidCorenswet #Filme #Filmkritik #GlenPowell #HarryHaddenPaton #KatyOBrian #kiernanShipka #LeeIsaacChung #MauraTierney #SashaLane #TundeAdebimpe #Twisters

TWISTERS | Official Trailer

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Gesehen: Monkey Man (2024)

https://www.youtube.com/watch?v=g8zxiB5Qhsc

CA/SG/US, R: Dev Patel, D: Dev Patel, Sikandar Kher, Pitobash, Adithi Kalkunte, Makrand Deshpande, Ashwini Kalsekar, Vipin Sharma, Sobhita Dhulipala, Sharlto Copley, Wikipedia

Mir gefällt die Progression, die in den Kämpfen zu erkennen ist. Wie sich die Figuren zunächst von roher Gewalt bestimmt, fast schon unbeholfen durch ihre Choreografie holpern, weil man eben nicht jeden Tag um Leben und Tod kämpft, der Überlebensinstinkt aber schließlich die Kontrolle übernimmt. Wie dann mit der Erfahrung die Fähigkeit kommt, Wut und Kraft zu kanalisieren und nicht zu „verschwenden“.

Und ich muss sagen, dass Dev Patel das alles ganz schmissig in Szene setzt. Wer sich bei seinem allerersten Langfilm für Action dieses Kalibers entscheidet, darf sich von mir aus auch gerne ein paar Kniffe bei anderen Genregrößen abschauen. Dass Patel sehr viel von Matthew Vaughns KINGSMAN-Reihe, Quentin Tarantinos KILL BILL und die von Chad Stahelski inszenierte JOHN WICK-Reihe in MONKEY MAN steckt, ist offensichtlich*. Bei JOHN WICK macht der Film selbst nicht mal einen Hehl daraus und kommentiert die Parallelen selbstironisch.

Nur findet Dev Patel weitestgehend keine eigene Sprache, sondern durchmischt lediglich diese Versatzstücke. Vor MONKEY MAN hat Patel zwei Kurzfilme – beide keine Action – inszeniert. Von meinem Gefühl her hätte MONKEY MAN wunderbar als sein dritter Kurzfilm, in dem er sich auch in diesem Genre ausprobiert und eine eigene Handschrift entwickelt, funktioniert.

Ebenfalls nicht unbedingt gut angefühlt hat sich die gewissermaßen paternalistische Haltung des Films und seiner Hauptfigur gegenüber der Hijra-Community. „Na gut, dann räche ich die eben auch noch mit“, ist die sinngemäße Entwicklung von Patels Protagonist. Dass die Hijras das jedoch auch aus eigener Kraft gekonnt hätten, zeigt der Film sogar. Aber der Schritt zur Selbstkritik oder der Kritik am eigenen Protagonisten wird nicht gegangen.

*Dass auch diese Genrevertreter auf den Schultern anderer Giganten stehen, ist auch klar. Aber sie scheinen mir nicht nur zu kopieren.

★★½☆☆

https://andrepitz.de/2024/08/07/gesehen-monkey-man-2024/

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Monkey Man | Official Trailer

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