RE: https://mastodon.social/@pallenberg/116707438514912289

Nach Hören dieser Folge war ich neugierig. LibreOffice kenne ich schon, funktioniert mit VoiceOver auf dem Mac mehr so meh bis nicht wirklich. Pages, Numbers & Co. sind hier ganz klar die Platzhirsche. Habe mir dann eben mal OnlyOffice runtergeladen. Ich komme nicht mal am ersten Bildschirm vorbei. Ich sehe drei unbeschriftete Buttons, und das war’s. 👎 👎 👎 Ich hoffe, #EuroOffice hat eine tragfähige Barrierefreiheitsstrategie.

Denn bisher ist es so, wer im professionellen Umfeld als blinde*r Arbeitnehmer*in Office-Anwendungen nutzen muss, kommt wegen der besten Barrierefreiheit an Microsoft nicht vorbei. Europa braucht also nicht nur eine Strategie für die digitale Souveränität, sondern eine Strategie, die bei dieser digitalen Souveränität auch die Barrierefreiheit mit berücksichtigt. Die Erfahrung zeigt leider, dass das vielfach komplett übersehen wird, gerade im Open-Source-Bereich.
Es muss also, ausgehend von dem, was ich in der Desktop-Version von OnlyOffice wahrgenommen habe, bei EuroOffice viel passieren, damit es für z.B. Blinde zugänglich wird. Die Web-Versionen habe ich nicht probieren können bisher, aber wenn das EuroOffice-Dingsie am Dienstag an den Start geht, werde ich es ausprobieren. Jede Stelle, die das einsetzen will, muss sich mit dem #BFSG oder Äquivalenten auseinandersetzen, auch der eigenen Angestellten mit Behinderung wegen. Das wird spannend.
Es sind bei dem Projekt durchaus einige dabei, die Ahnung von der Implementierung von Barrierefreiheit in Webanwendungen haben (Open-Xchange und Tuta stechen da für mich besonders heraus, weil ich mit denen direkte und gute Erfahrungen habe). Aber wie gesagt, es bleibt abzuwarten, das mal in einer NextCloud irgendwo probieren zu können. https://github.com/Euro-Office
Euro-Office

Your sovereign office. Euro-Office has 22 repositories available. Follow their code on GitHub.

GitHub
@marcozehe Oh, da weißt du mehr als ich: woher weißt du, dass das am Dienstag startet? Ich dachte, die wären da noch fleißig dran am Schrauben?
@RichieRich Hat der @pallenberg in der zitierten Podcast-Folge verlauten lassen.

@marcozehe @pallenberg Da spricht einiges dafür. Die Computerwoche berichtete am 1. Juni darüber. Und die Seite "Office.EU" ist auch schon am Start. Das GitHub Repo verfolge ich auch und ich bin auch sehr gespannt, wann IONOS das ins Produktportfolio aufnimmt.

https://www.computerwoche.de/article/4179336/open-source-burosoftware-suite-euro-office-startet-am-9-juni.html

Open-Source-Bürosoftware-Suite Euro-Office startet am 9. Juni

Europäische Anbieter wie Nextcloud und Ionos planen, die Open-Source-Anwendungen bereits in diesem Monat in ihre Produkte zu integrieren.

Computerwoche
@RichieRich @pallenberg Bei Ionos kann man das ja anscheinend nur als gewerblicher Kunde nutzen, da falle ich als Einzelperson und Rentner ja aus deren Kundenzielgruppe raus. Daher hoffe ich mal, dass es irgendwann auch für Privatanwender*innen eine Möglichkeit geben wird, das zu testen.
@marcozehe Weiß nicht, aber notfalls kann man da auch eine VPS Instanz hochziehen lassen, ist ja für die nur ein Klick. Mit Nextcloud und Office installiert. Ansonsten: Ich wollte eh immer mal ne Nextcloud Installation auf dem Raspberry 400 machen, der bei mir noch rumliegt. Sobald ich die Installationsanleitung mal durchgearbeitet habe, versuch ich das mal selbst zu hosten. Kann ja nicht schwerer sein als OnlyOffice. Das hatte ich mal getestet. @pallenberg
@RichieRich Ich habe dafür, fürchte ich, nicht mehr die Energien zur Verfügung, das zu versuchen. Abgesehen davon dass diese Raspberry Pie Dinger eh nicht ohne erhebliche Klimmzüge für Blinde zugänglich sind.

@marcozehe Ich denke, man kann bestimmt auf

https://office.eu/consumer

einen Account machen, wenn das Live ist. Sollte ja ab Dienstag soweit sein.

Office EU for Families | Europe-hosted office suite

Europe-hosted all-in-one office suite for families and individuals. Keep personal files, email, calendars and sharing in one open-source workspace.

Office EU
@RichieRich Ich hab' denen einfach mal eine Anfrage für die Warteliste geschickt. Vielleicht wird das ja was, oder es klappt ab Dienstag dann eh mehr oder weniger automatisch. Das Euro-Office soll wohl nach und nach ausgerollt werden, soll wohl noch nicht ganz von Anfang an dabei sein. Ich hab' in meine Bewerbung jedenfalls mal das Stichwort Accessibility geworfen. Mal gucken ob das was auslöst.

@marcozehe Äh. Die Behinderten mit denen ich es zu tun habe, sagen mir durchgehend, dass Apple besser als Windows sei. Aber gut. Lassen wir so stehen

Bei Open Source sehe ich derzeit viel Support von a11y bei neuen Frameworks.
xilem für rust zum Beispiel hat das integriert. Allerdings sind das die Frameworks, die keine finanzielle Unzerstützung bekommen …

Linux ist ja noch immer viel Ehrenamt und spendenbasiert. Und leider sind Betroffene deswegen selten auch nicht Entwickler 1/2

@jackpearse Ich sehe das ganz genauso. Und mit den aktuellen Versionen aus dem Creative Studio hat Apple beim Office-Support mit VoiceOver auch noch einmal ordentlich eine Schippe draufgelegt. Aber was die tiefe Integration von JAWS und NVDA mit Microsoft Office über 20 Jahre geschaffen hat, ist im Büroalltag leider nicht wegzudiskutieren. Das hatte ich damit gemeint. Da müssen andere Angebote doch noch viel aufholen.
@jackpearse Und wenn die großen Linux-Firmen wie Red Hat, Suse und so, die mit dem Server-Geschäft echt gut verdienen und die Desktops in die eigenen Distributionen kloppen, einen Teil ihres Kapitals in Arbeitskraft investieren würden, die sich u. a. auch um die bessere Barrierefreiheit in den verwendeten Desktops kümmert, wäre diesen Desktops noch viel mehr geholfen, und es hinge nicht nur an Ehrenamtlichen.

@marcozehe
So einfach ist das nicht. Wir zaben gerade viele Wände. KI wird zunehmend zum Problem. Darf ueder mitmachen. Budgets sind knapp. Programmierresourcen werden knapp. Linux ist tatsächlich noch immer eine Nische.

Es wird sichtbarer. Gewinnt mehr Aufmerksamkeit. Und es werden immer mehr Forderungen gestellt.

Aber sie stellt man vielen Ehrenamtlern. Und bei Open Source hat man oft keinen zentralen verantwortlichen. Die Distri programmiert ja nicht den Displaymanager.

@marcozehe Wenn Bkinde Programmierer da mitmachen würden käme auch deren Input rein.

Man kann ja bei Frameworks Spenden oder den Maintainer mt Geld versorgen. Das kann man ja jederzeit tun. Auf github findet man oft Kontakt zu denen.

Vielleicht kann man da mal Spendengelder gelzielt einsetzen.

@jackpearse Die blinden Programmierer*innen, die ich kenne, haben meist einen Job, wenn sie gut sind, oder sind noch in der Ausbildung oder so. Oder wenn sie arbeitslos sind, haben sie kaum die finanziellen Mittel, irgend etwas an irgendwen zu spenden. Aber die blinden Programmierer*innen, die es gibt, sind tatsächlich meist schnell vom Markt, und dann nur sehr selten im Linux-Umfeld.

@marcozehe Eben. Genau das was Du schreibst. Mit den Blinden und ihren Jobs.

Das ist genau das Dilemma. Ich fand auch die Icons und Displaymanager für Nicht-Blinde waren immer der Horror. Proportionen der Icons aus Designer-Sicht eine Kathastrophe. Linux/aopen Source ist weniger wie ein Produkt, wo man Anspüche stellen kann. Sondern eher wie ein Verein, wo der Recht hat, der mit macht. Hätte da auch gerne bessere Normen. Aber es bewegt sich was.

@marcozehe Hast du schon mal den neuen in Rust geschriebenen Cosmic Desktop getestet? Taugt der was für Blinde?

Ich finde für Otto Normal ist das ganz gut. Noch sehr jung. Und der Filemanager lässt zu wünschen übrig. Aber was ich da bisher sehe ist ein Hoffnungsschimmer.

Es hilft auch oft in git ein „Issue“ zu schreiben und Wünsche zu äußern. Viele
maintainer gehen drauf ein. Dein Tipp mit AccessKit zum Beispiel.

@jackpearse Nein, ich bin auch nicht wirklich in der Lage das zu tun. Ich schaffe das mental nicht mehr, aus gesundheitlichen Gründen. Früher habe ich mit verschiedenen Linux-Distros rumgespielt und ausprobiert. Meistens frustriert aufgegeben, und seit einigen Jahren lasse ich ganz die Finger davon. Ich bin jetzt nur noch iOs und Mac Nutzer und glücklich damit. Als Rentner brauche ich nicht mehr.
@jackpearse So etwas wie eine Web Applikation zu testen geht schon mal hin und wieder. Aber mich mit dem ganzen anstrengenden Kram einer Linux-Distribution herumzuschlagen, das schaffe ich nicht mehr. Das müsste auch in einer VM laufen, was ja noch wieder ganz eigene Herausforderungen mit sich bringt, denn PC-Hardware habe ich keine mehr hier und plane diesbezüglich auch keine Neuanschaffung.

@marcozehe Ich und viele meiner Kollegen sind auch fertig mit Neuanschaffung.

Denke die US-Anbieter haben mit ihrem Scheiss ganze Arbeit geleistet.

@marcozehe Eben. Der Kommerz ist das Schwarue Loch. Schwierig.

@marcozehe Ich programmiere gerade selbst bei einem Open Source projekt mit.

Und der Qualitätsstandard ist sehr hoch. Maintainer nehmen sich Zeit. Es wird viel diskutiert. Das dauert eben.

Denke in drei Jahren sieht Linux komplett anders aus.

@marcozehe Verstehe. Was ich bei Apple gelungen finde ist, dass viele Features auf die „Treiber“ Ebene gezogen wurde. Ich habe eine Person gesehen, die im Rollstuhl lebt, die mit den Augen den Mauspfeil bedient hat. Und kein Programmierer musste was ändern, weil es Teil des Maustreibers ist!

Menschen ohne Behinderung haben leider nicht immer den Sinn dafür. Und so denkt man halt nicht dran. Und da es Ehrenamt ist, fehlt der Code „der Blinden“.

Open Source ist da speziell.

@jackpearse Ja, Apple haben den Vorteil, dass sie Hard- und Software kontrollieren. Die bauen ihre Frameworks so, dass derselbe Support, der eine App für VoiceOver zugänglich macht, auch für die Augensteuerung und so funktioniert. Einmal implementiert, oder Standardkomponenten von AppKit oder SwiftUI benutzt, schon funktioniert's für alle möglichen Bedienungshilfen.

@marcozehe Ist bei Windows im Grunde auch so. (Microsoft kontrolliert viel). Aber MS ist so fucking schlampig mit Allem. Und die wissen selbst nicht wo die hin wollen.

Mir ist deren erratisches Hin- und her mit eigenen Programmiersystemen auf den Zipfel gegangen. Was denn nun? WPF, WinUI, …? Habe dann angerufen und gefragt: Ja, Microsoft, was soll ich denn jetzt benutzen? Sagt der tatsächlich: Nimm Delphi!

Windows ist für mich vollkommen tot.

@jackpearse Delphi? Wie geil! 😂😂😂

@marcozehe Auch für nicht Blinde war Linux zum Beispiel sehr lange unbenutzbar. Weil Userinterfaces einfach mit den bestehenden frameworks und Programmiereditoren umständlich zu bauen waren. Man hat sich dann mit terminaltools begnügt.

xilem für rust versucht ein UI system mit a11y support zu bauen. Die sind aber erst bei version 0.4 und der finanzielle support ist weg.

Wir brauchen Blinde, die bei den Basis-Frameworks irgendwie mit machen. Und mehr Finanzierung für diese Basis

@jackpearse Schaut euch mal AccessKit an, das ist ein Framework, das Zugänglichkeit plattformübergreifend in alle möglichen UI-Frameworks integrierbar macht. Vielleicht hilft euch das weiter, da ist nämlich schon sehr viel an Heavy-Lifting passiert. Und soweit ich weiß ist das ein Rust Crate. Unter anderem.

@marcozehe Rust bewegt sich gerade in unfassender Geschwindigkeit.

Aber open source ist eben nicht nur Rust. Es gibt meiner Meinung nach zu viele Programmiersprachen. Und das macht eine Konformität schwierig.

AccessKit schaue ich mal rein. Aber wie gesagt, xilem für Rust ist sehr jung. Und kann gerade so „Buttons“ und „Textfeld“. Aber die generelle Architektur ist vielversprechend. Wird aber noch Jahre dauern.

@marcozehe AccessKit ist offenbar bereits auf winit-ebene einbindbar. Das ist gut! Schön weit an der Wurzel der GUI-Systeme.
@marcozehe Only Office konnte man immer schon vergessen.
@hobo_ahoi Verstehe! Ich hab's jetzt das erste Mal ausprobiert. Wusste bis vor ein paar Wochen gar nicht, dass es das überhaupt gibt. Ist bisher nicht auf meinem Radar aufgetaucht.
@marcozehe Nach meiner persönlichen Meinung ist Only Office schlicht Geldmacherei
@hobo_ahoi Jo, gehört ja auch einer russischen Firma, jeder, der da ein Abo abschließt, finanziert also Putins Kriegskasse mit. Die Tochterfirma in Lettland ist ja nur vorgeschoben. Daher gibt's ja auch den Fork, aus dem dann dieses Euro-Office gemacht werden soll. Gab darum doch auch in der Presse ein großes Mimimi von den OnlyOffice-Machern.