Zum Auftakt der heutigen "Montan-Express 3" Sonderfahrt der Eisenbahn Nostalgiefahrten Bebra geht es für uns von Duisburg via Oberhausen, den aus zahlreichen Umleitungen wohlbekannten Rangierbahnhof Oberhausen West und Duisburg Lotharstraße zunächst nach Duisburg Hochfeld Süd Vorbahnhof.

Hier wird Kopf gemacht und die ehemalige Rheinische Stammstrecke der ehemaligen Rheinische Eisenbahn ganz unrheinisch befahren und zwar nach Mülheim-Speldorf. Einst zweigleisig geht es heute nur noch um ein Gleis beraubt durch den Speldorfer Wald und am nach wie vor besetzten Stellwerk vorbei bis auf Höhe der Hochschule Ruhr West. Hier beginnt (und endet abrupt) heute ein Radschnellweg auf dem alten Planum nach Mülheim (Ruhr) Hbf.

Im Rhein-Ruhr-Hafen darf die Verzögerung erhöht werden, denn was uns per Lautsprecher als "Erkundungsfahrt" verkauft wurde, ist in Wirklichkeit ein zusätzlicher Rangiervorgang, mit dem die führende Lok erstmal im Weg stehende Waggons weg rangieren muss.

Im Folgenden interessant das zugewucherte Nebengleis, das nicht etwa am Wasser endet, sondern mitten in dieses rein führt — jetzt nicht neu bei ihren Österreichischen Bundesbahnen: der AmphibienJet!

Im Hafen passieren Hafendinge und drahtige Angelegenheiten...
...während im Angerbachtal Anger management betrieben wird. Ja sicher, eine wirklich schöne Strecke, zumal mit parallel verlaufendem Fahrradweg, auch bei dieser Fahrt geht es aber nur bis zum Bahnhof Flandersbach und nicht bis zum Kalkwerk — und es hängt nicht am EBL sondern am Land.

Kommen wir zu einem Höhepunkt (ein Satz, der in sich ob seines Imperativs eigentlich schon keinen Sinn macht): die Befahrung des wenn nicht ausgedehnt doch beachtlichen Duisport Rail Netzwerks, zunächst rechtsrheinisch.

Wir kehren also aus dem Angertal zurück nach Duisburg Hochfeld Süd Vorbahnhof und durchfahren den Übergabebahnhof Hochfeld Süd, um kurz hinter der Hochfelder Rheinbrücke das DB-Netz zu verlassen. Entgegen den Angaben in OSM gehört die folgende Infrastruktur am Rhein entlang mittlerweile der Dusport Rail.

Hochfeld Nord nennen sie das hier am Innenhafen und vielleicht wird es Zeit, mal zu zeigen, mit was wir hier eigentlich fahren: die 212 079-8 und die V 160 002 der Hammer Eisenbahnfreunde zieht einen ziemlich langen Zug mit ziemlich vielen Wagen, die zudem ziemlich gut gefüllt sind.

Leider auch mit Publikum, das von der Fahrt anscheinend aus der Zeitung erfahren und sich nicht die Mühe gemacht hat, mal das Fahrtprogramm zu lesen: Grüße gehen raus an die zwei Dauernörgelomas gegenüber, an Frau "Warum stehen wir schon wieder" und Frau "Warum fahren wir jetzt zurück".

Noch regnete es nicht, aber die Lichtverhältnisse wurden schwieriger: wo es bei der einen Industrie fast wie gerendert aussieht, qualmt und stinkt die andere nicht nur wie anno dazumal, im Gegenlicht versinkt sie auch noch mehr in der Dunkelheit als sie ohnehin schon ausstrahlt. Ein Schrotthändler ist es beim dominanten Kartendienst, dass der hier auch einschmilzt, sieht man dort nur in dessen Fotos oder folgert es aus den Pfannenwagen.

Pannen wagen traut man sich auch beim Rheinpark, denn dieser soll die Hauptausstellungsfläche zur Internationalen Gartenausstellung nächstes Jahr werden und ist folglich abgesperrt, oder um es im Slang auszudrücken: Hömma, €12 für wat dat vorher kostenlos war? Bisse panne?

Zurück nach Hochfeld Süd und über den Rhein nach Rheinhausen, denn hier, wo einst ein Krupp-Stahlwerk stand, hat Duisport aus 265 ha Brachland multimodale Logistikflächen entwickelt. Ein geschwungener Betonbalken quer über die Straße erinnert noch an das ehemalige Tor 1, ansonsten erinnert hier vieles eher an goldene Zeiten der Eisenbahnlogistik.

Nicht alle Unternehmen hier haben ihren eigenen Anschluss so wie die für ihre Autotransporte bekannte BLG oder UnionStahl samt weißer Schnuckelrangierlok...

...oder der Getränkedealer Ihres Vertrauens. Viele profitieren aber indirekt von benachbarten Containerterminals wie das D3T, das als Hinterland-Hub der Seehäfen in Rotterdam und Antwerpen mit zwei großen Portalkränen Container zwischen Schiff, Schiene und Straße umschlägt.

Dass wir hier als Personenzug trotz laufenden Betriebs hinein fahren dürfen ist wohl eine Premiere, aussteigen geht hier aber natürlich nicht.

Finalemente wird mit Kopf machen auf Höhe des Chemieparks Krefeld-Uerdingen noch der Weg Richtung Moers eingeschlagen, um dahinter über die Haus-Knipp-Brücke wieder den Rhein zu queren und via Duisburg-Meiderich wieder den Rangierbahnhof Oberhausen West und dahinter als ersten Ausstiegshalt Oberhausen zu erreichen, wo die Sonderfahrt für uns endet, da der Abend noch mit einigem Nahverkehr in Essen abgerundet werden möchte.

Eine tolle Fahrt der Eisenbahn Nostalgiefahrten Bebra zusammen mit der Museumseisenbahn Hamm und insbesondere ein Highlight die fortlaufenden Erklärungen per Durchsage im Zug, gerne wieder!