@ladislav_bonita @adorfer @hart Größenwahnsinnig war das übrigens nicht. Von Fallersleben beschreibt einen ungefähren Bereich, der zu seiner Zeit den kulturell deutschen Raum mehr oder minder einschloss, also horizontal zwischen Geldern und Ostpreußen, vertikal zwischen Südtirol und des Ostsee. Das Problem war dann halt, dass die Nazis über diese Grenzen ihren Anspruch definiert haben. Womit aber tatsächlich die Nazis prominenter Vorreiter in der "from the river to the sea" Propagana waren, da halt Etsch und Ostsee.
Brecht schränkt das in der Kinderhymne mehr oder minder auf die Grenzen des modernen Deutschlandes nach allen Gebietsabtretungen im ersten und zweiten Weltkrieg: Maas und Memel werden reingerückt zu Rhein und Oder, statt Etsch die Alpen und statt der Ostsee einfach nur die See.
Allerdings ist die Reihung bei Brecht anders rum. Könnte man aber auch machen:
Von den Alpen bis zur See,
keine Lust auf AfD,
von der See bis zu den Alpen,
Deutschfaschisten Klappe halten.
Oder so. Oder internationaler:
Von der Maas bis an die Memel,
von der Etsch bis an den Belt,
deutsches Sprachrohr aus dem Kremel,
die AfD schafft aus der Welt!
@ladislav_bonita @adorfer @hart Tatsächlich sind zur Zeit des Gedichtes die Grenzen relativ gut gesetzt, man darf sich das aber nicht als Viereck vorstellen. Gerade der Teil des damaligen deutschsprachigen Siedlungsgebietes, der sich bis an die Memel zog, war nur ein Streifen an der Ostseeküste. Aber natürlich sind diese Grenzen vollkommen ungeeignet, um darauf einen Nationalstaatsanspruch zu erheben.
Zwischen diesen beiden Texten liegen gut 100 Jahre in denen sich die Machtverhältnisse stabilisiert haben und die Grenzen gefestigt haben. Leider nicht intelligent angegangen, und hat ganz Europa unselig viel gekostet. Brecht schreibt eine Hymne für die politische Entität Deutschland, nicht für den gesamtdeutschen Raum. Es ergibt beides Sinn, aber nur im jeweiligen Kontext.