Ich habe eine neue Lieblingsantwort auf die Frage:

"Warum gibt es denn auf einmal so viele ADHS-/Autismus-Diagnosen?"

"Aus demselben Grund, aus dem es nach der Erfindung des Teleskops plötzlich viel mehr Sterne gab."
(Frauke Bitomsky via Youtube)

Ich feier das gerade sehr. 🤩🥳

#Autismus #ADHS #LebenMitAutismus #LebenMitHochbegabung #Spoonielife

@Sagesse Korrekt! Manche der Sterne haben sich dann zwar als Planeten herausgestellt, das sagt aber nicht, dass das Teleskop schlecht war.

Wobei die Parallele noch mehr greift - genau wie, wieviele Sterne man findet, auch von Lichtverhältnissen abhängt, hängen Symptome von ADHS auch davon ab, wie tolerant die Gesellschaft ist, oder eben nicht. Wenn die Gesellschaft toleranter ist, können mehr Leute mit ADHS ohne Hilfsmittel (oft sogar ohne Diagnose) leben; wird sie dagegen intoleranter, entsteht der Drang, alles diagnostizieren mit Medikamenten lösen zu wollen, weil sie Mehrheit selbst sich dann ja nicht ändern muss.

Wie ein Psychologe im Netz mir mal schrieb: eine "disorder" ist keine Krankheit, sondern eine Inkompatibilität mit der Gesellschaft. Wenn diese mehr akzeptiert, und z.B. Schulen mehr Kapazität haben, sich um jeden zu kümmern, gibt es automatisch weniger "disorders" - nicht nur, weil man weniger zum Arzt geschickt wird, sondern auch, weil tatsächlich weniger Inkompatibilität vorliegt.

Und ja, vor 30 Jahren war man toleranter als heute.

@divVerent
Mal abgesehen von den mansplainig-vibes...

Ich finde nicht, dass die Gesellschaft vor 30 Jahren toleranter war. Der Druck, zu maskieren, war höher - und das Wissen um die möglichen Hintergründe war geringer.
Ich bin zeitlebens mit Depressionen diagnostiziert worden - den dahinter drohenden Burnout hat niemand gesehen. Und meine Meltdowns wusste ich zu verstecken, die hätte niemand akzeptiert.
Ich bin dankbar, dass heute anders und vor allem genauer hingeschaut wird.

@Sagesse Das definitiv. Ich finde nur, dass ein großer Faktor dabei eben auch die Vergrößerung der Schulklassen, also in anderen Worten der Lehrermangel, ist. Die Gesellschaft wurde hier notwendigerweise intoleranter aufgrund von Kapazitätsmangel (wobei ich auch sagen muss, dass politische Ansichten heute deutlich weniger toleriert werden).

Wenn niemand in Bildung investieren will, dann zahlt man es eben über das Sozial- und Gesundheitssystem...

Der von mir genannte Effekt ist aber in den USA in beiden Hinsichten noch deutlich stärker - noch mehr Lehrermangel, noch mehr politische Polarisation, wo jeder, der "etwas falsches sagt", sofort verfolgt wird.

Man muss aber in der Tat alles dies tun - sich wieder mehr um einander kümmern (was eben auch kostet), und mehr professionell genauer hinschauen.
@divVerent
Ich weiß nicht, ob du Kinder hast.
Als ich zur Schule ging, gab es große Klassen, als meine Kinder zur Schule gingen, gab es große Klassen und heute auch.
Was ich hier in SH beobachte, sind die katastrophalen Folgen der (finanzpolitischen!) Entscheidung, die Förderschulen und das dreigliedrige Schulsystem abzuschaffen. Das hat noch zusätzlich Sprengstoff ins System gekippt. Das werde ich der Politik auch nie verzeihen. Die pädagischen Begründungen waren vorgeschoben und gelogen.
@Sagesse Zu meiner Zeit waren Grundschulklassen 25. Jetzt sind es bei meinen Kindern 35. Das macht einen riesigen Unterschied.

Das Bildungssystem wird totgespart.
@Sagesse (Und in den USA - gibt es deshalb ständig Schulschießereien... die Leute werden vom noch viel mehr als hier kaputtgesparten Schulsystem derart zum Zusammenbruch gebracht, dass sie morden)

Und ja, gegen das Stigma gegen Diagnosen muss man auch noch etwas tun. Diesbezüglich wurde es besser aber noch lange nicht gut.

@divVerent @Sagesse Zu meiner Schulzeit, so vor 20-30 Jahren, waren Klassenstärken um die 31-33 völlig Normal gewesen.

Und da war auch nichts mit "mehr Toleranz" oder ähnlichem. Jede Abweichung von der Norm wurde hart Bestraft. Da das anders Sein als "Provokation" gewertet wurde und eins dadurch als Täter*in hingestellt wurde und nicht als das eigentliche Opfer.

@Aglaia89
Das.
Bei mir ist es nochmal 20 Jahre länger her, da war es so.
Und zu Zeiten meiner Kinder - deiner Zeit - genauso.

@divVerent

@Aglaia89 @Sagesse Gut, dann muss ich akzeptieren, dass ich falsch liege und mit meiner Schule wohl extremes Glück hatte. Über dreißig waren wir nur ein Jahr lang, dann wurden Klassen aufgeteilt und es war wieder im gesunden oberen 20er-Bereich.
@Aglaia89 @divVerent @Sagesse
Bei mir auch so. Und jeder der "anders" war, wurde gemobbt und die Lehrer haben weg gesehen, bzw mich angeschrien endlich die Klappe zu halten. (fehlende Impulskontrolle und kein Filter, also sehr viel aus meinem Kopf direkt ausgesprochen worden, egal ob jemand es wissen wollte)

@LeelaTorres
I feel you so much.
Mein Herz weint um jede_n von euch...

@Aglaia89 @divVerent