RE: https://fnordon.de/@mspro/115872442068128378

ich glaub, jetzt hab ichs: die klassische ökonomie versteht "investition" nicht.

sie sieht nur das "asset" und die transaktion und baut darum ihren "markt".

aber wenn investition leverage ist, dann braucht sie ein "fulcrum" - einen festen punkt, über den die kraft übersetzt wird.

das fulcrum ist eben nicht einfach das asset, also das unternehmen. sondern das asset in seinem infrastrukturellen kontext, also dem zoo aus pfadabhängigen infrastrukturen, von denen das unternehmen abhängig ist.

genauer gefasst ist das fulcrum nicht wirklich "das unternehmen" plus "seine infrastrukturen", denn was die wirklich "wert" sind weiß der teufel.

das fulcrum ist in wirklichkeit unsere in diese infrastruktur investierte erwartung.

der "feste punkt" ist eben gar nicht so fest, denn erwartungen sind zwar erstaunlich stabil, aber wenn man zu sehr gegen sie wettet, kollabieren auch sie.

jeder betrüger verwendet deine erwartungen als fulcrum. seine story ist der hebel und die ausführung ist die eingesetzte kraft. aber wenn zu viele menschen zu oft betrogen wurden, dann bricht das fulcrum ein und der hebel leveraged ins leere. die kosten davon sind zwar gesellschaftlich (alle mißtrauen einander), werden aber persönlich überall gespürt.

das machen trump, musk, epstein, merz, dobrint, die afd. etc. mit der ganzen gesellschaft.

herausgezoomt wird sichtbar, dass das "fulcrum" ziemlich deckungsgleich mit all dem ist, was "ökonomen" als "externalitäten" verdrängen.

so erklärt sich auch finanzialisierter wert. wer in gold investiert, leveraged eine 1000jährige geschichte von wert-erwartung.

wer in bitcoin investiert leveraged die laute community und ihre alternativen narrative und wert-erwartungen.

wer in unternehmen investiert leveraged die erwartungen an den wert des pfades des unternehmens inkl. pfadabhängigkeiten.

wer uns erpresst, leveraged unsere sehnsucht nach erwartungsstabilität.

aber all diese assets leveragen selbst so viel infrastruktur: erwartungen an politische rahmenbedingungen, lieferkettensicherheit, öffentliche infrastruktur, recht, bildung, wissenschaft, nationalstaat, der dollar, frieden, stabliles klima, etc.

beispiel immobilienmarkt: der wert des "asset" haus, wird nicht (nur) über wert seiner materiellen erstellung (opportunitätswert), sondern über, wie es makler sagen "lage, lage, lage" bestimmt.

"lage" bedeutet: gute anbindung, gute lebensbedingungen, kultur – also angeschlossene infrastruktur.

der gap zwischen herstellungskosten und preis, der von ökonomen mit "preisfindung" vernebelt wird, stellt sich als resultat von infrastruktur heraus, die sie als "externalität" unsichtbar gemacht haben.

das ist auch schon wieder so eine ironie: statt den "wert" im markt zu suchen, hätten sie sich stattdessen gedanken machen können: was macht eine "lage" attraktiv? und da mal echt forschungsgeld reinstecken. und dann kann man fragen: wie können wir mehr "lagen" attraktiv machen?

nur einer der forschungspfade, die die politische ökonomie der pfadgelegenheiten eröffnet.

also kurz zusammengefasst: man kann die gesamte gesellschaft als netzwerk von erwartungen modellieren, wobei sich die erwartungen entlang von pfadgelegenheiten ausrichten, denn erwartungen sind wetten auf pfadgelegenheiten und damit wetten auf die zukunft.

das netz der erwartung ist das infrastrukturelle fulcrum, an dem wir all unsere sogenannten "handlungen" leveragen.

handlung ist in wirklichkeit "dividuums-welt-interaktion", in der sich immer beides, das dividuum und die welt verändert.

dass pfadgelegenheiten gesellschaftlich für "einiger maßen sicher" befundene infrastruktur sind, kann man gut am adaptionsprozess neuer pfadgelenheiten beobachten.

als die pfadgelegenheit "linienflug" eingeführt wurde, musste das vertrauen in diese infrastruktur erst mühsam durch die gesellschaft perkulieren. bis alle irgendjemand kannten "der schon mal geflogen ist". so akkumuliert sich investiertes vertrauen in infrastruktur und diese erwartungsstabilität ist das, was linienflüge ermöglicht.

aber jedes vertrauen kann einbrechen. boing hat diese infrastruktur über gebühr geleveraged, indem sie kostenreduktion vor sicherheit stellten. eine riskante wette.

wenn man in den ganz alten texten, wie bibel oder frühe niederschriften von sagen liest, findet man da alle möglichen widersinnige details, wie wer mit wem verwandt ist oder wieviel ziegen für ein schaf getauscht wurden und so.

diese texte waren ein fulcrum für die verbreitung nützlichen alltagswissens.

jedes wissen braucht ein fulcrum. also ein "wissen" + medium, das du beleihst, um semantische infrastruktur anzuschließen.

jan assman hat gezeigt, dass kulturen vor der schrift ihre kultur, ihre sagen und erzählungen, etc an landschaftsfeatures festknüpften. sie leveragten also berge, flüsse, täler, felsen und meere als ankerpunkte für weitere semantische infrastruktur.

juden waren die ersten, die "schrift" und die fähigkeit zu lesen leveragten, was sie befähigte, ihre kultur auch im "exodus" zu reproduzieren.

das frühe christentum wiederum vernetzte ihre dezentralen "gemeinden" über das das römische postsystem.

und klar, luther leveragte den buchdruck und die einsetzende literazität in der bevölkerung, um den protestantismus zu verbreiten.

aber: was all diese beispiele auch noch leveragten, war die erwartungskontinuität der etablierten strukturen, die auf die efffekte der "neuen medien" noch nicht vorbereitet waren. und ich denke, aus diesem gap ergeben sich einerseits die netzwerkeffekte und andererseits die politischen tumulte.

und wir baden mit dem internet gerade unsere hände darin.

was auch lustig ist, wenn man drüber nachdenkt: das christentum leveraged die tora in form des "altes testatments" als semantische infrastruktur, um ihr "neues testament" plausibel zu machen.

ich ratter das hier gerade alles so durch, aber das sind tatsächlich alles fragen und probleme, über die ich seit 20 jahren oder so nachdenke (teilweise) und die ich schon lange als "vorrat irgendwie zusammenhängender problemstellungen" in meinem kopf rumwälze und seit ich diesen pfadgelegenheitstrick anwende, purzeln die zusammenhänge wie bei einem komplexes uhrwerk, das ineinanderklickt.

es ist anstrengend, aber auch gut.

wenn man drüber nachdenkt, ist mein trick gar nicht so kompliziert: statt nach "objektiven" beschreibungen der realität zu suchen, modelliere ich mit der pfadgelegenheit plausible "aggregierte subjektivitäten/perspektiven" entlang ihrer materiellen constraints. und plötzlich werden macht, wirtschaft, kultur, wissen, öffentlichkeit, finanzmarkt, sprache, usw. ein plausibles, gesellschaftliches ganzes.

und klar, diese perspektiven, die ich baue haben ihren pfadausgangspunkt natürlich immer in meiner perspektive, aber ich denke, ich bin da sehr streng damit, welche der selbstbeobachtungen ich generalisiere (nur sehr wenige) und es ist ja nur der ausgangspunkt. wichtig ist, weitere pfade zu finden mit ähnlichen iterationen und dann versuchen, die zusammenhänge zu verstehen.

erst dann kommt der schwere part: man muss sich trauen, sie auszusprechen. ich hab mich da etwas … frei gemacht.

die eigene perspektive zu beleihen ist immer ein bisschen riskant, aber ich finde auch unverzichtbar: niemanden kann man so genau beobachten, wie sich selbst. die introspektion ist eine unterleveragte erkenntnis-infrastruktur, gerade in den sozialwissenschaften.

auch "erlaubnisstrukturen" sind pfadgelegenheiten, also hebel, also wetten auf ein fulcrum aus zukunftserwartungen anderer.

gewalt "bleiht" gewalt.

erlaubnisstrukturen sind pfadgelegenheiten für gewalt, die …

- ein oder mehrere materielle gewaltereignisse aus der vergangenheit und die allgemeine (oder lokal relevante) akzeptiertheit ihrer rechtfertigung -

… als fulcrum leveraged, um daran einen hebel von kinetischer infrastruktur anzusetzen, um einen "akt legitimer gewalt" zu produzieren.

deswegen ist das schicksal der palästinenser so wichtig für uns und deswegen wird die art und weise, wie wir mit flüchtlingen oder wie wir mit bürgergeldempfänger*innen umgehen, schon bald auf uns zurückfallen.

weil wir das sind – als westen, als deutschland, als europäer – die diese gewalt akzeptieren und unsere erwartungen auf diese andere gesellschaftliche "baseline" neujustieren.

und deswegen werden gaza und die brutalität gegen schwache irgendwann auch gegen uns geleveraged werden.

@mspro

#Geopolitik #Sozialwissenschaften

(1/n)

"...und deswegen werden gaza und die brutalität gegen schwache irgendwann auch gegen uns geleveraged werden."

Absolut korrekt. Ich hatte heute früh in ähnlichen Bahnen gedacht:

Was #Trump in #Venezuela mit seiner #Flugzeugträger-basierten #Armada in #Venezuela an angerichtet hat und mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit nun im #PersischenGolf anrichten wird, sollte ihm #Teheran weiter die Stirn bieten,...

#Geopolitik #Sozialwissenschaften

(2/n)

...dürfte für den klügsten der der derzeitigen #Diktatoren, #Xi, wohl exzellente #Fallstudien aus dem wirklichen Leben sein.! --In nur 9 Jahren wird die #Chinesische #Kriegsmarine wohl über 6 #Flugzeugträger verfügen:

https://meta-defense.fr/de/2026/01/06/6-porte-avions-marine-chinoise-2035/

Um deinen Faden fortzuspinnen:

#China wäre nicht die erste imperialistische #Asiatische #Großmacht,...

@mspro

[Analyse] Laut Pentagon wird die chinesische Marine bis 2035 über 6 Flugzeugträger verfügen.

Das Pentagon geht davon aus, dass China bis 2035 über mindestens sechs Flugzeugträger verfügen wird. Die operative Umsetzung muss jedoch noch anhand der industriellen Produktionsrate, der Personalausbildung und der logistischen Unterstützung sichergestellt werden.

Meta-Defense.fr

@mspro

#Geopolitik #Sozialwissenschaften

(3/3)

...die die #USA attackiert...*

#Trump wird da wohl kaum noch am Leben, geschweige denn am Ruder sein. Wäre er es und wäre er dann der Selbstreflexion mächtig (eher friert die Hölle zu), dann würde er wohl sagen:

"Die Geister, die ich rief, wurd' ich nicht mehr los!"

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