@Daniel_Pagenstecher
Nein, was den von Benjamin analysierten Brief angeht, hatte ich mich falsch erinnert. Es war nicht Goethe an Zelter, sondern Goethe an Moritz Seebeck, geschrieben aus Anlass des Todes von Seebecks Vater (3. Januar 1832).
Goethe schreibt:
"Ich habe in meinem bewegten und gedrängten Leben mich einer solchen Versäumniß öfters schuldig gemacht und will auch in dem gegenwärtigen Fall den Vorwurf nicht ganz von mir ablehnen."
Benjamin analysiert dies so:
"»nicht ganz von mir ablehnen« - Goethe hätte wohl schreiben können »nicht ganz ablehnen«. Er schreibt »nicht ganz von mir ablehnen« und bietet damit sich, den eignen Leib, dem Vorwurf zur Stütze, gemäß der Neigung, die Abstraktion, die er im Ausdruck sinnlicher Dinge bevorzugt, ihrerseits im Ausdruck der geistigen in eine paradoxe Anschaulichkeit umschlagen zu lassen."
#Goethe #WalterBenjamin