Gehen “wir” alle mit VW unter?
Von der Schweiz lernen? Ist das eher gut? Oder macht es alles noch schlimmer? Entscheiden Sie selbst!
Von FAZ bis Junge Welt beschwören Medien es als Apokalypse-Szenario. Zunächst einmal, weil es gut klickt. It’s the economy, stupid! Als Radfahrer weiss ich immerhin, dass der VW-Konzern beim Abgasbetrug ganz vorne mit dabei war. Und dass er eine schwärende Wunde ist:
– im Körper der IG Metall, Deutschlands grösster Industriegewerkschaft
– im Körper des Bundeslandes Niedersachsen (an Einwohner*inne*n weniger als zwei Ruhrgebiete, an Fläche aber 19 Saarländer)
– im Körper der gesamten Industrie der “Deutschland AG”.
Am wenigsten Sorgen mache ich mir um die Clans der Porsches und Piechs. Sind die nicht sowieso Österreicher? Egal.
Als ver.di-Mitglied weiss ich wenig über die VW-spezifischen Strukturprobleme. Ich hatte 1978 einen VW-Käfer und wollte/musste den zügig wieder loswerden. Mehr hatte ich damit nicht zu tun.
Als langjähriger kleiner Polit-Profi weiss ich immerhin einiges über weltabgewandte, selbstreferentielle, soziale Inseln. Und beim Thema “VW-Apokalypse – ja oder nein?” empfehle ich den vorsorglichen Blick in der Deutschen liebstes Auswanderungsland:
Simon Helbling/ZDF/Arte: “Gier – Der Fall der Credit Suisse – Seit 2023 gibt es die Schweizer Großbank Credit Suisse nicht mehr. Wie konnte das passieren? ‘Gier – Der Fall der Credit Suisse’ deckt auf, was sich hinter dem seriösen Image verborgen hat: eine Kultur des Hochrisikos, die erhebliche Verluste in Kauf nimmt, solange dabei die Boni stimmen. Der Dokumentarfilm zeichnet nach, wie es zum Untergang der Credit Suisse kommen konnte.” Verfügbar bis 26.7. Video 89 min.
Mitproduziert hat den Film der schweizerische Tamedia-Konzern, ein eigener Pressekrimi für sich. Ich will nicht abschweifen, aber viel lässt sich hier über mitteleropäische Konzernstrukturen lernen.
Wer hätte das von der Schweiz gedacht? Ausser natürlich die Schweizer*innen selbst. Die kennen sich. Oder?
Und jetzt du, Deutschland.
Und übrigens Beuel: das formschöne Gebäude in deiner Mitte (hier der rechte Teil, die Apotheke ist wirklich gut, und gehört nicht einem CDU-Spender, und hier der grössere linke, der Edeka-Eingang ist der wichtigste Schattenspender des ganzen Platzes), gehört der Swiss Re. Hat sie nicht gebaut. Aber gekauft.
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger