Zahlenspiel des tages
Christoph Jehle will uns in der telepolis erzählen, dass die syfilis gar machtvoll zurückkommt (sie war niemals weg, es gibt nur wirksame antibiotika), erklärt in der übelschrift (na, KI-gnobbelmatsch?) einen davon, dass sex eine epidemie sei, also eine sich ausbreitende krankheit, und er hat eine menge lustiger zahlen, um sein tintengeklexe zu untermauern. Leider kann er zahlen nur aufschreiben und nicht verstehen, und dann entsteht so etwas:
Die höchsten Inzidenzen wurden im vergangenen Jahr demzufolge in Berlin (knapp 36 Fälle pro 100.000 Einwohner) und Hamburg (knapp 30 Fälle pro 100.000 Einwohner) registriert […] Daneben wurden hohe Inzidenzen auch in Köln (42,9), München (38,9), Nürnberg (29,2), Frankfurt am Main (27,8) und Düsseldorf (25,5) registriert
[Anders, als die gekennzeichnete auslassung vermuten lässt, liegen diese textfragmente nicht weit auseinander, sondern stehen so gut wie nacheinander.]
Merken wir uns: der höchste wert für die inzidenz in einer stadt der BRD liegt so um die 36, aber 42,9 und 38,9 sind auch recht hohe zahlen. Aber nicht die höchsten!!1! Die höchsten hat das reichshauptslum. Um hier den fehler zu sehen, muss man nicht einmal so abstrakte begriffe wie „geordneter körper“ gehört haben, es reicht völlig, wenn man kein grundschulabbrecher ist. 🤭️
Ich habe bei dem ganzen artikel in seiner gnadenlosen weitschwafeligkeit übrigens einen nicht mehr abzuschüttelnden gnobbelmatsch-verdacht. Müsst ihr wissen: angelernte neuronale netzwerke sind der „neue jornalismus“, jetzt noch billiger, schneller, wortreicher und falscher. Und dieser „neue jornalismus“ kann genau so wenig rechnen oder völlig offensichtliche fehler in zahlen aus unterschiedlichen abgeschriebenen kwellen erkennen wie der alte jornalismus. Hier hätte man nicht einmal rechnen müssen, es hätte ein größenvergleich gereicht. Ich sags ja: grundschule. Anforderungen für zehnjährige. Wer daran scheitert, wird nicht mehr wirt — es kann sich ja auch kaum noch jemand das saufen in der kneipe leisten — sondern contentindustrieller jornalist.
Man kann natürlich auch einfach einen text aus den gnobbelmatschgenerator in das redakzjonssyste kopieren und veröffentlichen. Hauptsache, die werbeplätze können vermarktet werden, der rest ist scheißegal.
Aber gut, die telepolis ist ja schon lange im niedergang… 😐️
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