Nochmal Nachtrag zu den
Honorarkürzungen
für Psychotherapeut*innen
Wenn man mit Leuten, die sich auskennen, mal off-the-record spricht, stellt sich heraus, dass der derzeit suggerierte Skandal eigentlich keiner ist.
Die Jurist*innen - wohlgemerkt auf unserer Seite - sagen ganz klar:
Die Formel, nach denen die Honorare regelmäßig berechnet werden, ist weiter die gleiche. Nur, dass wir uns die letzten Jahre sehr daran gewöhnt haben, dass es nach der Formel stets zu Honorar_erhöhungen_ kam. Jetzt verlangt die Berechnung erstmals wieder eine Korrektur nach unten (und das ja auch nur teilweise! Die Strukturzuschläge werden ja erhöht).
Die Berufsverbände wissen das, geraten aber ob des Aufschreis eines Teils ihrer Mitglieder in Konkurrenz miteinander beim Halten und Gewinnen dieser.
D.h., weil ein paar laute Leute, die im Grunde nicht verstehen, wie die Honorarbemessung funktioniert, und sich i.d.R. selbst die Hände durch eigenes Engagement in den Berufsverbänden nicht schmutzig machen, sehr laut in den Mailinglisten der Verbände krakeelen und mit Austritt drohen, fühlen sich die Verbände gezwungen, ihren Mitgliedern schnell den Eindruck zu vermitteln, sie würden die Proteste inhaltlich unterstützen.
Den Austrittsdrohungen liegt dabei die Fehlannahme zugrunde, die Verbände hätten irgendetwas mit der Bestimmung der Honorare zu tun gehabt. Was nicht der Fall ist. Aber Informieren oder Nachfragen stört beim Wutbürgern ja auch nur.
Wie ich die Tage schon schrieb:
Es gibt wirklich länglich Ungerechtigkeiten und auf unserem Rücken ausgetragenen teuren Unsinn, über den sich die Kolleg*innen das gesamte Jahr aufregen und gegen den sie sich ENGAGIEREN könnten!
- Die eklatante Finanzierungslücke bei der Umstellung von der Psychotherapieaus- zur Weiterbildung.
- Die offensichtlich nicht mit der Realität vereinbare Bedarfsplanung und Budgetierung ambulanter Psychotherapie in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).
- Die fortschreitende Prekarisierung psychisch Erkrankter durch die faktische Demontage des Bürgergelds und Ausbau des Sanktionsregimes.
- Das Verbrennen wertvoller psychotherapeutischer Ressourcen durch eine Digitalisierung des Gesundheitssystems als Bananenversion ("reift beim Kunden“) und eine völlig ineffektive Form von Qualitätssicherung.
- Die faktische und unbegründete eklatante Honorardifferenz von Psychotherapeut*innen im Vergleich zu anderen Fachärzt*innen.
- Die fehlende Diversität in der Berufsgruppe durch strukturelle Zugänglichkeitsbarrieren für marginalisierte Gruppen - und resultierend Barrieren für dieselben Gruppen beim Zugang zu Psychotherapie.
Diese Themen werden - ehrenamtlich! - von einem Bruchteil der Berufsgruppe in den Verbänden bearbeitet, kommentiert, verhandelt, während sich der Rest in der Freizeit eben um sich selbst kümmert. Sich aber dann lauthals über das vermeintliche Versagen der Menschen beschwert, auf deren Rücken sie sich durch ihre berufliche Existenz tragen lassen!
So. Ende des Rants.
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