Sonntag - ein paar Sonnenstrahlen lassen sich ja dann doch noch blicken hier. Dass ich mich morgens von einer meiner Platten in den Tag begleiten lasse, daran könnte ich mich glatt gewöhnen. Zumindest am Wochenende, wenn einem der Arbeitstag nicht die Freizeit kaputt macht. Ansonsten vergeht der Tag so, wie es sich für einen Sonntag gehört: Das Hirn dreht angenehm im Leerlauf, die wichtigstens Ziele des Tages sind das Mittagessen, das Sofa und das Abendessen. Wäre da nicht die Tatsache, dass ich mein Bürofutter und die Rüstung für morgen vorbereiten muss, der Tag wäre perfekt. Der Sohn ist allerdings heute ein Nervenbündel. Morgen bricht er zu seiner ersten Reise auf, die er von vorne bis hinten selbst und eigenständig organisiert hat. Alles ist bereit, er könnte sofort los, aber der Zug fährt erst morgen früh ab. Und bekanntlich ist nichts schlimmer als das Warten auf die Abreise in den Urlaub...
#amEndedesTages ist für den Wochenanfang alles vorbereitet. Noch einmal also das süße Nichtstun genießen, bevor morgen wieder die Pflicht ruft.
Was morgen kommt? Ach, daran will ich noch gar nicht denken. Nur das eine ist sicher: am Ende wird wieder ein Tag
#gestrichen.
Freitag - wie es aussieht, hat sich der Morgen gesern verausgabt. Jedenfalls bekomme ich heute nur die Sparausgabe in Grau. Im Büro bleibt es heute ruhig. Die meisten sind schon im Wochenend-Modus und lassen es ruhig angehen, einschließlich diverser Leiter. Hauptgesprächsthema ist irgendwas mit Weltmeisterschaft und Fußball. Ich habe weder Ahnung noch Interesse daran und halte mich mit Beiträgen daher vornehm zurück. Beiläufiges Nicken muss reichen. Zum Mittag werden plötzlich alle ungewöhnlich aktiv und eilen schnellen Schrittes Richtung Parkplatz. Das Wochenende ist da! Auf dem Heimweg kommen mir wieder jede Menge auswärtige Kennzeichen entgegen: Die Nordsee-Inseln rufen! Für meine beste Ehefrau von allen und mich geht es nicht auf die Inseln, sondern in diverse Konsumtempel: Die Vorräte werden aufgestockt. Und unser Sohn bereitet sich gewissenhaft auf seinen ersten Solo-Urlaub vor. Wir sind schon gespannt, welche Geschichten er aus Amsterdam mitbringen wird.
#amEndedesTages steht (mal wieder) ein Krankenwagen vor der Tür gegenüber. Und dieses Mal geht es um einen Bekannten, der (zum Glück ohne Blaulicht) ins Krankenhaus gebracht wird. Hier wartet die nächste Geschichte darauf, uns erzählt zu werden. Wir drücken ihm auf jeden Fall die Daumen, das alles gut geht. Jetzt aber holen wir alle erstmal tief Luft, entspannen uns und genießen die letzten Stunden schwindenden Tageslichts. Morgen kümmere ich mich um das bisschen Haushalt, meine Schallplatten, vielleicht um ein paar Bilder und meine Bücher. Wir machen es uns gemütlich.
Letzte Amtshandlung: Ein Tag wird
#gestrichen - bleiben noch 67.
Donnerstag - einen solchen Morgen habe ich noch selten erlebt: Die gerade aufgehende Sonne strahlt schwere Regenwolken an, die in hellstem Weiß, leichtem Grau und tiefem Schwarz am blauen Himmel hängen. Wiesen und Felder leuchten unter der Sonne, die Windräder heben sich strahlend vom schwarzen Himmel im Westen ab. Und darüber spannt sich in einem bunten Halbkreis ein kräftiger Regenbogen. Und was habe ich natürlich nicht dabei? Meine #guettisknippse-Kamera und Zeit. Das Büro wartet nämlich schon auf mich. Zur täglichen Routine gehört heute morgen auch eine Datenbank, die mitten in der Nacht eingeschlafen ist. Der Server muss erstmal zur Mitarbeit bewegt werden, bevor die Datenbank wieder erwacht. Ansonsten bringt der Tag heute wieder viele Gespräche über Gott und die Welt, drei große Kuchen für die Mannschaft und die Erkenntnis (mal wieder), dass ein großes Wissen nicht das gleiche ist wie eine hohe Intelligenz. Nach dem Hindernisrennen der gestrigen Heimfahrt scheint der Heimweg heute geradezu mit Vaseline geschmiert zu sein: Es fluppt einfach, und ich bin schneller zuhause, als ich erwartet habe. Hier duftet es nach Henna in den Haaren der besten Ehefrau von allen, und die Familie erzählt mir von lebenden Geschichten, Tattoos, Mathestunden, Kolonialisierung und Amsterdam. Kurzum: ein reger Austausch, den ich um nichts in der Welt missen möchte.
#amEndedesTages kehrt Ruhe ein. Die Sonne geht über den Dächern der Stadt unter, und das Sofa ist wieder gemütlich wie immer. Ein Buch, vielleicht noch ein kleiner Drink... Und absolut keine WM. Mein Seelen-Akku lädt...
Morgen nur ein halber Tag im Büro, aber der wird auch reichen. Schließlich wollen wir ja alle bald ins Wochenende.
Letzte Amtshandlung: Ein Tag wird
#gestrichen - bleiben noch 68.
Mittwoch - Es ist nass - ob immer noch oder schon wieder, weiß ich nicht. Die Scheibenwischer quietschen vor sich hin und konterkarieren damit meine Playlist, die von Träumen singt. Im Büro alles beim alten, aber irgendwie alles leichter. Es wird heute viel gelacht, über kleine Missgeschicke, dumme Sprüche oder seltsame Anekdoten. Der Arbeitstag vergeht mit einer ungewöhnlichen Leichtigkeit, die uns allen inmitten der Kriege, deren Zeuge wir täglich werden, gut tut.
Der Nachmittag wartet dagegen mit einem Heimweg auf, der mich (mal wieder) Geduld und Demut lehrt. Ein museumsreifes Vehikel, das kaum schneller als ein Fahrrad fährt, blockiert gut die Hälfte meines Heimwegs. Dazu kommen die notorisch blinden Fahrer, denen alle anderen völlig egal sind, und die Fußgänger, die selbstmörderisch ebenso verträumt wie unerwartet die Straße kreuzen wollen. Polizei, Notarztwagen, Pop-up-Baustellen - der Straßenverkehr gibt sich alle Mühe, mich nicht nach Hause kommen zu lassen. Letztlich komme ich aber doch an! Geduld zahlt sich aus.
#amEndedesTages bin ich müde. Ob ich noch eine Seite lesen kann? Ich werde es sehen. Aber ein kleiner Drink ist heute noch drin! Meine beste Ehefrau von allen und ich verabschieden die 7 (siehe unten)! Morgen wird ein normaler Arbeitstag, außer, dass uns der Chef mal wieder ein bisschen auf die Pelle rücken will. Was mich nicht unbedingt belastet.
Letzte Amtshandlung: Ein Tag wird
#gestrichen - bleiben noch (unanständige 😁) 69. 🥃
Dienstag - Um ein Haar vergesse ich den Arbeitstag. Aber der Wecker ist gnadenlos und erinnert mich an meine Anwesenheitspflicht. Im Halbschlaf taumle ich durch das Haus, erwache langsam zur Melodie von Rasierapparat und Zahnbürste. Kaffeemaschine, Frühstücksbrot - frühmorgendliche Automatismen. Im Büro kämpfe ich noch ein wenig mit der Aufnahmefähigkeit, aber der Bürokaffee wirkt Wunder. Meine Aufgaben gehen heute ein bisschen zu leicht - ich muss ein wenig auf die Bremse treten, damit ich nicht so viel zu früh fertig werde. Sonst kommen andere noch auf dumme Ideen... Der Heimweg wird ein kleines Musikfest für mich. Statt des Radios lasse ich mich von meiner Lieblingsplaylist unterhalten. Black Math, Placebo, Massive Attack, Snow Patrol... viel zu lange nicht mehr gehört! Zuhause bin ich heute einfach mal faul. Das Wochenende war ja auch anstrengend genug! Ich beschäftige mich mit meinen Bilder und der Bildbearbeitung und lass alles andere einfach mal liegen. Morgen ist schließlich auch noch ein Tag.
#amEndedesTages konsumiere ich noch das eine oder andere Kapitel meines Buches. Es ist endlich mal eines, das mich auch gerne weiterlesen lässt. Später an anderer Stelle mehr dazu. Morgen treibe ich meine Aufgabe langsam weiter voran. Ich habe jetzt die Möglichkeit, allerhand mehr oder weniger unnötigen Schnickschnack zu verbauen. Mal sehen, was mir das so noch einfällt.
Letzte Amtshandlung: Ein Tag wird (endlich wieder)
#gestrichen - bleiben noch 70.
Freitag - Ach, schau! Schon wieder eine Arbeitswoche rum! Im Büro muss ich tatsächlich ein bisschen aufpassen, nicht zu viel zu arbeiten (das hätte ich noch vor einigen Monaten nie gedacht!), damit ich nicht zu früh mit meinem Auftrag fertig werde. Ich pumpe mir das Ding gerade mit allerlei Spielereien und nicht unbedingt notwendigen Funktionen auf, quasi als letztes Meisterstück. Aber ich weiß jetzt schon, dass letztlich nicht mehr als eine dämliche Powerpointpräsentation davon übrig bleiben wird. Wenigstens habe ich so bis zur Pension eine interessante Beschäftigungstherapie.
Der Nachmittag ist dafür deutlich zufriedenstellender! Ein Besuch im Buchladen unseres Vertrauens (die haben uns schon vermisst!), ein Bummel durch die Fußgängerzone (trocken!), ein bisschen Wellness und ein Blick in einen schnuckeligen Rumladen sind das Hors d'oeuvre für den abschließenden Überfall auf den Plattenladen. Geplant war der Kauf von zwei, vielleicht drei gebrauchten
#vinyls, geworden sind es elf! Ein bisschen irre bin ich dann vielleicht doch. Entschuldigung!
#amEndedesTages erkunde ich das neue Buch, und dazu lege ich die eine oder andere Neuerwerbung auf den Plattenteller. Wir machen es uns gemütlich!
Morgen sind wir außer Haus und gehen mit Kind und Kegel mal wieder auf Erkundungstour. Die Kamera ist geladen und bereit, es wird hoffentlich ein kleines Abenteuer!
Letzte Amtshandlung: ein Tag wird
#gestrichen - bleiben noch 71.
Donnerstag - die Scheibenwischer des Familienlasters quietschen empört, weil sie so früh am Morgen schon hart arbeiten müssen. Aber was will man machen? Ich muss doch sehen, wohin ich fahre! Im Büro erweist sich der Vortrag des Kollegen als, sagen wir, ausbaufähig. Da hilft nur Übung, Übung, Übung. Insgesamt kommt aber rüber, was rüber kommen soll. Es hätte allerdings etwas mehr Tiefe und Selbstsicherheit verdient. Neue Besen kochen gut, sagt man wohl, und so darf ich die Visualisierung meiner Datenbank, an der ich nun fast zwei Jahre schraube, den Wünschen des neuen Chefs anpassen. Ich habe dafür zwei Monate Zeit und werde, wenn ich nicht aufpasse, morgen damit fertig sein. Vielleicht aber auch nicht. 😜
Zuhause begleitet ein nettes Gewitter meinen Vater und mich durch die halbe Stadt. Immerhin bleibt es in den strategisch wichtigen Momenten von oben trocken, sodass es gar nicht auffällt, dass wir keinen Schirm dabei haben.
#amEndedesTages scheint nochmal die Sonne für uns. Die Tochter vernichtet die letzten Kubikmeter Erdbeerquarkspeise, das Sofa lädt uns zum Verweilen ein, der Fernseher zeigt uns Norditalien im Sommer. Schön!
Morgen bereite ich mich im Büro gewissenhaft auf das Wochenende vor. Ich muss ja nicht gleich alles sofort erledigen...
Letzte Amtshandlung: Ein Tag wird
#gestrichen - bleiben noch 72.
Mittwoch - Bergfest! Die Langeweile im Büro hält sich heute erfreulicherweise in Grenzen. Ich darf meine Erfahrung und mein Wissen an jüngere weitergeben. Das macht Spaß, vertreibt mir die Zeit, und einen Sinn hat es auch noch. So vergeht der Arbeitstag recht schnell und deutlich abwechslungsreicher als die vergangenen Tage. Tut auch mal gut! Der Heimweg ist ein kleines Highlight. Ich fahre über die nordfriesischen Ebenen durch ein dichtes Regenfeld. Der Duft eines frischen Sommerregens steigt mir in die Nase, was tatsächlich für das gestrige olfaktorische Attentat ein wenig entschädigt. Der Regen bleibt allerdings nicht lange, und schon in der Stadt ist es eher der Mief von Abgasen, Schweiß und Abwasserkanal, der die Nase umschmeichelt. Wenigstens riecht es im Baumarkt nach Holz, Farbe und Blumenerde. Wir besorgen uns die Dinge, die wir brauchen, um den Garten mit einem rehsicheren Zaun zu umgeben. Wenigstens, bis die Viecher es gelernt haben...
#amEndedesTages reisen wir virtuell nach Dänemark und warten auf den nächsten Regen, dessen Wolken sich am Himmel schon ankündigen.
Morgen startet der Berufsalltag mit einer Besprechung, dann folgt ein kleiner Vortrag, und dann ist vielleicht auch schon Feierabend. Na ja, es wäre jedenfalls schön.
Letzte Amtshandlung: Ein Tag wird
#gestrichen - bleiben noch 73.
Dienstag - Es hält sich hartnäckig das Gerücht, Mozart hätte in sein Tagebuch geschrieben: "Gar nichts erlebt. Auch schön." Wie dem auch sei, ich kann das heute nachfühlen. Nach über 36 Jahren Volldampf fühlt sich das schon sehr merkwürdig an, keine Aufträge mehr zu bekommen. Dafür habe ich heute Zeit, über eines der wichtigeren Themen in der Arbeitswelt zu philosophieren: Was ist eigentlich schlimmer? Der brutale Gestank alter, teils fermentierter Hinterlassenschaften eines sicher unbekannten, aber sehr wahrscheinlich männlichen Gedärms, das in der Betriebstoilette offenbar unsägliche Qualen erleiden musste? Oder der grausame,olfaktorische Generalangriff auf meine geschundenen Geruchsnerven, ausgeführt von einem gnadenlosen, schurkischen sogenannten Raumduft, der auf dem Weg durch die Nase keine Gefangenen macht und selbst in der Kehle noch den modrigen Geschmack von Tod und Fäulnis hinterlässt? Nun, eines steht jedenfalls fest: Die Betriebstoiletten werde ich ganz sicher nicht vermissen!
Der Nachmittag entschädigt voll und ganz für meine nasalen Qualen. Bei der Hausarbeit höre ich den mannigfaltigen Vögeln zu, die im Garten ihren täglichen Pflichten nachgehen, von irgendwo im Haus dringen das fröhliche Gespräch und das helle Lachen unserer Kinder an meine Ohren - es ist friedlich. Ich genieße das mehr, als ich es beschreiben kann.
#amEndedesTages bin ich mit dem Tag versöhnt. Die Sonne geht heute nicht ganz so golden unter, wie es dieser Nachmittag verdient hätte. Aber dafür macht das Buch Spaß, und ich habe meine beste Ehefrau von allen an meiner Seite. Herz, was willst du mehr?
Morgen wird vermutlich ähnlich aufregend wie heute. Es gibt keine Pläne für mich, zumindest nicht im Büro. Dann werde ich mich wohl wieder mit den Expertenmeinungen der Bundeszentrale für politische Bildung und dem ipg-Journal zur Lage in der Welt beschäftigen. Auch schön...
Letzte Amtshandlung: ein Tag wird
#gestrichen - bleiben noch 74. Meine Güte, wie die Zeit vergeht! Gerade waren es doch noch um die 90!
Montag - ernsthaft? Wie lange dauert denn diese Woche noch? Es ist einer dieser Tage, die man schon mal gesehen hat, manchmal mehrfach. Nichts neues im Büro, nichts besonderes passiert. Obwohl... Allmählich werde ich nicht mehr gefragt, was ich in meiner Pension machen werde, sondern wie ich mich verabschieden werde. Die Frage kommt in der Regel von Personen, die abhängig von meiner Antwort entscheiden, ob sie noch was zu essen von zuhause mitnehmen sollen oder nicht. Tja, ich bin noch im Entscheidungsprozess!
Der Nachmittag bietet sich für ein wenig Gartenarbeit an, außerdem planen die beste Ehefrau und ich einen Zaun, eine Gartentür und ungefähr hmpfzig weitere Ideen für den Garten. Und dann kommt mein Vater noch auf ein kleines Schwätzchen vorbei. Das Leben ist schön!
#amEndedesTages unterhält uns das Fernsehen mit einem britischen Krimi, den wir mit einem kleinen Drink in der Hand genüsslich konsumieren.
Morgen wird es wohl ähnlich aufregend wie heute werden. Mal sehen, was ich noch anstellen kann...
Letzte Amtshandlung: Ein Tag wird
#gestrichen - bleiben noch 75. Jubel.